Ideen für Unterricht mit halber Klasse gesucht

  • Nachdem ich das Gefühl hatte, dass sich der Unterricht auf digitalem Weg halbwegs eingependelt hat, geht es auch bei mir demnächst mit halben Lerngruppen wieder los.


    Ich wüsste daher gern von allen, die schon Erfahrung haben oder schon viel geplant haben, wie ihr den Unterricht gestaltet.

    Haltet ihr jeder Stunde doppelt und macht nur noch den halben Stoff? Oder bereitet ihr jedes Thema doppelt vor - einmal für die Präsenzgruppe und einmal für die SuS zuhause? Oder versucht ihr ein Flipped Classroom Prinzip?


    In meiner Schule kam die Idee auf, den Unterricht immer per Videokonferenz zu übertragen. Das finde ich allerdings aus mehreren Gründen problematisch (Verfügbarkeit der Endgeräte bei den Kindern zuhause, mehrere Konferenzen pro Tag sind zu anstrengend, für mich als Lehrer sehr herausfordernd). Aber ihr könnt mir gerne eure Erfahrungen schildern.


    Wie gestaltet eure Schule den Wechsel zwischen den Unterricht für Jahrgangsstufen in der Schule und denen zuhause. Ich habe z.B. an einem Tag die ersten zwei Stunden Präsenzunterricht in der Schule und danach die zwei Doppelstunden eine Klasse, die noch zuhause sitzt. Um für die Schüler zuhause erreichbar zu sein, müsste ich in der Schule arbeiten, die Frage ist nur wo?


    Ich freue mich auf Anregungen.

    Viele Grüße

    Seepferdchen

    • Offizieller Beitrag

    Hier mal nur aus der Grundschule, bei uns gibt es keine Klassen-/Lehrerwechsel:

    Wir haben die Klasse in eine schneller lernende Gruppe und eine nicht ganz so schnell lernende Gruppe geteilt.

    Ich bereite den Präsenzunterricht so vor, dass er in beiden Gruppen in aufeinanderfolgenden Wochen ähnlich gehalten wird: Dabei haben die schneller Lernernden etwas tiefergehende Inhalte. Die Gruppe zu Hause bereitet die Inhalte vor und nach.

    Dazu habe ich ein paar kleinere Inhalte herausgesucht, die im Arbeitsheft so gut ausgeführt sind, dass die Kinder selbstständig lernen können. (In der Grundschule sind einige Materialien auf selbstständiges Lernen ausgelegt und die Kinder sind es aus der Schulanfangsphase gewöhnt, das ist hier der Vorteil.) Mit diesen Inhalten ergänze ich dann die Lernpläne für die Wochen zu Hause.

    Das sollte gut funktionieren (ab morgen sind die ersten in der Schule) und am Ende sollten alle die gleichen Inhalte geübt haben.

    • Offizieller Beitrag

    bei uns wird seit 3 Wochen in geteilten Gruppen gearbeitet.
    Distanzlernen heißt in meinen Augen nicht, dass ich in der im Stundenplan angegebenen Zeit für die Schüler erreichbar sein muss, sondern dass ich die Unterrichtshalte digital vermittle. Das stelle ich am Wochenbeginn den Schülern zur Verfügung oder bereits in der vorherigen Präsenzstunde. Die Ergebnisse bringen die Schüler dann in der nächsten Stunde mit.


    Doppelte Stunden halten ist ja nicht viel anders als wenn man Parallelklassen unterrichtet. Das mache ich dann, wenn der digitale Unterricht für ein Thema nicht so geeignet ist.


    Wichtig finde ich, dass man sich nicht aufreibt als Lehrer. Mehr als arbeiten kann ich nicht, und wenn in diesen ungewöhnlichen Zeiten nicht der ganze Lehrplan komplett geschafft wird, müssen alle damit leben. Alles andere wären falsche Erwartungen.


    Übrigens legt unsere SL Wert darauf, dass für die Lehrer z.Zt möglichst wenig Mehrarbeit anfällt. Daher passt bei uns die Planung eigentlich auch. Muss ich mal ein Lob aussprechen ;)

  • Bei uns war immer die Devise - Material bereitstellen, aber wir machen keinen Unterricht nach Stundenplan.

