Corona-Onlineunterricht - Eltern enttäuscht

  • Die Ergebnisse dieser Studie fand ich interessant, die Enttäuschung der Eltern aber nicht immer berechtigt.


    Der Onlineunterricht / Distanzunterricht / Fernunterricht usw. kann eben dem Präsenzunterricht nicht das Wasser reichen. Das ist doch klar (geworden).


    Aus Solidarität mit dem vom Aussterben bedrohten Pangolin (zu deutsch: Schuppentier) nenne ich mich jetzt so. ;-)

  • Habe heute meine Schüler (neue 11er) befragt, wie der Unterricht auf Distanz so lief. Rückmeldung war da ähnlich.
    Teilweise wurde wenig bis gar nichts gemacht von den Schulen.

  • n=155 - die Stichprobe ist erstaunlich klein dafür, dass quasi alle SuS des Landes zuhause gesessen haben.


    E-Mailkontakt bei 81%. Offenbar nutzt Berlin nicht Logineo als Maildienstleister :-)


    Per Post gefällt mir tatsächlich am Besten. Wobei das vermutlich weniger lustig ist als man denkt. In Brennpunkten hat vielleicht nicht jeder Internet. Insgesamt sehr interessant. Wir haben auch eine Umfrage unter KollegInnen und SchülerInnen gemacht. Die waren grundsätzlich zufrieden mit unserer Arbeit. Die KollegInnen haben hauptsächlich als Problem die untergetauchten SchülerInnen genannt (passiert halt, wenn man kommuniziert, dass nix bewertet wird), die SchülerInnen haben teilweise fehlende Absprachen bei der Menge der Aufgaben kritisiert.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

    "Die Pädagogik die Du bei uns (am BK) brauchst ist mit "sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch" nahezu abschließend zusammengefasst."


    Rechtschreibfehler entstehen nur, wenn ich am Handy schreibe. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen!

  • Per Post gefällt mir tatsächlich am Besten. Wobei das vermutlich weniger lustig ist als man denkt. In Brennpunkten hat vielleicht nicht jeder Internet.

    Heutztage kommst Du selbst in Deutschland leichter ins Internet als dass Du eine Briefmarke kaufen und den frankierten Brief irgendwo einwerfen kannst. Egal wo.

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • Heutztage kommst Du selbst in Deutschland leichter ins Internet als dass Du eine Briefmarke kaufen und den frankierten Brief irgendwo einwerfen kannst. Egal wo.

    Naja, nur dass die Lehrer Briefumschläge rausgekramt und Briefmarken geordert haben. Die Brennpunktkinder haben tendenziell nach wie vor noch eher Briefkasten als W-LAN. Oder zumindest haben nur die Eltern ein Smartphone mit Guthaben aber auch dann wissen nicht alle, wie man Email richtig nutzt.

  • Ja, das mit dem Smartphone kann ich leider bestätigen. Aber es kommt leider immer darauf an, an welcher Schule man ist. Das Gymnasium bei uns hat eine 100% Verfügbarkeit an PCs zuhause gehabt. An unserer Gemeinschaftsschule war hingegen selbst in meiner RS-Klasse 10 nur bei knapp 50% der Schülerinnen an einem Tablet oder PC, der Rest am Telefon.

    Naja, zumindest werden jetzt im Landkreis Tausende IPads angeschafft. 5 haben wir seit ein paar Wochen schon durch Spender bekommen, die sind ins MDM der Stadt eingebunden und werden seitdem ganz gut genutzt.

  • Typisch ist auch wieder, dass irgendwer befragt wird, der natürlich Lehrern Kompetenzen abspricht. Dass wir das Zeug in der Schule abholen ließen lag natürlich daran, dass wir keinen Computer anschalten können. Und


    "Krcmar rät dazu, sich von der klassischen Vermittlung von Lehrstoffen zu verabschieden, stattdessen die Neigung zu digitalen Angeboten bei Kindern zu nutzen. „Gamification“ ist ein Stichwort, das in dem Gespräch mit dem Wissenschaftler fällt. Also die Möglichkeit, Kinder auf spielerische Weise und mit Belohnungssystemen zu motivieren. Auch berichtet er von der Möglichkeit, Computerspiele zu entwickeln, um beispielsweise Geschichtsunterricht spannender zu machen. Nicht zu vergessen: Erklärvideos. Warum ein Experiment aus dem Chemie-Unterricht nicht mit einer Smartphone-Kamera aufnehmen und dann den Kindern vorspielen?"


