IQB - Viertklässler rechnen und lesen und rechnen schlechter (zeit.de)

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    • Krabappel schrieb:

      Mich würde z.B. interessieren: hat schon mal jemand ernsthaft alle Lehrpläne verglichen? oder die Einstellung von LehrerInnen bzgl. Leselernprozessen? Anzahl der Deutschstunden? zumeist verwendete Lehrwerke je Region?... irgendwas Konstruktives, Vergleichbares?
      Ich kann jetzt nur von mir aus schreiben, vielleicht ist das ein Ansatz, zu vergleichen: Ich unterrichte gerade eine 4. Klasse. Ich schildere einfach einmal, was vielleicht Unterschiede machen könnte, weiß es aber nicht. Vielleicht ist in anderen Bundesländern vieles ähnlich.

      Lesen:
      In Bayern schreiben wir sogenannte "Leseproben", das sind anspruchsvolle Arbeiten, bei denen es darum geht, inhaltliche Aufgaben auf den verschiedenen Kompetenzstufen und technische Leseaufgaben zu lösen.
      Schon seit Jahren haben wir die Flohkiste Leseförderung, ein Programm, das vom Lehrerverband immer wieder propagiert wird.
      Neuerdings werden überall Lautlesetandems publik gemacht. Die Leseförderung ist in den Grundschulen ziemlich bewusst, manche Schulen haben das explizit in ihr Schulprogramm geschrieben.
      Das denke ich, ist in anderen Bundesländern ebenso, hoffe ich zumindest einmal: Büchereibesuche, Ganzschriften, Schulbüchereien sind bei uns Standard.
      Wir nutzen den bundesweiten Vorlesetag als Aktionstag oder das Angebot der Stiftung Lesen, Lesenächte sind in vielen Schulen selbstverständlich.

      Zuhören:
      Eine beträchtliche Anzahl von Unterrichtsstunden basieren auf der Zuhörkompetenz. Wenn wir modern unterrichten, setzten sich die Schüler im Ich- du - wir Verfahren mit einem Thema auseinander, zum Schluss wird alles besprochen. Da muss man gut zuhören.
      Kooperative Unterrichtsmethoden sind angesagt. Explizit zuhören übe ich z.B. nicht sehr viel, weil ich weiß, dass diese Eigenschaft schon genug im Unterricht trainiert wird.

      Rechtschreiben:
      Wenn z.B. verfasste Texte überarbeitet werden, dann müssen diese ab Klasse 3 rechtschriftlich überarbeitet werden. Es gab einmal einen kurzen Trend vor ca. 10 Jahren, dass man Falsches auch veröffentlichen kann, inzwischen ist man davon abgekommen. Wir arbeiten schon immer mit einem Grundwortschatz und Rechtschreibstrategien, die sich neuerdings etwas verändert haben und schwerpunktmäßig in Richtung Silben gehen. Dazu wurden bis vor kurzem ziemlich bayernweit nur 2 Arbeitshefte benutzt, allen voran der "Zauberlehrling".

      Mathematik:
      Das SINUS- Programm wurde jahrelang in den Schulen mit aufwändigen Fortbildungen und Unterrichtsbeispielen der Teilnehmer immer unter anderen Schwerpunkten eingeführt. Inzwischen ist es in den Lehrplan, der trotz Kompetenzorientiertheit ziemlich konkret ist, eingeflossen. Allerdings ist mir der Einstieg in 1/2 noch zu hoch gewesen, denn ich habe immer 1-3 Dyskalkuliefälle ab der 3. Klasse. Wir haben gute Mathebücher, mit denen man arbeiten kann.

      Stundenanfang in den Grundschulen:
      Die Schüler haben eine Viertelstunde Zeit, in das Klassenzimmer zu kommen. Während der Vorviertelstunde ist der Lehrer im Klassenzimmer und kann das eine oder andere Organisatorische machen bzw. mit dem Schüler über (schulische)Probleme reden. Oft fangen die Schüler, wenn sie kommen mit einer selbstständigen "Morgenarbeit" (z.B. Wochenplan) an, während der Lehrer Zeit hat, individuell auf die Schüler einzugehen.

