Ehrlich gesagt, hatte ich in letzter Zeit den Eindruck, dass du von deiner Arbeit in diesen Klassen sehr genervt bist und unglücklich, dass du dort eingesetzt bist. Aber vielleicht irre ich mich oder habe deine Beiträge falsch interpretiert.
Mich hat am Gymnasium sehr frustriert, dass es einfach keins war (verglichen mit den beiden anderen, die ich aus Ref und Vertretungsstelle kannte). Ein erheblicher Teil der Schüler in der Unterstufe war mit den Anforderungen komplett überfordert und ungeeignet, dennoch war Abschulen aus verschiedenen Gründen sehr unpopulär. Einerseits wollte die Schule es nicht, Stichwort Stellen, andererseits gab es in der Kommune auch schlicht keine Schulplätze an anderen Schulformen und ca. im Februar/März kamen lustige Vorgaben, wie viele Schüler man denn am Ende der Erprobungsstufe abgeben "darf" - das waren bei Sechszügigkeit in meinem ersten Jahr dort 8. Ich hatte damals zwei Unterstufenklassen in Englisch und ein Drittel meiner Schüler stand mangelhaft. Das ist ein sehr unngenehmes Spannungsfeld und man ist ständig in Rechtfertigungsposition, wenn man seine Noten nicht einfach wunschgemäß hochsetzt.
In den genannten Klassen bin ich auch nicht superglücklich, der Eindruck stimmt wohl, aber die Schüler sind da, wo sie sind, am richtigen Platz. Und ich bin als Lehrkraft nicht in der Situation Komptenzen bescheinigen zu sollen, die faktisch nicht da sind - finde ich im Gesamtpaket deutlich angenehmer, weil es keine Dissonanz zwischen Schülerschaft und formellem Anforderungsniveau gibt. Was mich nervt, ist angesichts von Verhaltensauffälligkeiten und Arbeitsverhalten die konkrete Unterrichtsarbeit, aber das betrifft eine ganz andere Ebene und ist vor allem ein Bereich, auf den ich selbst Einfluss habe und an dem ich arbeiten kann... ich bin seit ein paar Wochen vorsichtig optimistisch, dass das besser gelingt 🙂