Mein Seiteneinstieg in NRW an einer Realschule - Biologie und Chemie

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Mein Seiteneinstieg in NRW an einer Realschule - Biologie und Chemie

      Hallo,

      zunächst möchte ich mich vorstellen:
      Ich bin 30. Nach meinem Master war ich an einer Uni zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter angestellt. Anschließend war ich zwei weitere Jahre in der freien Wirtschaft. Ab August werde ich an einer Realschule in NRW (Raum Köln) die Fächer Biologie und Chemie unterrichten.
      Das Einstellungsangebot habe ich bereits. Ich warte nun noch auf den endgültigen Arbeitsvertrag, bevor ich meinen aktuellen Job kündige (obwohl die Bezirksregierung sagt, dass das in sicheren Tüchern ist).

      Ich freue mich einerseits sehr, dass es endlich bald losgeht. Anderseits lese ich seit einigen Wochen hier im Forum mit und teilweise erschreckt es mich, wie Schule und Jugendliche sein können. Pädagogische Erfahrung habe ich bisher nicht. Habe mir nun für die nächsten Wochen vorgenommen mir einen Plan zu machen, wie ich meine Inhalte vermitteln will, wie ich auftreten soll (Regeln etc.) und wie ich mit nicht idealen Klassen umgehe.

      Für Hilfe, Anregungen und Tipps wäre ich sehr dankbar.
    • Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Seiteneinstieg. Du wirst hier sicher viele hilfreiche Tipps über die Zeit bekommen, aber du springst eben in unbekanntes Wasser. Eigentlich auch eine super Sache.
      Das du dir im Vorfeld Gedanken machst, ist prinzipiell auch gut. Aber als gut gemeinter Tipp, versuche dich nicht zu verstellen. Sei zunächst einmal einfach nur du selbst und authentisch. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schüler es sehr wohl mit der Zeit merken, ob du dich verstellst oder ob du wirklich so bist. Außerdem hast du jetzt erst einmal noch über sechs Wochen Zeit.
    • Hallo,

      du solltest mit positiven Erwartungen starten. Die meisten SuS sind nett. Wenn du Probleme bekommst, dann such hier nach Tipps, aber erwarte die Probleme nicht gleich.

      Beginne möglichst mit einem Thema, dass die Schüler interessieren könnte. Versuch das Thema möglichst zu vereinfachen bzw. schrittweise zu vermitteln. Sollten die SuS gleich zu Beginn überfordert sein, kann es schwierig werden. Kleine Filme oder gutes Anschauungsmaterial können helfen. Rechne damit, dass sich SuS nicht lange auf einen Lehrervortrag konzentrieren können. Das führt auch zur Unruhe.
      Plakate gestalten SuS meistens gerne.

      Es gibt bestimmt viel Literatur dazu..... Leider weiß ich nicht, was da jetzt aktuell ist. (zu meiner Zeit war es Hilbert Meyer)

      Viel Glück
    • Mamimama schrieb:

      Es gibt bestimmt viel Literatur dazu..... Leider weiß ich nicht, was da jetzt aktuell ist. (zu meiner Zeit war es Hilbert Meyer)

      Viel Glück

      Hallo Mamimama,

      so traurig es ist: der besagte H. Meyer ist weiterhin im Seminarrahmen Pflichtlektüre. Wissenschaftlich ist der Mann natürlich seit Jahren nicht mehr angesagt, schon lange im Ruhestand und im Grunde nur noch damit beschäftigt, seinen empirisch nicht fundierten pädagogischen Modellen und Dogmen im Nachhinein einen empirischen Anstrich zu verleihen.

      Empfehlen würde ich da Quereinsteigern eher "Psychologie für die Lehrerbildung" von B. Wisniewski oder "Kenne deinen Einfluss!" von Zierer/Hattie etc.