      Unterstützung:
      Die Schulberatung ist gut (Schulpsychologen, Beratungslehrer, MSD), die Doppelbesetzung und zusätzliche Förderung wenig ausgeprägt. Wenn eine Schule Glück hat, hat sie einen Förderlehrer an der Schule, der parallel zum Unterricht in Kleingruppen fördert.

      Migrationsanteil:
      Stadtschulen mit einem sehr hohen Migrationsanteil haben (da hört man immer einmal wieder etwas von Kolleginnen, weiß ich also vom Hörensagen) offensichtlich große Probleme bzgl. des Niveaus.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Caro07 ()

    • Der Knackpunkt ist meiner Erfahrung nach das Beherrschen oder Nichtbeherrschen der deutschen Sprache.

      Wenn Familien mit Migrationshintergrund super integriert sind, die Sprache sprechen und das Kind ähnliche Erdahrungen wie Altersgenossen machen durfte (mit Papier basteln, eine Schere benutzen, im Kindergarten Bücher vorgelesen bekommen etc), dann ist der Unterschied zwischen "Kind mit Migrationshintergrund" und "Kind ohne Migrationshintergrund" vernachlässigbar.

      Wenn aber im Elternhaus keiner Deutsch spricht, das Kind weder zum Kindergarten noch in Vorkurse o.ä. gebracht wird, kein Geld für Bastelsachen, Bücher etc da ist, dann ist der Unterschied gravierend.

      Also ich bin sicher, dass bestimmte Migrationshintergründe mit schwächeren schulischen Leistungen korrelieren. Und ich bin ebenso sicher, dass daran nicht die Lehrer Schuld sind, jetzt nur mal vorbeugend gesprochen.


      Cora, ich stimme dir in den meisten Punkten zu, nur würde mich interessieren, welche beiden RS-Arbeitshefte du meinst. Zauberlehrling, klar. Welches ist dein zweites? Ich persönlich kenne vier Stück, die an meiner Schule und an der meiner Kinder verwendet wurden, und ich glaube, meine Nichte hat wieder ein anderes.
    • Ich würde sogar sagen, du kannst "Migrationshintergrund" grob in drei Gruppen unterteilen...

      die erste ist die, wo du es quasi nur am Namen und ggf am Akzent merkst. Kinder, die auch zu Hause Deutsch sprechen, und auch soziokulturell integriert sind, deren Familien auch entsprechende Unterstützungsmöglichkeiten haben.

      die zweite Gruppe sind die, die zwar dazugehören möchten, aber denen der Großteil der Möglichkeiten dazu fehlt. Oft können duie Eltern hier selbst kein oder kaum Deutsch, und es fehlt oft an Geld. Allerdings haben diese Familien die Notwendigkeit der Sprache verstanden, und wünschen sich eine bessere Integration - denen kann meist geholfen werden, oft brauchen sie nur einen Hinweis, wo sie entsprechende Hilfe bekommen können, oder auch das ein oder andere direkte Angebot.

      Die dritte Gruppe ist die wirklich problematische - nicht nur wird hier die Sprache nicht beherrscht, diese Gruppe sieht auch nicht ein, wieso sie diese überhaupt lernen sollten. Hier wird auch kein Wert auf Teilhabe an der Kultur gelegt, vielmehr versuchen diese, sich eigene Inseln und Ghettos innerhalb unserer Gesellschaft zu formen, und verweigern sich dem System an sich. Hier ist mMn Hilfe zwecklos, und die logische Konsequenz kann eigentlich nur sein, diese sowieso nicht integrierten auch aus dem Land zu entfernen, da aufgrund der Verweigerung seitens der Migranten kein Erfolg in puncto Integration möglich ist.

