Länge von Deutsch-Aufsätzen

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    • Länge von Deutsch-Aufsätzen

      Herr Rau schrieb:

      Mein Ziel aus Gymnasialperspektive: Im Lauf der weiterführenden Schule sollen die Schüler und Schülerinnen 10 Seiten A4 Deutsch-Aufsatz am Stück schreiben können. Selber fällt mir das mit Füller sehr viel leichter als etwa Tintenroller. Aber vielleicht fehlt mir mit dem auch nur die Übung. Wenn in meinen Kursen stattdessen jemand vier Seiten in letztlich Druckbuchstaben verfasst, mit Kugelschreiber, stelle ich mir das unnötig schmerzhaft vor.

      fossi74 schrieb:

      Hmm. Mein Ziel war eigentlich immer, dass die Schüler eben keine zehn Seiten schreiben. Korrigierst Du gern?
      Ich korrigiere nicht furchtbar ungern, aber doch: je weniger, desto besser, klar. Im Deutsch-Abitur haben die SuS über 5 Zeitstunden Zeit, wenn die dann weniger als 10 Seiten schreiben, gefällt das am Ende dem Korrektor oder der Korrektorin nicht, also muss ich sie - auch in den Jahren zuvor - darauf vorbereiten. Da werden 10 Seiten erwartet. Wenn es nach mir ginge...

      ...im Idealfall schreiben die SuS 10 vergnügliche, interessante, kundige Seiten. Das gab es früher tatsächlich, darf ich sagen: vor fünfzehn Jahren? Aber auch da waren es wenige. Das korrigiert sich trotz der 10 Seiten schnell.

      Für die Masse hätte ich tatsächlich gerne sehr viel weniger, 4 Seiten in Mittelstufe, 6 Seiten Oberstufe; die dafür sorgfältig, witzig, voller Inhalt und korrekter Formulierungen. Da stehe ich aber allein, die Kollegen und Kolleginnen sehen das anders, vermutlich zurecht: Bei 10 oberflächlichen Seiten ist halt doch mehr Erkenntnis drin und dran als bei 5 oberflächlichen Seiten.

      Sollten wir ihnen beibringen, auf 4 Seiten alles Wichtige zu sagen? Klar. Dafür habe ich aber keine Ressourcen; ich korrigiere das absolute Minimum an Übungsaufsätzen, aus Selbstschutz.
      "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)
    • Da hätte ich als Schüler bei dir versch*****. Ich hab im Schnitt 6 Seiten geschrieben als Höchstmaß. Dann war ich auch fertig mit.
      • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
      • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
      • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
    • nun ja, die arbeit ist immer so lang, wie der gedanke, der sie trägt. das sind beim umfang einer abiaufgabe dann außer in extremen ausnahmefällen i.a. die erwähnten zehn seiten. mit weniger kann man kaum alles unterbringen,was es bei einer gründlichen und fundierten interpretation zu sagen gibt.

      ad füller, kuli, tintenroller: ich finde es toll, dass die grundschulen da mehr individualisierung zulassen und die kinder lernen, alles zu lesen (meine können in 5 alles lesen, auch fremde schreibschriften mit etwas übung), aber dann schreiben dürfen, wie es eben für sie am besten ist. ich persönlich würde mittlerweile immer mit tintenroller schreiben, wenn ich die wahl zwischen füller und tintenroller habe. also, einem passenden tintenroller. der füller ist dagegen anstrengend, wenigstens für mich.
    • keckks schrieb:

      nun ja, die arbeit ist immer so lang, wie der gedanke, der sie trägt. das sind beim umfang einer abiaufgabe dann außer in extremen ausnahmefällen i.a. die erwähnten zehn seiten. mit weniger kann man kaum alles unterbringen,was es bei einer gründlichen und fundierten interpretation zu sagen gibt.
      Man kann aber auch - und das wird in der Mehrzahl der Fälle so sein - fast alles weglassen, was es bei einer gründlichen und fundierten Interpretation zu sagen gäbe, und die zehn Seiten mit redundantem Geschwurbel füllen.