    Ja, warum nicht mit Belohnungssystemen und Computerspielen arbeiten, oder den Kindern einfach mal was zeigen?

  • Von meinen Förderschülern hat keiner einen PC und Drucker zuhause. Und ein Smartphone mit Internetzugang haben auch nicht alle. Mailadressen sowieso nicht. Unsere Schulträger hat uns Logineo noch nicht zur Verfügung gestellt. In unserer Schule gibt es kein WLAN. Und das Netz in der Schule ist extrem langsam, eine Videokonferenz ist kaum möglich.


    Ich würde digitales Lernen auch gerne anders interpretieren 😏 Zuhause habe ich schnelles Glasfasernetz, Ipad und Laptop - in der Schule teilen wir uns -mittlerweile immerhin- 🙃 3 PCs mit Internetzugang (Internet seit etwa 2 1/2 Jahren😀) mit etwa 50 Kollegen. Danke Frau Gebauer für die mediale Ausstattung. Ach so, wir sind übrigens seit mehr als einem Jahr eine Talentschule. Wir warten noch auf die mediale Ausstattung und die versprochenen Lehrerstellen. Ausgeschrieben sind sie, doch komischerweise will keiner kommen. Ich sag nur: Brennpunktschule in NRW.


    Tatsächlich wurden hier auch Materialpakete an Einzelterminen verteilt, mit der Post verschickt und zum Teil von Kollegen zu Schülern nach Hause gebracht. Kontakt zu den Schülern wurde per Telefon gehalten und über die Homepage waren z.B. Aufgaben verlinkt für die Schüler, die die Möglichkeit zum digitalen Lernen hatten.

  • Wir hatten vor den Sommerferien die eine Hälfte eines Kurses an der Schule, die andere in der gleichen Woche daheim im Online-Unterricht. In der darauf folgenden Woche dann gewechselt. Es ging irgendwie so auf, dass ich die eine Lerngruppe meines Oberstufenkurses vor den Ferien noch eine Doppelstunde mehr hatte, als die andere. Da wollte ich keinen neuen Stoff mehr machen, weil das die andere Gruppe ja nicht mehr mitkriegt. Und so habe ich zu den Themen der letzten Wochen (sowohl zu den Dingen, die sich die SuS online hätten anschauen sollen, als auch zu denen, die wir im Präsenzunterricht besprochen haben) "Erklärvideos" von Youtube gezeigt (einige davon finden sich auch in der Mediathek der bayerischen Mebis-Platform.

    Ich hatte eine recht große Zahl parat und habe meinen SuS gesagt, dass sie, wenn es sie langweilt, wenn sie das Gefühl haben, nichts dabei zu lernen usw. einfach die Hand heben sollten. Sobald ich fünf Hände sah, wurde das aktuelle Video abgebrochen und einen neues gezeigt.

    Resultat: kaum ein (z.T. hochgelobtes) Video konnte meine SuS überzeugen. Wir haben dann hinterher noch besprochen, warum nicht bzw. warum bei den Youtube-Kommentaren so oft steht "Viel besser als mein Geschichtsunterricht" usw.

    Aber mein Fazit nach dieser (nicht repräsentativen) Stunden: Erklärvideos werden evtl überschätzt und sind sicher nicht das (Allheill-)Mittel, als das manche Eltern / Fachleute sie gerne sehen würden.


    Mit Gamification hab ich mich mal sogar intensiver beschäftigt ... ich halte davon aus vielen Gründen wenig (auch wenn es stark davon abhängt, was und wie man etwas macht).


