schon wieder bald nicht mehr im schuldienst

  • hey leute,


    passend zum jahresende erfuhr ich vor zwei tagen, dass ich meine probezeit an meiner derzeitigen schule nicht bestehe.


    grund der kritik im mitarbeitergespräch: ich hätte keine lehrerpersönlichkeit und so braucht man mich an der schule nicht.


    scheiße!


    ja, ich hab das referendariat (immer noch) nicht gemacht...ja, ich hab an ner grundschue gearbeitet ohne das reine grundschullehramt studiert zu haben. scheiße, nach mehreren anläufen im schuldienst ist meine moral langsam ganz unten angekommen.


    merry christmas everyone :autsch:

  • Zunächst einmal tut mir das für Dich leid. Das ist keine Nachricht, die man kurz vor Weihnachten bekommen sollte.


    Da man in Bayern (noch) einen Anspruch auf einen Platz im Ref hat ... verstehe ich nicht, warum Du das Referendariat nicht gemacht hast / machst? Gibt es keine Plätze? Finanziell schwierig?
    Ich glaube schon, dass man im Ref einige Dinge lernen kann, die weiter helfen. Allem Anschein nach hast Du es schon öfters im Schuldienst versucht und es hat nicht geklappt ... warum ohne den "Vorbereitungsdienst" - das Referendariat?


    Ich wünsch Dir dennoch, dass das nächste Jahr zumindest in diesem Bereich für Dich besser läuft.

  • okay, neubewerbung für ref an der grundschule ab sommer 2020 kann ich problemlos stellen, aber äh, da wird ein protkoll geschrieben, in dem steht, dass ich für den lehrberuf ungeeignet bin. das sollte ich jetzt schon wirklich ernst nehmen.


  • Hallo Exodus,


    das mit der fehlenden "Lehrerpersönlichkeit" ist ja nur eine Phrase, da muss doch sicherlich mehr vorgefallen sein an deiner jetzigen Schule?


    In deinem Beitrag aus 2017 steht, dass du das Referendariat abgebrochen hast nach wohl primär inhaltlichen/fachlichen Problemen. Hat sich das inzwischen gebessert oder fühlst du dich weiterhin bei der Stundenkonzeption und strukturierten Durchführung heillos überfordert?


    Das wäre - denke ich - wichtig zu wissen, um dir hier sinnvoll weiterhelfen zu können.
    Willst du Schule nach den ganzen eher negativen Erfahrungen überhaupt noch und denkst du darüber nach, vielleicht doch komplett was anderes zu machen? Kommst du mit deinen erzieherischen Aufgaben zurecht oder siehst du selbst gravierende Probleme diesbezüglich?


    Lieben Gruß vom Buntflieger

  • momentan sieht alles nach einer abkehr vom lehrberuf aus. naja, ich kann die frage gar nicht so leicht beantworten, ob da mehr vorgefallen ist an der schule, denn ja, da ist eine ganze menge vorgefallen.


    ja, ich fühle micht weiterhin überfordert mit der stundenkonzeption.

  • Was ist denn vorgefallen? Ohne die Info ist es ja schwer dazu was zu sagen.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • also fakt ist, dass mein arbeitsvertrag noch bis februar gilt. ich kann jetzt einfach schön brav bis februar versuchen, mein bestes in der schule zu geben, aber das ist doch für beide seiten auch nicht so die lösung. laut schulleiterin gab es massive beschwerden seitens der kollegen und eltern über mich...ich habe auch nachgefragt, was das für beschwerden waren und es bezog sich meist auf die fehlende unterrichtsdisziplin in meinem unterricht, unzuverlässigkeit gegenüber kollegen und fehlenden unterrichtsvorbereitungen...mhm, dennoch werde ich das gefühl nicht los, dass denen einfach alles zu kompliziert mit mir wird.

  • momentan sieht alles nach einer abkehr vom lehrberuf aus. naja, ich kann die frage gar nicht so leicht beantworten, ob da mehr vorgefallen ist an der schule, denn ja, da ist eine ganze menge vorgefallen.


    ja, ich fühle micht weiterhin überfordert mit der stundenkonzeption.


