Vom Wert der Werte. Oder: Gehört die besinnliche Zeit abgeschafft?

  • Wenn ihr euch einige werdet und eben macht, was ihr für richtig haltet, gibt es da nicht mehr zu regeln als mit eindeutigen Wünschen der/des Verstorbenen.

    Man muss sich darüber unterhalten, alle haben unterschiedliche Vorstellungen und es ist unnötig anstrengend in einer Zeit, in der man das wirklich nicht gebrauchen kann. Wenn der Verstorbene seine Wünsche, ggf. in vorheriger Absprache mit den Hinterbliebenen, festgelwgt hat, ist das für die Hinterbliebenen einfacher und man kann dem Verstorbenen noch einen letzten Dienst erweisen, indem man seine Wünsche umsetzt.

    Ich verstehe, dass man sich nicht mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen will, aber rechtzeitig festzulegem, was gemacht werden soll, ist für die Hinterbliebenen in der Regel einfacher. Meine Frau und ich haben alles geregelt bzw. festgelegt.

  • aber rechtzeitig festzulegem, was gemacht werden soll, ist für die Hinterbliebenen in der Regel einfacher. Meine Frau und ich haben alles geregelt bzw. festgelegt.

    Wie gesagt, ich empfand es nie als Belastung, das alles entscheiden zu "müssen". Es war ein entscheiden "dürfen".

  • Mir ist unklar, warum meine Aussage, dass ich meinen Hinterbliebenen die Wahl lasse, zu der Schlussfolgerung führen kann, ich wolle mich nicht mit dem Tod beschäftigen. Das Gegenteil ist nämlich der Fall.

    Ich habe mich schon erheblich mit meiner Sterblichkeit auseinandergesetzt, also z. B. eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament notariell erstellt. Auch wissen meine Kinder, wo sie alle Unterlagen finden können, welche Anträge wo zu stellen sind, auf welchen Konten welches Geld zu finden ist usw. Das sind Dinge, die ansonsten wirklich unnötig Zeit und Nerven kosten.

    Von irgendwelchen Diensten oder letzten Wünschen, die den Verstorbenen zu erfüllen seien, halte ich nichts, es sei denn, die Hinterbliebenen brauchen sowas zur Trauerbewältigung.
    Mein Vater wollte z. B. zunächst „im engsten Kreis“ beerdigt werden, bis ich mit ihm darüber gesprochen habe, dass es evtl. doch einige Leute gäbe, die sich gerne mit einer schönen Beerdigungsfeier an ihn erinnern würden. Und eine schöne Beerdigung mit vielen Leuten gab’s dann auch.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Wenn ihr euch einige werdet und eben macht, was ihr für richtig haltet, gibt es da nicht mehr zu regeln als mit eindeutigen Wünschen der/des Verstorbenen.

    Empfinde ich irgendwie nicht so. Mich ärgert total, dass da keine klaren Ansagen kommen, und die Variante meines Vaters gefällt mir erheblich besser. Der hat alles entschieden, außer in welcher Stadt er überhaupt beerdigt werden will. Das ist aber wohl das geringste Problem...

  • Mir ist unklar, warum meine Aussage, dass ich meinen Hinterbliebenen die Wahl lasse, zu der Schlussfolgerung führen kann, ich wolle mich nicht mit dem Tod beschäftigen. Das Gegenteil ist nämlich der Fall.

    Ich habe mich schon erheblich mit meiner Sterblichkeit auseinandergesetzt, also z. B. eine Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Testament notariell erstellt. Auch wissen meine Kinder, wo sie alle Unterlagen finden können, welche Anträge wo zu stellen sind, auf welchen Konten welches Geld zu finden ist usw. Das sind Dinge, die ansonsten wirklich unnötig Zeit und Nerven kosten.

    Vielleicht war ich gemeint. Das sind zum Beispiel auch alles Dinge, die meine Mama nicht hat.. keine Patientenverfügung, keine Aussage zum Thema Organspende, keine Vollmacht, immerhin in Testament gibts wohl irgendwo (aber da war ihr Mann auch die treibende Kraft).

    Das ist in unserem Fall schon ein sehr intensives sich-nicht-auseinandersetzen-wollen.


    Wenn es für deine Hinterbleibenden so okay ist, ist das ja völlig in Ordnung :) Ich bringe aber seit Jahren mehrfach zum Ausdruck, dass ich das überhaupt nicht okay finde und werde in dem Punkt komplett ignoriert - mühsam.

  • Vielleicht war ich gemeint. Das sind zum Beispiel auch alles Dinge, die meine Mama nicht hat.. keine Patientenverfügung, keine Aussage zum Thema Organspende, keine Vollmacht, immerhin in Testament gibts wohl irgendwo (aber da war ihr Mann auch die treibende Kraft).

    Das ist in unserem Fall schon ein sehr intensives sich-nicht-auseinandersetzen-wollen.