    Videokonferenz: Habe ich aus (aus meiner Sicht) guten Gründen nicht angeboten:

    - ich habe keine Kamera, die Schule konnte mir keine stellen

    - wenn ich 30 SuS verpflichte, am Montag um 10 Uhr mit mir eine Videokonferenz zu haben, bringe ich Familien evtl. in die Zwickmühle (ist mir auch von Eltern so bestätigt worden): Sohnemann soll eine Videokonferenz bei mir in Englisch "besuchen", Töchterchen (an einer anderen Schule) zur gleichen Zeit eine Konferenz für Mathe und Papi ist im Home-Office. Selbst wenn die Familie drei Endgeräte hat, hält das oft die Leitung nicht aus (und dass die Familien nicht so toll ausgestattet sind, wie wir meinen, hat die Umfrage ja auch ergeben).

    - Datenschutz: erstens war es lange Zeit nicht klar, welches Portal / welche Software für solche Konferenzen genutzt werden darf und zweitens hieß es dann, dass die Lehrkräfte sicher stellen müssten, dass die Kameras der SuS AUS sind - dann kann ich mir so eine Videokonferenz auch sparen.


    Bzgl. der Unzufriedenheit der Eltern: Ja, ich denke, die Schule hat die digitalen Möglichkeiten der SuS/Eltern überschätzt. Da sind doch einige nicht so ausgestattet, wie wir gedacht haben.

    Unverständliche Aufgaben der Lehrer: Haben die Eltern versucht, den Lehrkräften das, gleich als Probleme auftragen, rückzumelden? Ich habe z.B. während der Wochen nichts in der Richtung von Eltern gehört ... und als es dann wieder mit Präsenzunterricht los ging kam eine Mutter und meinte, ihre Tochter hätte doch einige Dinge, die ich hochgeladen hatte, nicht verstanden. Kann man dann nicht erwarten, dass die Schülerin mich über einen von drei möglichen Kommunikationswegen kontaktiert (Dienst-Email - den SuS bekannt, Nachricht über Mebis oder das schuleigene Elternportal)?



    Was mich aber doch etwas umtreibt: Der Erziehungsauftrag meiner Schulart heißt u.a., die SuS zur Selbständigkeit zu erziehen. In den letzten Jahren hatte ich immer mehr das Gefühl, wir (die Lehrkräfte) würden uns alle Beine ausreißen und die SuS lehnen sich entspannt zurück mit der Haltung "Schaut mal zu, dass ich mein Abi kriege".

    Von daher habe ich mir bei Corona gedacht, dass jetzt die Verantwortung wieder mehr bei den SuS liegt (vernünftige Betreuung was Aufgabenstellung und auch Besprechung betrifft voraus gesetzt). Leider muss man aber allem Anschein nach feststellen, dass viele SuS und deren Eltern das nicht mehr wollen und auch nicht mehr können (das finde ich etwas beängstigend). Wenn der Lehrer nicht ständig mit der Peitsche hinter einem steht, wird nichts mehr gemacht. Die Haltung ist mir für SuS ab einer bestimmten Jahrgangsstufe (sagen wir mal 9./10. Klasse) doch etwas unverständlich.

    Die Eltern sind also nicht zufrieden ... äh ... ich bin auch nicht damit zufrieden, wie meine SuS zu großen Teilen während der Online-Zeit gearbeitet haben (nämlich gar nicht ... hochgeladene Aufgabe oder Materialien wurden häufig nicht einmal angeschaut).

    Grundsätzlich finde ich nämlich schon, dass ein Teil des Online-Unterrichts darin bestehen kann (soll?), dass der Lehrer Aufgaben zuschickt und die SuS die erledigen. Natürlich muss dann eine gewisse Kontrolle / Korrektur erfolgen (mindestens im Versenden einer Musterlösung, ggf. auch, indem man die SChülerantworten "einfordert" und korrigiert / kontrolliert und Rückmeldung gibt - was ziemlich arbeitsaufwändig ist).

