Nun also doch - Gehaltszulage für Lehrer an Brennpunktschulen ?!

  • Ich meine, ohne danach gesucht zu haben, hier wurde doch argumentiert (von @Krabappel u.a.), dass mehr Geld für die einen den anderen doch egal sein könne, denn die hätten dadurch nicht weniger.


    Ganz so stichhaltig ist diese Argumentation aber nicht (wenn man nicht nur auf sich selbst schaut).


    "... Konkret soll die Haushaltslücke 24,7 Milliarden Euro betragen. In dieser Rechnung sei bereits die komplette Flüchtlingsrücklage verrechnet, die der damalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu Beginn der Flüchtlingskrise ins Leben gerufen hatte, heißt es. Aktuell betragen die Rücklagen 35,2 Milliarden Euro. Die niedrigeren Steuereinnahmen sollen pro Jahr allerdings ein Loch von rund 5 Milliarden Euro reißen.


    Bei einem Treffen mit Vertretern der anderen Ressorts in der vergangenen Woche soll es bereits eine eindringliche Warnung vor Mehrausgaben gegeben haben, auch weil die Regierung zuletzt ihren Beamten-Apparat drastisch aufgebläht habe: Demnach sollen die Personalausgaben von 2016 bis 2020 von 31 auf mehr als 35 Milliarden Euro steigen. Sie sollten deshalb "eingefroren" werden. Außerdem soll es kein weiteres Geld mehr für den Digitalpakt Schule geben...."
    [Hervorhebung von mir]


    https://www.n-tv.de/politik/Sc…halt-article20841007.html

    Aus Solidarität mit dem vom Aussterben bedrohten Schuppentier (als Pangolin gerade in aller Munde) nenne ich mich jetzt so. ;-)

  • (Um nicht extra eine neue Diskussion zu diesem Thema zu eröffnen, füge ich Neuigkeiten hier ein.)

    Ich staune. Sogar die GEW unterstützt meine Kritik.


    Zu den Mängeln zählt für die Betroffenen nicht nur das schwierige Verfahren sondern auch die Tatsache, dass Brennpunktbeschäftigte, deren Schulen knapp unter der festgelegten 80-prozentigen Hartz-IV-Quote liegen, keinen Zuschlag bekommen. Den Kinderschutzbund trifft dieser Schwellenwert besonders hart, weil er die Horte zweier Schulen in direkter Nachbarschaft betreut, wobei an der Erika-Mann-Grundschule „nur“ 78,5 Prozent der Familien von Sozialtransfers leben, an der Leo-Lionni-Schule aber über 80 Prozent, wie Walther berichtet: Die Beschäftigten der Erika-Mann-Schule gehen also leer aus. "Ungerecht" finden das die Betroffenen.




    https://www.tagesspiegel.de/be…indernissen/23943774.html


    Besser für diese Lehrer wären
    - Stundensoll-Senkung
    - Klassenstärken-Reduzierung
    - mehr Sozialarbeiter und Schulpsychologen an diese Schulen.


    Und für die Kinder mehr Förderprogramme!

    Aus Solidarität mit dem vom Aussterben bedrohten Schuppentier (als Pangolin gerade in aller Munde) nenne ich mich jetzt so. ;-)


  • Die 78,5%-Schule hätte die zusätzliche Sozialarbeiterstelle/Klassenstärkereduktion auch bloß nicht bekommen, denn irgendwo muss man eine Grenze ziehen.


    Und ich bin absolut für Stundensenkung, das wird aber nicht passieren bei diesem Lehrermangel. Also nähme ich natürlich das Geld, würde ich sowieso in diesem Affenzirkus arbeiten (müssen).


    Wenn ich lese, dass manche Lehrer auch noch säumigen Schülern hinterherfahren müssen dann sag ich gleich noch mal: bezahlt diese Bedauernswerten wenigstens anständig!

  • Die 78,5%-Schule hätte die zusätzliche Sozialarbeiterstelle/Klassenstärkereduktion auch bloß nicht bekommen, denn irgendwo muss man eine Grenze ziehen.


    Und ich bin absolut für Stundensenkung, das wird aber nicht passieren bei diesem Lehrermangel. Also nähme ich natürlich das Geld, würde ich sowieso in diesem Affenzirkus arbeiten (müssen).


    Wenn ich lese, dass manche Lehrer auch noch säumigen Schülern hinterherfahren müssen dann sag ich gleich noch mal: bezahlt diese Bedauernswerten wenigstens anständig!


    Aber ich finde, anständig bezahlt werden Lehrer in Berlin durchaus (A 13 für alle ist dort jetzt durchgesetzt und sie bekommen bei Neueinstellung bereits Erfahrungsstufe 5 = laut Info Senat also 5300,- Euro brutto für angestellte Lehrer). Da kann man doch nicht mehr meckern. https://www.berlin.de/sen/bild…instellungen/lehrkraefte/


    Das ganze Konzept der Brennpunktschulenzulage finde ich falsch. Auch die Grenzziehung (80% Hartz-IV-Familien)! Jede andere Grenze würde natürlich auch nur dazu führen, dass die, die das dadurch nicht bekommen (weil sie knapp darunter liegen), unzufrieden sind und das Ganze ungerecht finden.


