Rückzug der Bewerbung als Stellvertretender Schulleiter

  • Hallo erstmal an alle! Ich bin neu hier, habe jedoch in der Vergangenheit immer wieder hier gelesen. Ich habe kürzlich leider ein erfolgloser Versuch gestartet stellvertretender Schulleiter zu werden und wollte gerne Erfahrungen von euch einholen dazu. Ich war bestens vorbenotet, 4x die 5 Punkte und 2x 4 Punkte (neue Beurteilungsrichtlinien NRW), trotzdem wurde nach der Lehrerkonferenz am Tag selbst mir gesagt ich werde an dem Tag bezogen auf meine Bewerbungen keinen Erfolg haben können und mir wurde zum Rückzug aus dem Verfahren noch vor dem Kolloquium geraten. Nun ja, es ist wie ein Schlag ins Gesicht auf den man gar nicht vorbereitet ist. Ich habe auf den Rat gehört und die Bewerbungen zurückgezogen. Im Vorfeld hatte ich, bezogen auf die Verfahren, mit einem Schulleiter und der entsprechende Dezernent Gespräche geführt, beide hätten mich in dieser Funktion vorstellen können. Es war seitens der SL der "neuen" Schule die Rede davon "ich würde mich freuen, wenn Sie sich für das Gymnasium X entscheiden würden..." Die "neue" SL hat sogar jetzt im Nachhinein ein Gespräch angeboten dazu. Ich bin gespannt ob das Verfahren nun gänzlich leer läuft oder nicht. Meine Schulleitung hatte eigentlich damit gerechnet ich würde jetzt weg gehen, nun ist es aber doch nicht so. Seit dem Tag verhüllt sich die SL in Schweigen, ich hätte eine ehrliche Rückmeldung mir erhofft. Ich bin nach ein paar Wochen der Resignation jedoch wieder auf dem aufsteigenden Ast - ich entwickele langsam das Gefühl "jetzt erst recht". Ich erfahre auch im Umfeld, auch von anderen Schulleitern, dass auch sie erstmal oft bei Karrieresprüngen gescheitert sind und teilweise schwere Krisen durchmachen müssten deshalb. Im Dezember gibt es ein Gespräch mit meinem zuständigen Dezernenten bzgl. der Revision aus der ich Erkenntnisse erhoffe, damit ich mich weiter entwickeln kann. Wie lange muss man denn nun warten? Was passiert mit der ganzen Vorbereitung die man in die Sache investiert hat - ich habe schließlich mich Monate lang auf die Revision vorbereitet, und glaube ein wenig dass das Ganze irgendwie passieren "sollte". Sprich - es war wohl jemand vorgesehen der genommen werden sollte. Ich selbst bin nur A14, ich wußte im Vorfeld dass A15er zumindest in einem der Verfahren waren. Es kam jedoch zur Revision, was so viel heißt, als dass die A15er keine best Bewertung erhalten haben können. Ich habe jedoch noch nicht überlegt, ob die A15er ggfs. eine "3" erhalten haben könnten. Ich würde mich über konstruktiven Rat eurerseits freuen!

  • Die beiden Dezernenten vor dem Kolloquium am Revisionstag

    Wenn du das so signalisiert bekommst, dann heißt das normalerweise, dass da ein interner Bewerber gesetzt ist, auf den die Stellenbeschreibung zugeschnitten ist. Mit dir persönlich und deiner Qualifikation hat das nichts zu tun. Es mag einem gefallen oder nicht, aber die Person wird die Bestbewertung erhalten. Wenn du zurückziehst, bedeutet das für alle Beteiligten inklusive dich weniger Arbeit und Stress. Natürlich kannst du dich entscheiden, das nicht zu tun, das Ergebnis wird das gleiche sein.

  • Also - nicht dass mir gefällt, was Nele sagt. Aber es ist mit Sicherheit so.


    kl. gr. frosch

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  • Hast du Zeugen für die Aussage der Dezernenten! Das schreit ja nach Verwaltungsgericht!

