Referendare, Eignungs-, Orientierungspraktikanten, Praxissemesterstudenten ...

  • Ich habe den Eindruck, dass wir nun schier geflutet werden mit Auszubildenden jeder Stufe. Wir haben inwischen mehr als 15 Referendare, gerade sind die sechs Praxissemesterstudenten wieder weg, jetzt sind 10 Eignungspraktikanten da.
    Ich hatte in den letzten beiden Jahren fünf Referendare, von denen ich einen ganz alleine ausgebildet habe, weil ich der einzige Vertreter meines Faches bin, zwei davon haben in meinen Kursen ihr Examen gemacht, ich hatte zwei Praxissemesterstudenten zu betreuen, die gerade wieder weg sind, und bekomme nun die Aufforderung, in drei Kursen Eignungspraktikanten aufzunehmen.
    Ich bilde ja wirklich sehr gerne und erfolgreich aus und habe auch kein Problem damit, dass jemand in meinem Unterricht sitzt, aber allmählich fühle ich mich überrannt und überfordert.


    Stellt meine Schule eine Ausnahme dar, oder seid Ihr in einer ähnlichen Situation?

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Nö, dürfte in NRW "jetzt so sein". Ich bin ja kurz vorher weg und habe das Gestöhne* darüber, dass o.g. Leute jetzt ständig aufkreuzen werden noch mitgekriegt. Du bist damit definitiv nicht alleine.


    * vor allem von Leuten, die üblicherweise nicht viel mit Refs/Praktikanten am Hut hatten ;)

  • Das ist bei uns sehr ähnlich! Ständig läuft irgend ein Praktikant bei mir mit und eine Referendaren hatte ich jetzt auch längere Zeit. Es ist alles ein bisschen viel
    Die Schüler werden nur noch von Experimenten geflutet

  • wir haben zur Zeit 6 Referendare, der Durchgang davor war genauso stark, es gab eine 6-monatige Überlappung.
    Wir bekommen zum ersten Mal einen PraxisSemesterStudenten und gerade tummeln sich 2 PraktikantInnen für ein paar Wochen durchs Lehrerzimmer. Wir hatten aber auch schon mal 4-5 "normale" PraktikantInnen in den Semesterferienzeiten.
    Die vergleichsweise (auch ca. 70 KollegInnen) niedrige Anzahl an Refs und PSS liegt darin, dass wir 35 Kilometer von der Uni- und Seminarstadt sind. an genau dieser Stadt weiß ich von Durchgängen mit 15 Refs, 5 davon alleine im Fach Deutsch. Bei einer kaum größeren Schule. Entsprechend mehr PSS und "normale" PraktikantInnen.
    ...

  • Bei uns ist es auch gerade total viel geworden. Schülerpraktikanten (die sind am schlimmsten, da sie mehr den Unterricht und dessen Ablauf stören als alles andere), Praktikanten von der Uni (manche Master, manche Bachelor) und dann mehrere Referendare. Die viele, die nur 6 Monate bleiben und nur 4 Stunden unterrichten, weil sie eigentlich an die andere Schulform gehören. Die Sitzplätze im Lehrerzimmer werden langsam rar... :D

  • Bei uns und vielen Schulen im Umkreis ist es im Moment ein großes Problem, dass wir regelmäßig Referendare in Überhangfächern zugewiesen bekommen, in denen schon die Kollegen ihre Stunden nicht decken können. Folge: Verbeamtete Lehrer werden abgeordnet, Referendare bleiben und unterrichten dafür, und zwar in einigen Fächern inzwischen z.B. die meisten Fächer in der Eingangsklasse der Oberstufe, weil die Studienseminare darauf Wert legen, dass sie dort eingesetzt sind. Für mich eine sehr unbefriedigende Situation.

  • Ist mir auch ein Rätsel. Der PR meint, es wäre unsere Aufgabe und sehr wichtig, Referendare auszubilden und ihnen eine Chance zu geben. Welche Möglichkeiten hätte er denn da? Und die Schulleitung meint, sie kann die Referendare nicht ablehnen, sondern kriegt die zugewiesen.

