Fragen bezüglich Sonderpädagogik Studium

  • Hallo alle,


    Ich habe einige Fragen zu dem Sonderpädagogikstudium und finde sehr wenig infos online. Darum würde ich es zu schätzen wissen, wenn ihr mir ein bisschen helfen könntet.


    Hintergrund:

    Ich möchte gern auf dem Land wohnen (irgendwo in NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein).


    Erste Frage:
    Wie sehen die Chancen mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung + Sprache aus? Vor allem in Bezug auf Grundschulen und im Vergleich zu den Schwerpunkten ESE + Lernen.


    Zweite Frage:

    Werden Sonderpädagogen an Regelschulen verbeamtet?


    Dritte Frage:

    Kann man als Sonderpädagogin, einen Jobwechsel zur Grundschullehrerin machen?


    Vielen Dank!

  • Ich bin zwar keine Lehrkraft in einer der von dir präferierten Schulformen, kann dir aber einen Teil der Fragen beantworten. (Über die Suchfunktion des Forums findest du einiges zu deiner dritten Frage, Frage zwei solltest du problemlos über eine Internetsuche lösen können.)


    Zitat

    Dritte Frage:

    Kann man als Sonderpädagogin, einen Jobwechsel zur Grundschullehrerin machen?

    Jein. Grundlegend studierst du ein anderes Lehramt und kannst dich auf dafür ausgeschriebene Stellen bewerben. Bedingt durch den Mangel an Grundschullehrkräften gibt es aber viele verschiedene Formen der Mangelverwaltung, die es dir ermöglichen später umzusteigen- zumindest solange der Mangel anhält. Darüber hinaus gibt es in zahlreichen Bundesländern keine gesonderten Förderschulen mehr, so dass du als Förderschullehrkraft sowieso an den anderen Schulformen tätig wirst und z.B. über die Inklusion direkt an einer Grundschule tätig sein kannst. Darüber hinaus gibt es auch an den Förderschulen ja Grundschulklassen, in denen du tätig werden kannst.

    Wenn du allerdings schon jetzt weißt, dass dein Herz vorrangig für die GS schlägt und nicht für den UNterricht mit SuS mit Förderbedarf, dann solltest du vielleicht einfach direkt GS-Lehramt studieren oder dir über ein Praktikum Klarheit verschaffen, wohin die Reise für dich gehen soll.


    Zitat

    Zweite Frage:

    Werden Sonderpädagogen an Regelschulen verbeamtet?

    Wenn du dich a) auf eine Planstelle einer staatlichen Schule (oder Ersatzschule, die ebenfalls verbeamtet) erfolgreich bewirbst und b) die Voraussetzungen für die Verbeamtung (Alter, Qualifikation, Eignung) erfüllst, dann ja, wirst du selbstverständlich auch als Förderschulkraft verbeamtet.


    Zitat

    Hintergrund:

    Ich möchte gern auf dem Land wohnen (irgendwo in NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein).


    Erste Frage:

    Wie sehen die Chancen mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung + Sprache aus? Vor allem in Bezug auf Grundschulen und im Vergleich zu den Schwerpunkten ESE + Lernen.

    Ich verstehe nur teilweise, was du an dieser Stelle wissen möchtest. Ich vermute, es geht dir einerseits um die Frage, ob du Einstellungschancen im ländlichen Raum haben könntest. Andererseits möchtest du das aber auf Grundschulen bezogen wissen. Mir ist nicht nachvollziehbar, was genau, du an dieser Stelle wissen möchtest. Vielleicht kannst du das noch etwas ausführlicher darstellen. Bei der Abwägung zwischen den beiden verschiedenen Förderschwerpunkten fällt mir leider spontan keine Förderschulkraft im Forum aus den von dir präferierten BL ein, evtl. kann aber Palim aus der Perspektive als GS- Lehrkraft aus Niedersachsen etwas dazu sagen oder elefantenflip als meine ich GS-Lehrkraft aus NRW mit viel Inklusionserfahrung.


    Grundlegend sind Förderschullehrkräfte bundesweit rar und gesucht. Ebenso grundlegend ist der Mangel im ländlichen Raum prinzipiell deutlich höher, als im städtischen Raum. Und schließlich ist ganz grundlegend auch der Bedarf an Grundschullehrkräften bundesweit erheblich höher, als man Bewerber:innen hätte, wobei die Lage im ländlichen Raum ebenfalls noch einmal bedeutend angespannter ist. Mit den von dir präferierten Lehrämtern und dem ländlichen Raum als Zielbereich hast du also mit Sicherheit exzellente Einstellungsbedingungen später. Ob es in den Bereichen, die dich dann ganz konkret interessieren nach deinem Studium entsprechende Förderschulen gibt, kann dir jetzt niemand sagen, ob es diese aktuell gibt kannst du aber mittels Googlesuche herausfinden und prüfen, ob sich diese in für dich interessanten Regionen befinden.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • In Niedersachsen würdest Du mit Kusshand genommen und könntest sofort anfangen. Grundschulen haben einen ganz großen Bedarf an Förderschulkräften, derzeit wären die Chancen gut, dass Du an eine GS kommen würdest.

  • Bist du schon am studieren? Wenn nein dann guck dir mal die Seite der Uni Bielefeld an. Dort gibt es auch die Möglichkeit Lehramt Sonderpädagogik und Grundschule kombiniert zu studieren. Wenn es in letzter Zeit dabei geblieben ist, hat man danach die Lehrbefähigung für beide Lehrämter.

    • Offizieller Beitrag

    und wichtig ist: was meinst du mit "als Grundschullehrkraft arbeiten"?