  • In NRW ist es gar nicht unüblich, dass solche Aussagen fallen (oder zumindest schon mehrfach in meinem Umfeld mitbekommen...). Es muss nicht unbedingt mit einem internen Bewerber zu tun haben (was vor dem Verwaltungsgericht Thema sein könnte), sondern auch, dass man einen Prüfungsteil nicht so gut geschafft hat, es sich also abzeichnet, dass man noch kaum eine Chance hat und es also besser sein könnte, das Verfahren abzubrechen.
    Bei Abbruch gilt man nicht als angetreten. Wenn man es bis zum Ende durchzieht, dann steht die Note in der Akte und man wird sie 2 Jahre nicht los. Hätte dadurch bei anderen Bewerbungen auch keine Chance mehr, weil die Note eben nicht sooo gut ist.

  • es sich also abzeichnet, dass man noch kaum eine Chance hat und es also besser sein könnte, das Verfahren abzubrechen.

    Es kam jedoch zur Revision, was so viel heißt, als dass die A15er keine best Bewertung erhalten haben können.


    Genau. Das Verfahren des A15ers mag vielleicht nicht zur Bestnote geführt haben, aber evt war ersichtlich, dass die Bewertung des TE allenfalls genauso gut (z. B. 4 Punkte) wie die des A15ers werden würde. Bei gleicher Bewertung würde der A15er automatisch die Stelle bekommen, der A14er hat aber mindestens ein Jahr in allen Verfahren keine Bestbewertung, wenn er das Verfahren "durchzieht". Ärgerlich ist es natürlich wegen des Aufwandes.

  • Solche Aussagen fallen niemals offiziell sondern immer so, dass sie später nicht justiziabel sind. Der Dezernent wird das im Zweifelsfall abstreiten.


    Leider läuft das Spiel so - und ähnliche Aussagen im Bewerbungsverfahren kenne ich aus meinem Umfeld.


    Der Rat zum Rückzug ist übrigens stategisch durchaus sinnvoll. Falls man aufgrund der internen Vorbesetzung die Stelle nicht an einen anderen Bewerber vergeben kann oder will, könnte es passieren, dass dieser unterlegene Kandidat am Revisionstag im Verhältnis schlechter bewertet wird als er eigentlich war - damit die Entscheidung gegen ihn unanfechtbar ist. Dann stünde ggf. nur ein "übertrifft die Anforderungen" statt "übertrifft die Anforderungen in besonderem Maße" in der Akte, was dann auch in den nächsten zwei (oder waren es drei?) Jahren als Bewertungsgrundlage für jede weitere Bewerbung herangezogen würde. Insofern ist es besser, mit weißer Weste aus dem Rennen auszusteigen bzw. ausgestiegen zu werden.


    Klingt pervers, ist aber leider so. Habe ich in ähnlicher Form auch hören dürfen. Ich bin dann einen anderen Weg gegangen.

  • Solche Aussagen fallen niemals offiziell sondern immer so, dass sie später nicht justiziabel sind. Der Dezernent wird das im Zweifelsfall abstreiten.

    Selbstredend. Alles, was nicht schriftlich fixiert ist, ist im Verwaltungsgang inexistent. "Wer schreibt, der bleibt" heißt es nicht umsonst.


    So ärgerlich man das persönlich finden mag und so ärgerlich das bei der Abwägung ist (gute Personalentwicklung geht konträr mit dem völligen Zufall ergebnisoffener Bewertung), es ist extrem wichtig, dass man die Spielregeln kennt, versteht und beherrscht, wenn man tatsächlich in der Schule Karriere machen will. Ist ehrlich auch nicht ganz falsch, denn man will wirklich nicht Leute in Managmentpositionen, die das System nicht spielen können. Zahllose inkompetente Schul- und Abteilungsleiter sind Begründung genug dafür.

  • Hast du Zeugen für die Aussage der Dezernenten! Das schreit ja nach Verwaltungsgericht!

