Ich bin zufrieden mit meiner Landesregierung

  • Guten Abend allerseits,


    man liest hier viel Schlimmes über die Zustände und den Umgang mit der Krise z.B. in NRW und Niedersachsen. Ich war in der Vergangenheit oft genug wenig angetan von den Entscheidungen der Bildungspolitiker:innen hier in Schleswig-Holstein, aber bin mit der Handhabe der aktuellen Herausforderungen eigentlich meist einverstanden.


    Es wurde angekündigt, neue Regelungen stets mit einer Woche Vorlauf bekanntzugeben und daran wurde sich gehalten, man hatte also genug Zeit sich auf neue Vorgaben vorzubereiten. Lehrkräfte, die Risikogruppen angehören, können weiterhin aus dem Homeoffice arbeiten. Das Konzept meiner Schule funktionierte bisher gut, Abstände wurden in den halbierten vierten Klassen meist eingehalten. Die Arbeitsbelastung kommt mir nicht höher als vor der Krise vor, ich habe deutlich weniger zu unterrichten - auch mit halbierten Gruppen (und weiteren Klassen ab kommendem Montag), da die Stundenpläne stark zusammengestrichen wurden.


    Mich würde interessieren, ob ich mich da in einer landes- oder schuleigenen Blase befinde und andere Lehrkräfte in SH das vielleicht völlig anders erleben. Oder ob es vielleicht aus anderen Bundesländern weitere Positiverfahrungen gibt und man ebenso das Gefühl hat, dass sich der Dienstherr tatsächlich um die Gesundheit seiner Untergebenen kümmert.

  • Auch wenn es jetzt den ein oder anderen verwundern wird - im Grunde bin ich mit NRW auch zufrieden. Die Situation in den letzten Wochen war nicht einfach. Jede Entscheidung war prinzipiell falsch, eine richtige Entscheidung gab es nicht. Ich konnte aber gut damit leben. (Okay, man hätte sich vielleicht sparen können, das "Rollierende System" zurückzurufen - nur um es eine Woche später dann doch mit 4 Tagen Vorlauf zu starten. Aber auch damit haben vielem Grundschulen gerechnet. ;) )


    kl. gr. froscj

    Man sollte darauf achten, seinen Kindern den richtigen Glauben zu vermitteln. ... Den an sich selbst.
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    "Angst ist ein unfähiger Lehrer." Jean-Luc Picard

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  • Mich würde interessieren, ob ich mich da in einer landes- oder schuleigenen Blase befinde und andere Lehrkräfte in SH das vielleicht völlig anders erleben. Oder ob es vielleicht aus anderen Bundesländern weitere Positiverfahrungen gibt und man ebenso das Gefühl hat, dass sich der Dienstherr tatsächlich um die Gesundheit seiner Untergebenen kümmert.

    Ich bin auch in SH und kann es in jedem Punkt bestätigen. Dadurch, dass wir keine Arbeiten mehr schreiben müssen, habe ich ehrlich gesagt auch bedeutend weniger zu tun...

  • Ich bin mit der aktuellen Situation auch recht zufrieden.

    Gut dieses hin und her war hier in NRW etwas nervig, aber wir waren ( wie wohl die meisten Grundschulen in der Stadt) vorbereitet.

    Das Arbeiten finde ich nicht anstrengender. Ärgerlich finde ich aber, dass ich aktuell nur eine Hälfte meiner Klasse unterrichten darf und das auch nicht tauschen darf;(.

    Das finde ich wirklich sehr traurig. Auch dass keine Abschlussfeier oder irgendwas in der Art aktuell möglich ist betrübt mich persönlich nach 4 gemeinsamen Jahren.

    Unser Kollegium funktioniert super. Es ist alles fair, so dass wir alle zufrieden sind. Die SL gibt uns nicht " Arbeitsbeschaffungsarbeiten" so dass alle gerne mitanpacken.

    Ja, auch bei uns säubern und räumen die Risikogruppen Räume. Sie " tuppern" Material in Plastikboxen..machen Dinge für die oft wenig Zeit bleibt. ( das hat nicht die SL angeordnet, sondern sie haben es selbst vorgeschlagen)

    Trotz allem wünsche ich mir eine baldige Rückkehr in die Normalität.

  • MIt der niedersächsischen Landesregierung und dem Kultusminister bzw. Kultusministerium bin ich prinzipiell ebenfalls zufrieden.

