• Hallo,


    wie würdet ihr reagieren, wenn ihr automatisch geduzt und mit dem Vornamen angesprochen werden von z.B. jungen Praktikanten, die nicht unbedingt mit euch arbeiten? Ich habe nicht gegen das Duzen, insb. wenn man miteinander arbeitet (Kollegen, Referendaren oder - warum nicht - Praktikanten) bzw. die Kollegen im gleichen Alter sind. Aber so direkt würde ich nicht eine unbekannte Person duzen. Das gilt auch für ältere Kollegen. Ich würde eher warten, dass sie mir das Du anbieten. Da wir beim Thema sind, wie würdet ihr mit dem Duzen umgehen, wenn es sich um Kollegen handelt, mit welchen man sich nicht so gut versteht, bzw. die sich als unkollegial (ganauer geschrieben unverschämt) gezeigt haben.


    Schönes Wochenende

  • Ich denke, ich würde alle, die in meinem Alter aber nicht meine Vorgesetzten sind, duzen. Das kann man aber auch vom Gefühl abhängig machen. Wenn man häufig miteinander zu tun hat, und sei es auch nur z.B. im Prüfungsgeschehen, ist ein Du schnell bei der Hand. Manchmal entsteht so auch ein Du, obwohl man den Vornamen des Kollegen vielleicht gar nicht kennt. :)

  • Das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, denke ich. Ich finde es irgendwie "ungewöhnlich", gleichaltrige Kollegen zu siezen, biete daher bei ungefährer Altersgleichheit und jüngeren Kollegen, Praktikanten, Referendaren ect. immer sofort das Du an. Wenn die mich zuerst einfach ohne Einleitung duzen, habe ich damit überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil. Ich selber thematisiere das aber wie gesagt immer, wenn ich den Anfang mache.


    Schwierig finde ich es in der Tat, wenn mich merklich ältere Kollegen duzen, da müsste ich ja eigentlich konsequenterweise auch zurückduzen, das fällt mir nicht so leicht. Ein Problem habe ich nicht damit, dass sie mich duzen, sondern dass sie es so offen lassen, wie ich mich verhalten soll. Ich frage mich dann immer insgeheim, warum die mir nicht deutlich das Du anbieten.


    Ich habe eine Kollegin, die sich einmal extrem unkollegial mir gegenüber verhalten hat, die aber mit vielen per Du ist. Da sieze ich weiter, muss ich zugeben.

  • Danke für eure Antworten.


    momo. "Schwierig finde ich es in der Tat, wenn mich merklich ältere Kollegen duzen, da müsste ich ja eigentlich konsequenterweise auch zurückduzen, das fällt mir nicht so leicht. Ein Problem habe ich nicht damit, dass sie mich duzen, sondern dass sie es so offen lassen, wie ich mich verhalten soll. Ich frage mich dann immer insgeheim, warum die mir nicht deutlich das Du anbieten."


    Das kenne ich. Wie machst du es in so einem Fall? Du oder Sie?


    "Ich habe eine Kollegin, die sich einmal extrem unkollegial mir gegenüber verhalten hat, die aber mit vielen per Du ist. Da sieze ich weiter, muss ich zugeben."


    Was würdest du machen, wenn sie dich plötzlich duzt bzw. das Du anbietet?

  • Ehrlich gesagt rede ich alle meine Kollegen (auch meine SL) mit Vornamen an. Meine Kollegen mit Nachnamen anzusprechen kaeme mir sehr eigenartig vor. Wir sind schliesslich alle erwachsen. Wenn ich den Schuelern gegenueber jemanden erwaehne, dann nutze ich natuerlich ihren Nachnamen. Aber doch nicht, wenn ich mit der Person direkt rede.

  • Ich bin von älteren Kollegen auch irgendwann einfach geduzt worden bzw von einigen sogar sofort. Wirklich in Ordnung fand ich das nicht. Inzwischen ist das Arbeitsklima mit diesen Kollegen aber so gut, dass wir uns alle duzen auch wenn nie irgendjemand irgendwem das DU angeboten hat. Ist aber nicht mit allen Kollegen so.

  • Das ist sicherlich eine Mischung zwischen Schulkultur und persönlichen Vorstellungen; an unserer Schule, so wie in eigentlich überall im zweiten Bildungsweg in NRW dutzt man sich aus traditionellen Gründen ("alte Möchtegernproletariertradition" :P ) konsequent. Einige Kollegen sind mit Praktikanten und Referendaren eher auf per Sie, andere duzen sich gegenseitig mit den Studierenden. Ich mache mir das einfach - alles, was irgendwie Kollege ist, vom Schulsekretär bis zum Direktor, wird geduzt, also auch Praktikanten und Referendare. Alle Studierenden werden gesiezt und mit Herr oder Frau Nachname angeredet. Das Lebensalter spielt da keine Rolle; allerdings bin ich da nun mit Mitte 40 auch sehr schön in einer ausgewogenen Position. :)


    Nele

  • Ehrlich gesagt rede ich alle meine Kollegen (auch meine SL) mit Vornamen an. Meine Kollegen mit Nachnamen anzusprechen kaeme mir sehr eigenartig vor. Wir sind schliesslich alle erwachsen. Wenn ich den Schuelern gegenueber jemanden erwaehne, dann nutze ich natuerlich ihren Nachnamen. Aber doch nicht, wenn ich mit der Person direkt rede.

