Nutzt ihr im Unterricht gendergerechte Sprache?

  • Da liegt das Problem und natürlich an Auswüchsen von "Extremgenderern", die einfach lächerlich wirken und nerven. Es wurden schon einige Beispiel genannt.

    Pardon, ich meine natürlich "Extremgender*innen" und das eine Sternchen reicht, basta!

    Siehst du, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Ich persönlich finde, dass es eher lächerlich wirkt, wenn alte weiße Männer (- zu denen ich mich auch zähle -), sich mit übertriebenem Gendern über die Sichtweise von anderen lustig machen.

  • Mal so von einem Anglisten zum anderen: Wie genderst du denn bitte im Englischen?

    Wir hatten noch ein, zwei Dozentinnen, bei denen noch nicht angekommen war, dass man Arbeiten in der Anglistik in englischer Sprache verfassen sollte. Meine Schwägerin, die rund 10 Jahre vor mir, allerdings an einer anderen Uni, Englisch Lehramt studiert hat, hat Hausarbeiten und Klausuren noch fast ausschließlich in deutscher Sprache geschrieben.

  • Siehst du, so unterschiedlich sind die Wahrnehmungen. Ich persönlich finde, dass es eher lächerlich wirkt, wenn alte weiße Männer (- zu denen ich mich auch zähle -), sich mit übertriebenem Gendern über die Sichtweise von anderen lustig machen.

    Was ist denn jetzt übertriebenes Gendern? Wer bestimmt, wieviel Gendern moralisch richtig ist? Ich finde es eher lächerlich, das mir, wenigstens implizit, vorgeworfen wird, Menschen auszugrenzen und frauenfeindlich zu sein, weil ich selten bis gar nicht gendere.

  • Ich persönlich finde, dass es eher lächerlich wirkt, wenn alte weiße Männer (- zu denen ich mich auch zähle -), sich mit übertriebenem Gendern über die Sichtweise von anderen lustig machen.

    Ich gehöre auch zu den alten weißen Männern, finde die Genderei aber wirklich manchmal "lustig". Übertriebene Beispiele muss man nicht selbst erfinden. Es finden sich genug, wenn man täglich Zeitungen liest oder anderen Medien aufmerksam zuhört.

  • Also bei mir, Mitte der 90er, waren Arbeiten und Klausuren tatsächlich komplett auf Englisch. Gespräche in den Seminaren und Vorlesungen zum überwiegenden Teil noch auf Deutsch, aber das geht jetzt natürlich vom Thema weg.

  • Was ist denn jetzt übertriebenes Gendern? Wer bestimmt, wieviel Gendern moralisch richtig ist? Ich finde es eher lächerlich, das mir, wenigstens implizit, vorgeworfen wird, Menschen auszugrenzen und frauenfeindlich zu sein, weil ich selten bis gar nicht gendere.

    Fast wortwörtlich habe ich diese Argumentation bei der Verwendung der Begriffe Zigeunerschnitzel, Mohrenkopf und Neger gehört.

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  • Was ist denn jetzt übertriebenes Gendern?

    Übertriebenes Gendern zeigt sich in der Regel über den Kontext. In dem Beispiel, auf das ich mich konkret bezogen habe, war es Pepes Nachbemerkung zu seiner "Verbesserung", die deutlich gemacht hat, dass er hier ironisiert. Muss ich dir jetzt wirklich erklären, was Pragmatik ist und wie Subtext funktioniert?

  • Ich gehöre auch zu den alten weißen Männern, finde die Genderei aber wirklich manchmal "lustig". Übertriebene Beispiele muss man nicht selbst erfinden. Es finden sich genug, wenn man täglich Zeitungen liest oder anderen Medien aufmerksam zuhört.

    Eben. Frauen, die Ausgrenzung durch Sprache erlebt haben, finden es nicht lustig. Dein 1. Satz empfinde ich als typisch Mann.

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  • Fast wortwörtlich habe ich diese Argumentation bei der Verwendung der Begriffe Zigeunerschnitzel, Mohrenkopf und Neger gehört.

