Erkrankte Lehrerin: Korrektur der LZK

  • Hallo zusammen,


    kurz zu mir: ich hab eine sog. Poolstelle, das heißt, ich komme immer dann eine eine Schule, wenn jemand ausfällt. Ich mach das schon ein Jahr und bin inzwischen bei Schule Nr. 15 angekommen. Grundsätzlich mach ich das sehr gerne und finde es spannend, so viele Schulen kennenzulernen.


    Jetzt hab ich aber eine Situation, mit der gerade sehr unzufrieden bin.
    Ich bin seit neu an einer Schule, an der ich eine erkrankte Lehrerin vertrete. Die Kollegin wird vermutlich noch einige Wochen ausfallen. Der Unterricht in der Klasse wurde bevor ich kam bereits durch unterscheidliche Vertretungen aufgefangen, jedoch immer in Absprache mit den Parallelkollegen gehalten. So kommt es, dass es in der besagten Klasse in Deutsch ein Aufsatz geschrieben wurde. Für diesen Aufsatz fühlt sich jetzt keiner zuständig. Ich wurde direkt am ersten Tag von der Klassenlehrerin begrüßt mit den Worten, dass es ja doch noch einen Aufsatz gebe, der korrigiert werden müsste. Auch die Schulleitung sprach mich direkt darauf an, dass es ja meine Aufgabe sei, schließlich sei ich ja jetzt die Deutschlehrerin.
    Ich fühle mich ehrlich gesagt, nicht in der Lage diesen Aufsatz zu korrigieren, da ich weder weiß, was dazu im Unterricht gemacht wurde, noch, welche Kriterien zugrunde gelegt wurden. Außerdem kenne ich die Klasse absolut garnicht. Die Parallelkollegen, die ja das gleiche in ihren Klassen gemacht haben, lehnen die Korrektur ebenfalls ab.
    Der Vorschlag der Schulleitung ist jetzt, nochmal 2-3 Stunden zu dem Thema wiederholen und dann eine neue LZK schreiben (kurze Anmerkung: aus diversen Gründen liegt die Reihe schon 2 Wochen zurück). Der Aufsatz müsse bewertet werden, damit die Klassen weiter parallel arbeiten. Die Problematik wird dadurch allerdings nur verschoben, da die Parallelklassen schon zum nächsten Thema eine LZK geschrieben haben. Mit diesem Thema bin ihc jetzt erst eingestiegen, so dass dazu ja auch die LZK fehlen würde.
    Hinzu kommt, dass die Eltern sich bereits beschwert haben, dass die VOrbereitung auf die LZK schlecht gewesen wäre. Ich frage mich, wie die reagieren, wenn die Bewertung von einer Lehrerin kommt, die weder eine Stunde der Reihe gemacht hat, noch die Kinder kennt.


    Hat jemand einen Vorschlag für eine diplomatische Lösung, die ich der SL anbieten könnte? Ich fühle mich gerade so, als wären mir ziemlich die Hände gebunden.

    • Offizieller Beitrag

    Wenn die Kollegen wissen, was durchgenommen wurde, könnten sie sich doch vll die Korrektur teilen. Ist zwar unangenehm, weil Mehrarbeit, aber du kannst es in meinen Augen nicht machen, weil dir die Voraussetzungen fehlen; nicht so sehr, weil du die Klasse nicht kennst (das kann sogar von Vorteil sein), aber gerade beim Aufsatz sollte man doch sehr genau wissen, was vorbereitend durchgenommen wurde.
    Oder du und die Klasse müsst in den sauren Apfel beißen und es kann nicht mehr parallel gearbeitet werden.


    Könnte man die Korrektur auf den Zeitpunkt verschieben, an dem die Fachkollegin wieder im Dienst ist?

  • Beides wird von der SL abgelehnt. Sie will nicht, dass verschiedene Lehrer das korrigieren, zumal ein Parallelkollege eine LAA ist.
    Es ist unklar, wann die Fachkollegin wieder im Dienst sein wird.


