Frage an AZ-Tracker: Was pflegt ihr bei Klassenfahrten ein?

  • Ich war einmal plötzlich mit 30 Sechstklässlern 4 Tage allein unterwegs, ursprünglich gefahren sind 4 Lehrer mit 60 Kindern. Mein Kollege wurde am 1. Abend krank und fuhr am 2 Tag heim mit einem Kind der Parallelklasse, das beim Klauen erwischt wurde. Meine SL meinte, 3 Kollegen vor Ort reichen, nur war die andere Klasse extrem schwierig, die Klassen waren in unterschiedlichen Bereichen des verwinkelten Hotels untergebracht, kurz, die Kollegen konnten mir nicht helfen.

    Zum Glück war meine Klasse sehr lieb, sie sicherten mir sogar ab dem 3. Tag eines der abgezählten Brötchen und 2 Scheiben Käse, nachdem ich am Vortag mit trockenem Brot auskommen musste. Trotzdem war ich nie so müde wie nach dieser Woche, noch nicht einmal nach 3 Wochen Griechenland mit zuviel Alkohol bei Elftklässlern und Abholen von Schülern mitten in der Nacht bei der Polizei, weil sie Fahnen von Booten geklaut haben. Aber da war ich nicht allein.

    Ich fahre seit Jahren auch nicht mehr, ich bin auch nicht mehr bereit, Geld bis zu einem Jahr auszulegen.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Smartphones mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Palim: Aber letztlich ist es genau so richtig. Ich würde mir auch nicht zutrauen nach 72h Dauereinsatz noch die Verantwortung für fremde Kinder zu übernehmen.

    Wir sind auch schon mehrere Jahre unter 100%. Wir fahren trotzdem. Meine letzte Klassenfahrt war: 2 Klassenlehrkräfte, 1 Fachlehrkraft, 1 Schulhelferin, 2 ehemaliger Bufdi.
    Das ganze lässt sich schulisch auch relativ gut umsetzen. Es fehlen zwei Klassen und die meisten Lehrkräfte haben keine Vollzeit. Entsprechend fehlte der Schule nur eine halbe Lehrkraft. Das wurde halt vertreten. Muss auch klappen, wenn mal eine Lehrkraft krank ist.
    Schulhelferin ist extra und wird entsprechend auch über das Amt bezahlt. Darf aber offiziell auch nur 8h pro Tag arbeiten. Naja.
    Unsere ehemaligen Bufdis kommen immer gerne mit zur Klassenfahrt. Teilweise kennen sie die Klassen schon aus ihrem Freiwilligendienst. Die kommen da gerne mit. Vorteil: Sie sind nicht im Landesdienst. Wenn die Eltern einverstanden sind, (was sie immer sind) dürfen die Freiplätze für ihre Finanzierung genutzt werden. Ansonsten hätten wir auch ein Finanzierungsproblem. Am Ende waren 6 Erwachsene für 2 Klassen. Wir sind auch eine relativ normale Schule. Wie haben normale Kinder aber sicherlich auch je nach Jahrgang 20-80% bildungsferne Familien.

    Früher hatten wir statt den Bufdis oft eine vierte Lehrkraft mit. Oder andere Leute. Ich hatte schon eine Mutter mit, die wir aber vorher schon kannten, da sie beruflich auch an Schulen zu tun hat. Wir hatten unsere Sozialpädag:in mit. Wir hatten die Förderschullehrkraft mit. Und auch schon andere, die Lust haben. Die Tochter/Sohn des Kollegen, der gerade studiert usw.. Letztlich haben wir immer eine Lösung gefunden und notfalls ist eine PM mitgefahren. Weniger als 2 Personen pro Klasse plus Schulhelfer habe ich noch nie erlebt. Ich denke, dass es fast immer eine Lösung gibt. Frage ist halt auch was man will. Am Ende ist konsequent zu sagen ich fahre nicht, weil die Rahmenbedingungen nicht passen.

  • Auch da ist die Hürde gar nicht so hoch. Wenn es dir nicht zumutbar ist, die Kinder zu betreuen, müssen sie Zuhause bleiben. Kein Richter wird von dir 24 h Schichten erwarten. Die SL muss davon ausgehen können, dass das Kind unter normalen Umstanden im üblichen Rahmen beaufsichtigt werden kann. Dazu gehört sicherlich nicht, dass es Alkohol trinkt, dass es nachts die Unterkunft alleine verlässt oder Diebstähle. Ich wundere mich echt, dass du das mit dir machen lässt. Klar schicken wir auch nicht jedes Kind nach Hause, dass irgendwelche Probleme hat. Aber ich würde im Traum nicht daran denken, dass ich nun die Nächte durchmache und anschließend den ganzen Tag arbeiten muss, weil wir einzelne Kinder nicht nach Hause schicken (wollen).

