Bayerisches Schulsystem - Vorteile und Nachteile

  • Mein Gott wird hier viel gejammert. Kommt mal nach Bayern, hier wird noch ordentlich gearbeitet. Sowohl von Seiten der Lehrer, als auch seitens der Schüler wird hier noch wahre Leistung erbracht. Das merkt man auch am Lehramtsstudium. Das ist in Bayern wesentlich fachlicher orientiert.

  • Nochmal EDIT: Sorry, das ist total OT und geht vom eigentlichen Zweck des Threads total weg. Vielleicht kann man meinen und Vulgos Beitrag einfach löschen oder zumindest auslagern?


    Das stimmt. Das bayerische Schulsystem ist perfekt - hier gibt es keine Probleme, da die Erlasse des bayersichen Kultusministerium, ja der gesamten bayerischen Staatsregierung, direkte göttliche Eingebungen sind. Das hat schon Ludwig Thoma in "Ein Münchner im Himmel" schlüssig dargelegt. Deshalb ist ja ein Abitur in einem bayerischen Leistungskursfach in vielen Bundesländern auch dem zweiten Staatsexamen im entsprechenden Fach gleichgesetzt. Und jedes außerbayerische Schulamt schmeißt eine Party, wenn es durch das Ländertauschverfahren einen bayerischen Studienrat bekommen kann.


    Mein Gott, komm mal runter. Ich bin jetzt seit sieben Jahren im bay. Schuldienst. Vorher habe ich in Hessen und NRW gearbeitet. Die kochen hier auch nur mit Wasser, besonders viel toller ist das hier nicht.
    Es gibt meiner Meinung nach zwei Gründe, warum das bay. Schulsystem sich selbst so toll findet und von außen oftmals auch so verklärt wird. Beide sind aber bestenfalls ambivalent:


    1.) Das bayerische Schulsystem ist sehr stark auf Selektion ausgelegt. Dadurch sind die Lerngruppen homogener, wodurch natürlich zum Teil zumindest auf dem Gymnasium auf höherem Niveau gearbeitet werden kann. Das ist aber eine Frage des Menschenbilds. Wer schon mal in einer bayerischen Notenkonferenz gesessen hat und mitbekommen, mit welcher Rhetorik und welcher Arroganz hier z.T. Schüler an "untere" Schulformen "abgeschoben" werden, kann das schon mal in Frage stellen. Ich habe, seit ich in Bayern bin, keinen einzigen Förderplan mehr geschrieben. An zwei meiner Schulen hier wurden Ergebnisse in Beratungsgesprächen mit Schülern oder Eltern als Erfolg gefeiert, wenn man seinen eigenen Willen durchgesetzt hat. Ich bin Befürworter des dreigliedrigen Schulsystems, aber das setzt eine Aufwertung der Schulformen jeneseits des Gymnasiums voraus. Und es muss mehr und bessere Möglichkeiten geben, die Schulform auch "nach oben" zu wechseln. Die Möglichkeiten, bspw. einen guten Realschüler ans Gymnasium zu holen, sind ein absoluter Witz.


    2.) Das bayerische Schulsystem hat sehr davon profitiert, dass die Regierung hier im Prinzip nie gewechselt hat. Seit Generationen regiert hier die CSU. Von der kann man halten, was man will, aber wenigstens gab es nicht den Aktionismus, der in anderen Bundesländern bei jedem Regierungswechsel Einzug hält - verbunden mit entsprechenden Reformen, die sich teilweise selbst wieder aufheben: Hin zum dreigliedrigen Schulsystem, weg vom dreigliedrigen Schulsystem, doch wieder hin...
    Ein Resultat ist aber, dass das bay. Schulsystem zum Teil sehr verkrustete Strukturen hat. Wandel ist eben auch manchmal gut. Gleichzeitig ist mit dem spontanen Wechsel hin zu G8 quasi über Nacht (- drei Monate im Schuljahr wurde damals beschlossen, dass die aktuelle 5. Jahrgangsstufe jetzt doch schon der erste G8-Jahrgang ist; über den brandaktuellen neuen G9-Lehrplan für diese Jahrgangsstufe hieß es dann lapidar, der könne auch für das G8 gelten) eine neue Kultur der übereilten, undurchdachten Reformen eingezogen: Flexijahr; Mittelstufe plus; Lehrplan plus; Bayerisches Schulgesetz. Die Verkrustungen brechen dadurch zum Teil auf, werden aber durch unausgegorene Konzepte ersetzt, die oftmals nach zwei Jahren wieder kassiert werden. Bayern braucht also keinen regelmäßigen Regierungswechsel, um den gleichen negativen Effekt zu erreichen. Hurra!


