Neues Fach in NDS: CRU (Christlicher Religionsunterricht)

  • Das ist das Problem: Ein ökumenischer Religionsunterricht auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners ist im Wesentlichen ein protestantischer Religionsunterricht, weil der Protestantismus ein im Vergleich zu Katholizismus oder Orthodoxie - ohne Wertung! - schlichtweg reduziertes Christentum ist.

    Und, was sage ich die ganze Zeit??

  • Warum?

    Weil wir in einem Land leben, in dem Gleichberechtigung einen zentralen Stellenwert hat, in dem aber eben auch der bekenntnisorientierte Religionsunterricht als Grundrecht geschützt ist. Wenn du den kleineren Religionsgemeinschaften diese Möglichkeit nimmst, dann benachteiligst du sie. Und nein, ein bekenntnisfreier Religionskundeunterricht ist da keine geeignete Alternative, denn dieser wird in einem Land mit einer historisch ganz eindeutigen religiösen Prägung immer ein Religionskundeunterricht aus christlichen Augen (und sei es auch ein katholisches und ein evangelisches) sein. Das kann unseren Ansprüchen nicht genügen, so jedenfalls sehe ich das.

  • Es ist schon klar, wo das Problem steckt:

    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Art 7 Absatz 3:
    Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.

    Gilt das dann eigentlich nicht mehr für Niedersachsen mit seinem "CRU"? Und was bedeutet eigentlich "mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen"? Viele öffentliche Schulen haben ja das evangelisch oder katholisch im Namen, meistens nur, weil es schon immer so war... Aber viele eben auch nicht, sind diese dann "bekenntnisfrei" und nicht zum Religionsunterricht verpflichtet? Und wie klappt das überhaupt mit der staatlichen Aufsicht?

    Kein anderes Fach, weder Deutsch noch Mathematik, ist auf diese Weise grundrechtlich verankert. Warum gerade Religion?

    Ich weiß, das sind Fragen, die provozieren können. Aber da gibt es keine einhellige Meinung im "Volk", und der Absatz 3 oben wurde auch schon oft angefochten.

  • Kein anderes Fach, weder Deutsch noch Mathematik, ist auf diese Weise grundrechtlich verankert. Warum gerade Religion?

    Man müsste fragen, was die Alternative wäre. Im schlechtesten Fall wäre der einzige Zugang junger Menschen zu religiöser Bildung über ein extremistisch orientiertes Elternhaus oder ein Hinterhofgotteshaus. Da ist mir persönlich ein staatlich organisierter Religionsunterricht orientiert an wissenschaftlichen Standards lieber.

  • Es ist schon klar, wo das Problem steckt:

    Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
    Art 7 Absatz 3:
    Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.

    Gilt das dann eigentlich nicht mehr für Niedersachsen mit seinem "CRU"? Und was bedeutet eigentlich "mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen"? Viele öffentliche Schulen haben ja das evangelisch oder katholisch im Namen, meistens nur, weil es schon immer so war... Aber viele eben auch nicht, sind diese dann "bekenntnisfrei" und nicht zum Religionsunterricht verpflichtet? Und wie klappt das überhaupt mit der staatlichen Aufsicht?

    Kein anderes Fach, weder Deutsch noch Mathematik, ist auf diese Weise grundrechtlich verankert. Warum gerade Religion?

    Ich weiß, das sind Fragen, die provozieren können. Aber da gibt es keine einhellige Meinung im "Volk", und der Absatz 3 oben wurde auch schon oft angefochten.

    Der CRU in Niedersachsen ist von den beiden großen Kirchen initiiert worden, deshalb gibt's da kein Problem. Das ist bekenntnisorientierter Religionsunterricht für evangelische und katholische Schüler (aber nicht für andere christliche Konfessionen).

    Bekenntnisfrei sind meines Wissens nach solche Schulen, die sich explizit so nennen / auffassen. Ich habe mich aber schon lange nicht mehr mit dem Thema beschäftigt.

    Religionsunterricht anbieten ist ein Grundrecht der Religionsgemeinschaften, deshalb steht's im Grundgesetz. Da wollen öfter Mal Leute mit der Axt ran, anders als an den Deutsch- oder Mathematikunterricht. Diese muss man nicht grundrechtlich schützen, auch weil ja durch die Staatsaufsicht ohnehin der Staat bestimmt.

  • Klingt nach Gesellschaftslehre.

    Nein. Eher nach dem Unterrichtsfach "Ethik". Leider wird Religion zu oft als "Unterordnung unter ein höheres Wesen" gesehen, dem man zu huldigen habe und Religionsunterricht als Gebetsmühle. Alle Religionen haben in ihrem Codex jedoch einen ähnlichen ethischen "Grundkompass", an den man sich halten soll, weil sonst ... Hölle oder Wiedergeburt als Darmbakterium. Luther hatte dagegen die christliche Vergebung und Erlösung an die Stelle der Hölle gesetzt.
    Ethik kann die verschiedenen Religionen und verschiedensten philosophischen Strömungen als Aufruf zu moralischem Handeln sowie zur Freiheit des Christenmenschen oder zu dessen Unterwerfung unter einen allwissenden, unfehlbaren Vertreter Gottes auf Erden thematisieren.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Man muss hier aber auch ehrlich sagen, dass dem Fach Ethik unterschiedliche Bedeutungen beigemessen werden. Für Pädagogen (m/w/d) und Entscheidungsträger (m/w/d) in der (Bildungs-)Politik scheinen vor allem die Ausbildung und Prägung sozialer Fähigkeiten durch Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten eine tragende Rolle zu spielen, während es für einige Schüler (m/w/d) einfach ein weiteres Fach darstellt, für das man Inhalte lernt und in einer Klassenarbeit wiedergibt, ohne dass hierdurch das eigene Verhalten beeinflusst wird.