      Aber das ist und bleibt graue Theorie, wenn diese auch im Vergleich zur dunklen Zeit der pädagogischen Luftschlössler fundiert daherkommt. Ich habe im Referendariat vor allem gelernt, dass man sich in erster Linie selbst ausprobieren muss und dazu gehören auch viele Stunden, die gar nicht funktionieren und gnadenlos vor die Wand fahren. Wichtig ist, dass man seine Fehler sucht/analysiert und es den SuS auch signalisiert, dass man nicht perfekt ist und an sich arbeitet. Wer misslungenen Unterricht sofort einseitig den SuS in die Schuhe schiebt, wird in dem Job wahrscheinlich auf kurz oder lang nicht glücklich werden (können).

      Amen! ;)

      der Buntflieger
    • Vielleicht ist es dir ja möglich vor den Sommerferien an der Schule vorbeizukommen um mit Fachkollegen zu sprechen.
      Da könntest du dir schon Tipps holen.
      Vielleicht steht ja auch schon fest, welche Klassen du bekommst (bei uns ist das schon fix). Dann könntest du dich gezielt über diese Klasse informieren (Schülerklientel, das Thema an das du anschließen musst, Klassenregeln der Klasse, …).

      Edit: Natürlich auch die Fachräume kennenlernen. Die Experimentiermöglichkeiten erkunden (Ausstattung variiert - kann ich aus eigener Erfahrung sagen - von Schule zu Schule erheblich)
      “Prejudice is a great time saver. You can form opinions without having to get the facts.”E.B. White
    • Ich würde möglichst selbstbewusst auftreten und den Schülern nicht unbedingt erzählen, dass ich nicht perfekt bin und noch an mir arbeite. (Ich komme allerdings auch von der Grundschule.) Die Kinder wollen jemanden, der den Durchblick und das Sagen hat und nutzen Unsicherheit gepaart mit beliebt-sein-wollen womöglich aus.

      Überlege dir Regeln, die für deinen Unterricht gelten, mach sie transparent und sei dann konsequent und gerecht. Und natürlich wertschätzend und freundlich, aber das ist ja selbstverständlich.
      Und wenn eine Stunde nicht gut läuft, dann überleg dir für die nächste Stunde etwas anderes. Aber ohne großartige Entschuldigungen bei oder Rechtfertigungen vor den Schülern.
    • -Gerade einem absoluten Neuling würde ich eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Klassenleitung empfehlen. Nachfragen, welche Regel diese gesetzt hat und zumindest zu Beginn mal daran anhängen. Nachdem du etwas eigene Erfahrungen mit der neuen Tätigkeit gesammelt hast, aber auch deine Klassen etwas kennengelernt hast, kannst du das immer noch modifizieren. Wenn es eine gute Klassenleitung gibt, kann das aber entlastend wirken, weil die KLs im Regelfall viele Stunden in ihren Klassen sind, diese gut kennen und die Regeln damit schnell bekannt und etabliert sind. Ganz nebenbei signalisiert es den SuS, dass die KL und du an einem Strang ziehen. Das wirkt keine Wunder bei verhaltenskreativen Klassen, schadet aber keinesfalls und gibt dir selbst schlichtweg etwas Sicherheit zu Beginn.

      -Mach dich mit den Schulregeln und dem Umgang damit vertraut: Gibt es ein bestehendes Regelwerk? Gibt es einen Trainingsraum? Habt ihr zentrale Nachsitztermine oder ist das ein individueller Spaß jedes Lehrers im eigenen Unterricht und für die eigenen Klassen? Was gilt bei euch an der Schule z.B. für die Handynutzung (Handyzonen? Schulgelände= keine private Handynutzung gestattet?..) Gibt es eine Schulsozialarbeit und wie intensiv ist diese schulisch eingebunden? ..

      -Gibt es Methodencurriculum an der Schule das umzusetzen du verpflichtet bist?

      -Hast du Mentoren? Wenn nicht: Bitte KuK vom Fach darum, ob sie bereit wären, sich bei dir reinzusetzen und dir Tipps zu Pädagogik und Didaktik zu geben. Dieser Blick von außen ist gerade als Anfänger enorm hilfreich. Konkrete Hinweise, wie Situation A anders hätte gelöst werden können bringen einem wenn das entsprechende didaktische und pädagogische Wissen grundständig vorhanden ist oft mehr, als noch ein Fachbuch zu lesen. Dies geschrieben: Such dir für deine Fächer gute fachdidaktische Literatur, um dich grundständig einzulesen.

