Viele Polizeibewerber scheitern am Deutschtest

  • Wer greift denn hier überhaupt jemanden an? Ausgangsfrage war doch, wie wir es im schulischen Rahmen in Zukunft erreichen können, dass Anwärter für den Polizistenberuf nicht mehr so oft durch den Deutschtest fallen. Ich habe im ersten Beitrag Optionen aufgezeigt, die wir gerne diskutieren können. Das erscheint mir sinnvoller als immer dieses lächerliche "Und was machst du persönlich dagegen?".

  • Als "Nicht-Deutschlehrer" habe ich nur einen sehr begrenzten Spielraum, was das "Abstrafen" von Fehlern in Sprache, Ausdruck etc. angeht.

    In Bayern darf das am Gymnasium jeder Nicht-Deutschlehrer, die haben gar keinen begrenzten Spielraum, was Rechtschreibung oder Verständlichkeit betrifft. Auch in Chemie oder Mathematik. Es macht aber doch keiner. Also bin ich ein ganz klein bisschen skeptisch, wenn ich von Nichtdeutschlehrkräften höre, sie würden ja gerne, aber sie dürfen ja nicht.


    Zur Ausgangsfrage: Je nun, wenn Deutsch das Problem ist und nicht Sport, dann braucht es wohl mehr Deutsch und weniger Sport am Gymnasium, nicht wahr.

    "Im not laughing with you, I'm laughing about you."


    "Schlimmes geschähe dir da, mein Bester, wenn du nach Athen gekommen, wo in ganz Hellas die größte Redefreiheit herrscht, dann hier als einziger an ihr nicht teilhaben solltest. Aber setze auch dagegen: wenn du weitläufig redest und nicht das Gefragte beantworten willst, daß auch mir Schlimmes geschähe, wenn ich nicht weggehen dürfte, ohne dich zu hören." (Platon, Gorgias)

    Einmal editiert, zuletzt von Herr Rau ()

  • Ich lese da keinen Angriff heraus. Angriff setzt für mich immer (negative) Emotionen voraus und mir geht es erst einmal nur um Ursachenforschung in Kombination mit der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten.

  • In Bayern darf das am Gymnasium jeder Nicht-Deutschlehrer, die haben gar keinen begrenzten Spielraum, was Rechtschreibung oder Verständlichkeit betrifft. Auch in Chemie oder Mathematik. Es macht aber doch keiner. Also bin ich ein ganz klein bisschen skeptisch, wenn ich von Nichtdeutschlehrkräften höre, sie würden ja gerne, aber sie dürfen ja nicht.


    Zur Ausgangsfrage: Je nun, wenn Deutsch das Problem ist und nicht Sport, dann braucht es wohl mehr Deutsch und weniger Sport am Gymnasium, nicht wahr.

    "Die Lehrerinnen und Lehrer aller Fächer haben danach die Aufgabe, die Schülerinnen und Schüler im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der deutschen Sprache zu fördern. Dazu machen sie grundsätzlich auch außerhalb des Deutschunterrichts auf Fehler aufmerksam, geben regelmäßig schriftliche und mündliche Rückmeldungen über Leistungen in der deutschen Sprache und korrigieren Fehler. Wenn dennoch häufig gegen den im Unterricht vermittelten und gründlich geübten Gebrauch der deutschen Sprache verstoßen wird, kann dies zur Absenkung der Note um bis zu eine Notenstufe führen. Dies gilt nicht für Schülerinnen und Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)."


    Bei uns an der Schule wurde Bildungsgangintern beschlossen, dass in Klassenarbeiten Sprache, Form etc. maximal 10% der Punkte ausmachen dürfen, mehr nicht. Und da gerade in Anlage A und B fast nur Reproduktion gefordert ist, hat man da auch keine so gewaltigen Möglichkeiten, die Fragen so zu formulieren, dass die Antworten ganz präzise sein müssen. Also strenggenommen schon, ich kann natürlich von meinen SuS fordern, dass sie 1:1 meine Formulierungen aus dem Unterricht wiedergeben. Aber das würde den Schnitt dann sogar noch nach oben ziehen, denn kopflos die Sätze des Lehrers auswendiglernen kriegen einige sogar ganz gut hin. Da frage ich lieber nach Erklärungen in "eigenen Worten", damit ich einschätzen kann, ob die Thematik verstanden wurde. Aber dann ist natürlich die Sprache wieder völlige Grütze.

  • Ich lese da keinen Angriff heraus. Angriff setzt für mich immer (negative) Emotionen voraus und mir geht es erst einmal nur um Ursachenforschung in Kombination mit der Suche nach Optimierungsmöglichkeiten.