    Ich bin gerne hier und hier läuft vieles richtig. Aber die Mär vom einzigartig tollen bayerischen Schulsystem ist im höchsten Maße albern.


    EDIT: Vulgo, in wie vielen Bundesländern hast du denn schon als fertig ausgebildeter Lehrer unterrichtet, wenn du solche Urteile fassen kannst?

  • Richtig. Selektion ist das Stichwort. Das Gymnasium sollte die 30% Besten der Schülerschaft beherbergen. Ich habe mein Referendariat in Niedersachsen gemacht. In Chemie in der OBERSTUFE konnten mir 80% nicht einmal den Molbegriff definieren, geschweige denn herleiten. Im Vergleich dazu kann ich in Bayern regelmäßig in der Oberstufe Klausuren auf Uniniveau stellen, das funktioniert problemlos. Es gibt drei klassische Siebfächer: Mathematik, Physik und Chemie. Leider entwicklen sich Chemie und Physik zunehmend zu "normalen" Fächern, in denen jeder durchkommt, wenn er nur ein bisschen rumschwallt. Das darf nicht sein. In NRW wird selbst im Leistungskurs Chemie das Orbitalmodell NICHT durchgenommen, dabei ist es essenziell für die gesamte Chemie und das Verständnis der atomaren Welt. Aber gut, in NRW wird ja auch immer wieder eine fast linksradikale Regierung gewählt unter der schrecklichen Kraft. Gott sei Dank haben wir in Bayern die CSU.

  • Richtig. Selektion ist das Stichwort. Das Gymnasium sollte die 30% Besten der Schülerschaft beherbergen. Ich habe mein Referendariat in Niedersachsen gemacht. In Chemie in der OBERSTUFE konnten mir 80% nicht einmal den Molbegriff definieren, geschweige denn herleiten. Im Vergleich dazu kann ich in Bayern regelmäßig in der Oberstufe Klausuren auf Uniniveau stellen, das funktioniert problemlos. Es gibt drei klassische Siebfächer: Mathematik, Physik und Chemie. Leider entwicklen sich Chemie und Physik zunehmend zu "normalen" Fächern, in denen jeder durchkommt, wenn er nur ein bisschen rumschwallt. Das darf nicht sein. In NRW wird selbst im Leistungskurs Chemie das Orbitalmodell NICHT durchgenommen, dabei ist es essenziell für die gesamte Chemie und das Verständnis der atomaren Welt. Aber gut, in NRW wird ja auch immer wieder eine fast linksradikale Regierung gewählt unter der schrecklichen Kraft. Gott sei Dank haben wir in Bayern die CSU.

    Wenn es in Bayern hauptsächlich darum geht, unliebsame Schüler auszusieben, weil sie zu blöd sind, möchte ich da nie in meinem Leben unterrichten!

  • Ich habe ein paar Jahre in Bayern an einem Gymnasium gearbeitet und fand manches ... befremdlich. Und damit meine ich nicht nur die Ausdrucksweise ( z.B. "Schulaufgabe", "Angabe" und, mein Liebling: "Unterschleif" :rofl: ). Das sind Äußerlichkeiten, die schnell gelernt sind.
    Z.B. aber das strikte Respizienssystem.
    Es hat natürlich durchaus Vorteile, schafft vll mehr Vergleichbarkeit, ist aber für alle Beteiligten eine Zumutung.
    Insgesamt war der Verwaltungsaufwand noch mal um ein Beträchtliches höher als ich es kannte.