    Fühlst du irgendwo tief in dir, dass das doch - trotz allen Vorfällen und Problemen - der richtige Job für dich ist oder kannst du dich mit dem Gedanken langsam anfreunden, dass du die Berufswahl ggf. komplett neu überdenken solltest? Warst du mehr glücklich oder zunehmend unglücklich im Job?


    Das harte Urteil der Schule hat dich offenbar nicht ganz unvorbereitet getroffen. Vielleicht wäre jetzt die Gelegenheit, einen Strich unter das Kapitel "Schullehrer/in" zu ziehen.


    Ich wurde im Referendariat drangsaliert, ohne dass ich sichtliche Probleme (weder fachlich noch erzieherisch) gehabt hätte. Wenn du tatsächlich gravierende Defizite in zentralen Kompetenzbereichen hast, wird dich spätestens das Referendariat vor die Tür setzen - sofern du nach dem Abbruch deines Erstversuchs überhaupt noch dafür zugelassen wirst.


    Keinesfalls möchte ich dir die (Rest)Motivation nehmen, aber manchmal braucht man einen Wink mit dem Zaunpfahl, um einen klareren Blick zu bekommen.


    Schöne Weihnachten dir trotz allem. Es gibt (weit) wichtigeres im Leben als Schule! :weihnachtsmann:

  • also fakt ist, dass mein arbeitsvertrag noch bis februar gilt. ich kann jetzt einfach schön brav bis februar versuchen, mein bestes in der schule zu geben, aber das ist doch für beide seiten auch nicht so die lösung. laut schulleiterin gab es massive beschwerden seitens der kollegen und eltern über mich...ich habe auch nachgefragt, was das für beschwerden waren und es bezog sich meist auf die fehlende unterrichtsdisziplin in meinem unterricht, unzuverlässigkeit gegenüber kollegen und fehlenden unterrichtsvorbereitungen...mhm, dennoch werde ich das gefühl nicht los, dass denen einfach alles zu kompliziert mit mir wird.

    Lieber Exodus,


    fehlende Unterrichtsdisziplin mag ärgerlich sein, ist allein betrachtet aber vielleicht noch tolerierbar. In Kombination mit Unzuverlässigkeit gegenüber Kollegen und fehlender Unterrichtsvorbereitung jedoch ein ernstes Problem. Stimmen die Vorwürfe denn?

    Gruß
    Bolzbold




    Ich bin ein Ar***, und deswegen konnte ich nur Lehrer werden.

  • also fakt ist, dass mein arbeitsvertrag noch bis februar gilt. ich kann jetzt einfach schön brav bis februar versuchen, mein bestes in der schule zu geben, aber das ist doch für beide seiten auch nicht so die lösung. laut schulleiterin gab es massive beschwerden seitens der kollegen und eltern über mich...ich habe auch nachgefragt, was das für beschwerden waren und es bezog sich meist auf die fehlende unterrichtsdisziplin in meinem unterricht, unzuverlässigkeit gegenüber kollegen und fehlenden unterrichtsvorbereitungen...mhm, dennoch werde ich das gefühl nicht los, dass denen einfach alles zu kompliziert mit mir wird.

    Das klingt nach typischen Anfängerfehlern, die man einerseits durch ein Referendariat lernt zu ändern und andererseits aber auch dort natürlich sehr schnell ändern muss, da das die Grundbedingungen sind, die wenigstens halbwegs laufen müssen (Klassenführung und Unterrichtsplanung muss man erst lernen, das braucht unterschiedlich viel Zeit; die Zuverlässigkeit gegenüber KuK sollte man nicht erst lernen müssen als erwachsener Mensch, das wiegt also durchaus schwerer als Vorwurf, wenn es in diesem Bereich zu wiederholten Problemen gekommen ist), ganz gleich, wieviel man noch zu lernen und zu verbessern hat.
    Prüf für dich selbst, ob Schule und Schuldienst dennoch dein Weg sein kann und soll und wenn ja, was du an dir ändern kannst und musst, um erfolgreich sein zu können.


