Umgang mit Rassismus- und Diskriminierungsvorwürfen

  • (...) Menschen mit Migrationshintergrund können untereinander auch ganz schön "rassistisch" werden gegenüber anderen Ethnien. Wenn du aber 24 Leute aus 22 verschiedenen Nationalitäten vor dir hast, dann kann man das Thema "Diskriminierung" oder "Rassismus" nicht im Unterrichtsraum durchgehen lassen. (...)

    Das kannst du auch nicht, wenn alle im Klassenraum Anwesenden "rein biodeutsch nach arischer Abstammungstafel" (da wäre ich dann definitiv raus) wären. In einer solchen Konstellation muss man als Lehrkraft aber umso mehr dazu beitragen, dass die Standpunkte von von Rassismus und Ausgrenzung Betroffenen nicht vor lauter vermeintlicher Nichtbetroffenheit untergehen. Einen Aufhänger findet man dafür ja in jeder Klasse: Frauen/Mädchen, LGBTTQ/Menschen mit Transidentität, Behinderung, Religion...- Hautfarbe ist nicht das einzig relevante Diskriminierungsmerkmal.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Das stimmt. Im Grunde kann man nach allem diskriminieren, was nicht der Mehrheit entspricht, seien es jetzt identitäre (das, was du bereits nanntest, mit Ausnahme der Religion) oder entscheidungsbezogene Merkmale. Du kennst dich sicher damit besser aus, CDL, aber ich vermute, dass man Diskriminierung auch mit Aufklärung nie ganz vermeiden kann, dafür ist es ein zu integraler Faktor menschlicher Interaktion, aber man kann zumindest zu dem Punkt kommen, an dem ein Differenzmerkmal der jeweiligen Minderheit nicht mehr zu physischer oder psychischer Gewalt (z.B. Mobbing im Klassenraum) führt und das wäre bereits in meinen Augen ein Erfolg.

  • In einer Klasse, die ich lange Zeit hatte, wurde mir von Fachlehrern zugetragen, dass X auf dem Schulhof verbal angegriffen wird. X ist ein sehr lieber Mensch, nicht als hübsch zu bezeichnen und verhält sich anders als viele andere, spricht z. B. mit sich selbst und wird immer auf Hilfe angewiesen sein. Ein "Heimkind", um noch eine weitere Klischeekiste zu öffnen. Wer X gemobbt hat waren die gut aussehenden Jungs ohne Sprachfehler, die zudem Aussicht auf eine halbwegs normale Lehrstelle hatten.


    Und was hab ich mit denen Klassenrat gemacht, Kommunikationsregeln, Konfliktklärung, "sprich per ich", unterstützt euch gegenseitig... Das Üble ist, wenn ich dabei war, war davon überhaupt nichts zu merken. Erst wenn andere Lehrer drin waren, die noch keine Beziehung zu den Kids hatten und die Hackordnung neu justiert wurde oder auf dem Schulhof, dann wurde übel gelästert und lange habe ich davon nichts mitbekommen.


    In meinem Mikrokosmos Schule ist Migrationshintergrund kein Ausgrenzungsgrund, weil diese die Kinder mit der besten Sozialisation sind, die mit dem schönen schwarzen Haar, deren Eltern lecker kochen können und deren riesige Familie sich gegenseitig unterstützt, statt sich zu hassen, die lustigen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Hier leiden Kinder mit anderen Eigenschaften als "Nachname ist nicht Müller". Also Rassismus nee, Diskriminierung aber ganz genauso.


    Wenn einer eine ultimative Lösung hat, wie man es schafft, dass sie sich wenigstens gegenseitig in Ruhe lassen, egal wie man redet oder aussieht, dann wäre ich glücklich.

  • Die ultimative Lösung kann es nicht geben, dafür sind wir Menschen meines Erachtens als Lebewesen - wie andere Lebewesen auch- zu klar Konkurrenzaspekten lebenslang unterworfen. Letztlich macht Erziehung aber den entscheidenden Unterschied, wie rücksichts- und ggf. empathielos wir dieses Prinzip auszuleben bereit sind (oder gefühlt alternativlos müssen). Das fängt im Idealfall im Elternhaus an, geht in KiTa, Kindergarten und Schule weiter und zieht sich, wenn es gut läuft, wie ein roter Faden an vielen Stellen- vor allem dem Austausch mit Peers- durch das weitere Leben, weil wir uns selbst irgendwann (hoffentlich) bewusst für das Ausleben bestimmter Haltungen entscheiden und zusätzlich Menschen begegnen, die uns darin unterstützen unser Bestes zu finden und zu zeigen. Da gilt für mich das Prinzip "Steter Tropfen...".