    Wobei man allerdings auch erwähnen sollte, dass heutzutage kein Engländer auf die Idee käme, jemanden zu duzen, außer vielleicht einigen Quäkern, die noch die mittelalterlichen Formen benutzen. Er benutzt stets die Höflichkeitsform (2. Person Plural), so wie die Franzosen das 'vous', so dass sich Vertrautheit oder Distanz überwiegend durch den Gebrauch des Vornamens bzw. Familiennamens/Sir/Madam erkennen lässt.

  • ]Wobei man allerdings auch erwähnen sollte, dass heutzutage kein Engländer auf die Idee käme, jemanden zu duzen, außer vielleicht einigen Quäkern, die noch die mittelalterlichen Formen benutzen. Er benutzt stets die Höflichkeitsform (2. Person Plural), so wie die Franzosen das 'vous', so dass sich Vertrautheit oder Distanz überwiegend durch den Gebrauch des Vornamens bzw. Familiennamens/Sir/Madam erkennen lässt.


    Stellt sich diese Frage überhaupt in der Form im Englischen?


    Ob das "you" nun 2. Person singular oder plural ist, lässt sich grammatisch doch gar nicht eindeutig festlegen. Wie Du richtig sagst, entscheidet hier doch die Anrede über die vertraulichere oder die höfliche Form.



    Gruß
    Bolzbold

  • Der Ältere bitet dem Jüngeren das Du an ! 8)


    Oder der Diensältere.


    Ich duze mich mit all meinen Kollegen (außer SL), habe allerdings als ich angefangen habe nur diejenigen geduzt, die es mir angeboten haben oder die mich eben auch geduzt haben (das waren eben sehr schnell alle). So würde ich es immer wieder machen.


    Wenn ältere Kollegen mich duzen, dann impliziert das für mich, dass ich sie auch duzen kann. Schließlich bin ich ebenfalls erwachsen und kein Kind mehr.

  • Wobei man allerdings auch erwähnen sollte, dass heutzutage kein Engländer auf die Idee käme, jemanden zu duzen, außer vielleicht einigen Quäkern, die noch die mittelalterlichen Formen benutzen. Er benutzt stets die Höflichkeitsform (2. Person Plural), so wie die Franzosen das 'vous', so dass sich Vertrautheit oder Distanz überwiegend durch den Gebrauch des Vornamens bzw. Familiennamens/Sir/Madam erkennen lässt.


    Deswegen hab ich ja auch nicht von "duzen" geredet, sondern davon, dass wir alle Vornamen benutzen. Meine Schueler nennen mich "Miss..". Wenn das Kollegen taeten, waere das sehr eigenartig.

  • Stellt sich diese Frage überhaupt in der Form im Englischen?


    Thou hast not read thine Shakespeare, knave? The pox on thee! :)


    Zitat

    Ob das "you" nun 2. Person singular oder plural ist, lässt sich grammatisch doch gar nicht eindeutig festlegen. Wie Du richtig sagst, entscheidet hier doch die Anrede über die vertraulichere oder die höfliche Form.


    Sagen wir mal so - der Registerunterschied wird nicht durch die Flektion ausgedrückt sondern durch andere sprachliche Mittel. Und da steht nun einmal im Raum, dass sich auch Kollegen unterschiedlicher Hierarchiestufen mit dem Vornamen anreden, die sich in Deutschland nur siezen würden. Das heißt aber nicht, dass das hierarchische Gefälle nicht dennoch bestehen würde, es ist nur sehr viel subtiler codiert, was für Deutsche in Großbritannien oder den USA, die diese Codes nicht beherrschen, recht problematisch werden kann.


    Nele

    Einmal editiert, zuletzt von neleabels ()

  • Wenn jemand Neues an die Schule kommt, sage ich "Wir können gern du sagen". Wenn eine Praktikantin käme und würde mich ungefragt duzen, fände ich das schon sonderbar.


    Mit einigen Kollegen sieze ich mich immer noch.


    Was ich eigenartig finde, ist, dass es heutzutage häufig ist, dass auch unter Erwachsenen oft eine Asymmetrie herrscht. Der Löw duzt seine Spieler auch dann, wenn sie ihn siezen (müssen). Viele Lehrer duzen grundsätzlich alle Schüler, auch wenn die schon über 20 sind - lassen sich aber natürlich ihrerseits siezen (in einem Fall ist der Altersunterschied nur 5 Jahre). Das finde ich nicht ok.