    Ich bin erreichbar per Mail und per Moodle, habe überall ein eigenes Forum für meine Lerngruppen eingerichtet.


    Wenn ich mal an einem Tag komplett in der Schule war, dann gab es für die Lerngruppen am Tag davor oder am Tag danach Aufgaben, jenachdem wie es passte.



    Unser Stundenplan sieht nun (zum Glück) so aus, dass eine Klasse auf 3-4 Gruppen aufgeteilt ist und ich diese Gruppen alle an einem doer zwei aufeinanderfolgenden Tagen sehe.

    Ich mache also eine Unterrichtsstunde und halte diese 3-4 mal. Nicht schön, aber entlastet auch.

    Außerdem Fragen stellen, diese ggf. notieren und somit allen zur Verfügung stellen. Das dann aber alles in Moodle.
    Wenn ein Schüler krank ist oder nicht kommt, gilt das Gleiche wie sonst auch, selber die Materialien besorgen (Moodle) und bei Mitschülern nach Mitschriften fragen.


    Wobei ich eh mit meinem Tablet arbeiten werde und somit wahrscheinlich alles aus den Stunden hochlade.


    Flipped Classroom sieht man ja aktuell, klappt nur bedingt. In zwei Klassen startet eh ein neues Thema, da ist das Prinzip mit Frontaleinstieg ganz in Ordnung.

  • Übrigens legt unsere SL Wert darauf, dass für die Lehrer z.Zt möglichst wenig Mehrarbeit anfällt. Daher passt bei uns die Planung eigentlich auch. Muss ich mal ein Lob aussprechen ;)


    Bei uns auch.
    Zum Beispiel sind Lehrer aufgeteilt, nicht jeder hält in allen Abteilungen Unterricht.
    Ich aktuell nur in drei von 4 Abteilungen, wo ich eingesetzt bin.

    Es gibt bei uns so genannte Präferenzabteilungen und darauf bezieht sich der Einsatz.

  • Ich mache in meiner 11 in Mathe flipped classroom mit einem Mix aus Sript und Videos für zuhause, und offenem Plenum und Übungen in der Präsenzphase.


    Bei den 9ern und 10ern versuche ich das auch. Es kommt aber auch manchmal vor, dass es einfach keine sinnvollen Aufgaben für zuhause gibt bzw. ich das Gefühl hätte, sie nur zu beschäftigen. Dann lass ich die weg.

  • Ich mache in meiner 11 in Mathe flipped classroom mit einem Mix aus Sript und Videos für zuhause, und offenem Plenum und Übungen in der Präsenzphase.


    Nachdem ich nun wieder von Schülern mitbekommen habe

    - die kein Internetanschluss zu Hause haben

    - die keinen Rechner zur Verfügung haben


    Habe ich davon etwas Abstand genommen. Videos auf dem Handy ist zwar möglich, aber auch nur bedingt schön. Über mobile Daten will ich das nicht festlegen.

    Ich mache auch Videos, aber eher ergänzende Erklärungen.

  • ja nu, wenn man etwas digital nur schlecht vermitteln kann, dann wartet man eben bis zum nächsten Präsenztag. Ist doch okay.

    Ja klar, mache ich ja auch, bzw. habe Themen verschoben oder gedanklich gestrichen.


    Wollte nur auf die Problematik hinweisen, dass man Präsenz und Online nie ganz vergleichen kann und somit ich da aus persönlicher Erfahrung nicht davon ausgehen würde, dass zu Hause gleichermaßen gut gearbeitet werden kann.

  • Ich starte ebenfalls morgen mit der halben Lerngruppe (FöS, Grundschulbereich).


    Ich werde es weiter so machen wie in den letzten Wochen: ich habe für jedes Kind einen individuellen Wochenplan erstellt (grob sind es bei mir 3 Niveaus, die Präsenzgruppen sind aber gemischt).