    Das Argument, dass man ja gerade bei einem Aufsatz die Vorbereitung kennen muss, habe ich auch mehrmals gebracht. Daraufhin wurde ja vorgeschlagen, ich solle nochmal 2-3 Stunden was dazu gemachen und dann den Aufsatz neu schreiben.

  • ich sags mal so...
    die SL ist deine dienstvorgesetzte,wenn du diese aufgabe übertragen bekommen hast wirst du sie machen müssen.
    egal ob sinnvoll oder nicht.


    so viele dinge sind in diesem system absolut schwachsinnig.
    mach es halt so gut wie es dir möglich ist.
    vielleicht gibt man dir die punkte die bearbeitet wurden.


    ich kann durchaus auch die kolleginnen/kollegen verstehen die zu ihrer normalen arbeit nicht auch noch eine deutsch lzk einer erkrankten kollegin korrigieren wollen.
    das ist nämlich schon eine deutliche mehrarbeit..
    und da du nun in der klasse bist wird es dein job sein.


    der job einer poolkraft ist sicherlich unbefriedigend, aber meistens müssen sie im alltag deutlich weniger vorbeiten, da sie immer nur kurz da sind und dann meist von den parallelkollegen"mitversorgt" werden.
    dafür müssen sie halt ständig pendeln und sich auf neue schüler und kollegien einrichten..

  • Hallo,


    ICH würde schauen, ob es für den Aufsatz klare Vorgaben gegeben hat, nach denen anschließend auch bewertet werden soll (also ein sprachlicher oder inhaltlicher Aspekt oder mehrere).


    Wenn das der Fall ist (und der Aufrag nicht nur lautete "Erzähl irgendwas aus den Ferien"), dann kannst du doch danach benoten. Sieh die Sache locker und gib "gnädige" Noten, das freut Kinder und Eltern ;)


    Du bist nur die Aushilfslehrerin, zeige dich professionell, aber nimm nicht die gesammte Verantwortung für die Sache auf dich.


    Gibt es denn nicht die Möglichkeit, mit der erkrankten Deutschlehrerin Kontakt aufzunehmen und sie evtl. die Korrektur machen zu lassen?


  • Gibt es denn nicht die Möglichkeit, mit der erkrankten Deutschlehrerin Kontakt aufzunehmen und sie evtl. die Korrektur machen zu lassen?

    sie ist dienstunfähig.... daher ist das zur zeit sicherlich nicht ihr job.

  • Die erkrankte Kollegin hat angeboten, die Korrektur zu machen. Das lehnt die SL ab, weil die Kollegin ja krank ist. Das find ich auch ok.


    Parallel arbeiten geht sowieso schon nicht mehr, ich steige jetzt mit dem Thema ein, dass die Parallelkollegen schon mit einer weiteren LZK abgeschlossen haben, so dass wir da eben dann auch weiter hinterherhinken. Und zwei LZK bis zu den Osterferien noch einzuschieben, ist unmöglich, zumal ich nicht jeden Tag an der Schule bin, sondern als Pool auch noch an einer anderen Schule eingesetzt bin.


    Ich sehe ein wenig auch die Sicht der Eltern: ich würde mich auch bedanken, wenn meine Tochter für einen Aufsatz eine Note von einer wildfremden Lehrerin bekommt, die noch nicht einmal die Vorbereitung dazu gemacht hat.


    Ich hatte noch vorgeschlagen, dass man ja nach den Ferien in allen Parallelklassen noch eine Reihe zu einem anderen Aufsatzthema machen könnte und die Bewertung des bereits geschriebenen Aufsatzes auslässt. Das wurde auch abgelehnt, weil dann die anderen Klassen ja eine Note mehr hätten.

  • Na, ja, "dienstunfähig" heißt ja nicht "tot". ICH hätte die Arbeit korrigiert! Deine SL ist doof.
    Besuch die Lehrerin und macht es gemeinsam. Oder lass sie bewerten, guck drüber und unterschreib.