    Was hat die rot-rot-grüne Landesregierung nun also erreicht? Sie wollte sich feiern lassen, dass sie etwas für die Lehrer an Brennpunktschulen tun und sie bekommen nur neuen Unmut und neue Unzufriedenheit(en). Und die Nutznießer werden das Mehr im Portmonee in ein paar Monaten als selbstverständlich abgehakt haben und wieder / weiter über die unhaltbaren Zustände an ihren Schulen klagen.

    Aus Solidarität mit dem vom Aussterben bedrohten Schuppentier (als Pangolin gerade in aller Munde) nenne ich mich jetzt so. ;-)

  • Hallo, hier! Gruß aus NRW. Hier im dichtbesiedelsten Fleckchen Europas gibt es auch "Berlinschulen". In einem anderen Beitrag hab ich schon über die Zusammensetzung unserer Schülerschaft berichtet (rund 80 Prozent Migrationsanteil und Sozialleistungsbezieher an Schulen). Wir bekommen A12.
    Klassen mit 27 Schülern inklusive 4-8 Förderschülern. Ausgeschriebene Stellen laufen bei uns leer, obwohl wir in der populärsten Stadt NRWs sitzen...
    Ich würde mich über die Zulage auch freuen. Besser wären kleinere Klassen (dann käme ich auch mit den 28 Stunden gut klar), aber wo sollen die Lehrer dafür herkommen?
    Von daher... entweder A13 oder zumindest ne Zulage für den Wahnsinn (den ich trotzdem noch gerne mache).

  • Hallo, hier! Gruß aus NRW. Hier im dichtbesiedelsten Fleckchen Europas gibt es auch "Berlinschulen". In einem anderen Beitrag hab ich schon über die Zusammensetzung unserer Schülerschaft berichtet (rund 80 Prozent Migrationsanteil und Sozialleistungsbezieher an Schulen). Wir bekommen A12.
    Klassen mit 27 Schülern inklusive 4-8 Förderschülern. Ausgeschriebene Stellen laufen bei uns leer, obwohl wir in der populärsten Stadt NRWs sitzen...
    Ich würde mich über die Zulage auch freuen. Besser wären kleinere Klassen (dann käme ich auch mit den 28 Stunden gut klar), aber wo sollen die Lehrer dafür herkommen?
    Von daher... entweder A13 oder zumindest ne Zulage für den Wahnsinn (den ich trotzdem noch gerne mache).


    Das ist dein gutes Recht, es so zu sehen und sicher bist du damit nicht alleine. Andere sehen es anders. Das machen, glaube ich, auch die Links deutlich, die ich brachte. In diesem Falle sagt es sogar die GEW.


    Übrigens bekommen sie in Berlin nicht A 13 oder die Zulage, sondern A 13 und die Zulage (und als Neueingestelle sofort Erfahrungsstufe 5, konkrete Zahlen siehe in meinem Kommentar zuvor). Aber das nur als kleine Präzisierung.

    Aus Solidarität mit dem vom Aussterben bedrohten Schuppentier (als Pangolin gerade in aller Munde) nenne ich mich jetzt so. ;-)

  • Kuppelfritze: „Ich staune. Sogar die GEW unterstützt meine Kritik.“
    Du gibst die Quelle falsch wieder. Die GEW gibt zu bedenken, dass durch andere Steuerquoten Erzieher trotz Zulagen schlechter finanziell dastehen könnten.

    Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

  • Übrigens bekommen sie in Berlin nicht A 13 oder die Zulage, sondern A 13 und die Zulage (und als Neueingestelle sofort Erfahrungsstufe 5, konkrete Zahlen siehe in meinem Kommentar zuvor). Aber das nur als kleine Präzisierung.

    Das weiß ich doch.
    Und ich würde mir hier entweder das eine oder das andere zumindest wünschen wiegesagt.

  • Kuppelfritze: „Ich staune. Sogar die GEW unterstützt meine Kritik.“
    Du gibst die Quelle falsch wieder. Die GEW gibt zu bedenken, dass durch andere Steuerquoten Erzieher trotz Zulagen schlechter finanziell dastehen könnten.


    Das steht da auch. Ja. Das steht noch viel mehr. Aber warum gebe ich die Quelle falsch wieder, @ninale? Stimmt es denn nicht, dass die GEW sagt, die 80%-Grenze führt zu Unmut bei jenen, die darunter liegen und stimmt es denn nicht, dass die GEW Stundenentlastungen für wichtiger hält?


