Berufsorientierung ist sicherlich nicht verkehrt. Ich kritisiere jedoch den quantitativen Umfang, den diese mittlerweile einnimmt. Gleichzeitig wird in den Lehrplänen inhaltlich kaum bis gar nicht reduziert. Woher soll die zusätzliche Zeit denn kommen? Ich empfinde diese Phasen für den Fachunterricht ungünstig. Und – um jetzt mal auf die Beiträge einzugehen – dieser ist am Gymnasium, wenn es denn ein ernstzunehmendes Gymnasium ist, absolut essentiell und darf nicht runtergekürzt werden – auch nicht durch Berufsorientierung.
Frage an die alten Hasen unter euch: Wie war das denn früher? Ich vermute, dass es zwar hier und da kleine Angebote und Praktikumsphasen gab, aber eben nicht in dieser Hülle und Fülle und Schüler haben trotzdem Ausbildungen begonnen, Jobs gefunden. Und das in einer Zeit, in der man es nicht so leicht hatte, an Informationen zu gelangen. Berufsorientierung muss intrinsisch betrieben werden und auch nach dem Klingeln der Schulglocke. Wird es das nicht, ist in der Erziehung eben etwas falsch gelaufen. Ich sehe da die Eltern in der Verantwortung, bei den Kindern auf eine entsprechende Einstellung hinzuwirken.
s3g4 Deine Forderung, alle Lehrer müssten vorher "in der Arbeitswelt" gearbeitet haben, ist doch populistischer Unfug. Erinnert mich so ein bisschen an die Boomer, die die Wehrpflicht einfordern, "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" usw. propagieren. Lehrer müssen fachlich so gut wie möglich ausgebildet sein und das erreicht man nicht, wenn man auf der Höhe seiner kognitiven Schaffenskraft und Aufnahmefähigkeit "in der realen Arbeitswelt" irgendwo die Werkstatt fegt.