    KA spielten eine ungleich größere Rolle in der Gesamtnotenberechnung als alle anderen =kleineren Leistungen. Das hat zur Folge, dass wegen KA ein immens großer Druck herrscht, nicht nur auf den Schülern. Das bedeutet auch, dass man versemmelte KA kaum wieder ausgleichen kann. Das bedeutet ebenso, dass die mündliche Beteligung im Unterricht eine deutlich geringere Rolle spielt, als ich das aus den norddeutschen Schulen kannte.


    Was mir aber am unangenehmsten auffiel:


    bei sehr vielen (nicht bei allen, aber wirklich bei sehr vielen) Kollegen gleich welchen Alters herrrschte die Meinung vor, man müsse Schülern grundsätzlich misstrauen. Weil sie nämlich zu Dummheit, Faulheit und letztlich zur Unehrlichkeit neigten.
    Ausnahme: die Einser- Schüler, die es dank eines stark ans Auswendiglernen orientierten Systems übrigens gar nicht so selten gab.
    So wurde auch bei disziplinarischen Kleinigkeiten sofort mit der Verweiskeule geschwungen.
    Dieses Menschenbild, dass prinzipiell Schülern mit Misstrauen zu begegnen sei und man als Lehrer immer und ständig auf der Hut sein müsse, nicht ausgetrickst zu werden, dass man sich bei allem und jedem absichern müsse --
    das empfand ich als hochgradig antiquiert und als belastend.
    Das Rollenverständnis vieler Kollegen hatte bei mir eher Bundeswehrassoziationen hervorgerufen.


    Übrigens wird dieser Eindruck verstärkt von dem einen oder anderen Kollegen aus BY, der in meinem jetzigen Kollegium arbeitet/e. Und das sind/ waren beileibe keine alten Herrschaften.


    Was bitte lernt man in BY im Ref???

  • was mir positiv auffiel:
    Mittel- und Realschulen haben zumindest im kleinstädtischen Bereich einen guten Ruf als Schulform gehabt. Die Abschlüsse gelten durchaus als chancenreich und ermöglichen Ausbildungsplätze.
    Mag natürlich sein, dass das in Ballungsgebieten ganz anders aussieht.

  • @WillG

    1.) Das bayerische Schulsystem ist sehr stark auf Selektion ausgelegt. Dadurch sind die Lerngruppen homogener, wodurch natürlich zum Teil zumindest auf dem Gymnasium auf höherem Niveau gearbeitet werden kann. Das ist aber eine Frage des Menschenbilds. Wer schon mal in einer bayerischen Notenkonferenz gesessen hat und mitbekommen, mit welcher Rhetorik und welcher Arroganz hier z.T. Schüler an "untere" Schulformen "abgeschoben" werden, kann das schon mal in Frage stellen. Ich habe, seit ich in Bayern bin, keinen einzigen Förderplan mehr geschrieben. An zwei meiner Schulen hier wurden Ergebnisse in Beratungsgesprächen mit Schülern oder Eltern als Erfolg gefeiert, wenn man seinen eigenen Willen durchgesetzt hat. Ich bin Befürworter des dreigliedrigen Schulsystems, aber das setzt eine Aufwertung der Schulformen jeneseits des Gymnasiums voraus. Und es muss mehr und bessere Möglichkeiten geben, die Schulform auch "nach oben" zu wechseln. Die Möglichkeiten, bspw. einen guten Realschüler ans Gymnasium zu holen, sind ein absoluter Witz.