    Wenn es für deine Hinterbleibenden so okay ist, ist das ja völlig in Ordnung :) Ich bringe aber seit Jahren mehrfach zum Ausdruck, dass ich das überhaupt nicht okay finde und werde in dem Punkt komplett ignoriert - mühsam.

    Hast du das denn alles schon fertig?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • @Maylin Ich meinte diesen Beitrag.

    Man muss sich darüber unterhalten, alle haben unterschiedliche Vorstellungen und es ist unnötig anstrengend in einer Zeit, in der man das wirklich nicht gebrauchen kann. Wenn der Verstorbene seine Wünsche, ggf. in vorheriger Absprache mit den Hinterbliebenen, festgelwgt hat, ist das für die Hinterbliebenen einfacher und man kann dem Verstorbenen noch einen letzten Dienst erweisen, indem man seine Wünsche umsetzt.

    Ich verstehe, dass man sich nicht mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen will, aber rechtzeitig festzulegem, was gemacht werden soll, ist für die Hinterbliebenen in der Regel einfacher. Meine Frau und ich haben alles geregelt bzw. festgelegt.

    Ich verstehe sehr gut, dass du deine Situation, vor allem das Ignoriert-werden deiner Wünsche, sehr unschön findest. An deiner Stelle würde ich dann eben die anderen (Geschwister, verbliebene Partnerin usw.) entscheiden lassen - habe ich zumindest teilweise auch bei der Beerdigung meines Vaters so gemacht. Für manche ist’s sicher besser, dass bezüglich Bestattung alles vorher von den Verstorbenen festgelegt ist.

    Mit den anderen Angelegenheiten muss man sich auch mit Testament sowieso beschäftigen. Easy ist so eine Nachlassregelung eher nicht. Es gibt immer jede Menge bürokratischen Kram zu erledigen. Das wird auch durch vorherige Absprachen nicht weggenommen.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Ich verstehe sehr gut, dass du deine Situation, vor allem das Ignoriert-werden deiner Wünsche, sehr unschön findest.

    Hm? Wenn ich tot bin, ist mir persönlich egal, was mit meinem Körper passiert. Im Idealfall bleibt davon eh nicht viel übrig, weil ich Organspender bin. Das ist aber gar nicht der Punkt. Ich mute es nur meinen Hinterbliebenen nicht zu, sich damit auch noch beschäftigen zu müssen, wenn ich ihnen die Planerei einfach vorher abnehmen kann.

    Zitat

    gibt immer jede Menge bürokratischen Kram zu erledigen. Das wird auch durch vorherige Absprachen nicht weggenommen.

    Was man vorher regeln kann, sollte man auch vorher regeln. Du kannst das natürlich machen, wie du willst, also kein Grund, sich angefasst zu fühlen.

  • Schmidt Ich glaube, du hast mich missverstanden:

    Mit dem Ignoriert-Werden der Wünsche meinte ich die Aussage von Maylin85 in #225.

    Und ich fühlte mich von deinem Beitrag nicht angefasst, sondern wunderte mich über die Aussage, dass ein Nichtfestlegen von Bestattungsangelegenheiten ein Nichtauseinandersetzen mit der eigenen Sterblichkeit sei. Dem ist eben nicht unbedingt so.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • Noch ein Input zu dem Thema: Es macht durchaus Sinn, wenn nicht nur die Interessen der Verstorbenen berücksichtigt werden, sondern auch die Interessen der Angehörigen. Beispiel: Wenn ein bepflanztes Grab geplant ist, muss das Grab vor allem im Sommer spätestens alle 2 Tage gegossen werden. Das ist nur machbar, wenn mindestens ein Angehöriger (m/w/d) in der Nähe wohnt und die Bereitschaft (auch zeitlich) aufbringt, regelmäßig auf den Friedhof zu gehen, um nach dem Grab zu schauen. Da macht es wenig Sinn, wenn zugunsten des Verstorbenen (m/w/d) sich für ein Grab mit Bepflanzungsanteil entschieden wird, das dann mangels Interesses der Angehörigen mit der Zeit verwittert. Das wäre sehr schade und sicherlich nicht im Interesse des Verstorbenen (m/w/d).

  • Die langweilige Standardfriedhofsbepflanzung muss man vielleicht alle 2 Tage gießen, man könnte aber ja auch mal anfangen, lebendige Friedhöfe mit Magerbeeten und trockenresistenten, insektenfreundlichen Stauden zu gestalten 😊 Gut angelegt, trägt sich das weitestgehend selbst.

    Grabbepflanzung wäre ein Business, worüber ich tatsächlich mal nachgedacht habe und was ich gerne machen würde... scheint mir leider nicht auskömmlich zu sein. Allerdings, wenn sich das jemand in meinem Umfeld wünschen würde und ich selbst keine Zeit hätte, würde ich dafür halt zahlen. An Pflanzen soll es nun wirklich nicht scheitern, wenn es jemandem wichtig ist.

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