    Nichts wird beweisbar sein. Steht es in den Akten? :) Aber ernsthaft - ich stelle mir mal vor, in unserem etwas exotischen Schulsystem wird der Abteilungsleiter z.B. des Bildungsganges Abendgymnasium gesucht. Und dann grätscht da irgendein OStr aus einem 08/15-Gymnasium rein und wird durch "objektive" Bewertung eingesetzt.


    Die Katastrophe ist vorprogrammiert. Der gute Mensch hat doch keine Ahnung von unserem Schulsystem, den pädagogischen Minenfeldern, den Gepflogenheiten. Nein, es ist wichtig, dass Sl die Nachfolger und Führungspositionen sorgsam aufbauen und pflegen. Für funktionierende Schulen müssen sehr sorgfältig Bewerber ausgewählt werden. Die völlige Beliebigkeit von "jeder muss sich gleichberechtigt bewerben können" ist absolut kontraproduktiv!

  • Ich sehe es teilweise anders. Klar darf nicht jemand, der keine Erfahrung im System hat, nach der Fähigkeit, einzig in seinem (ursprünglichen) System beurteilt werden.
    Aber wenn man nicht nur systemimmanent denkt, könnte man auch die Fähigkeiten u Kenntnisse überprüfen, die für eine besondere Stelle qualifizieren. Dass im Zweifelsfall die Bewertung in der Spalte Elternarbeit den Unterschied macht, wer von zwei Kandidaten den Stundenplan machen wird, ist absurd.
    Aber da träume ich von Beförderungen / Auswahl nach ausgewählter Qualifikation ... das werde ich im ÖD nicht mehr erleben.

  • Solange in NRW der Schulleiter im Wesentlichen entscheidet, wer A14 wird und wer nicht, wird er dies über die Frage regeln, wer am meisten bietet und wen er ggf. in welcher Position sieht. Alle Kandidaten, die aus diesem Raster fallen, haben mit Ausnahme der externen Bewerber keine Chance. Da an einer Schule eine Vielzahl an Aufgaben zu übernehmen bzw. seitens der Schulleitung zu delegieren sind, scheint dieses Muster der Notwendigkeit geschuldet zu sein. Besser ist es, man lernt die Spielregeln ganz schnell und spielt das Spiel innerhalb dieser Regeln bzw. versucht aus diesen Regeln das Beste für sich herauszuhole, oder man lässt es sein. Niemand wird wegen super Unterricht irgendwann "entdeckt" und befördert.

  • Nichts wird beweisbar sein. Steht es in den Akten? Aber ernsthaft - ich stelle mir mal vor, in unserem etwas exotischen Schulsystem wird der Abteilungsleiter z.B. des Bildungsganges Abendgymnasium gesucht. Und dann grätscht da irgendein OStr aus einem 08/15-Gymnasium rein und wird durch "objektive" Bewertung eingesetzt.

    Also das, was in der Realität öfters passiert

  • Also das, was in der Realität öfters passiert

    Eben. Und die üblen Ergebnisse sprechen für sich. Schulen sind sehr komplexe und sehr differenzierte Systeme. Wenn da ohne Ansehen des Hintergrundes Leute reingesetzt werden, die einfach nur gut unterrichten (Für Funktionsstellen ohnehin eine irrelevante Kompetenz) oder in ganz anderen Zusammenhängen ihre Fähigkeit bewiesen haben, dann ist der Unfall vorprogrammiert.


    Oder würde z.B. VW einfach so den bewährten Abteilungsleiter des Einkaufs in die Führung der Produktionsentwicklung einsetzen, weil da ein paar Stellen hinter dem Komma besser sind?

  • Eben. Und die üblen Ergebnisse sprechen für sich. Schulen sind sehr komplexe und sehr differenzierte Systeme.

    Bei mir selbst lief und läuft das nach meiner bescheidenen Meinung gut.

  • Lottoglück. Ist deshalb der wöchentliche Lottschein ein guter Ratschlag zur Vermögensbildung?

    Auch nicht schlechter als das Sparbuch mit Negativzinsen

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