    Ich bin absolut deiner Meinung. In Bayern gibt es leider viele Eltern die nur eine Schulform für ihr Kind akzeptieren können nämlich das Gymnasium, auch wenn ihr Kind dafür völlig ungeeinget ist. Jedoch muss ich noch was zu deinem letzten Satz in diesem Zitat sagen. Es gibt in Bayern, aufjedenfall in der Gegend wo ich wohne, Möglichkeiten die Schulform "nach oben" zu wechseln und das besonders als guter Realschüler. Ich bin hierfür das Paradebeispiel. Ich wurde zuerst in die Sonderschule in Bayern eingeschult, hab dann die erste Klasse in der Grundschule wiederholt und war daraufhin in der Hauptschule. Ab der siebten Klasse war ich auf dem M-Zug der Hauptschule und habe dort meine mittlere Reife gemacht und bin gleich danach auf die Übergangsklasse eines Gymnasiums gewechselt. Danach war ich ganz normal in der Q11 und Q12 eines bayrischen Gymnasiums und habe mein Abitur dort mit 2,5 bestanden. Viele Lehrer, besonders Gymnasiallehrer (so kommt es mir vor) kennen sich sehr wenig mit anderen Schularten aus. Sogar meinem Hauptschullehrer in der 10ten Klasse war es nicht bekannt, dass es möglich ist als Hautpschüler mit einer mittleren Reife von 2,5 auf ein Gymnasium zu wechseln. Ich wurde an meinem Gymnasium sogar von den Lehrern darauf angesprochen, da sie damit nicht gerechnet haben, das ein ehemaliger Hauptschüler das einfach so packt und teilweise mit guten bis sehr guten Noten. In meiner damaligen Übergangsklasse waren eigentlich fast alle sehr gute Realschüler, neben ein paar durchschnittlichen Realschülern, einem Schüler aus der Wirtschaftschule und zwei Hauptschülern.


    Zudem finde ich sollte man Eltern beibringen das es auch das, meiner Meinung nach, sehr attraktive berufliche Schulwesen in Bayern gibt. Dieses bietet auch die Möglichkeit nach, während (Fachhochschulreife aber man kann ja danach die BOS besuchen) oder ganz ohne (FOS) eine Ausbildung die allgemeine Hochschulreife zu erlangen.

  • Sachsen ist ja auch sehr stolz auf sein straffes Aussieben und die guten Leistungen, die laut XY-Studie erreicht werden. Was ist aber mit den 200.000 Analaphabeten in Sachsen? Oder mit den Jugendlichen, die ohne Abschluss die Schule verlassen? Und mit denen, die samt Studium und Promotion wieder nach Frankfurt, München oder Stuttgart ziehen, weil es hier keine Arbeitsplätze gibt? Was mit den vielen hier, die verfrüht ausgesiebt werden und dann nach dem Realschulabschluss noch ein Jahr dranhängen, um das Abi zu machen?


    Ich sage, die Qualität des Schulsystems lässt sich nicht an einer Bildungsempfehlung festmachen, die fleißige Mädchen aus gutem Hause bevorzugt. Intellekt, Durchhaltevermögen, Allgemeinbildung, Selbstbewusstsein, Kreativität und all die anderen Fähigkeiten, die man braucht, um später eine Stelle zu bekommen lassen sich nicht durch Schulnoten abbilden, die immer noch häufig in erster Linie Auswendiglernen und Mithilfe der Eltern gut bepunkten.


    Hoher Anspruch ja, Kinder bringen Neugier und Lernwillen mit ins Leben. Dreigliedrigkeit um jeden Preis nein. Es ist eine Anmaßung, bereits bei Zehnjährigen das Leistungsvermögen für die nächsten 60 Jahre ermitteln zu wollen. Zumal man dieses im Klassenverband mit 27 anderen zwar täglich zu tun meint, aber lediglich durch schriftliches Abfragen von Vorgekautem zu eruieren versucht.


    Und sich auf die Schulter zu klopfen, weil man leistungsstarke Schüler unterrichtet halte ich für genauso simpel. Dass an einem bayerischen Gymnasium in Kleinklickersdorf mehr Akademikerkinder sitzen, als in einer strukturschwachen Ecke Mecklenburg-Vorpommerns mit AfD-Ergebnissen von 18 Prozent und überdurchschnittlicher Jugendarbeitslosigkeit dürfte klar sein. Sooo einfach ist das Leben leider nicht.

  • Viele Lehrer, besonders Gymnasiallehrer (so kommt es mir vor) kennen sich sehr wenig mit anderen Schularten aus.

    Das kann durchaus sein. Für mich kann ich sagen, dass ich durchaus von der Existenz der Übergangsklassen weiß; auch die Möglichkeiten mit BOS etc. kenne ich - zumindest größtenteils.
    Nun unterrichte ich aber an einem kleinen Landgymnasium. Wir haben keine Übergangsklassen, sind aber das einzige Gymnasium weit und breit. Realschüler aus der Umgebung können so ein Angebot also nicht nutzen, ohne erhebliche Umstände in Kauf zu nehmen, weil sie in die nächstgrößere Stadt pendeln müssten. Das kann mit dem ÖPNV mehr als eine Stunde dauern.