    Du suchst die Ursache im Unterricht und der Notengebung deiner Kollegen, das ist bereits verquer gedacht.

  • Was hältst du für Ursachen dafür, dass Polizeianwärter nicht, wie zu vermuten, im Sport-, sondern scheinbar recht häufig im Deutschtest durchfallen? Und an welcher Stelle kann man ansetzen, dass das zukünftig nicht mehr in dem Ausmaß passiert?

  • du verwechselst Ursache und Wirkung.

    Was hältst du von der These, dass entsprechend "gebildete" Leute den Polizeiberuf schlicht unattraktiv finden?

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
    Die Grundlage des Glücks ist die Freiheit, die Grundlage der Freiheit aber ist der Mut. (Perikles)
    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

  • Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wenn ich so darüber nachdenke, gab es zu meiner Schulzeit auch das Klischee, dass diejenigen, die in Sport ziemlich gut haben, in den Hauptfächern eher... anwesend waren.

  • Also ich lese das Ausgangsposting nicht als Angriff auf irgendwen. Ich frage mich das selbst häufig, was sich verändert hat und was falsch läuft, weil es früher gefühlt anders war. Die Hauptschüler von "früher", die man heute als Erwachsene kennt, können doch auch größtenteils brauchbar Deutsch schreiben. Ich war selbst mal Hauptschüler und da war die Sprache auch kein großes Problem, weder bei mir noch bei meinen Mitschülern. Und heute haben selbst Abiturienten oft Probleme, über längere Strecken fehlerfrei zu schreiben. Da frag ich mich auch woran das liegt und an welcher Stellschraube da gedreht werden muss. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass wie durch Zauberhand vor ein paar Jahren plötzlich alle Deutschlehrer an allen Schulformen ihren "Stil" geändert haben, so dass jetzt keiner mehr vernünftig Deutsch lernt. Aber irgendwas muss sich ja verändert haben. Smartphonenutzung? Kein Lesen mehr im Privaten? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Wie man da gegensteuern kann, finde ich eine sehr berechtigte Frage.

  • Angriff auf Kollegen? Das nimmt doch hier hoffentlich keiner ernst. Dazu müsste der TE ja überhaupt mal ein "Kollege" mit Unterrichtserfahrung sein.

    Ist er doch, auch wenn er sich die allergrößte Mühe dabei gibt so zu klingen, als hätte er in seinem Leben noch keinen Klassenraum von innen gesehen, geschweige denn einen entsprechenden Beruf ergriffen und seinen Anteil am schulischen Geschehen in der Folge nicht kritisch reflektiert in seinen Beiträgen.


    Mehr Selbstreflexion und Authentizität würde jedem einzelnen deiner Beiträge unendlich gut tun @Lehramtstudent. Andernfalls fällt es zunehmend schwerer dich als Kollegen zu verstehen und ernstzunehmen.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Ich überlege mal zurück in die Zeit wo ich mir über legt habe, welchen Beruf ich ergreifen will... btw, ein wirklich "schlechtes" Schulfach hatte ich in dem Sinne nicht...

    bei mir stand neben Lehrerin duchaus noch Sportsoldatin zur Debatte... wieso hab ich das dann aussortiert? Na, weil ich mir nicht von nem hergelaufenen Uffz was sagen lassen würde, der die Hose mit der Kneifzange zumacht (mal bewusst drastisch ausgdrückt).

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass einige "Interessenten" für den Polizeiberuf da ganz andere "Interessen" dran haben als die an sich realistischen. Solches "Publikum" wird dann derzeit eher unterbezahlte, schlecht bis gar nicht ausgebildete "Security", oder vielleicht Türsteher. Und ja, die sind auch aus anderen Gründen nicht für den Polizeidienst geeignet, aber wenn du mittlerweile siehst, was sich manche "Polizisten" so leisten... wundert es mich nicht, wenn da einiges den Bach runtergeht.

    Dass die dann auch noch schlecht Deutsch können, ist mMn eher ein Nebeneffekt.

    Der Zyniker ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung ihn Dinge sehen lässt wie sie sind, nicht wie sie sein sollten. (Ambrose Bierce)
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    Wer mit beiden Füßen immer felsenfest auf dem Boden der Tatsachen steht, kommt keinen Schritt weiter. (Miss Jones)
    Wenn der Klügere immer nachgibt, haben die Dummen das Sagen - das Schlamassel nennt sich dann Politik (auch Miss Jones)

    Einmal editiert, zuletzt von Miss Jones ()

  • Die Hauptschüler von "früher", die man heute als Erwachsene kennt, können doch auch größtenteils brauchbar Deutsch schreiben.