    Teilweise nervt mich aber an meiner Schulleitung die doch sehr "zurückhaltende" Art und Weise (Infos und auch Anweisungen / Vorgaben flossen nur sehr spärlich und waren z. T. von Abteilungsleitung zu Abteilungsleitung unterschiedlich usw.) und ihr delegierender Führungsstil (=vielfache Abgabe von Aufgaben, die m. E. die Abteilungsleiter*innen oder der Schulleiter selbst erledigen müssten an die Teamleiter*innen). Dafür kann aber ja die Landesregierung nichts!

  • Nein, zufrieden bin ich nur damit, wie meine Schule bzw. das Kollegium mit den Gegebenheiten umgeht - mit Konsequenz, aber auch Gelassenheit und gaaaaanz viel Humor. Zufrieden bin ich auch (bisher) mit den relativ lockeren und machbaren Beschränkungen im öffentlichen Leben in NRW.


    Aber in punkto Bildungspolitik geht mir das ganze undurchsichtige Hin und Her, an dem auch der Quasselkasper (Laschet) nicht unschuldig ist, auf die Nerven (wie einigen anderen KuK hier auch).


    Völlig desolat ist allerdings Frau Gebauer, die sich durch Naivität, Praxisferne und Inkompetenz hervorgetan hat. Fast schlimmer noch als mangelhafter Sachverstand ist aber, dass sie den Leuten, die (z.B. SL auch in den Osterferien, Lehrer ohne Präsenzunterricht...) ihre Arbeit getan haben, verbal in den Rücken fällt. [Alles hier im Forum nachzulesen]


    Wie kann man als Ministerin für Schule und Bildung durch öffentliche Aussagen das Stammtischgeschwurbel (faule Säcke etc.) noch anheizen!? Unverantwortlich.

  • Ich schließe mich pepe an - sehr gut auf den Punkt gebracht.

    Unzufrieden bin ich außerdem (aber das ist vermutlich nicht landesregierungsspezifisch) insbesondere damit, dass das Fernlernen für die Schüler keine Verbindlichkeit hat und trotzdem jeder versetzt werden muss. Das geht überhaupt gar nicht und schafft perspektivisch riesige Probleme für die kommenden Schuljahre. Spätestens als absehbar wurde, dass sich das Ganze noch länger hinzieht, hätte eine Änderung kommen müssen, die es erlaubt die Leistungen verbindlich einzufordern und auch zu bewerten.

  • Mich würde interessieren, ob ich mich da in einer landes- oder schuleigenen Blase befinde und andere Lehrkräfte in SH das vielleicht völlig anders erleben.

    Firelilly, Dein Einsatz!

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • Abgesehen vom verbalen in den Rücken fallen stimme ich ebenfalls Pepe zu. Und die Namen muss man halt austauschen durch Ahn(ungslos)en und Hubig. Für die Landesregierung, die mehrfach vergessen hat, dass es die zweitgrößte Schulform des Landes gibt, habe ich inzwischen nur noch Spott und Verachtung übrig, und ich kenne tatsächlich keinen Kollegen, der der Landesregierung oder der ADD auch nur noch ein Fünkchen Vertrauen entgegenbrächte.

  • Beitrag von DpB ()