    Äpfel und Birnen

    Das Nichtverwenden beleidigender oder zumindest negativ konnotierter Ausdrücke entspricht dem gesellschaftlichen Konsens. Das generische Maskulinum beleidigt niemanden, schließt niemanden aus und hat keine negative Konnotation.

  • Eben. Frauen, die Ausgrenzung durch Sprache erlebt haben, finden es nicht lustig. Dein 1. Satz empfinde ich als typisch Mann.

    Wie wird man denn als Frau sprachlich ausgegrenzt? Die Verwendung des generischen Maskulinum kann es ja nicht sein. Was daran problematisch sein soll, sprachliche Erscheinungen lustig zu finden, kann ich auch nicht nachvollziehen.

    Lustigerweise sind meine Frau und einige ihrer/unserer Freundinnen noch angefressner wegen der ganzen Genderei und dem ständigen Herausstellen von Geschlecht.

  • Also verwendet man weiter Begriffe wie Neger, Zigeuner, Mohrenkopf und Zigeunerschnitzel? Um der Verarmung der Sprache vorzubeugen?[...]

    Entweder hast du dich im Zitat vertan, oder das ist eine wirklich schräge Schlußfolgerung aus meinem Post. Den Gedankengang hinter dieser Schlussfolgerung würde ich echt gerne nachvollziehen können....

  • Ich hoffe, ihr Frauen hört jetzt mal gut zu, wie euch Männer hier erklären, wie ihr euch zu fühlen habt.

    Und die wissen, wovon sie sprechen, sie kennen nämlich ein paar Frauen!

    Da ist er wieder, der moralische Zeigefinger, weil es über vernünftige Argumente nicht klappt. Klassiker

    Wir gut, dass du als Frauenversteher zur Seite stehst. Da haben die Damen ja nochmal Glück gehabt. ;)

  • Da ist er wieder, der moralische Zeigefinger, weil es über vernünftige Argumente nicht klappt. Klassiker

    Wir gut, dass du als Frauenversteher zur Seite stehst. Da haben die Damen ja nochmal Glück gehabt. ;)

    Ja, das ist schön, dass ein Mann hier sowas äußert. Es ist nämlich tatsächlich so, dass ich mich nicht angesprochen fühle, wenn Von Ingenieur gesprochen wird. Ich bin Ingeneurin und würde auch gern so genannt werden. Sprache hat eine große Macht und kann ausgrenzen. Nur weil Deine Frau und ihre Freundinnen damit kein Problem haben, muss das nicht für alle Frauen gelten. Vor allem in Branchen, die wenige Frauen haben, ist das Sichtbarmachen wichtig.

    In meinem Leben vor dem Lehramt wurde ich in Meetings Kaffeekochen geschickt oder als Sekretärin betitelt.

    Sprache macht sichtbar und warum sich so viele davon bedroht fühlen, nur weil ein Geschlecht genannt wird, das vorher nicht genannt wurde, verstehe ich einfach nicht.

  • Einverstanden. Spannend bleibt aber, warum das gerade beim Gendern so emotionale Reaktionen hervorruft.
    Wenn sich Jugendsprache entwickelt ("cringe" oder "sus" oder was auch immer aktuellere Beispiele sind), rollt man vielleicht mit den Augen aber verwendet sie halt selbst nicht. Gleiches gilt für Anglizismen etc. Aber beim Gendern wird plötzlich von "Genderwahn" und "Sprachpolizei" schwadroniert.

    Ich persönliche gendere im Schriftlichen weitestgehend regelmäßig durch genderneutrale Begriffe wie "Lehrkräfte" oder eben durch die Doppelnennung. Gendersternchen oder Doppelpunkt oder Binnen-I verwende ich persönlich nicht - aus persönlichem sprachästhetischem Empfinden, ebenso wie denn Glottisschlag im Mündlichen oder Schülys oder Ähnliches. Ich bin also wahrlich kein extremer Verfechter des Genderns. Es ist mir aber völlig egal, wenn andere das machen, auch wenn sie "anreinende Staaten" oder "hostende" oder was auch immer verwenden, das ist ihre Sache.