    Mir tut es menschlich für dich leid, so kurz vor Weihnachten die Entlassung angekündigt zu bekommen, der Zeitpunkt ändert aber nichts an dem, woran du noch arbeiten musst, egal, wohin die Reise dich führen wird, denn zumindest Zuverlässigkeit/Verbindlichkeit ist eine Eigenschaft, die in allen Berufen relevant ist. Wenn du ehrlich zu dir bist und entsprechend an dir arbeitest, wirst du deine Nische finden (im oder außerhalb des Schuldienstes) Alles Gute! :niko:

  • ich habe schon zum bewerbungsgespräch vor schuljahresbeginn der direktorin genau meinen werdegang erläutert (der mit dem schulamt und der schule vereinbarte arbeitsvertrag ist an berufbegleitendes referendariat geknüpft). also hat sie mich im fach werken, das ich fachfremd unterrichte, mit einem zweiten kollegen doppelt besetzt. häufig musste ich während der doppelbesetzung unterricht vertreten. ansonsten hab ich so gut es ging, den lehrern versucht zuzuarbeiten und überall geholfen, wie und so gut es ging. das schlug sich natürlich auch in fehlender vorbereitung für mich nieder. ziemlich schnell merkte ich auch, mit welchen klassen ich gar nicht zurecht komme (egal ob vertretungsstunden oder fest geplanter unterricht) und es ist klar, auch dafür muss ich als lehrkraft einen weg finden, wie ich auch mit solchen klassen klar komme. da habe ich mich teilweise auch unprofessionell verhalten bzw mir selbst das leben schwer emacht. dann habe ich schulgartenunterricht zugeteilt bekommen, wobei die klassenlehrer nicht mit mir kooperierten, obwohl ich wiederholt darum bat. dann gingen 5 stunden zulasten eines ganztagesangebots für gitarre, was vollkommen meiner vorerfahrung entspricht. seit november übernahm ich dann noch musik in allen ersten klassen und wurde mit doppelter besetzung im musikunterricht in den vierten klassen eingeplant, sodass ich bei einem deputat von 20 stunden landete. und irgendwie wuchs mir ab dezember absolut alles über den kopf.

  • Lieber Exodus,
    fehlende Unterrichtsdisziplin mag ärgerlich sein, ist allein betrachtet aber vielleicht noch tolerierbar. In Kombination mit Unzuverlässigkeit gegenüber Kollegen und fehlender Unterrichtsvorbereitung jedoch ein ernstes Problem. Stimmen die Vorwürfe denn?

    die vorwürfe stimmen teilweise. ich habe jedenfalls überall zugestimmt und mich nicht quer gestellt.


    es gibt einige wenige kollegen, die mich etwas kannten, die meinen, ich sollte es mit dem ref probieren. sie sähen da sehr wohl viel potential bei mir, aber ich kann und will jetzt nicht irgendeinem aktionismus anheim verfallen.

  • Warum gibt es überhaupt eine Doppelbesetzung in Musik, wenn es demjenigen, der es machen soll, schon sowieso zu viel ist? Nie gehört, dass Musik doppelt besetzt wird. Welch ein Luxus!

  • hehe, ja, es gab gerade geld in sachsen für bildung, aber ja, genauso sehen und sahen wir das im mitarbeitergespräch auch. wird schon, bevor ich nun schon wieder den nächsten shitstorm in diesem forum hier auslöse

  • Ich möchte auch keinen shitstorm - ich habe mich bloß gewundert. 20 Stunden sind ja auch nicht wenig. Konntest du nicht sagen, dass du nur bis zu einer bestimmten Stundenzahl unterrichten willst?

  • naja, die 5 stunden mehr musik in der ersten klasse gingen auf meinen eigenen wunsch auf mich zurück. leider habe ich seit zwei wochen akute schlafstörungen wegen meiner situation, denn ich merke glücklicherweise selbst immer noch, wann eine absolute schieflage entstanden ist. jetzt gibt es aber noch eine weitere lehrerin, eine querflötistin, die ja gut ud gerne alle meine musikstunden übernehmen kann, da sie sich nicht so schwer damit tut.