      -Gibt es Fachzeitschriften für deine Fächer an der Schule? Gerade als Anfänger ohne großen Materialfundus hilfreich als Ausgangsmaterial, dass noch an die jeweilige Zielgruppe und die konkreten Unterrichtsziele angepasst werden muss. Wie gut ist eure Lehrerbibliothek ausgestattet (so ihr eine solche haben solltet)?

      -Wenn du weißt, welche Klassen du in welchen Fächern übernimmst, nimm dir die Zeit einen Stoffverteilungsplan zu erstellen (Grobplanung bis Schuljahresende, KAs nicht vergessen- Wiederholungsstunde, KA schreiben, Besprechungsstunde- Feinplanung bis zu den nächsten Ferien). Überleg dir, was du in der ersten Stunde mit deinen Klassen machen wirst (Begrüßung, ggf.Kennenlernen, benötigte Materialien, Leistungsmessung und - gewichtung, ggf.zentale Regeln und Sanktionen,...). --> Prüfen, ob es bestehende Fachschaftsbeschlüsse gibt zur Gewichtung von schriflichen und mündlichen Unterrichtsleistungen und ob diese in deinem BL verbindlich umzusetzen sind. Wenn nicht: Wie wirst du schriftliche und mündliche Leistungen gewichten? Gibt es eine Heftnote? Wie fließt sie in die schriftlichen Noten ein? Gibt es eine Projektnote und wie fließt sie ein? Pflichtreferate für alle SuS? ... Schreib die Leistungsbwertung an und die SuS schreiben ab oder gib einen Zettel zum Einkleben ins Heft aus, damit alle SuS aber auch die Eltern bei Bedarf nachlesen können. Notier im Klassenbuch jeder Klasse im Anschluss neben ggf.anderen Stichworten "Notentransparenz", um einen Beleg dafür zu haben, dass du deine Klasse vorab über die Regeln der Leistungsmessung informiert hast.

      -Welche schulrechtlichen Vorgaben gelten für dein BL und deine Fächer bzgl.der Anzahl der Klassenarbeiten in Nebenfächern (Minimum/Maximum)? Selbst nachlesen und nachfragen, ob es ergänzende schulinterne (fachschaftsinterne) Vorgaben gibt. Welche Vorgaben gibt es bzgl. Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen?


      Mir fällt bestimmt noch so viel mehr ein, aber das Wichtigste: Sei offen für deine SuS. Investier in Beziehungsarbeit, nutze Lob und positive Verstärkung bewusst als Mittel der Klassenführung (gerade in schwierigen Lerngruppen ist es wichtig, das nicht zu vergessen, an die anderen Mittel denkt man gerade bei solchen Klassen nämlich deutlich schneller..). Trenn deine berufliche Rolle von dir als Privatperson. Deine Schüler können das oft (noch) nicht, umso wichtiger ist es, dass du ihnen das vorlebst. Gib eigene Fehler zu und entschuldige dich ggf.auch bei Schülern statt so zu tun, als wärst du allwissend (wenn es zur Persönlichkeit passt, wird das von Klassen meiner Erfahrung nach als äußerst positiv wahrgenommen und stärkt deine Position). Spiel keine Rolle, sondern sei authentisch in deiner Rolle als Lehrer. Und: Frag deine erfahrenen KuK bei Bedarf, wie etwas an der Schule gehandhabt wird, wie du etwas angehen könntest (z.B. Elternarbeit), etc. Das macht jeder Ref genauso.
    • Buntflieger schrieb:


      Ich habe im Referendariat vor allem gelernt, dass man sich in erster Linie selbst ausprobieren muss und dazu gehören auch viele Stunden, die gar nicht funktionieren und gnadenlos vor die Wand fahren. Wichtig ist, dass man seine Fehler sucht/analysiert und es den SuS auch signalisiert, dass man nicht perfekt ist und an sich arbeitet. Wer misslungenen Unterricht sofort einseitig den SuS in die Schuhe schiebt, wird in dem Job wahrscheinlich auf kurz oder lang nicht glücklich werden (können).