    Dieser Beitrag wurde vom Autor aus folgendem Grund gelöscht: Doppelt ().
  • Guten Abend zusammen, ich habe mich schon lange nicht mehr gemeldet, lese aber immer interessiert eure Beiträge. Jetzt geht es ja in diesem Strang um die Zufriedenheit mit meiner Landesregierung ( in meinem Fall Sachsen). Ich bin inzwischen nicht mehr zufrieden mit den Entscheidungen. Da ich über 60 bin, sollte ich ja noch vor 2 Wochen unbedingt zu Hause arbeiten, um mein Risiko angesteckt zu werden zu vermindern. Jetzt sind die Grundschulen wieder geöffnet, man braucht alle Lehrkräfte und schon muss ich wieder in den Präsenzunterricht (nicht nur bei Prüfungen in NRW). In meinem Fall mit 20 Kindern, 4 Stunden auf 54 qm. Zum Glück konnten wenigstens nach einem Gerichtsurteil die Eltern entscheiden, ob die Kinder zu Hause bleiben im Homeschooling, oder in den Präsenzunterricht gehen. Die tolle Idee unseres Kultusministers ist ja die strikte Trennung der jeweiligen Klassen. Im Klassenraum gibt es keinerlei Kontaktbeschränkungen. Was heißt das in der Realität? Die Kinder kommen gemeinsam mit anderen Kindern anderer Klassen in die Schule, dann sitzen sie im Klassenraum, möglichst frontal, ohne Partner-, oder Gruppenarbeit (Anweisung der Schulleitung), haben einmalig im Klassenverband 20 Minuten Hofpause. Danach werden die Hortkinderder jeweiligen Klasse abgeholt, damit sie sich nicht mit anderen Kindern mischen. So, und was passiert nachmittags? Die Kinder treffen andere Kinder natürlich nicht nur aus ihren Klassen. Ich frage mich, was der ganze Zirkus soll? Wäre es nicht besser gewesen, die Hälfte der Klasse in den Präsenzunterricht zu holen und die andere Häfte im Homeschooling zu lassen? Homeschooling hat z.B. bei meiner Klasse gut funktioniert. Auch wenn die Infektionszahlen in unserer Region recht niedrig sind, weiß man ja, wie aggressiv das Virus ist und wie ungesund es ist, in einer größeren Gruppe lange in einem Raum zu sitzen. Ich finde daher die Entscheidung meiner Landesregierung nicht gut und mich beschleicht das Gefühl, dass es hier nicht um den Schutz der Gesundheit von Schülern und Lehrern geht, sondern um ganz andere Dinge. Sonderbar finde ich auch, dass Laschet(NRW) immer wieder im Mittelpunkt steht wegen seiner Entscheidungen, doch Kretschmer selten erwähnt wird, obwohl seine Entscheidungen viel weitreichender sind. Ich bin jetzt sehr gespannt was in den nächsten Wochen passiert. Mit einem mulmigen Gefühl gehe ich jeden Tag in die Schule und hoffe, dass nichts passiert. Mal ganz abgesehen davon, dass der Unterricht unter diesen Bedingungen ein riesen Rückschritt ist zu dem, was man bislang schon erreicht hatte in Bezug auf moderne Unterrichtsmethoden. Zufrieden mit dem jetzigen Zustand bin ich also ganz bestimmt nicht.

  • Im Klassenraum gibt es keinerlei Kontaktbeschränkungen.

    Dann verstehe ich das hier aber nicht:


    möglichst frontal, ohne Partner-, oder Gruppenarbeit

    Warum dann noch????? Bei 20 Kindern im Raum sind die doch eh viel zu dicht aufeinander..??? Dann kann man sie auch zusammenarbeiten lassen.

    Ich finde diese Art der Beschulung zur Zeit zwar auch ätzend, habe aber doch festgestellt, dass der Stress für die Kinder dadurch nicht so schlimm ist, wie befürchtet, weil es durch die kleinere Gruppengröße etwas ausgeglichen wird. Es ist dadurch doch deutlich ruhiger und entspannter und irgendwie fällt der normale Dichtestress weg.

  • Firelilly, Dein Einsatz!

    Nun, ich habe mittlerweile 5 wöchentliche, unbezahlte Präsenzstunden und überschreite damit die 30 Wochenstunden Grenze. Fast alle (!!) meiner knapp 30 Wochenstunden (ich glaube 26 oder 28, habe Plan nicht zur Hand) werden dazu noch als in Präsenzunterricht durchgeführt. Andere KuK haben mit vollem Deputat 4 Präsenzstunden und um und bei 21 Distanzlernstunden.

    Meine Überstunden sind begründet durch Übernahme von Unterricht für KuK der Risikogruppe und Späße der SL wie z.B. Oberstufenkurse so zu teilen, dass man anstatt 2 Wochenstunden nun 2x2 Wochenstunden (in jeweils zwei Teilgruppen) unterrichtet.

    Personalrat ist eingeschaltet, mir geht die Situation sowohl an die Kräfte, als auch an die Laune.

    In zwei Wochen ist mündliches Abitur, wo ich mit meinem Fach Biologie über 20 Prüfungen habe und auch wieder gelackmeiert bin.

    Ich weiß nicht, ob meine Kräfte reichen in dieser Belastungssituation das mündliche Abitur durchzuführen.

    Die Ungleichverteilung der Belastung ist momentan himmelschreiend bei uns an der Schule und ich bin gerne bereit da quasi für eine Umverteilung zu sorgen. Mir reichts.

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