      Diese dritte Gruppe ist nicht unbedingt groß, aber leider auffällig (und schuld an so ziemlich jedem pauschalen Vorurteil gegenüber Migranten). Zwischen diesen, insbesondere der zweiten und dritten, unterscheiden zu können, ist essentiell um gezielt fördern zu können. Wer an Migranten der dritten Gruppe schon genug Energie verschwendet hat, baut natürlich Frust (ud Vorurteile) auf. Es bedarf wohl konsequenterer Vorgaben seitens der Regierung (und diese müssen dann auch durchgesetzt werden und nicht nur auf dem Papier stehen).


      Der weitere Punkt, der auch eine Rolle spielen dürfte, hat nicht mit Migration zu tun, sondern schlicht mit Erziehung und den Wertevorstellungen - Kinder, die Schule als "lästig" empfinden, die nur erfahren, da eben hingehen zu müssen, ansonsten eher perspektivlos, haben natürlich wenig Interesse an Mitarbeit, sondern stören eher, und ziehen damit andere mit.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    • Yummi schrieb:

      Aber interessant wäre ob bestimmte Migrationshintergründe mit schwächeren schulischen Leistungen korrelieren.
      Tut es m.M.n.. Aber selbst die Erhebung solcher Daten wird als politisch nicht korrekt angesehen und könnte zu unerwünschten Ergebnissen führen.
      Planung ersetzt Zufall durch Irrtum. :_o_P

      8_o_) Politische Korrektheit ist das scheindemokratische Deckmäntelchen um Selbstzensur und vorauseilenden Gehorsam. :whistling:
    • SteffdA schrieb:

      Yummi schrieb:

      Aber interessant wäre ob bestimmte Migrationshintergründe mit schwächeren schulischen Leistungen korrelieren.
      Tut es m.M.n.. Aber selbst die Erhebung solcher Daten wird als politisch nicht korrekt angesehen und könnte zu unerwünschten Ergebnissen führen.
      "unerwünschte Ergebnisse" - unerwünscht von wem?
      Es gibt sicherlich bestimmte "Quoten" verschiedener Herkunftsländer in den verschiedenen Gruppen. Wieso soll man nicht feststellen dürfen, welche Migranten sich vermehrt in welchem Typus wiederfinden?
      Ich kann sogar noch weitergehen - selbst "gender" ist hier ein Thema - ich habe bisher "problematische" (= integrantionsunwillige) Migranten quasi ausschließlich als männlich erlebt - die Migrantenmädchen hatten durch die Bank deutlich weniger Probleme, sowohl mit der Sprache als auch mit der Lernbereitschaft. Ist das jetzt "politically incorrect"? Mir doch egal, es ist vor allem wahr.
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
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    • Yummi schrieb:

      Aus Erfahrung als Vater kann ich lediglich einbringen, dass Migrationshintergrund differenzierter betrachtet werden muss.

      Nicht jedes Kind mit Migrationshintergrund ist schulisch schwach. Aber interessant wäre ob bestimmte Migrationshintergründe mit schwächeren schulischen Leistungen korrelieren.
      Du meinst vermutlich nicht das Herkunftsland mit „Migrationshintergründen“? Kinder mit, ich sag mal ‚soziokulturellen Nachteilen’ haben natürlich tendenziell mehr schulische Schwierigkeiten, egal wo sie geboren wurden.
    • Es gab bei irgendeiner PISA Studie mal eine Aufteilung von Migrationshintergrund nach Herkunft, die hat Sarazzin in seinem Buch auch ziemlich ausgeschlachtet, darin war es so, dass Kinder mit Migrationshintergrund aus Südostasien und dem ehemaligen Ostblock im Durchschnitt sogar besser abschnitten als "Biodeutsche", während insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund aus dem nahen und mittleren Osten massiv schlechter abschnitten (auch im Vergleich zu anderen Migrantengruppen z.B. aus Südost- und Südeuropa). Dieser Unterschied konnte übrigens nicht komplett durch den sozio-kulturellen Hintergrund der Familien erklärt werden. Ich finde die Auswertung dazu aber gerade nicht, kann stattdessen aber hiermit aufwarten, da zeigt sich ein ähnliches Bild, es geht aber darum welche Anteile welche Schulform besuchen.
      The price of freedom is eternal vigilance. (Leonard H. Courtney)
    • Caro07 schrieb:

      Krabappel schrieb:

      Mich würde z.B. interessieren: hat schon mal jemand ernsthaft alle Lehrpläne verglichen? oder die Einstellung von LehrerInnen bzgl. Leselernprozessen? Anzahl der Deutschstunden? zumeist verwendete Lehrwerke je Region?... irgendwas Konstruktives, Vergleichbares?
      Ich kann jetzt nur von mir aus schreiben, vielleicht ist das ein Ansatz, zu vergleichen: Ich unterrichte gerade eine 4. Klasse. Ich schildere einfach einmal, was vielleicht Unterschiede machen könnte, weiß es aber nicht. Vielleicht ist in anderen Bundesländern vieles ähnlich.
      Lesen:
      In Bayern schreiben wir sogenannte "Leseproben", das sind anspruchsvolle Arbeiten, bei denen es darum geht, inhaltliche Aufgaben auf den verschiedenen Kompetenzstufen und technische Leseaufgaben zu lösen.
      Schon seit Jahren haben wir die Flohkiste Leseförderung, ein Programm, das vom Lehrerverband immer wieder propagiert wird.
      Neuerdings werden überall Lautlesetandems publik gemacht. Die Leseförderung ist in den Grundschulen ziemlich bewusst, manche Schulen haben das explizit in ihr Schulprogramm geschrieben.
      Das denke ich, ist in anderen Bundesländern ebenso, hoffe ich zumindest einmal: Büchereibesuche, Ganzschriften, Schulbüchereien sind bei uns Standard.
      Wir nutzen den bundesweiten Vorlesetag als Aktionstag oder das Angebot der Stiftung Lesen, Lesenächte sind in vielen Schulen selbstverständlich.

      Zuhören:
      Eine beträchtliche Anzahl von Unterrichtsstunden basieren auf der Zuhörkompetenz. Wenn wir modern unterrichten, setzten sich die Schüler im Ich- du - wir Verfahren mit einem Thema auseinander, zum Schluss wird alles besprochen. Da muss man gut zuhören.
      Kooperative Unterrichtsmethoden sind angesagt. Explizit zuhören übe ich z.B. nicht sehr viel, weil ich weiß, dass diese Eigenschaft schon genug im Unterricht trainiert wird.

      Rechtschreiben:
      Wenn z.B. verfasste Texte überarbeitet werden, dann müssen diese ab Klasse 3 rechtschriftlich überarbeitet werden. Es gab einmal einen kurzen Trend vor ca. 10 Jahren, dass man Falsches auch veröffentlichen kann, inzwischen ist man davon abgekommen. Wir arbeiten schon immer mit einem Grundwortschatz und Rechtschreibstrategien, die sich neuerdings etwas verändert haben und schwerpunktmäßig in Richtung Silben gehen. Dazu wurden bis vor kurzem ziemlich bayernweit nur 2 Arbeitshefte benutzt, allen voran der "Zauberlehrling".

      Mathematik:
      Das SINUS- Programm wurde jahrelang in den Schulen mit aufwändigen Fortbildungen und Unterrichtsbeispielen der Teilnehmer immer unter anderen Schwerpunkten eingeführt. Inzwischen ist es in den Lehrplan, der trotz Kompetenzorientiertheit ziemlich konkret ist, eingeflossen. Allerdings ist mir der Einstieg in 1/2 noch zu hoch gewesen, denn ich habe immer 1-3 Dyskalkuliefälle ab der 3. Klasse. Wir haben gute Mathebücher, mit denen man arbeiten kann.