      Amen! ;)

      der Buntflieger

      Das finde ich den besten relatitätsnahen Tipp, den man dem Fragesteller geben kann. Super!
    • Neu

      Hallo,

      vielen herzlichen Dank für die zahlreichen Tipps. Das hilft mir schon einmal.

      Leider konnte mir die Schule nicht sagen, welche Klassen ich im neuen Schuljahr bekomme. Deshalb muss ich wohl in den nächsten Wochen für alle Stufen Unterrichtskonzepte vorbereiten.

      Wenn ich das nun richtig gelesen habe, wird es im Schuljahr 38 Wochen Unterricht geben. Soweit ich weiss, ist wird sowohl Biologie als auch Chemie ein-stündig unterricht. D.h. nun für mich ich muss tatsächlich 38 verschiedene Stunden vorbereiten und mir überlegen wie ich vorgehe, was die Ziele der jeweiligen Stunden sein sollen usw.
      Bezüglich des Inhalts werde ich mich wohl zunächst an den Kernlernplänen orientieren. Steht auch relativ konkret drin, was die Ziele der einzelnen "Inhaltsfelder" sind. Für mich liest sich das dennoch sehr ambitioniert. Mein Hauptproblem aktuell ist, dass ich wirklich sehr schlecht einschätzen kann, wie Kinder in der fünften, sechsten, siebten Klasse lernen können/wollen und welches Vorwissen sie mitbringen.
    • Neu

      Verständlich. Plan deshalb auf jeden Fall auch ein paar Pufferstunden ein, sei es für den Fall, dass du langsamer voran kommst als vorab vermutet, sei es, weil niemand 38 Schulwochen tatsächlich zur Verfüügung hat (da ist mal eine Klasse im Schullandheim, ein Ausflug, pädagogischer Tag, Schulfest, Brückentag an deinem Unterrichtstag frei aks beweglicher Ferientag,...).

      Frag doch mal an deiner Schule nach, ob es schulintern oder in deinen Fachschaften vorhandene Stoffverteilungspläne gibt, die du als Ausgangspunkt für deine Planungen verwenden kanst. Ansonsten wäre auch der Stoffverteilungsplan den der Schulbuchverlag eurer verwendeten Lehrwerke empfiehlt ein möglicher Ausgangspunkt (nicht die sinnvolle Endfassung).
    • Neu

      Trockennasenprimat schrieb:

      D.h. nun für mich ich muss tatsächlich 38 verschiedene Stunden vorbereiten und mir überlegen wie ich vorgehe, was die Ziele der jeweiligen Stunden sein sollen usw.




      Bezüglich des Inhalts werde ich mich wohl zunächst an den Kernlernplänen orientieren. Steht auch relativ konkret drin, was die Ziele der einzelnen "Inhaltsfelder" sind. Für mich liest sich das dennoch sehr ambitioniert. Mein Hauptproblem aktuell ist, dass ich wirklich sehr schlecht einschätzen kann, wie Kinder in der fünften, sechsten, siebten Klasse lernen können/wollen und welches Vorwissen sie mitbringen.
      “Tatsächlich” liest sich so fast so, als wärst du überrascht darüber, dass du als Lehrer deine Stunden vorbereiten musst.

      Klar orientierst du dich an den Lehrplänen, und nimm dir die Schülerbücher auch über die Ferien mit heim, wenn es geht. Da wird ja schon eine sinnvolle Verteilung des Stoffes vorgegeben und du kannst abschätzen, was von welcher Jahrgangsstufe erwartet werden kann.

      Es wäre Blödsinn, jetzt für jede Klasse das komplette Jahr vorzubereiten! Wenn es dir Sicherheit gibt, bereite die ersten paar Stunden für verschiedene Jahrgangsstufen vor.
      Aber eigentlich wäre es besser, zu warten, welche Klassen du tatsächlich unterrichten wirst, bevor du vieles vorbereitest, das du am Ende gar nicht brauchst.