  • Ich schrieb es bereits vor Monaten und sehe mich in meinen Annahmen bestätigt. Die leistungsstarken bzw. -willigen Schüler lernen auch trotz widriger Umstände und bleiben am Ball. Die leistungsschwachen Schüler, bzw. insbesondere diejenigen, die eher leistungsunwillig sind, sind mit einer solchen Freiheit wie beim Onlineunterricht völlig überfordert. Wir müssen immer wieder bedenken, dass das die Schüler sind, die wir im Unterricht immer wieder motivieren, "an die Hand" nehmen und denen wir strenge Rahmenbedingungen vorgeben müssen, dass überhaupt etwas kommt. Sicher gibt es jetzt den einen oder anderen Schüler bei euch, der im Onlineunterricht aufblühte, aber wenn wir mal bei der Mehrheit bleiben: Präsenzunterricht ist einfach Standard und man kann, und sollte, auch nicht erwarten, dass Onlineunterricht "mal eben" dasselbe leisten kann.

    Davon abgesehen: Ich musste selbst letztens erleben, wie das Internet für einen oder zwei Tage ausfiel. Das Leben geht auch ohne weiter, ist aber schwierig, wenn dann kein "Unterricht" möglich ist :/ . Auch weil ich persönlich keinen Onlineunterricht mag, würde ich hohe Hürden ansetzen bis Präsenzunterricht nicht stattfinden darf und dann eher auf die Post setzen.

  • Dass es der Part der Eltern wäre, sicherzustellen, dass die Kids einen geordneten Tagesablauf haben, erwähnt natürlich keiner... Meine Schüler haben mir berichtet, dass sie teils bis um 4 Uhr wach waren, Netflix geschaut oder gezockt haben... Dann natürlich bis am Mittag im Bett... Bis man überhaupt zu schulischen Dingen kam, war es wohl oft 15, 16 oder gar 17 Uhr...


    Ganz ehrlich... Ich habe meine Mutter gefragt... Bei uns hätte es das nicht gegeben. Sie hätte uns spätestens aus dem Bett geschmissen bevor sie zur Arbeit geht und wehe, die Aufgaben wären nicht erledigt gewesen bis sie nach Hause kam... Hausarrest, Playstation-Controller weg, Taschengeld gestrichen, Fernsehverbot, Handy weg... Sowas kennen die Kids heute doch gar nicht mehr...

  • Dass es der Part der Eltern wäre, sicherzustellen, dass die Kids einen geordneten Tagesablauf haben, erwähnt natürlich keiner... Meine Schüler haben mir berichtet, dass sie teils bis um 4 Uhr wach waren, Netflix geschaut oder gezockt haben... Dann natürlich bis am Mittag im Bett... Bis man überhaupt zu schulischen Dingen kam, war es wohl oft 15, 16 oder gar 17 Uhr...

    Nicht nur die Schüler, sondern auch ihre Eltern. Da rufst du um 13.00 an, weckst ganze Familien auf und musst dich dafür auch noch anpampen lassen :daumenrunter:

  • „Gamification“ ist ein Stichwort, das in dem Gespräch mit dem Wissenschaftler fällt


    Mit Gamification hab ich mich mal sogar intensiver beschäftigt ... ich halte davon aus vielen Gründen wenig (auch wenn es stark davon abhängt, was und wie man etwas macht).

    Gamification ist aus meiner Sicht und nach dem, was ich so in Erfahrung gebracht habe, ein sehr erfolgsversprechendes System für viele SuS, da es mit unmittelbaren Belohnungen arbeitet. Das funktioniert bei Erwachsenen genauso gut wie bei Kindern und Jugendlichen. Mich würde da (vielleicht in einer PN) mal interessieren, was DeadPoet für Gründe dagegen hat - als Erfahrungsaustausch.


    Letztlich spielt in der Lebenswirklichkeit von SuS ein spielerisches Belohnungsystem mit unmittelbarer Rückmeldung ständig eine Rolle. Sei es das gratis Spiel auf dem Handy, das regelmäßig eine dicke Animation abspielt, wenn man irgendwas geschafft hat, sei es Fortnite oder sei es die Anzahl der Likes bei Instagram. Das motiviert die SuS in ihrem privaten Umfeld. Warum also nicht das System nutzen, um was sinnvolles damit zu machen?