    Die Kinder, die im Präsenzunterricht sind, arbeiten in der Schule an ihrem Plan. Die Kinder im Homeschooling arbeiten zuhause daran (oder in der Notbetreuung). Sie machen also grob den gleichen Stoff parallel. In der Schule werde ich einige kleine Sachen erklären und zeigen, ansonsten werden sie viel alleine arbeiten und ich bin zur Unterstützung da. Für die Kinder zuhause hab ich ein paar Lernvideos zum Thema erstellt bzw. rausgesucht.

    Freitags nehmen die Kinder dann den Wochenplan für die Folgewoche mit, die anderen bekommen ihn am Montag, wenn sie zur Schule kommen.


    So ist es für mich organisatorisch am einfachsten.

  • Auch wenn mich jetzt möglicherweise ein Shitstorm erwartet:


    Das Ministerium hat mit der fixen Idee "Jeder Schüler muss ab 25. Mai wieder in die Schule" in einen - bei uns - WIRKLICH gut laufenden Onlineunterricht reingegrätscht.


    Ich werde jetzt den normalen Unterricht mit der halben Klasse machen (natürlich unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen. Also "ich erzähle - die Fragen - irgendwer antwortet. Mehr ist nicht möglich). Die Hälfte, die daheim hockt, wird dann jeweils exakt folgenden Auftrag haben: "Schaut Euch die Unterlagen vom letzten mal wieder an."


    Ich habe nicht die geringste Motivation, diesem Land irgendwelchen zusätzlichen Arbeitsaufwand zu schenken. Ich erstelle keine zusätzlichen Aufgaben, mache keine Videokonferenzen mehr, nix, nada.

    Man muss sich mal vor Augen führen, dass mit "eine Hälfte Präsenz, die andere Fernunterricht" das Deputat bzw. zumindest der Vorbereitungsaufwand mal eben durch die Hintertür verdoppelt, wenn man das wirklich umsetzen will. Und das alles, damit Frollein Hubig in der Presse gut dasteht. Das kann sie gerne tun, aber nicht mit meiner Unterstützung.

  • Auch wenn mich jetzt möglicherweise ein Shitstorm erwartet:


    Das Ministerium hat mit der fixen Idee "Jeder Schüler muss ab 25. Mai wieder in die Schule" in einen - bei uns - WIRKLICH gut laufenden Onlineunterricht reingegrätscht.

    Alle Kids gleichzeitig? Bei uns werden es sukzessive immer mehr Stufen, aber jeweils nur die Hälfte der Klassen, also mit A- und B-Wochen. Da ich dann alle zwei Wochen dasselbe mache, bleibt der Aufwand in etwa konstant. Irgendwie komisch isses trotzdem.

  • Alle Kids gleichzeitig? Bei uns werden es sukzessive immer mehr Stufen, aber jeweils nur die Hälfte der Klassen, also mit A- und B-Wochen. Da ich dann alle zwei Wochen dasselbe mache, bleibt der Aufwand in etwa konstant. Irgendwie komisch isses trotzdem.

    Jein. Wir haben ja zum Glück einen sehr pragmatischen Chef (bzw. mehrere). Bis zu den Gesellenprüfungen machen wir erstmal weiter wie bisher. Die kleinen Vorzieherklassen in Präsenz, der Rest online.


    Wenn die Vorzieher weg sind, kann er das aber nicht mehr begründen. Da kommen dann alle gleichzeitig. Es gibt bei uns immer einen festen Schultag pro Klass und Woche. An dem kommt dann die Hälfte der Klasse, und die andere bleibt zu Hause. DA wäre es eine Verdopplung des Deputats.


    Ansonsten gibt es noch einen wechselnden Schultag, an dem sie nur zweiwöchentlich kommen. Der bleibt voll online. Da mach ich dann ganz normal mit Videokonferenz weiter.


    Im Prinzip fehlt jeder Klasse dann die Hälfte vom festen Schultag ein Drittel des Unterrichts, weil sie jeden zweiten festen Tag daheim hockt und sich "das Material nochmal anguckt".


    EDIT: Ah, und zu "Aufwand bleibt gleich": Die Damen und Herren im Ministerium stellen sich das ja so vor, dass man gleichzeitig Präsenz- UND Onlineunterricht macht. Da bleibt nichts gleich. Außer man macht's wie ich.

    2 Mal editiert, zuletzt von DpB ()

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