    Viel wichtiger fände ich es aber, wenn man den Schülern die Möglichkeit geben könnte, schon während ihrer Schullaufbahn die Schule zu wechseln. Ein begabter Realschüler der achten Klasse kann kaum direkt ins Gymnasium wechseln. Sogar in die andere Richtung wird es ab der achten Klasse schwierig, weil sich die Fachstrukturen und Inhalte einfach zu sehr unterscheiden. Hier brauchen wir dringend größere Durchlässigkeit, in BEIDE Richtungen.



    Z.B. aber das strikte Respizienssystem.
    Es hat natürlich durchaus Vorteile, schafft vll mehr Vergleichbarkeit, ist aber für alle Beteiligten eine Zumutung.
    Insgesamt war der Verwaltungsaufwand noch mal um ein Beträchtliches höher als ich es kannte.

    Ja, das ist ein enormer Unterschied. Überhaupt ist in Bayern vieles sehr viel genauer geregelt bzw. vorgeschrieben. Das engt ein und nervt manchmal, es erzwingt aber auch eine gewisse Transparenz, die in anderen Bundesländern sonst von der Professionalität der Lehrer abhängt. Ich hatte es schon mal in einem Thread geschrieben, in dem es darum ging, ob Noten "berechnet" oder "ermittelt" werden sollten. Ein klarer Vorteil der arithmetischen Berechnung ist, dass die Schüler jederzeit genau wissen, wo sie stehen und auch die Eltern einen besseren Überblick haben - gerade weil die Schulaufgaben/Klassenarbeiten so viel mehr zählen. Dadurch gibt es weniger Überraschungen am Ende, kurz vor dem Zeugnis. Natürlich sollten Lehrkräfte immer dafür sorgen, dass die Schüler ihren Leistungsstand kennen und wissen, wo sie stehen. Aber, mal ehrlich, wir kennen doch alle die Kollegen, die sich die Zeugnisnote erst kurz vor der Zeugniskonferenz aus den Fingern saugen - und sich dann darüber wundern, dass es so viel Stress mit Eltern und Schülern gibt.


    Das mit der Respizienz ist tatsächlich super nervig. Wenn mir meine Schulleitung jemals etwas Böses in der Beurteilung will, dann kann sie mich definitiv mit Terminvergehen und formalen Fehlern im Kontext der Resipizienz drankriegen (Einhalten der Abgabefristen; Vollständigkeit der Schulaufgabensätze etc.). Aber auch hier ist zumindest sicher gestellt, dass die Kollegen sich an die inhaltlichen und formalen Vorgaben halten. Das habe ich in NRW und Hessen z.T. ganz anders erlebt - bei einzelnen Kollegen! (In der Regel die, die auch die Noten eher gewürfelt haben).


    Ich möchte hier keine Lanze für das bayerische System brechen. Ich wünsche mir einen reflektierteren Umgang im Vergleich - sowohl von den ideologisch verblendeten bajuwarischen Lehrern als auch von den kritischen Stimmen aus anderen BLs.

  • Dreigliedrigkeit um jeden Preis nein. Es ist eine Anmaßung, bereits bei Zehnjährigen das Leistungsvermögen für die nächsten 60 Jahre ermitteln zu wollen.

    Genau deswegen glaube ich auch, dass das dreigliedrige Schulsystem durch höhere Durchlässigkeit in beide Richtungen und während der gesamten Schullaufbahn der richtige Weg wäre. Wenn ich mal Kultusminister bin...

  • was mir positiv auffiel:
    Mittel- und Realschulen haben zumindest im kleinstädtischen Bereich einen guten Ruf als Schulform gehabt. Die Abschlüsse gelten durchaus als chancenreich und ermöglichen Ausbildungsplätze.
    Mag natürlich sein, dass das in Ballungsgebieten ganz anders aussieht.

    Das gilt heute immer noch für die ländlich geprägten Gebiete.