    Parallel arbeiten wird überschätzt. Ist zwar bequem, wird aber den Kindern oft nicht gerecht, da sie nicht "parallel", sondern individuell sind. Soll heißen: jede Klasse ist anders, Jede Klasse hat unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliches Lerntempo ...


    Eltern !!! Auch überbewertet ;-)) Wenn's nach denen ging, müssten Lehrer vorher genetisch untersucht werden und dürften nur dann eingestellt werden, wenn sie nachweisen könnten, dass sie die nächsten 40 Jahre nicht krank oder schwanger werden.
    Und die Arbeiten könnten Eltern sowieso besser benoten (denken sie)

  • Nur offensichtlich wird ja sehr viel wert darauf gelegt, dass alles parallel läuft. Daher darf die Bewertung nicht ausgesetzt werden. Das Problem an der Sache ist nur, dass bei der nächsten LZK (die wir noch vor uns haben, die anderen schon hinter sich) ja das gleiche dann wieder ist. Durch den Ausfall der Kollegin, der nicht gleich durch jemanden aus dem Pool aufgefangen wurde, ist es eben kaum möglich noch aufzuholen, was die anderen an "Vorsprung" haben. Und mal eben ein paar Deutschstunden mehr einschieben geht auch nicht, da ich eben nur begrenzte Tage da bin und dann auch nicht nur in der Klasse.

  • DU bist für die schlechte Vorbereitung nicht verantwortlich. Du kannst nix dafür, dass die Kollegin krank, die Schulleitung stur ist und die Kollegen unkollegal..


    Korrigier das Ding!
    Lass einfließen, dass sie Vorbereitung schlecht war usw. "Wegen der kurzen Vorbereitungszeit 'noch befiedigend/ausreichend'"


    Drück alle Augen zu, wenn es sein muss. Mehr kannst du nicht tun. Vergiss die Eltern, vergiss die SL, vergiss deine "Kollegen" (seltsame Kollegen übrigens. Wie kann man eine Aushilfe so hängen lassen ?!)


    Denk auch mal an dich.


    Wenn du den Stoff vor dir herschiebst, ist nix gewonnen. Dann hast du das Problem in ein paar Wochen wieder. Dann meckern alle, dass die Klasse im Rückstand ist usw.


    Tu dir das nicht an. Du kannst nix dafür!


    Auch wenn's dich ärgert: korrigier die Arbeit. Oberflächlich korrekt. Nicht ins Detail gehen. Zeit sparen! Gute Note - fertig. Mehr ist eben unter den Bedingungen (für die du nix kannst) nicht drin.


    Sei selbstbewusst. Es kann dir keiner was. Die müssen froh sein, dass sie dich haben.


    Und lerne daraus für die Zukunft. Auch als Poolkraft ist man kein Freiwild!

  • Ich sehe ein wenig auch die Sicht der Eltern: ich würde mich auch bedanken, wenn meine Tochter für einen Aufsatz eine Note von einer wildfremden Lehrerin bekommt, die noch nicht einmal die Vorbereitung dazu gemacht hat.


    Das sehe ich nicht so. Ich würde mich bedanken, wenn mein Kind eine Arbeit nochmal schreiben müsste. Wenn eine Arbeit doch schon parallel geschrieben wurde, dann muss es doch auch einheitliche Bewertungsmaßstäbe geben, wo wäre sonst der Sinn? Ich fände es auch schwer zu kommunizieren, dass ich eine Arbeit nicht bewerten kann, weil ich den Unterricht nicht gemacht habe.


    In meinen Fächern wäre es undenkbar, sich so herauszureden. Die Aufgabenstellung ist eindeutig, die Lösungen auch, da gibt es nichts zu deuteln. Wieso soll das in Deutsch so viel anders sein, und warum muss man die Kinder kennen, um einen Aufsatz zu benoten? Weil der "Nasenfaktor" dann wegfällt? Wenn man mal quer durch die Arbeiten guckt, sieht man ja auch in etwa, was Stand der Kunst ist.