    Gleichzeitg ist es mir, trotz meiner linksversifften Bubble und trotz des Umgangs mit Jugendlichen, die oft sehr links sind und sich schnell empören können, noch NIE passiert, dass ich dumm angemacht wurde, weil ich nicht gegendert habe. Ich halte das Gehabe von "Verordnungen" und von "Gendergeboten" für Hysterie und für einen absoluten Strohmann.

    Da stimme ich weitgehend zu. Vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt - für mich ist Gendern kein emotionales Thema und es stört mich auch nicht, wenn andere Leute gendern. Ich nehme nur zur Kenntnis, dass mir manches sprachlich nicht sonderlich gefällt und die Begriffe im Unterrichtsmaterial waren ein Beispiel dafür.

  • Da ist er wieder, der moralische Zeigefinger, weil es über vernünftige Argumente nicht klappt. Klassiker

    Wir gut, dass du als Frauenversteher zur Seite stehst. Da haben die Damen ja nochmal Glück gehabt.

    Wo moralisiere ich denn? Ich habe Fakten aufgezählt. Die hier am lautesten gegen das Gendern poltern, sind zwei Männer, einer argumentiert, dass er ja genug Grundschullehrerinnen kennt, der andere argumentiert mit seiner Frau und deren Freundinnen. Dagegen stehen mindestens zwei Frauen, die deutlich benennen, welches Problem sie selbst mit dem generischen Maskulinum haben, was allerdings schön von den Kritikern ignoriert wird. [EDIT: Und eine weitere Frau, die dem Gendern leicht kritisch gegenüber steht, allerdings angenehm sachlich und ohne sich zu ereifern.] Ja, das halte ich für ein gendertypisches Kommunikationsverhalten, ganz ohne Moralisieren.

    Da ich übrigens oben ausführlich dargestellt habe, dass ich selbst nicht konsequent gendere, ist dein Beitrag sowieso ein reiner Strohmann.

  • Wie wird man denn als Frau sprachlich ausgegrenzt? Die Verwendung des generischen Maskulinum kann es ja nicht sein. Was daran problematisch sein soll, sprachliche Erscheinungen lustig zu finden, kann ich auch nicht nachvollziehen.

    Lustigerweise sind meine Frau und einige ihrer/unserer Freundinnen noch angefressner wegen der ganzen Genderei und dem ständigen Herausstellen von Geschlecht.

    Vermutlich hat deine Frau nicht vor knapp 40 Jahren Chemie studiert. Uns 3 Frauen bei 150 Studenten wurde ganz direkt mündlich in einer Prüfung erklärt, dass wir nur Chemie studieren, um eine gute Partie zu angeln. Wir sollen gefälligst den Männern unseren Praktikumplatz überlassen. Davor wurde angeblich das generische Maskulinum verwendet, schriftlich. Eine Professur wurde nicht vergeben, weil die beste Bewerbung von einer Frau stammte.

    Nein, generisches Maskulinum wird von zu vielen Männern nicht allgemein gemeint.

    In Mathe war es etwas besser.

    An meiner Schule vor knapp 30 Jahren war es nicht viel anders. In Mathe, Chemie und Physik war ich die einzige Frau und selbstverständlich trafen sich die Männer zu Männerrunden, zu denen ich nicht eingeladen wurde, ich würde mich ja nicht wohl fühlen. Nur dort wurden auch Anschaffung von Büchern beschlossen. Es hatte schon seinen Grund, warum wir 6 Frauen im Kollegium (davon 3 mit Fach Französisch und 2 davonmit Sport weiblich) uns zusammen schlossen.

    Ja, es gibt Frauen, die sich auf Tradition berufen, andere, die naiv sind. Ich fand in der Schule das Thema meiner Deutschlehrerin Männersprache -Frauensprache auch noch überflüssig. Ein Jahr später verstand ich sie (und das Thema).

    Manches ist negativ belastet, wie Zigeunerschnitzel oder generisches Maskulinum. Ich weiß, dass es selten wirklich Gleichberechtigung bedeutet, im besten Fall ist es Gleichgültigkeit.

    Und frage einmal Kinder, wer gemeint ist. Ein Fünfjähriger mit Vater als Hausmann und Mutter berufstätig war trotzdem der Meinung, dass der Vater arbeitet und die Mutter die Wäsche wäscht. Bilderbücher und Sprache prägen mehr.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

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