  • In NRW wird selbst im Leistungskurs Chemie das Orbitalmodell NICHT durchgenommen, dabei ist es essenziell für die gesamte Chemie und das Verständnis der atomaren Welt.

    Mal auf gut bayrisch von der diplomierten Chemikerin - so a Schmarrn. Du kannst z. B. die komplette Thermodynamik und Reaktionskinetik im Teilchenmodell erklären. Ist ja auch logisch - wurde beides lange vor dem Orbitalmodell ersonnen.


    Alles andere wurde schon gesagt, ich kann insbesondere den Beiträgen von WillG nur ungefähr 100 Daumen hoch geben.

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    Früher war mehr Lametta!

  • Mathe, Chemie und Physik als Siebfächer? Klar, kann man so machen, wenn man es will. Ein paar SuS werden da bestimmt ausgesiebt. Interessanterweise sind in den letzen beiden Tutorien, die ich hatte, die Leute wegen Englisch und Deutsch sitzen geblieben.


    Wenn ich unterrichte, habe ich nicht nur Anspruch an die SuS, sondern auch an mich. Nicht nur, dass sie es kapieren sollen, nein, ich soll es auch erklären können. Funktioniert nicht immer, und manche Leute sind halt so schlau wie 3m Feldweg, aber ich kann behaupten, hin und wieder gute Inhalte zu machen.
    Gute alte "Friss oder stirb"-Pädagogik gibt es noch an der Uni genug. Ich will meinen SuS erstmal vermitteln, wie man sich Sachverhalte selbst erschließen kann, wie man die Systematik dahinter erkennt. Das funktioniert nicht, wenn ich sage: "Och, findest du schon selbst raus."
    Ich lebe übrigens im Grenzgebiet und weiß, dass einige SuS aus Bayern "rübermachen". Na und? Dann lernen sie wenigstens was Anständiges und haben bessere Abinoten. ;)


    Ich kann Mrs Pace, was die Haltung zum Lehrerselbstverständnis angeht, nur Recht geben.

  • was mir positiv auffiel:
    Mittel- und Realschulen haben zumindest im kleinstädtischen Bereich einen guten Ruf als Schulform gehabt. Die Abschlüsse gelten durchaus als chancenreich und ermöglichen Ausbildungsplätze.
    Mag natürlich sein, dass das in Ballungsgebieten ganz anders aussieht.

    im ballungszentrum münchen sieht das nicht anders aus. hier gibt es durchaus mittelschulen, bei denen 90% der abgänger bereits eine lehrstelle haben. ich war längere zeit an einer berufsschule im umland im einsatz und habe dort selbst in sehr beliebten berufen wie kfz-mechatroniker alles sitzen gehabt, vom ehemaligen förderschüler bis hin zum ex-gymnasiasten (allerdings ohne abi, abgebrochen), realschüler vs. mittelschule ca. 50/50. also ja, hier scheint ein mittelschulabschluss nicht das ende darzustellen. ich vermute aber, dass dergleichen primär mit der wirtschaftslage zu tun hat, und die ist in bayern regional extrem (!) unterschiedlich.

    Einmal editiert, zuletzt von kecks ()

  • Sachsen ist ja auch sehr stolz auf sein straffes Aussieben und die guten Leistungen, die laut XY-Studie erreicht werden. Was ist aber mit den 200.000 Analaphabeten in Sachsen? Oder mit den Jugendlichen, die ohne Abschluss die Schule verlassen? Und mit denen, die samt Studium und Promotion wieder nach Frankfurt, München oder Stuttgart ziehen, weil es hier keine Arbeitsplätze gibt? Was mit den vielen hier, die verfrüht ausgesiebt werden und dann nach dem Realschulabschluss noch ein Jahr dranhängen, um das Abi zu machen?


    Ich sage, die Qualität des Schulsystems lässt sich nicht an einer Bildungsempfehlung festmachen, die fleißige Mädchen aus gutem Hause bevorzugt. Intellekt, Durchhaltevermögen, Allgemeinbildung, Selbstbewusstsein, Kreativität und all die anderen Fähigkeiten, die man braucht, um später eine Stelle zu bekommen lassen sich nicht durch Schulnoten abbilden, die immer noch häufig in erster Linie Auswendiglernen und Mithilfe der Eltern gut bepunkten.