  • KMK:

    Ethik:

    "...Übergeordnete Ziele des Ethikunterrichts sind die Vermittlung einer ethischen Orientierungskompetenz in einer sich technologisch und sozial rasch verändernden Welt sowie die Befähigung der Schülerinnen und Schüler zu begründeter Urteilsbildung und zu verantwortlichem Handeln..."

    Religion:

    "Nach Art. 7 Abs. 3 Satz 1 GG ist der Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Er wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Diese haben daher Mitwirkungsrechte bei der Gestaltung der Lehrpläne, der Auswahl der Lehrbücher und der Bestellung der Religionslehrer."

    Das ist der wesentliche Unterschied.

    Das hingegen...

    ...
    Ethik kann die verschiedenen Religionen und verschiedensten philosophischen Strömungen als Aufruf zu moralischem Handeln sowie zur Freiheit des Christenmenschen oder zu dessen Unterwerfung unter einen allwissenden, unfehlbaren Vertreter Gottes auf Erden thematisieren.

    ...ist persönliche Auslegungssache von Glauben und hat mit Ethikunterricht nichts zu tun. Man muss vor allem kein "Christenmensch" sein, um erfolgreich am Ethikunterricht teilzunehmen.

  • "...Übergeordnete Ziele des Ethikunterrichts sind die Vermittlung einer ethischen Orientierungskompetenz ... sowie die Befähigung der Schülerinnen und Schüler zu begründeter Urteilsbildung und zu verantwortlichem Handeln..."

    ... ordentliches Lehrfach. Er wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt.

    Der wesentliche Unterschied ist für dich ( Quittengelee) also, dass Ethikunterricht zur Urteilsbildung, Orientierungskompetenz und verantwortlichem Handeln führt, wohingegen der Religionsunterricht lediglich den religiösen Grundsätzen folgt.

    Dann sollte die Entscheidung für einen Ethikunterricht doch leicht fallen.

  • Unterwerfung unter einen allwissenden, unfehlbaren Vertreter Gottes auf Erden

    Ich nehme an, du meinst den Papst, aber der ist nicht "allwissend", nur unter sehr spezifischen Bedingungen (und bisher genau ein Mal) unfehlbar, und außerdem auch nicht Vertreter Gottes sondern Vertreter Christi (in dessen Eigenschaft als irdischer Hirte der Glaubensgemeinschaft).

    Der wesentliche Unterschied ist für dich ( Quittengelee) also, dass Ethikunterricht zur Urteilsbildung, Orientierungskompetenz und verantwortlichem Handeln führt, wohingegen der Religionsunterricht lediglich den religiösen Grundsätzen folgt.

    Was du aufzählst sind alles auch religiöse Grundsätze...?

  • ...ist persönliche Auslegungssache von Glauben und hat mit Ethikunterricht nichts zu tun. Man muss vor allem kein "Christenmensch" sein, um erfolgreich am Ethikunterricht teilzunehmen.

    ... aber es hilft ;)

    BTW: Du interpretierst in meine Sätze immer gerne deine falsche Lesart hinein - das bin ich bereits gewöhnt ;)

    Das "oder" ist ausschließend zu lesen - und die "Freiheit des Christenmenschen" ist mir als Allgäuer im Sinne der 12 Artikel sehr wichtig.

    Zitat

    Ethik kann die verschiedenen Religionen und verschiedensten philosophischen Strömungen als Aufruf zu moralischem Handeln sowie zur Freiheit des Christenmenschen oder zu dessen Unterwerfung unter einen allwissenden, unfehlbaren Vertreter Gottes auf Erden thematisieren.

    Tingelteacher
    Dreieinigkeit und so... gelle.
    Das war als kleine Reminiszenz an unseren streng katholischen Kollegen gedacht :aufgepasst:
    Ich bin Agnostiker. Ich halte mich an die ethisch-moralischen Regeln der Weltreligionen. Dann verscherze ich es mir auch nicht mit diesem göttlichen Wesen, sollte es sich am Ende gar als das "Fliegende Spaghettimonster" entpuppen.

    Meine Beiträge können Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten. "Tippfehler" sind beabsichtigt und dienen dem reflektierten Umgang mit Rechtschreibung und Sprache durch die werte Leserschaft. Wer einen Rotstift besitzt, darf diesen behalten und anderweitig nutzen.
    «Wissen – das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.» (Marie von Ebner-Eschenbach)

  • Wen fragst du?

    Ich meinte, dass es inhaltlich da im Kern keinen großen Unterschied gibt zwischen Ethik und Religion. Der wesentliche Unterschied ist struktureller Natur, eben dass letzteres als Schulfach Verfassungsrang hat und mit externem Input passiert.

    Dreieinigkeit und so... gelle.

    Ja schon, aber das Stellvertretertum ist durchaus spezifisch auf Christus ausgelegt ("Vicarius Iesu Christi"), also den Sandalen-Hippie der mal kurz Kippen holen ist, während Gott Vater keinen Stellvertreter braucht weil er rund um die Uhr im Dienst ist wie so'n Beamter... ;)

  • Ich meinte, dass es inhaltlich da im Kern keinen großen Unterschied gibt zwischen Ethik und Religion. Der wesentliche Unterschied ist struktureller Natur, eben dass letzteres als Schulfach Verfassungsrang hat und mit externem Input passiert...

    Doch, der ist gigantisch. Ethik verhält sich zu Christlichem Religionsunterricht wie Gemeinschaftskunde zu Bezirkskonferenz der Jusos.

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