  • Bei älteren Kollegen / Kolleginnen duze ich, wenn sie mich duzen. Bei jüngeren sag ich meist schon bei der Vorstellung "Wir können uns duzen".


    Unaufgefordert würde ich nicht ungedingt gern von Praktikanten oder Referendaren geduzt (Referendaren, die ich betreue, biete ich das Du an). Mir ist es auch noch nie passiert, dass mich z.B. ein Praktikant un"gebeten" geduzt hat ... je nach Situation würde ich dann zum "Du" übergehen, oder beim nächsten Satz das "Sie" betonen ...

  • Ich duze all meine Kollegen, außer die Schulleitung. Bei uns ist das aber einfach so...da duzt man, das wird auch vorher nicht geklärt. Ich persönlich lasse mich aber auch von Praktikanten usw. duzen. Es st mir auch eher unangenehm, wenn mich Menschen, die mit mir arbeiten siezen. Außer eine SL, die darf das :)
    Heute noch (außerhalb von Schule) passiert: Im Supermarkt an der Kasse stand der Sohn von Leuten auf unserer Straße hinter mir. Ist, glaube ich 18 oder 19, ich frage ihn "was hast Du denn vor?" (Viel Alkohol im Einkaufswagen)... er erzählt es mir und sagt danach "Wissen Sie eigentlich, wo ich xy kaufen kann?"... Bevor er die Frage zu Ende stellen konnte, habe ich erstmal gesagt, dass ich gerne von ihm geduzt werden möchte. Der hat schon bei mir im Garten gesessen und gegrillt, der soll mich nicht siezen ;)

  • laura: Ich stamme aus einer Zeit und einem Umfeld, in der das du den Leuten eher über die Lippen kam und üblich war. So ist es bei mir geblieben und ich verfalle leicht ins du, auch in Situationen , in denen ich mir das Sie vornehme. Mir ist das dann oft gar nicht bewusst. Ebenso fühle ich mich nicht älter, wenn wir aber neue Praktikanten oder LAAs bekommen, fällt mir manchmal auf, dass ihnen das du nicht so leicht über die Lippen kommt - auch wenn ich es angeboten habe*. Dann wird mir die Situation bewusst, dass ich wohl schon alt bin - in deren Augen.


    flippi

  • laura:
    Mit dem ungefragt "Geduztwerden" von älteren Kollegen gehe ich ganz unterschiedlich um. Am Anfang habe ich oft die Anrede vermieden, was die Kommunikation nicht gerade leicht macht. Jetzt vergewisser ich mich einfach "wir sagen DU, oder?", damit setze ich einfach voraus, dass das Duzen gegenseitig ist, also wenn die mich duzen, ist es mir ebenso erlaubt. So ganz einfach zurückduzen kann ich nicht, da habe ich einfach eine "Schranke" im Kopf, genauso wie ich eigentlich erwarte, dass die deutlich älteren mir das DU deutlich anbieten. Das ist irgendwie einfach so in mir drin.


    Wenn mir die ungeliebte Kollegin das Du anbieten würde- schwierige Frage. Ich würde es gerne ablehnen, aber warum sollte ich einen lebenslangen Kampf gegen jemanden führen, der sich ein paar Mal unkollegial verhalten hat. Ich würde das Du wohl eher annehmen, den Kontakt aber soweit meiden. Ob Du oder Sie ist für mich eigentlch gar nicht wichtig für die Sympathie.

  • Im Kollegium ist das Duzen bei uns normal. Deshalb wird neuen Kollegen, das Du sofort vorgeschlagen oder einfach praktiziert. Unabhängig vom Alter.
    Bei Praktikanten bleibe ich in der Regel beim Sie und sieze natürlich auch meinerseits. Fürs Du ist der Kontakt normalerweise zu kurz und zu unverbindlich.
    Nur die Schulleitung siezt und wird gesiezt.
    Sehr befremdlich fand ich, als ein Kollege, von einzelnen, vermeintlich weniger qualifizierten Kolleginnen (der Zusammenhang war erschütternd offensichtlich) das Sie einforderte.
    Ich habe ihn dann darauf hingewiesen, dass ich diesen offensichtlichen Ausdruck der Distanzierung reichlich daneben finde. Er hat es dann auch gelassen.
    Fazit: Das Du ist bei uns zumindest in erster Linie kein Ausdruck von Sympathie oder Vetrautheit, sondern einfach der Betriebszugehörigkeit und damit eben Teil der Betriebskultur.

  • Bei uns an der Schule ist es üblich, dass sich alle duzen, auch mit der Schulleitung. Das hat nichts mit Sympathie zu tun, fördert aber zumindest bei uns das "familiäre" Gefühl im Kollegium. Grundsätzlich mache ich es aber auch so, dass wenn mich jemand duzt, ich das auch so mache, unabhängig vom Alter.

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