  • Uns wird immer gesagt, dass die Schule kaum die Möglichkeit hat, Referendare abzulehnen, sondern nur Wünsche nennen kann, welche Fächer sie möchte, die aber oft vom Seminar übergangen werden. Stimmt das ? Außerdem würden die Referendare auf die Gesamtversorgung anteilig angerechnet, was in überbesetzten Fächern dann eben fatal ist, sodass es zu Abordnungen kommt, weil eben nicht genug Stunden da sind, um die Referendare einzusetzen. Doppelbesetzungen gibt es bei uns gar nicht.

  • Also in NRW ist die Anzahl der Eignungspraktikanten und Praxissemesterplätze von der Schulgröße abhängig. Wie viele Orientierungs- und Fach/Berufsfeldpraktikanten ihr annehmt, entscheidet ihr selbst.
    Darüber hinaus kann euer Praktikumskoordinator die Zeiträume für die Eignungspraktikanten festlegen. Da Eignungs- und Orientierungspraktikum zudem nicht fachgebunden sind, kann man sie bei großer Überlastung der entsprechenden Wunschfachkollegen die Praktikanten auch in anderen Fächern mitschicken.
    Wenn sich das ganze bei euch zeitlich und personell häuft, dann solltet ihr dringend euer Praktikumskonzept überarbeiten und mit eurem Praktikumskoordinator sprechen.


    Wir achten bei der Praktikumsplanung auf die zeitliche Verteilung der Praktikanten, auf die Aufteilung auf die Fächer und auf die Aufteilung auf verschiedene Kollegen. Letztendlich macht es einen guten Praktikumskoordinator aus, dass er/sie das so steuert, dass keine Kollegen/Klassen überlastet werden.


    Mit "unserer" Uni haben wir eine feste Vereinbarung wie viele Praktikanten wir aufnehmen und können auch angeben welche Fächer wir uns wünschen (Bildungswissenschaften/Orientierungspraktikum oder Fachpraktikanten). Darüber hinaus haben wir intern festgelegt, wie viele Praktikanten gleichzeitig zu bewältigen sind. Unsere Praktikantenquote beträgt in etwa 13%.


    Die Vergabe läuft nach folgender Priorität:
    1. Praxissemester (Rechtsanspruch, nicht unterrichtete Fächer ausschließbar)
    2. Eignungspraktikanten (Rechtsanspruch, aber Praktikumszeiträume steuerbar, keine Fachbindung bzw. Wunschfach nur nach Kapazität)
    3. Orientierungs/Fachpraktikanten unserer Uni (Anzahl und Fächer steuerbar, mit Uni abgesprochen)
    4. Orientierungs-/Fachpraktikanten anderer Unis (Nur Restplätze in Fächern, wo wir Kapazität haben)
    5. sonstige Praktikanten (Nur Restplätze in Fächern, wo wir Kapazität haben)


    Bezüglich der Lehramtsanwärter kann der Schulleiter Wünsche an das Seminar melden. Das klappt bei uns auch sehr gut.


    Grundsätzlich sollte man bei allem bedenken, dass wir uns alle ja gute neue Kollegen wünschen. Dazu gehört, dass man vorher Erfahrungen sammelt um seinen Berufswunsch und seine Berufseignung zu überprüfen. Insofern sind Praktika als etwas positives zu sehen und das verstärkte Praktikantenaufkommen ein Zeichen einer richtigen Entwicklung in der Lehrerausbildung.


    Ich binde meine Praktikanten soweit möglich in den Unterricht ein. Dazu gehört, dass sie in den Arbeits- und Übungsphasen die Schüler mit unterstützen, dass sie kleine Phasen selbst einmal übernehmen und dass sie eine Unterrichtsstunde mit planen und durchführen. Ich habe das Gefühl, dass davon letztlich alle Beteiligten profitieren. Die Praktikanten, weil sie Erfahrungen sammeln, die Schüler weil sie mehr Ansprechpartner und Helfer haben und ich als Lehrer auch, weil auch die Praktikanten den Schülern in den Arbeits- und Übungsphasen mit Hilfestellung geben.
    Wo ich persönlich etwas allergisch reagiere, das sind Praktikanten, die ausschließlich passiv hinten im Unterricht sitzen. Aber das hat man ja zu einem guten Teil in der Hand.

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