    Du hast echt noch nie mit Teenagern gearbeitet, oder?

  • Das ist immer witzig, wenn man als Lehrkraft so tut als ob das alles von Gott gegeben ist.

    Du würdest als Förderschullehrkraft dich wahrscheinlich weigern alleine zu fahren? Geht gar nicht.

    Aber letztlich gilt es für alle anderen Schulen genauso. Wenn nicht genug Personal da ist, kann die Fahrt entweder nicht stattfinden oder es muss anderes Personal her. Wenn ich hier lese, dass anscheinend manche Lehrkräfte auf Klassenfahrt 24 h am Stück Dienst machen und keine Möglichkeiten für Pausen haben, ist schlicht nicht in Ordnung. Da muss man sich dann gegen wehren. Ich würde das sicherlich nicht machen.

    Du wirfst auch 2 Dinge durcheinander:


    Das eine ist, ob es für einen in Ordnung, machbar , tolerabel ist. Ja, ist es für mich. Soll bei uns nicht anders sein.


    Das zweite ist, ob es Arbeitszeit ist: ja.

  • Du würdest als Förderschullehrkraft dich wahrscheinlich weigern alleine zu fahren? Geht gar nicht.

    Aus pädagogischen Gründen gehen wir nicht mal ohne Zweitkraft ins Kino oder ähnliches.

    Unsere SL würd uns schön was husten, wenn wir auf die Idee kämen, alleine auf Ausflug zu gehen.

    Schulbegleitungen zählen dabei nicht mit, da sie nur für ihr eigenes Kind Verantwortung übernehmen dürfen.

  • Du, Tom123 , hast jedes Mal eine sehr individuelle Lösung eurer Schule und eures Schulträgers, der etwas ermöglicht.
    Aber das ist eben nicht das Personal, das das Land zur Verfügung stellt.

    Wir hatten unsere Sozialpädag:in mit. Wir hatten die Förderschullehrkraft mit.

    Dann muss man diese Kräfte auch an der Schule haben und alle müssen bereit sein, in der Woche darauf zu verzichten, die Zweitschulen ebenso, und diese Personen müssen bereit sein, zu fahren.

    BuFDis gibt es nicht überall und ich frage mich, wer die Versicherung gewährleistet, wenn sie freiwillig und ohne Dienstverhältnis mitfahren. Das ist ja schon bei Praktikant:innen oder Ehrenamtlichen schwierig.

    Schulhelfer, gemeint sind vermutlich I-Hilfen, sind für einzelne Kinder zuständig, nicht aber für andere, und haben nach gesondertem Antrag genau 8h Arbeitszeit, die restlichen Stunden des Tages eben nicht, also fehlt die gesonderte Begleitung des beeinträchtigten Kindes zu 2/3 der Zeit. Zudem sind auch I-Hilfen mit entsprechenden Aufgaben betraut, die nicht die Begleitung und Aufsichtführung aller/anderer Kinder der Klassenfahrt beinhaltet.

    Teilzeitlehrkräfte fehlen ihre Teilzeit in der Schule und arbeiten Vollzeit plus die Mehrarbeit der Klassenfahrt, die hinterher nicht abgegolten werden kann. Zudem muss es a) Teilzeitkräfte an der Schule geben, die b) die Betreuung ihrer Kinder oder die Pflege ihrer Angehörigen anderweitig organisieren können und wollen - und womöglich auch da draufzahlen.

    Die Erkrankung einer Lehrkraft ist weder auf der Klassenfahrt noch in der Schule ausgeschlossen, während andere auf Klassenfahrt sind.

    Wenn ich Jahr um Jahr rotiere, den Pflichtunterricht überhaupt irgendwie zu besetzen, also permanent die Notsituation auffange, dann sind Klassenfahrten Luxus.
    Und wenn es keine Arbeitszeiterfassung gibt und der Ausgleich für eine 24/5-Klassenfahrt nicht gegeben ist, weil man auch im Alltag keinen Ausgleich hat, dann sind Klassenfahrten eben nicht möglich.

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