      Stundenanfang in den Grundschulen:
      Die Schüler haben eine Viertelstunde Zeit, in das Klassenzimmer zu kommen. Während der Vorviertelstunde ist der Lehrer im Klassenzimmer und kann das eine oder andere Organisatorische machen bzw. mit dem Schüler über (schulische)Probleme reden. Oft fangen die Schüler, wenn sie kommen mit einer selbstständigen "Morgenarbeit" (z.B. Wochenplan) an, während der Lehrer Zeit hat, individuell auf die Schüler einzugehen.

      Unterstützung:
      Die Schulberatung ist gut (Schulpsychologen, Beratungslehrer, MSD), die Doppelbesetzung und zusätzliche Förderung wenig ausgeprägt. Wenn eine Schule Glück hat, hat sie einen Förderlehrer an der Schule, der parallel zum Unterricht in Kleingruppen fördert.

      Migrationsanteil:
      Stadtschulen mit einem sehr hohen Migrationsanteil haben (da hört man immer einmal wieder etwas von Kolleginnen, weiß ich also vom Hörensagen) offensichtlich große Probleme bzgl. des Niveaus.
      Das ist aber eigentlich nichts Außergewöhnliches. Bis auf Mathe machen wir das genauso und ich denke, die meisten Grundschulen arbeiten nicht viel anders. Das SINUS-Programm sagt mir nichts.
      Doppelbesetzung gibt es bei uns kaum, für Förderstunden war oft keine einzige Lehrerstunde übrig, jetzt vllt. 1 oder 2 für 4 Klassen.
    • Meerschwein Nele schrieb:

      Bei dieser Problematik ist für mich immer interessant, wie gut eigentlich Erwachsene bei den angegebenen Problemen rechnen können.

      Meine persönliche Erfahrung in der Erwachsenenbildung sagt "nicht so wirklich gut"...
      ...das hast du aber schön diplomatisch ausgedrückt...
      Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
      Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
      Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    • Mich stört an der Diskussion, dass zu viel an das Elternhaus delegiert wird.

      In der ersten Klasse wurde uns Eltern eindringlich aufgegeben, täglich mit den Kindern lesen zu lernen. Haben viele gemacht.
      Aber in der Klasse gab es eine Mutter, die gar kein Deutsch sprach und eine, die Analphabetin war. Die konnten das gar nicht leisten. Beide Kinder haben die erste Klasse wiederholt.

      Ungut sind auch zu Hause anzufertigende Referate - entweder die Eltern sind unterstützend (oder mehr!) tätig oder die Kinder bekommen zu Hause gar keine Hilfe und stehen am Referatstag ohne irgendwas da.

      Wenn man allen Kindern die gleichen Chancen geben will, dann muss die Schule auch die Übungsarbeit leisten. Das wird nur in einer Ganztagsschule gehen - mit gesundem Mittagessen, freien Phasen, kleineren Betreuungsgruppen (durch die Lehrkraft, nicht irgendwelche Rentnerinnen) und auch mit Individualisierung. Für die Anfänger muss das Tagesprogramm natürlich kindgerecht sein.

      Wichtig wäre auch eine ganz frühe Elternarbeit - nicht nur mit denen, die freiwillig kommen. Da braucht es dann eben die multikulturelle Sprechstunde, in der erklärt wird, was man vom Elternhaus erwartet. Gerade in den Mahgrebstaaten ist es üblich, dass sich die Eltern aus der Schule heraushalten - man muss den Leuten erklären, wie Schule hier funktioniert. Und sich ihnen vorurteilsfrei nähern. Übrigens sind auch die Aufgabenarten völlig unbekannt, eine marokkanische Freundin ist schon im ersten Schuljahr verzweifelt, weil sie gar nicht verstanden hat, was bei den Aufgaben zu leisten war. Textaufgaben in Mathe in Klasse zwei waren ihr einfach unbekannt (und sie spricht gut deutsch). Über den Aufgaben, bei denen keine Frage mehr gegeben ist, haben wir mit zwei Familien gebrütet.