    Hm, ich habe auch eine ganze Reihe von Bekannten, die einen Hauptschulabschluss haben, und - so leid es mir tut, das sagen zu müssen - viele von ihnen haben auch so ihre Probleme mit Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Manche Textnachrichten muss ich zweimal lesen, um sie zu verstehen.

  • ... Die Hauptschüler von "früher", die man heute als Erwachsene kennt, können doch auch größtenteils brauchbar Deutsch schreiben.

    Ist das so? Ich kenne sehr wenige ehemalige Hauptschüler und von denen nicht die Schreibkenntnisse. Wenn ich mir aber ansehe, was Leute höheren Alters teilweise ins Internet tippen, dann frage ich mich, was an deinem Gefühl, dass alles schlimmer wird, tatsächlich dran ist.

    Allerdings musste ich diverse Unterrichtsentwürfe lesen und schlackere mit den Ohren, was Referendare sich manchmal zusammentippen. Ich hätte zumindest den Prüfungsentwurf gegenlesen lassen!


    Edit... wenn man mal so rumfragen würde, ich vermute, dass vor einem Blinddate eine hohe Fehlerquote im Nachrichtenaustausch den künftigen (Sexual-) Partner auf der Menschenbewertungsskala eins nach unten setzen würde. Ich behaupte mal egal ist die Rechtschreibung nach wie vor in der Bevölkerung nicht.

  • Die Hauptschüler von "früher", die man heute als Erwachsene kennt, können doch auch größtenteils brauchbar Deutsch schreiben

    Die, die ich kenne (unter anderem meine Brüder) können das nicht, nein.

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    Chemie ist das was knallt und stinkt, Physik ist das was nie gelingt.

  • Ich bin in der näheren Verwandtschaft die einzige, die überhaupt Abitur hat, der ganze Rest war auf der Hauptschule. Meine Mama hat als typisches Nachkriegskind die Schule nach der 8. Klasse verlassen, die konnte von allen noch am schönsten schreiben und soweit ich mich erinnere auch überwiegend orthographisch korrekt. Einer meiner Brüder ist Legastheniker, das hat vor 40 Jahren in Bayern aufm Dorf keine Sau interessiert. Der hat eine Lehre zum Betriebsschlosser gemacht und später zum Chemikanten umgeschult, dafür muss man nicht schreiben können.


    Ehrlich... Ich habe auch an der Schule Kollegen, die weder schön noch fehlerfrei schreiben können. Wie ich das finde sei mal dahingestellt aber so ist es halt.

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    Chemie ist das was knallt und stinkt, Physik ist das was nie gelingt.

  • Wenn dennoch häufig gegen den im Unterricht vermittelten und gründlich geübten Gebrauch der deutschen Sprache verstoßen wird, kann dies zur Absenkung der Note um bis zu eine Notenstufe führen.

    Im Anschluss an die von mir zitierte Stelle, auf die sich auch Hannelotti bezieht, heißt es deutlich schärfer weiter: "Häufige Verstöße gegen die sprachliche Richtigkeit in der deutschen Sprache müssen bei der Festlegung der Note angemessen berücksichtigt werden." (§ 6, Abs. 6) In den VV heißt es: "Häufige Verstöße gegen den richtigen Gebrauch der deutschen Sprache führen zur Absenkung der Note um bis zu einer Notenstufe." (Und nicht: "können führen"!) D. h. jede Lehrkraft in der Sek. I muss Verstöße vor allem bei Rechtschreibung und Zeichensetzung berücksichtigen. Wie Herr Rau schon schreibt: Es dürfen, ja müssen sogar alle... es machen halt längst nicht alle.

    Gleiches gilt in NRW übrigens für die Sek. II (APO-GOSt § 13, Abs. 2); hier sogar erweitert um die Formulierung "Verstöße ... gegen die äußere Form"! In der Qualifikationsphase und im Abitur führt das zur Absenkung im bis zu zwei Notenpunkte; das ist den wenigsten egal.

  • D. h. jede Lehrkraft in der Sek. I muss Verstöße vor allem bei Rechtschreibung und Zeichensetzung berücksichtigen.

    Das ist doch aber alles möglich und dennoch kann man sich bei der Polizei dann bewerben.


    Gibt es dafür Vorgaben?

    Muss man eine gute oder sehr gute Deutschnote vorweisen?

    Was wird in dem Test verlangt?


    Wie viele Bewerber bereiten sich wohl explizit auf den Sporttest vor... und wie viele auf den Deutschtest?

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