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • In meinem Mikrokosmos Schule ist Migrationshintergrund kein Ausgrenzungsgrund, weil diese die Kinder mit der besten Sozialisation sind, die mit dem schönen schwarzen Haar, deren Eltern lecker kochen können und deren riesige Familie sich gegenseitig unterstützt, statt sich zu hassen, die lustigen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Also Rassismus nee, Diskriminierung aber ganz genauso.

    Hm, kann ich jetzt leider nicht so ganz unkommentiert stehen lassen, denn es kann schon mal zu Auswüchsen kommen, wenn es z. B. um Kurdisch-Sein geht.

    Optisch keine Unterschiede, aber ich hatte es auch schon 2 x erlebt, dass ich einer TN den Tipp geben musste, ihren Kurdistan-Anhänger nicht offen zu tragen oder dass ein TN mit einem anderen einen Streit vom Zaun brechen wollte, weil er eben als türk. Türke nicht neben einem Kurden sitzen wollte.

  • wie bitte? Du gibst einem potentiellen Opfer von Diskriminierung den Tipp, ein "Merkmal der Diskriminierung" zu verstecken?

    Ich habe mir die TN auf die Seite genommen und im 4-Augen-Gespräch die Empfehlung gegeben, dass sie damit rechnen müsse, dass eben nicht alle TN positiv / neutral darauf reagieren würden. Ist mir allemal lieber, als dass sie ein Fall für den Rettungsdienst wird.

  • ... dass sie damit rechnen müsse, dass eben nicht alle TN positiv / neutral darauf reagieren würden...

    Ich kenne mich mit dieser Thematik überhaupt nicht aus, aber ist der Person das nicht bewusst?

  • ...nur sind Kurdistan-Anhänger nicht verboten, gewalttätige Übergriffe irgendwelcher Leute, denen "das nicht gefällt" aber schon.

    Und wer wo sitzen will oder nicht... tja, das Leben ist kein Wunschkonzert. Wem es nicht gefällt, dass das hier erlaubt ist... ich brauch den Satz doch nicht fortzusetzen, oder?

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Ich kenne mich mit dieser Thematik überhaupt nicht aus, aber ist der Person das nicht bewusst?

    Leider nicht immer :( Manche provozieren aber auch bewußt, z. B. wenn auf Demos Kindern unter 14 Jahren bestimmte verbotene Parteisymbole o. a. in die Hand gedrückt wird und sie medienwirksam in die vordersten Reihen geschickt werden.

  • Wegen des Versteckens dieses Anhängers: Der Vorsitzende des Rats für Juden sagt offiziell, dass es in manchen Vierteln (Ihr könnt euch denken, welche gemeint sind.) besser sei, als Jude seine Kippa unter einem Baseballcappy zu verstecken. Hat zwar einen faden Beigeschmack, aber scheint das kleinere Übel gegenüber physischer oder psychischer Gewalt zu sein (die Erfahrung musste ich in einem anderen Kontext selbst als Teenager machen).

  • Nun...

    "Kurdistan" gibt es derzeit nicht (Kurdistan ist ein Gebiet, das einen Großteil der Türkei, ein großes Stück Syrien, ein Stück Irak und ein recht kleines Stück Iran umfasst), zumindest im Rahmen eines Staates.

    Wer sowas trägt, sieht das anders.

    Und das sehen dann zB Türken "nicht gerne". Vor allem der Recep E nicht.

    Wäre mir aber schnurzpiep, was die "gerne sehen".

    Hab mit Kurden nämlich tatsächlich vornehmlich positive Erfahrungen...

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  • Naja, bei den Türken kommt das dann wie eine Provokation rüber.

    Das war aber vor Erdogan schon so.


    Es lebt ein uralter Streit zwischen diesen beiden Völkern, der auch in unseren Schulstuben ausgetragen wird. Ich glaube nicht, dass wir da groß Einfluss nehmen können.8)

  • Naja, bei den Türken kommt das dann wie eine Provokation rüber.

    Das war aber vor Erdogan schon so.


    Es lebt ein uralter Streit zwischen diesen beiden Völkern, der auch in unseren Schulstuben ausgetragen wird. Ich glaube nicht, dass wir da groß Einfluss nehmen können.8)

    Doch.

    Es ist nicht verboten.

    Verboten sind hier ggf volksverhetzende oder NS-Symboliken.

    Und wie gesagt... wenn sich Türken drüber aufregen wollen... hier nicht.

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