      Individuelle Förderung kann durchaus nicht daraus bestehen, dass die schwachen Kinder alles daheim erledigen, was sie in der Schule nicht geschafft haben. Das führt zu massivem Frust. Dann gibt es eben unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten.

      Man müsste auch überlegen, ob viele Kopien guttun oder nicht das Abschreiben von der Tafel förderlich wäre. Auch, wenn es denn mal dauert. Am Ende der ersten Klasse konnte ich damals gerade mal Sätze wie "Fu ruft Uta." lesen, meine Kinder haben nach Pfingsten in der ersten eine Klassenlektüre gelesen. Muss das sein?

      Ganz schrecklich finde ich das Schreiben nach Gehör - selbst wenn man die Rechtschreiberegeln nachreicht, haben manche Kinder die Worte abgespeichert. Ich kann ein Lied davon singen, wie aufwändig es ist, die Worte richtig zu lernen. Und bis heute schleichen sich einmal gespeicherte Wörter wie "wier" und "dier" in die Texte ein. Auch die Rechtschreibleistung der "Großen", die in meiner Schule ankommen, ist grottig.

      Darüber hinaus wäre ein verpflichtendes letztes Kindergartenjahr für alle (wenn verpflichtend, dann natürlich kostenlos) immens wichtig, um die Kinder auf Schulkurs zu bringen. So kann man eben nicht mehr davon ausgehen, dass in allen Haushalten mit Schere und Kleber gebastelt wird (ich zum Beispiel!). Besonders, wenn die Eltern voll berufstätig sind.

      Gruß

      Mitleserin
    • Kathie schrieb:

      Cora, ich stimme dir in den meisten Punkten zu, nur würde mich interessieren, welche beiden RS-Arbeitshefte du meinst. Zauberlehrling, klar. Welches ist dein zweites?
      Ich bezog mich auf den alten Lehrplan, da wir mit den neuen Heften noch nicht so viel Erfahrung haben. Ich meinte den Zauberlehrling und den Trolli.

      Für den neuen Lehrplan sind bei uns in der Erprobungsphase der Clown Charlie (wurde aber sofort wieder aufgegeben), der Zauberlehrling und das Auer Rechtschreibheft.
      Wir haben das Auer Sprachbuch - ich selbst mache damit und dem Begleitmaterial gute Erfahrungen. Viele Kolleginnen machen den "Satz des Tages" und klären dort immer wieder Rechtschreibphänomene.
    • lamaison2 schrieb:

      Das ist aber eigentlich nichts Außergewöhnliches. Bis auf Mathe machen wir das genauso und ich denke, die meisten Grundschulen arbeiten nicht viel anders.
      Wenn Grundschulen länderübergreifend im Unterricht ähnlich arbeiten, dann müssen die Ursachen woanders gesucht werden.