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

    "Die Pädagogik die Du bei uns (am BK) brauchst ist mit "sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch" nahezu abschließend zusammengefasst."


    Rechtschreibfehler entstehen nur, wenn ich am Handy schreibe. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen!

  • Kalle29 Ich sehe das Problem bei Gamification darin, dass es meiner Meinung nach ausschließlich auf extrinsische Motivation abzielt.

    Sicher ist das nahe an der Lebenswelt vieler SuS... Aber ist es Aufgabe von Schule sich dem anzupassen? Oder kann oder muss Schule nicht ein Gegenpol dazu sein?


    Zum Thema: Bei uns gab es von Elternseite extrem verschiedene Rückmeldungen. Das System, das wir für unsere Klasse etabliert hatten schien für die meisten gut machbar und transparent. Das uns eben nicht mehr Ausstattung zur Verfügung stand, dafür kann nun Mal keiner was. Wir haben zusätzlich mit Papier-Ausgabe gearbeitet, weil eben viele keinen Drucker Zuhause haben. Das würde ich aber auch nie als "digitales Lernen" verkaufen wollen. Das war eben das, was möglich war.

  • Per Post gefällt mir tatsächlich am Besten.

    Tja und wer genau hätte das bezahlen sollen, meine Kollegen die vor Ort waren haben selber Briefträger spielen müssen.

    Naja, nur dass die Lehrer Briefumschläge rausgekramt und Briefmarken geordert haben. Die Brennpunktkinder haben tendenziell nach wie vor noch eher Briefkasten als W-LAN.

    Wie geordert, ja, wir hätten welche kaufen können von unserem Geld, Briefmarken gab es nicht, Geld für welche war auch nicht da und Dienstpost eingestellt und nun?!? Die Kollegen sind teilweise selber rumgelaufen und haben es in den Briefkästen verteilt.


    Ganz ehrlich... Ich habe meine Mutter gefragt... Bei uns hätte es das nicht gegeben. Sie hätte uns spätestens aus dem Bett geschmissen bevor sie zur Arbeit geht und wehe, die Aufgaben wären nicht erledigt gewesen bis sie nach Hause kam... Hausarrest, Playstation-Controller weg, Taschengeld gestrichen, Fernsehverbot, Handy weg... Sowas kennen die Kids heute doch gar nicht mehr...

    Tja, aber warum Kinder, die unbetreut sind aus dem Bett werfen?!? Wir haben sie auch so lange wie möglich schlafen lassen, dann hatten wir nämlich Zeit zum Arbeiten und danach kamen dann die Kinder und dann haben wir nachts weiter gearbeitet. Schlaf bei uns wurde überbewertet, wer braucht schon mehr als 4-6h?!? Und die Verbote sind ja alle toll, aber wie genau stellst du dann sicher, dass du arbeiten kannst, wenn die noch weniger beschäftigt sind? Bei uns gab es damit dann auch keinerlei Beschränkungen mehr, Hauptsache wir hatten Zeit zum Arbeiten und konnten zwischendurch mit den Kindern die Schulsachen machen, alles andere, auch was andere über unseren Tagesablauf dachte, war mir ehrlich gesagt egal und ist es mir auch jetzt noch.

  • ... spielerisches Belohnungsystem mit unmittelbarer Rückmeldung ständig eine Rolle. Sei es das gratis Spiel auf dem Handy, das regelmäßig eine dicke Animation abspielt, wenn man irgendwas geschafft hat, sei es Fortnite oder sei es die Anzahl der Likes bei Instagram. Das motiviert die SuS in ihrem privaten Umfeld.

    Naja, motivieren... Das ist eben genau das, was süchtig macht.


    Wenn sie natürlich nach Matheaufgaben süchtig würden... ;)


    Ich sag mal so, an der Erziehunshilfeschule ist es Usus, mit strikt regulierten Verstärkersystemen zu arbeiten. Ich mags nicht. Aller 15 min (!) eine Verhaltensrückmeldung an der Tafel zu geben ist der Extremfall gewesen, den ich da sah. Da ist das Ziel aber immer davon wegzukommen, dass das Kind sein Verhalten selbst kontrolliert.