      Eine fachlich hervorragende Arbeit kann gern auch fünfzehn Seiten umfassen und ist trotzdem schneller korrigiert als sechs Seiten Schwall-ins-all, gern auch garniert mit zwanzig unzureichend gekennzeichneten Einschüben.
      Ein Blick ins Gesetz erspart viel Geschwätz.
    • Ist zwar Englisch, aber von der Aufgabenstellung in der Oberstufe ja das gleiche:
      Also im Englisch LK hab ich im Abi von 8-25 Spalten schon alles gehabt. (Eine Spalte ist ein halbiertes DIN A4 Blatt)
      Aber wenn Schüler Mist schreiben, dann lese ich lieber 4 Seiten Mist als 25. wenn Schüler gut sind und groß schreiben, schaffen sie es ja locker 25 Seiten sinnvoll zu füllen.

      Daher ist mein Rat immer: Schreibt auf den Punkt, wiederholt euch nicht und wenn ihr keine Ahnung habt, dann macht besser eine andere Aufgabe.

      Aber der Stapel den ich gerade korrigiere zeigt: eine GK Klausur in der 12 kann auf 3 Seiten nicht besser als 4+ ausfallen. Mehr Inhalt bekommt man nämlich dann nicht zu Papier.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Spannend, ich würde Länge nie an der Seitenzahl festmachen. Der Unterschied dabei ist in meiner Klasse von der breitesten zur kleinsten Handschrift etwa Faktor 5. Das wären bei identischem Text 4 Seiten bei einem und etwa 20 beim anderen.
    • Mir ist die Länge im Prinzip vollkommen schnuppe. Denn das ein Schüler in meinen Fächern mehr als die erwähnten 10 Seiten schreibt, ist mir noch nie passiert. Eher das Gegenteil.

      Aber wenn alles gesagt ist, was es zu sagen gibt, dann können auch 2 Seiten völlig ausreichend sein. Manche Schüler schreiben halt kurz und prägnant. Wenn es relativ fehlerfrei und einigermaßen sinnvoll ist, lese ich auch gerne 10 Seiten.
      Wenn allerdings pro Satz mindestens 5 Fehler vorkommen und ich nicht mehr weiß, wie ich das noch korrigieren soll, dann ist mir jede Zeile zu viel.

      Was ich sagen will: Man kann eine 1 mit 2 Seiten oder mit 10 Seiten kriegen, aber auch eine 5 mit jeweils 2 oder 10 Seiten.

      Die Länge ist also vollkommen unbedeutend. Ich hake halt im EWH ab und wenn alles drin steht, ist gut.
    • 1) Früher habe ich auch immer gedacht, die Länge der Klausur sei egal. Mittlerweile gilt aber tatsächlich in vielen Fällen: Drei bis vier Seiten bei zwei Stunden Deutsch-Klausur oder sechs bei drei sind zumindest ein Indikator, dass zentrale Aspekte vergessen oder zu wenige erläutert/gedeutet etc. worden sind. Natürlich gibt es auch die Fälle, auf denen auf 15 Seiten nur "rumgeschwurbelt" wird.

      2) Fünfzehn oder zwanzig gut geschriebene Seiten sind besser und vor allem schneller zu korrigieren als sechs Seiten voller zu vermerkender orthographischer, lexikalischer, logischer etc. Fehler.

      3) Ein Unterschied ist oft, ob der Prüfling tatsächlich eher in Druckbuchstaben schreibt oder eine Handschrift in Richtung einer klassischen Schreibschrift hat: Schreibschrift geht viel schneller als Druckschrift, tendenziell kann der Prüfling in der vorhandenen Zeit mehr schreiben.
    • Analog dazu: Ich sage den SuS immer, dass diejenigen, die deutlich vor der Zeit fertig sind, fast immer die sind, die am Ende richtig gut oder richtig schlecht abnschneiden. Nur bemerken die, die dann schlecht abschneiden, meistens nicht, dass sie unvollständig und oberflächlich gearbeitet haben.

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