    - Keine Diagnostik und Förderung mehr machen (abgesehen davon, dass GS-Lehrkräfte die eh auch nebenbei machen): das erscheint mir schwierig. Auf so eine zertifizierte Kompetenz wird kaum eine Schule verzichten wollen (denn viele Tests dürfen nur gemacht werden, wenn man eben den Abschluss Sonderpädagogik (oder Psychologie, etc..) hat)

    - alle deine Stunden in der Grundschule absolvieren? Klar. Und es heißt nicht unbedingt, dass du 25 Stunden (ich weiß nicht, wie hoch das Deputat ist) nur Einzelförderung machst. Jede Schule entwickelt je nach Ressourcen, die sie zur Verfügung hat (und bis du mit der Ausbildung fertig bist, ist in "Inklusion-Maßstäben" die Welt drei Mal neu gemacht worden..), andere Konzepte. Es gibt also durchaus Schulen, wo eine inklusive Klasse auch vom Sonderpädagog*in unterrichtet wird.

    Wenn du auf "Nummer sicher" gehen willst: Bielefeld ist DER Tipp!

  • In Niedersachsen würdest Du mit Kusshand genommen und könntest sofort anfangen. Grundschulen haben einen ganz großen Bedarf an Förderschulkräften, derzeit wären die Chancen gut, dass Du an eine GS kommen würdest.

    Das ist vielleicht auch regional unterschiedlich geregelt.


    Derzeit ist es hier in Bullerbü so geregelt, dass die FöS sich auf Stellen für FöS bewirbt und dann abgeordnet wird an die umliegenden Schulen, das können auch nur GS sein. Dann verteilen sie ihre Stunden auf diese Schulen, wenn es passt tageweise und sind dort in der Inklusion. Sie haben keine eigene Klasse, sondern immer Einzelförderung, Beratung, Testungen, Kleingruppen.

    Es gibt auch vereinzelt Koop-Klassen, das sind aber GE-Klassen, wobei es bisher auch GS mit angebundenen Sprachheilklassen gibt. Die Eltern haben sich dafür stark gemacht, dass diese erhalten bleiben, obwohl Sprache sonst in der Grundversorgung ist und auch Kinder mit diesem Schwerpunkt in den anderen Grundschulen sitzen. Dann ist die zugeordnete FöS-Lehrkraft zuständig, auch wenn sie den Schwerpunkt nicht hat. Unsere FöS-LuL haben 2 Schwerpunkte, in der Grundversorgung müssen sie aber 3 abdecken - entsprechend fehlt immer etwas.

    Ob die Sprachheilklassen dann von FöS-Sprache-Lehrkräften geführt werden oder von GS-LuL, weiß ich nicht. Ich glaube eher, dass die FöS-LuL da einen Anteil an Förderung übernimmt. (Könnte ich nach den Ferien erfragen.)


    Die staatlichen ESE-Schulen sind sehr wenige in NDS. Die Klassen 1-4 für den Schwerpunkt Lernen sind aufgehoben, alle diese SuS sind in der Inklusion in den Grundschulen. An den noch vorhandenen FöS-Lernen (knapp 70 im Land) gibt es also nur SekI-Klassen. Je nach Ausgang der Wahl im Herbst werden da die Weichen neu gestellt.


    Da FöS-LuL gesucht sind, würde man vermutlich eher auf solche Stellen gehen. Will man als GS-LuL arbeiten, wäre die FöS-Expertise raus, da man ja dann eine Klasse übernimmt, viel mehr Fächer erteilt und die anderen außerunterrichtlichen Aufgaben an den Schulen hat.

  • Palim, Du hast Recht. Fö-L haben ihre Stammschule (eine Förderschule) und werden von dort aus an die Schulen, die Bedarf haben, abgeordnet. Wenn man Glück hat, kann man dort einen Wunsch äußern, an welche(n) Schulform(en) man gern eingesetzt werden möchte. Hier ist derzeit überall riesiger Mangel, sodass man auf Wunsch sicherlich an einer GS eingesetzt werden könnte.

  • Hier werden alle Schulen ein bisschen bedacht und die SekI braucht ja auch Stunden, die FöS-LuL hätten an der FöS früher auch 1-9 oder 10 unterrichtet, wenn sie nun eine Klasse an der FöS haben, ist es ab Klasse 5.

    Zu bedenken ist auch, dass sie oft 2 oder 3 Schulen anfahren, denn jede Schule bekommt nur ein paar Stunden. Es geht ja um ein Leben auf dem Land, die Schulen sind nicht so groß. Ein Nachteil ist, dass man sich offenbar nirgendwo zugehörig fühlt.

    Gerade die, die es anders kannten, scheinen ziemlich frustriert.

  • Ich bin in NRW als Sonderpädagogin direkt an einer Grundschule - und mit einigen Stunden an eine andere Grundschule abgeordnet. Ich Decke da alle Förderschwerpunkte außer Hören und Sehen ab, ausgebildet bin ich in LE und Geistige Entwicklung.

    Ich versuche, die Kinder mit Förderbedarf in Klassen zu "bündeln", damit ich möglichst wenige verschiedene Lerngruppen habe und somit auch etwas mehr Zeit für die Kinder. Funktioniert aber nur bedingt, weil es viel zu viele Kinder mit besonderen Bedürfnissen gibt. Teilweise gebe ich auch Klassenunterricht, DaZ o.ä. und sehr oft auch Vertretungsunterricht. Aber die Bedingungen sind doch eher suboptimal, würde ich sagen.

Werbung