    Zitat: "Zu den Mängeln zählt für die Betroffenen nicht nur das schwierige Verfahren sondern auch die Tatsache, dass Brennpunktbeschäftigte, deren Schulen knapp unter der festgelegten 80-prozentigen Hartz-IV-Quote liegen, keinen Zuschlag bekommen." (ebenda)


    Ok, das mit den Entlastungen geht aus dieser Quelle nicht so hervor, aber aus dieser:


    Zitat: "Gewerkschaft nennt Brennpunktzulage „halbe Katastrophe” ... Die Gewerkschaft ... findet es Erdmann zufolge auch zielführender, Lehrer von Unterrichtsstunden zu entlasten, damit sie mehr Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit abseits des Klassenraums haben." https://www.berliner-zeitung.d…lbe-katastrophe--32005288

    Aus Solidarität mit dem vom Aussterben bedrohten Schuppentier (als Pangolin gerade in aller Munde) nenne ich mich jetzt so. ;-)

  • Zum Glück bin ich ja nicht mehr im Brennpunkt, aber ich wüsste, was ich gewählt hätte, wenn ich zwischen mehr Geld und besseren Arbeitsbedingenungen (kleinere Klassen, weniger Pfichtstunden, mehr zusätzliches pädagogisches Personal) hätte wählen dürfen...
    Mehr Geld macht nun mal nicht gesünder...
    es sei denn man nutzt es um Stunden zu reduzieren...
    aber das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein, wenn eh schon keiner mehr weiß, wer hier noch unterrichten soll...


    Das Argument gegen die Verbesserungen ist ja immer, dass das bei dem jetzigen Lehrermangel unrealistisch ist. Wobei ich mich frage, ob das wirklich so stimmen muss. Es wäre wirklich spannend, inwieweit nicht eine entlastete Arbeitssituation dazu führen würde, dass...
    ... weniger Lehrer wegen Krankheit / Burnout ausfallen würden (kurzfristig/ langristig/entgültig)
    ... weniger Lehrer nur deshalb reduzieren würden, damit es überhaupt noch zu schaffen ist
    ... sich auch langriftstig noch Menschen finden, die den Job freiwillig machen wollen


    Ansonsten wiederhole ich auch gerne nochmal meinen Vorschlag, die Lehrer durch mehr zusätzliche andere Professionen zu entlasten. Wenn schon der Unterricht nicht auf mehr Schultern verteilt werden kann,weil nicht genug Lehrer da sind, dann doch aber die ganzen anderen Aufgaben. Dann bräuchte man dafür auch keine Entlastungsstunden, die auch wieder an Unterricht fehlen.
    Also: mehr/zusätzlich Sozialpädagogen, Schulpsychologen, Lern-, Ergo- und andere Therapeuten, Schulkrankenschwestern, IT-Menschen, Sekretärinnen (und gerne auch Reinigungskräfte ;)) an die Schulen!

  • Ich kann es nicht ausrechnen, aber ich vermute, dass all die Forderungen zusammen unbezahlbar wären. Nicht umsonst verschwinden ja die Förderschulen nach und nach, dort sind ja die Klassen kleiner und die Sozialarbeiter für weniger Kinder zuständig.


    Insofern würde die Wahl einiger vielleicht auf die besseren Bedingungen fallen, aber die Wahl gibt es ja gar nicht.


    Außerdem gibt es tolle Privatschulen mit besseren Arbeitsbedingungen aber weniger Gehalt, die Kollegen, die so eine Schule vorziehen, kann man an einer Hand abzählen.

  • Außerdem gibt es tolle Privatschulen mit besseren Arbeitsbedingungen aber weniger Gehalt, die Kollegen, die so eine Schule vorziehen, kann man an einer Hand abzählen.

    Ich kenne mehrere Lehrer/innen, die an Berliner Privatschulen (Mehrzahl) waren. Die Arbeitsbedingungen waren mitnichten besser. Das lag oft nicht an den Kindern, sondern an Chefs, Vorständen (Vereine), Eltern und Kollegen (ständige Fluktuation, fast nur noch "Ungelernte"). Auch dort gab es z.T. keine PCs, aber eine Pflichtanwesenheit. D.h. 40 Stunden Anwesenheit an der Schule, abends und an den Wochenenden zu Hause am eigenen PC Zeugnisse schreiben. Nebenbei waren die Kündigungsfristen bei allen kurz und wenn die "Nase" nicht mehr passte, flogen die Leute schnell. In den Ferien musste z.T. noch die Ferienbetreuung übernommen werden.

    Menja sawut Bolzboldowa.

    Für Miriam: меня совут болцболдова

    Für MissJones: меня совут больцболдова

    Für Satzliebhaber: Меня совут больцболдова.

    Weitere Erwähnung findet hier natürlich auch MarieJ.

    내 이름은 토끼입니다


  • Außerdem gibt es tolle Privatschulen mit besseren Arbeitsbedingungen aber weniger Gehalt, die Kollegen, die so eine Schule vorziehen, kann man an einer Hand abzählen.

    Hier geht es ja aber nicht um weniger Gehalt für gute Arbeitsbedingungen ("Na super, ich soll mir also mit meinem Gehalt erträgliche Arbeitsbedingungen kaufen; das ist Aufgabe des Staates, nicht von MIR!" *grummel*, *Unzufriedenheit*, *Jobwechsel bei nächster Gelegenheit*), sondern um gleiches Geld (wie es alle anderen auch bekommen) bei einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen (um eben die bisher schlechteren Arbeitsbedingungen an die durchschnittlicher Schulen anzugleichen).

    Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?

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