    Hoher Anspruch ja, Kinder bringen Neugier und Lernwillen mit ins Leben. Dreigliedrigkeit um jeden Preis nein. Es ist eine Anmaßung, bereits bei Zehnjährigen das Leistungsvermögen für die nächsten 60 Jahre ermitteln zu wollen. Zumal man dieses im Klassenverband mit 27 anderen zwar täglich zu tun meint, aber lediglich durch schriftliches Abfragen von Vorgekautem zu eruieren versucht.

    1. Ich habe keine Lust dass meine Kinder länger mit anderen Kindern in einer Klasse sitzen, die den Lernfortschritt massiv bremsen. Meine waren froh, als sie auf die weiterführende Schule gekommen sind und der Knirps sehnt sich auch danach.
    Wer das will soll auf die Gemeinschaftsschule gehen, die anderen auf das Gymnasium.
    Soziale Kompetenzen lernen die Kleinen im Fussballtraining und in der Freizeit mit ihren Freunden und in der Interaktion mit ihrer Familie. Die Schule soll ihnen das Wissen vermitteln, welches sie für ihren weiteren Lebensweg benötigen.


    2. Dieses dümmliche Gebashe bezüglich "Auswendiglernerei" nervt. Zunächst ist auch die Bereitschaft etwas auswendig zu lernen eine wichtige Erfahrung. Sich nämlich hinzusetzen und mit manchen Inhalten die nervig sind sich auseinandersetzen. Daneben sollte eine Klassenarbeit nicht nur Reproduktion umfassen, sondern z.B. auch Transferaufgaben.


    3. Auch im Studium muss man Grundlagen auswendiglernen. Die müssen sitzen um darauf aufzubauen.

  • 1. Ich habe keine Lust dass meine Kinder länger mit anderen Kindern in einer Klasse sitzen, die den Lernfortschritt massiv bremsen. Meine waren froh, als sie auf die weiterführende Schule gekommen sind und der Knirps sehnt sich auch danach.Wer das will soll auf die Gemeinschaftsschule gehen, die anderen auf das Gymnasium.
    Soziale Kompetenzen lernen die Kleinen im Fussballtraining und in der Freizeit mit ihren Freunden und in der Interaktion mit ihrer Familie. Die Schule soll ihnen das Wissen vermitteln, welches sie für ihren weiteren Lebensweg benötigen.


    2. Dieses dümmliche Gebashe bezüglich "Auswendiglernerei" nervt. Zunächst ist auch die Bereitschaft etwas auswendig zu lernen eine wichtige Erfahrung. Sich nämlich hinzusetzen und mit manchen Inhalten die nervig sind sich auseinandersetzen. Daneben sollte eine Klassenarbeit nicht nur Reproduktion umfassen, sondern z.B. auch Transferaufgaben.


    3. Auch im Studium muss man Grundlagen auswendiglernen. Die müssen sitzen um darauf aufzubauen.

    Jetzt hast du viel geredet, um wenig zu sagen, nämlich dass man manchmal was Auswendiglernen muss. Ja, das stimmt Yummi. Manchmal müssen Menschen was auswendig lernen.


    Und dann muss man noch ganz viel anderes lernen, damit man kein arrogantes Arsch wird zum Beispiel. Das kann Schule natürlich nicht leisten. Muss sie auch nicht. Es ging darum, dass der TE an einer bayerischen Schule andere Schüler vorfand, als im Ref und daraus schloss, die Welt wird besser, wenn früher "selektiert" würde. Ganz egal wer wen wie nach welchen Kriterien warum aussortiert.


    Aber die Welt ist klein bisschen komplexer, als ein Mathestudium auf Lehramt mit anschließender Verbeamtung :aufgepasst:

  • Aber die Welt ist klein bisschen komplexer, als ein Mathestudium auf Lehramt mit anschließender Verbeamtung

    Nana, jetzt aber nicht alle in einen Topf werfen. ;)

    “Prejudice is a great time saver. You can form opinions without having to get the facts.”E.B. White

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