    Selbst bei Hunden versucht man nicht ausschließlich mit Leckerli zu arbeiten, sondern mit angeborenen Verhaltensmustern.

  • ... Die Kollegen sind teilweise selber rumgelaufen und haben es in den Briefkästen verteilt.

    Weiß ich, Corona 2020, ich war dabei! :shit:

    Es ging mir darum, dass es im Artikel heißt, Lehrer hätten gar den Postweg genutzt, weil sie zu altmodisch für Email waren und das stimmt halt so nicht.

  • Naja, motivieren... Das ist eben genau das, was süchtig macht.

    Die Dosis machts :-). Bei mir funktioniert das System in bestimmten Fällen super. Ich versuche gerade, ein paar Corona-Kilos los zu werden. Habe mir dafür eine Bluetooth-Waage gekauft, die jeden Tag die Daten in eine App übertragt und graphisch darstellt. Man sieht mit bunten Farben, Verläufen oder ähnlichem jederzeit seine Änderungen. Mich motiviert sowas ungemein, auch wenn natürlich die klassische Waage und eine Wiegung pro Woche ausreichen würden. Bestimmte Computerspiele motivieren mich, 100% zu schaffen - zuletzt war das Assassins Creed Odysee. Selbst stumpfe Sachen habe ich da gemacht, um einen Prozentbalken voll zu bekommen oder ein Symbol auf der Karte zu entfernen.


    Ich bin davon überzeugt, dass solche Systeme auch bei SuS funktionieren. Einige/viele SuS haben momentan auch ein Belohungs- oder Motivationssystem: Ihre Benotung. Die Rückmeldungen dazu sind aber viel zu indirekt und meistens auf vier Termine pro Halbjahr beschränkt (zwei Klausuren, zwei Teilnoten). Ich glaube, eine häufigere Rückmeldung ist da vielversprechend (hier schließt sich übrigens der Bogen zum Fernunterricht - da fehlt auch oft die Rückmeldung der KollegInnen, so dass die SuS eher demotiviert waren). Regelmäßige Rückmeldungen an alle SuS sind aber kaum machbar - außer mit einem automatisierten System, dass z.B. Erfolgspunkte verteilt (krass vereinfacht, es ist natürlich nicht das Ziel, dass stumpf nach Leistung sich in Punktebalken füllt). Wenn ich mal Zeit finde, versuche ich da in meiner FHR-Klasse mal was. Hab schon ein paar Ideen im Hinterkopf.

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

    "Die Pädagogik die Du bei uns (am BK) brauchst ist mit "sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch" nahezu abschließend zusammengefasst."


    Rechtschreibfehler entstehen nur, wenn ich am Handy schreibe. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen!

  • Ich sehe das Problem bei Gamification darin, dass es meiner Meinung nach ausschließlich auf extrinsische Motivation abzielt.

    Sicher ist das nahe an der Lebenswelt vieler SuS... Aber ist es Aufgabe von Schule sich dem anzupassen? Oder kann oder muss Schule nicht ein Gegenpol dazu sein?

    Da bin ich mir gar nicht sicher, was die Definition von Gamification als extrinsisch angeht. Sicherlich ist es in der Schule etwas anders als in der Freizeit, wo mir bei z.B. Computerspielen keine Nachteile für mein Leben erwachsen, wenn ich nicht 100% erfülle. Aber seien wir doch mal ehrlich: In der Schule sind fast alle SuS extrinsisch motiviert. Notendruck, Leistungsdruck... Ich bezweifel, dass ich viele SuS in Mathe sitzen haben würde, wenn es nicht Pflicht (sei es durch den Bildungsplan oder weil es später im Studium/Beruf benötigt wird).

    "Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden."

    "Die Pädagogik die Du bei uns (am BK) brauchst ist mit "sei konsequent, dabei kein Arsch und bleib authentisch" nahezu abschließend zusammengefasst."


    Rechtschreibfehler entstehen nur, wenn ich am Handy schreibe. Eine andere Möglichkeit ist ausgeschlossen!

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