      Ein Blick zurück:
      Ich selbst habe noch zu CDU- regierter Zeit in Baden - Württemberg als Lehrerin gearbeitet. Mir ist beim Länderwechsel damals aufgefallen, dass die Inhalte beider Bundesländer so gut wie gleich waren. Allerdings war der damalige Lehrplan in Ba-Wü eher wissenschaftlich formuliert, der bayerische kindgerechter.
      Den in Ba-Wü gelernten Unterricht konnte ich in By weitermachen. Allerdings wurde in Bayern wesentlich strenger benotet und bewertet. Eine große Umgewöhnung war für mich, dass man jetzt nur noch ganze Noten geben durfte, in Ba- Wü waren es Viertelnoten. Des weiteren musste ich mich an eine andere Punkte - Notenverteilung gewöhnen. So fielen die Proben auch schlechter aus. In Ba-Wü habe ich mir nicht viel Gedanken gemacht, wie ich meine Arbeiten aufbaue, in Bayern hat man schon auf den Anspruch geschaut.
    • Ich stelle in meinem Umfeld - nicht nur in der Schule - fest, dass immer mehr Kinder immer weniger können, nicht nur beim Lesen und Rechnen. Auch Kindern, die 2 „deutsche“ Eltern, ein „normales“ Elternhaus und ein ruhiges Umfeld haben, fällt das Lernen immer schwerer. In den KiTas merken die Erzieherinnen, dass es immer problematischer wird, einfachste Dinge vorauszusetzen oder beizubringen. Und da müssen natürlich die Eltern ins Boot geholt werden. Der Alltag hat sich massiv verändert, das kann doch keiner abstreiten. Vorlesen, schwimmen gehen, die Natur erleben, Brett- oder Kartenspiele machen, auf andere Rücksicht nehmen, Ordnung halten, Anweisungen befolgen, Pflichten übernehmen, verlässlich sein, Regeln konsequent beachten u.v.m. wird in den Familien längst nicht mehr in dem Umfang "trainiert", wie es nötig wäre. Und in die Schulen kommen dann viele kleine Egozentriker. Also können wir Lehrerinnen in der Grundschule auch nicht so arbeiten, wie vor ein paar Jahrzehnten. Isso. :) Aber wir können einfordern, was nötig ist.

      Stille Mitleserin schrieb:

      Mich stört an der Diskussion, dass zu viel an das Elternhaus delegiert wird.
      Also "delegiere" ich auch an das Elternhaus, was die Schule allein nicht leisten kann. Ich sage den Eltern durchaus, um was sie sich kümmern müssen: Üben? Hausaufgaben kontrollieren? Das eigene Kind loben? Mal den Schulranzen aufräumen? Alle notwendigen Schulsachen auch zur Schule mitbringen? Für gutes Frühstück sorgen? Das und anderes sollte selbstverständlich sein. Und wenn man sein Kind nicht unterstützen kann, muss man sich Hilfe holen. Und nicht erst im vierten Schuljahr in der Schule auftauchen, um den Lehrerinnen klarzumachen, dass fürs Kind nur das Gymnasium infrage kommt.
      Und nein, ich bin keine Lehrerin, die jammert, wie übel alles geworden ist. Und früher war auch nicht alles besser. Ich gehe gern in meine Schule und arbeite nicht auf meine Frühpensionierung hin. Aber ich kann nicht akzeptieren, wenn Eltern sich ihrer Verantwortung komplett entziehen wollen, nur weil ihr Kind ganztags betreut wird. Ich kann auch nicht akzeptieren, wenn über Jahre hinweg verkorkste Bildungspolitik die Arbeit überflüssigerweise zusätzlich schwerer macht.
      L.G. Pia
    • Dann wird sich aber an dem Zusammenhang zwischen Elternhaus und Bildungserfolg nichts ändern.

      Ich habe auch durchaus nicht von Pausenbroten gesprochen, sondern von Inhalten der Bildungspläne.
      Und da hätte ich doch gerne, dass die Lehrkräfte die Vermittlung übernehmen.

      Es lohnt sich, weiterzudenken: Wenn kein Umdenken stattfindet,
      werden in 30 Jahren in Bremen 30 % der Personen Ende 30 leben, die nicht richtig schreiben und rechnen können.
    • Ergänzung: Schon schräg, dass du alle Änderungsvorschläge abschmetterst, primaballerina.
      Für die Primarkollegen in BaWü wird dsd Absinken der Schülerleistungen bedeuten, dass
      im erheblichen Maß mehr Schul- und auch mehr Lehrerkontrolle stattfinden wird und zwar genau zu den neuralgischen Punkten
      Vermittlung von Bildungsinhalten, Elternarbeit und Differenzierung.
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