• Naja, Schmidt brachte den Beschluss auf den Weg und Kohl hat ihn geerbt - und er hatte später das Glück, davon zu profitieren. Die Ostverträge unter Brandt und dann der Nato-Doppelbeschluss, waren letztlich zwei grundsätzliche politische Weichenstellungen, die Kohl später erst ermöglicht haben, die Ernte einzufahren. Für die Aussaat hat er nichts getan. Aber man muss ihm zugute halten, dass er ein Gespür dafür hatte, wann etwas zu holen war.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Also ich mag die Vorteile nicht nochmal aufzählen. Wenn Kernwaffen so ultrakrass sind, warum ergibt sich die Ukraine dann nicht einfach? Woah... ich hab's! Warum bekommt nicht einfach jedes Land Kernwaffen zugewiesen, dann gibt es keine Kriege mehr?

  • Saruman Die Frage ist doch: Muss Putin aufgrund von Drohnenangriffen 24/7 um sein eigenes Überleben in seinem Bunker fürchten oder nicht? Ich denke die Antwort ist "nein". Aber hätte die Ukraine Kernwaffen, er müßte sich sehr wohl um sein eigenes kleines Leben fürchten.

    DAS ist meiner Meinung der wesentliche Unterschied zwischen Nuklearwaffen und allen anderen Waffen. Bei Nuklearwaffen können sich auch die Staatenlenker der Bedrohnung für ihr eigenes Leben nicht entziehen und stattdessen hunderttausende Soldaten in den Tod schicken.

  • Saruman Die Frage ist doch: Muss Putin aufgrund von Drohnenangriffen 24/7 um sein eigenes Überleben in seinem Bunker fürchten oder nicht? Ich denke die Antwort ist "nein". Aber hätte die Ukraine Kernwaffen, er müßte sich sehr wohl um sein eigenes kleines Leben fürchten.

    DAS ist meiner Meinung der wesentliche Unterschied zwischen Nuklearwaffen und allen anderen Waffen. Bei Nuklearwaffen können sich auch die Staatenlenker der Bedrohnung für ihr eigenes Leben nicht entziehen und stattdessen hunderttausende Soldaten in den Tod schicken.

    Platty, wenn Du auch ein Kind der 70er und 80er bist, dann weißt Du, dass diese Angst eher abstrakt, aber äußerst selten real und konkret war. Jeder weiß, dass ein Erstschlag einen Zweitschlag nach sich zieht und die Doktrin der "massive retaliation" durchaus noch in einigen Köpfen herumgeistert. Es gibt einen Grund, weshalb trotz der Möglichkeit, auch Atombunker in die Luft zu jagen, bislang niemand davon Gebrauch gemacht hat.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Jeder weiß, dass ein Erstschlag einen Zweitschlag nach sich zieht

    Genau darum ja. Putin hätte es nicht gewagt gegen die Ukraine loszuschlagen, wäre sie noch Atommacht gewesen. Schließlich hätte er dann damit rechnen müssen, dass die Ukraine bei der dreitägigen Spezialoperation im allerletzten Moment, wenn sie nichts mehr zu verlieren hat, weil die Russen bereits auf dem Maidan stehen, die Atombombe einsetzt.

  • Warum bekommt nicht einfach jedes Land Kernwaffen zugewiesen, dann gibt es keine Kriege mehr?

    Die nukleare Abschreckung hat uns in Europa jedenfalls den längsten Frieden in der Geschichtsschreibung gebracht. Der große Vorteil der Kernwaffe ist, dass vor ihr alle gleich sind. Auch die Staatenlenker können sich vor ihr nicht in irgendwelchen Bunkern verstecken und Soldaten vor schicken. Man könnte entsprechend Kriege darauf beschränken, dass sich die Oberbefehlshaber, die Krieg führen wollen, klassisch duellieren. "Revolver oder Säbel?" wäre dann nur noch die Frage.

  • Genau darum ja. Putin hätte es nicht gewagt gegen die Ukraine loszuschlagen, wäre sie noch Atommacht gewesen. Schließlich hätte er dann damit rechnen müssen, dass die Ukraine bei der dreitägigen Spezialoperation im allerletzten Moment, wenn sie nichts mehr zu verlieren hat, weil die Russen bereits auf dem Maidan stehen, die Atombombe einsetzt.

    Das ist bestenfalls ein theoretisches Szenario, das zudem die Irrtümer, denen Putin unterlag - Stichwort dreitägige Spezialoperation - völlig außer Acht lässt.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Das ist bestenfalls ein theoretisches Szenario, das zudem die Irrtümer, denen Putin unterlag - Stichwort dreitägige Spezialoperation - völlig außer Acht lässt.

    Theoretisch? Ja

    Putins Irrtum? Nein! Das wäre nämlich genau das Szenario, das Putin erwartet hätte, wäre seine dreitägige Spezialoperation erfolgreich verlaufen und hätte die Ukraine sich nicht vom Westen einlullen lassen, als es das Budapester Memorandum unterzeichnet hat. Die Ukraine ist das einzige Land, das einmal eine Atommacht war. Hätten die Russen am dritten Tag Kiew gestürmt, die ukrainische Atomrakete wäre in einem letzten Verzweifelungsakt Richtung Kreml geflogen.