    Ich finde auch, dass, wenn man als Aushilfe eingestellt ist, man eben genau das tun sollte, was zu tun ist, wenn Not am Mann ist. In dem Fall halt eine Arbeit korrigieren, die sonst liegen bleibt (und die die Kinder sonst für die Tonne geschrieben hätten). Ich würde da jetzt auch nicht lange lamentieren, sondern so wie hier schon geraten wurde, großzügig korrigieren und zusehen, dass die Kinder im Stoff weiterkommen.


    Ich wüsste jetzt auch nicht, was man daraus über böse Kollegen, Schulleiter, Eltern lernen sollte?! Niemand wird freiwillig krank, die Schulleitung muss sehen, dass der Laden läuft, und die Eltern setzen sich natürlich für ihre Kinder ein, das ist doch klar. Da ist niemand "böse", da treffen nur unterschiedliche Interessen aufeinander - wie überall! Ebenso könnte man argumentieren, dass diese Aushilfe wohl arbeitsscheu sei.

  • ne, man ist sicherlich kein freiwild, aber dienst ist nun mal dienst.
    ddein SL hat dir diese aufgabe übertragen.. basta.


    nutzt alles nichts was hier irgendjemand denkt.. denn damit ist dir nicht geholfen.
    du hast deine bedenken der SL vorgetragen.. die hat entschieden, dass du es machst.. basta...


    und ich muss sagen, dass ich es durchaus verstehen kann, dass die kollegen nicht auch noch die aufgaben zusätzlich (natürlich entgeltfrei) übernehmen wollen, wenn jemand von außerhalb kommt der für die klasse in diesem fach verantwortlich ist.
    sei mir nicht böse, aber poolkräfte haben in der regel wirklich deutlich weniger vorbereitungszeit als "normale" kollegen, da sie meist nur kurz da sind und meist mit material vor ort versorgt werden.
    daher ist das im moment vielleicht nicht gerade toll, da du die erarbeiteten kriterien nicht kennst (die wird man dir aber sicherlich nennen) aber sicherlich machbar.
    schließlich werden poolkräfte genauso bezahlt wie "normale" kräfte, daher müssen sie auch mal die unangenehmen dinge übernehmen.

  • Dir Parallelkollegin hat ihren Aufsatz doch sicherlich auch nach bestimmten Kriterien korrigiert (*Hoffnung*) - kann sie dir diese nicht mit entsprechendem Notenschlüssel zukommen lassen?

  • Na, ja, "dienstunfähig" heißt ja nicht "tot". ICH hätte die Arbeit korrigiert! Deine SL ist doof.
    Besuch die Lehrerin und macht es gemeinsam. Oder lass sie bewerten, guck drüber und unterschreib.


    Also ich finde es eine Zumutung, einer langfristig erkrankten Kollegin die Korrekturen zu bringen. Das gilt für mich auch dann, wenn man nicht bettlägerig erkrankt ist. ich finde es absolut richtig, dass die SL nicht will, dass die kranke Kollegin die Korrekturen macht.
    Die hat es ohnehin vermutlich nur angeboten, weil sie aus der ferne den Stress mitbekommt und die Kollegen nicht mit ihrer Krankheit belasten möchte.
    Krank ist krank - das gilt sogar für LehrerInnen.


    Ich denke allerdings auch, dass die Parallelkollegin die Bewertungskriterien weitergeben muss und dir, Ingwer Hilfestellungen geben muss, damit du die Korrektur bewältigen kannst.

  • Schau ins Klassenbuch, was sie gemacht haben, schmiede daraus eine Note, die möglichst nicht zu schlecht ausfällt. An diesem Aufsatz hängt nicht das Lebensglück der Kinder und du kannst nur machen, was zu machen ist. Möglicherweise noch die Korrekturen der Parallelkollegen durchsehen.


    Eltern werden sich immer beschweren, Schulleitung will nur ihre Ruhe haben und die kranke Kollegin darf ihre Ruhe haben. Mach einfach deins, du kannst es nicht allen Recht machen!

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