  • Hallo Exodus, womit können wir dir Gutes tun?
    Ich schlage vor: versuche erstmal runterzukommen. Tu dir die nächsten Tage was Gutes und vor allem was völlig abseits von Schule. Und nach einer Pause im neuen Jahr siehst du klarer, was und wie du weiter machst. Vielleicht magst du dann zu einer Beratungsstelle gehen, damit dir jemand Mut machen und dir beim Gedankensortieren helfen kann. Ich würde jetzt gerade gar keine Entscheidung treffen :troest:

  • Hallo Exodus,


    was du gerade erlebst, tut mir unglaublich leid für dich und ich wünsche dir, dass du über die Feiertage ein wenig den Kopf frei bekommst, um im neuen Jahr emotional gestärkt, eine Entscheidung für dich und deinen beruflichen Werdegang treffen zu können.



    Was dir gerade widerfährt, hat mich an einen Satz erinnert, den meine Schulleitung neulich sagte:
    "Ich habe immer so großen Respekt vor anderen Berufen, weil die so viel können, weil ich häufig denke, ich kann doch gar nichts besonderes. Doch dann sehe ich junge Kollegen und stelle fest: Der Lehrerberuf ist auch ein Handwerk, das man erlernen muss und erlernen kann."
    Vieles, das intuitiv als die berühmte "Lehrerpersönlichkeit" bezeichnet werden könnte, ist erlernbares Handwerk und echte Profession. Lehrer sind so unterschiedlich wie die Schüler, die sie unterrichten. Sie haben Arbeitsstrategien entwickelt und kennen die Handwerkstechniken. Das alles kann man im Ref lernen. Sei dir dessen sicher.


    Es ist total interessant, wie sich auch die allgemeine Arbeitsbelastung auf die Beurteilung auswirkt:
    Im Referendariat war ich so gestresst und seelisch zum Teil überfordert, dass ich mich einfach nicht richtig entfalten konnte.
    Mein Schulleitergutachten vom Referendariat war dementsprechend überhaupt nicht gut. Da standen haarsträubende Dinge drin, die sicherlich subjektiv so gesehen werden konnten, aber überhaupt nicht meine eigentliche Arbeitsqualität widerspiegelten.
    Das wurde zum Ende des Refs deutlich besser, als klar war, dass ich nach dem Ref die Schule verlassen werde und eine tolle Stelle in Aussicht hatte.


    Keine 6 Monate nach dem Referendariat hatte ich mein Mitarbeitergespräch an der neuen Schule. Die Stelle, die ich dort angetreten hatte, war vom Arbeitspensum her deutlich anspruchsvoller als das Referendariat, aber weit weniger emotional aufreibend. Klassenleitung, Gemeinschaftsschule, Inklusion, Fachfremder Unterricht und all das mit voller Stelle.
    Meine Beurteilung fiel deutlich positiver aus, weil ich nicht sehr unter Erfolgsdruck stand.
    Dinge, die die alte Schulleitung bei mir stark bemängelt hatte, waren nun positiv bewertet worden und man sah darin meine Stärke.


    TL;DR:
    Viele Dinge, vor allen Dingen professionelles Classroommanagement und effiziente Unterrichtsplanung kann man lernen.



    Nicht jeder Schulleiter sieht dich so, wie deine aktuelle Leitung. Manche Aspekte sind stark subjektiv gefärbt und hängen auch von deiner persönlichen Konstitution und Arbeitsbelastung ab.


    Frohe Weihnachten und einen freien Kopf im Kreise der Liebsten! :nikolaus:

  • Darf ich fragen, warum du das Referendariat nicht gemacht hast bisher? Was ist der Grund?


    Was ist eigentlich eine "Lehrerpersönlichkeit" - das definiert doch jeder anders. Ich wusste auch nicht, ob ich eine "Lehrerpersönlichkeit" bin bis mindestens nach dem Referendariat. Das ist doch auch ein Reifeprozess, oder?

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