  • Sicher

    Ja, schon. Würdest du einen Krieg beginnen, der lange, verlustreich und unrentabel ist?

    Saruman Die Frage ist doch: Muss Putin aufgrund von Drohnenangriffen 24/7 um sein eigenes Überleben in seinem Bunker fürchten oder nicht? Ich denke die Antwort ist "nein". Aber hätte die Ukraine Kernwaffen, er müßte sich sehr wohl um sein eigenes kleines Leben fürchten.

    Sicher nicht im gleichen Ausmaß, aber die USA haben unter Obama mit Spionage und Drohnenschlägen Talibanführer getötet. Übrigens ein weiterer Punkt für Drohnen, da radiert man nur ein Straßencafé o. Ä. aus.

    Die nukleare Abschreckung hat uns in Europa jedenfalls den längsten Frieden in der Geschichtsschreibung gebracht. Der große Vorteil der Kernwaffe ist, dass vor ihr alle gleich sind. Auch die Staatenlenker können sich vor ihr nicht in irgendwelchen Bunkern verstecken und Soldaten vor schicken.

    Im Nachhinein kann man das natürlich behaupten. Dennoch haben die Menschen Jahrzehnte mehr oder minder zittern müssen. Auch weil Atommächte nach Wegen gesucht haben, um die Möglichkeit eines erfolgreichen Erstschlags ausführen zu können, auf den kein Zweitschlag mehr folgt. Zudem haben die Amerikaner kernwaffensichere Bunker wie Cheyenne Mountain, die Russen werden was Ähnliches haben.

    Man könnte entsprechend Kriege darauf beschränken, dass sich die Oberbefehlshaber, die Krieg führen wollen, klassisch duellieren. "Revolver oder Säbel?" wäre dann nur noch die Frage.

    Ja, witziges Szenario würde vielleicht auch zu virileren Staatsoberhäuptern führen. International sicher nicht konsensfähig, aber ein ziviles Duellrecht würde ich sogar befürworten.

  • Zudem haben die Amerikaner kernwaffensichere Bunker wie Cheyenne Mountain, die Russen werden was Ähnliches haben.

    Und auch dort müssen sie nach 30, 60 oder 90 Tagen wieder raus, wenn ihnen die Vorräte ausgehen. Wenn sie dann überhaupt raus kommen, weil die Zugänge nicht alle durch Explosionen verschüttet sind, erwartet sie eine total verstrahlte Welt und sie sterben dann eben ein paar Tage später trotzdem.

  • Also ich mag die Vorteile nicht nochmal aufzählen. Wenn Kernwaffen so ultrakrass sind, warum ergibt sich die Ukraine dann nicht einfach? Woah... ich hab's! Warum bekommt nicht einfach jedes Land Kernwaffen zugewiesen, dann gibt es keine Kriege mehr?

    Deine Vorteile habe ich nicht überlesen, sie sind aber einfach kleiner als die der Kernwaffen. Und ja, Kernwaffen sind ultrakrass. Sie dienen aber in erster Linie der Abschreckung, daher hat es für die Ukraine keinen Sinn, sich zu ergeben. Dass Russland sie zum Angriff einsetzt, ist sehr unwahrscheinlich, da China sich deutlich dagegen ausgesprochen hat.

    Jedem Land Kernwaffen "zuweisen" wäre nicht im Sinne der revisionistischen Staaten wie Russland, die ja im UN-Sicherheitsrat sitzen und die dies verhindern, weil sie dann keine Angriffskriege mehr führen können. Die kleinen Staaten hätten sehr wohl ein Interesse an eigenen Kernwaffen. Ein solches Gleichgewicht könnte tatsächlich die Zahl der Angriffskriege verringern, leider erhöht sich dann die Gefahr der Zwischenfälle beträchtlich. Als Land ohne Kernwaffen, welches in der Nähe eines revisionistischen Staates ist das aber das geringere Übel, daher wäre es für den Frieden in Europa für die kommenden Jahrzehnte vermutlich positiv, wenn die Staaten der NATO-Ostflanke eigene Atomwaffen hätten.

    Über die Zeitachse steigt dann die Wahrscheinlichkeit eines versehentlichen Zwischenfalls, aber wenn das Risiko eines straffreien russischen Angriffes höher ist, wäre ich als Bürger eines solchen Staates dafür.

  • Das ist bestenfalls ein theoretisches Szenario, das zudem die Irrtümer, denen Putin unterlag - Stichwort dreitägige Spezialoperation - völlig außer Acht lässt.

    Das ist ein sehr wahrscheinliches Szenario. Alle Militärexperten, die mir bekannt sind, halten es für sehr unwahrscheinlich, dass Putin ein nuklear bewaffnetes Land angegriffen hätte.

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