Lehrer im ersten Beförderungsamt/ Amtszulage / A13 für alle

  • Ich hab noch ein Beispiel aus der Realität und zeigt wie absurd hier gehandelt bzw. nicht gehandelt wird.

    Ort Gesamtschule NRW.

    SEK II Kollege hat vor 4-5 Jahren eine Beförderung erhalten. Tätigkeit Schild. A14

    SEK I Kollege hat ebenfalls vor 4 Jahren eine Beförderung erhalten. Tätigkeit ebenfalls Schild. A13


    Beide arbeiten an der gleichen Schule. Haben vor paar Jahren eine Beförderung erhalten. Erstes Beförderungsamt für die gleiche Tätigkeit.


    Ab Sommer sieht es nun so aus:

    SEK II Kollege bekommt weiterhin für seine Zusatzarbeit A14.

    SEK I Kollege bekommt für seine Zusatzarbeit nix mehr.

    Das Schulministerium will mir nun sagen, der SEK I Kollege kann seine Zusatzarbeit in Zukunft für lau machen. Es gehört ja zu seiner Dienstpflicht oder was auch noch immer. Den SEK II entlohnt man weiterhin mit einer Beförderung.

    SEK I Kollegen können auch an der Gesamtschule A14 erhalten. Das sind jedoch Koordinatorenstellen und sind somit mit einer Revision verbunden, wo der Dezernet vorbeikommt. Es sind keine Abteilungsleiterstellen.

    Diese Koordinatorstellen für SEK I sind sehr rar. Alleine der Aufwand ist schon wesentlich größer. Außer diesen Stellen wird es also für die SEK I Lehrkräfte keine Beförderungsstellen geben.

  • Das Problem ist ja diese "der Laden muss laufen"-Einstellung. Aus Schulleitungssicht ist das nachvollziehbar, es ist ihr Job, den Laden am Laufen zu halten. Aus Sicht der Beschäftigten ist das eine Bankrotterklärung, wenn der "Laden" nur durch massive Mehrbelastung der Kollegen am Laufen gehalten werden kann.

    Eine gute Schulleitung wird hier mit Augenmaß agieren trotz der äußeren Vorgaben. Wenn die Aufgaben bisher allesamt verteilt waren und jetzt "nur" die zusätzliche Bezahlung bei den Beförderungsstellen wegfällt, ist zumindest in diesem Fall keine (zeitliche oder energetische) Mehrbelastung vorhanden.

    Der Laden kann nur dann gut laufen, wenn es dem Kollegium halbwegs gut geht. Insofern ist jede Schulleitung gut beraten, dies als eine der zentralen Aufgaben (und Herausforderungen) zu begreifen.

    Inzwischen kommuniziere ich meinem Schulleiter so etwas sehr deutlich. Er ist Pragmatiker und sieht natürlich, dass es gar nicht anders sein kann. Ich würde mir nur wünschen, dass 1. viel mehr Kollegen das machen würden und 2. dies weiter nach oben (oder außen) kommuniziert würde und so 3. eine kritische Masse an Rückmeldungen über den sehr konkret benannten Qualitätsverfall und seine Gründe bei den Dienstherrn und der Öffentlichkeit ankommt. Reines Wunschdenken natürlich.

    Der Qualitätsverfall ist doch jetzt schon sichtbar, nur speist er sich - noch - aus anderen Quellen und Ursachen. Gleichwohl wird der Qualitätsverfall zu einem heftigen Bumerang, weil dieser früher oder später auch von Eltern und SchülerInnen wahrgenommen wird. Das wird in kleinen Systemen dann schnell zur Existenzfrage. Eine kleine Schule muss ohnehin schon immer mehr strampeln als eine große.

    Ich bin davon überzeugt, dass in der Behörde durchaus das Wissen und das Bewusstsein der Beförderungs- bzw. Besoldungsproblematik vorhanden ist. Dass man ungeachtet dessen aber keine Lösung präsentieren kann oder will, wirkt dadurch umso schlimmer.

    Gruß
    #TheRealBolzbold

    Ceterum censeo factionem AfD non esse eligendam.

  • Ich weiß nicht, wie in NRW die Entlastungsstunden definiert sind, von denen ihr hier seitenweise diskutiert. In SH lohnt es sich an Grundschulen gar nicht, überhaupt darüber zu reden. Im Leitungszeiterlass sind Stunden zur Entlastung für Schulentwicklung und Verwaltung vorgegeben. Das sind an meiner Schule sagenhafte 2 Stunden. Dann gibt es noch 1,5 Stunden für digitale Entwicklung. Aber auch das ist ja definiert. Es gibt außer Konrektor und Schulleitung auch keine weitere Funktionsstelle.
    Nicht falsch verstehen: ich finde es absolut richtig, allen Lehrkräften A13 zu zahlen, egal ob GS oder Gym. Auch wenn ich sehe, wieviele Stunden ich in der Woche tatsächlich arbeite, welchen großen Haufen an unterschiedlichen Aufgaben ich zu bewältigen habe und welche Verantwortung ich trage - und das betrifft nicht nur mich, weil ich zu blöd bin, meine Ressourcen gut einzusetzen- dann glaube ich auch, da steht A14 für GS-Schulleitungen in der Einordnung des Besoldungs-Kanons in keinem guten Verhältnis.
    Ich glaube, es müsste viel besser definiert werden, was zu den normalen Dienstpflichten einer Lehrkraft gehört und was zusätzliche Aufgabe ist. Seit der Lehrerdienstordnung von 1951 sind doch ein paar kleine Aufgaben dazu gekommen, die nirgendwo gesammelt benannt werden. Ohne Transparenz und klare Definition führen aber halbgare Besoldungsreformen und unterschiedliche dienstliche Bestimmungen zu Funktionen und Entlastungen an den Schularten zu ganz viel Unzufriedenheit, wie man hier auch sieht.
    Das ist keine einfache Aufgabe, wenn das politisch gelöst werden soll. Wird sicher nicht so schnell gehen…

  • Ab Sommer sieht es nun so aus:

    SEK II Kollege bekommt weiterhin für seine Zusatzarbeit A14.

    SEK I Kollege bekommt für seine Zusatzarbeit nix mehr.

    ... und hinzu kommt: Der SEK I Kollege kann im Sommer noch nicht mal eine Entlastungsstunde erhalten, da er seine Aufgabe für ein Beförderungsamt macht.

  • ... und hinzu kommt: Der SEK I Kollege kann im Sommer noch nicht mal eine Entlastungsstunde erhalten, da er seine Aufgabe für ein Beförderungsamt macht.

    Der "Witz" bei dieser Argumentation liegt durchaus darin, dass hier vor der Anhebung auf "A13 für alle" immer betont wurde, die anderen sollen sich nicht so haben, niemand verliere etwas dabei. Und tatsächlich verliert auch der von dir angesprochene Kollege noch immer nichts. Er führt genau dieselbe Tätigkeit in genau derselben Stufe und zu denselben Konditionen wie vorher aus.

  • Das ist ganz nüchtern betrachtet durchaus korrekt. Allerdings war dieses Argument, keiner verliere etwas, natürlich eher auf die anderen Schulformen bezogen, die schon immer A13 als Einstiegsbesoldung hatten. Und tatsächlich haben die ja auch nichts verloren - außer diejenigen, die wirklich die Gymnasien als "etwas Besseres" sehen.

    Innerhalb des gleichen Systems ist das natürlich eine andere Gemengenlage, aber das ist dir ja sicherlich bewusst.

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