Wie findet man die richtige Einstellung (Psychohygiene)?

  • Hallo in die Runde,

    ohne in Details zu gehen....

    Wenn die Pension in Sichtweite, aber doch noch mehr als 3 Jahre entfernt ist....

    Wie schafft man es, mit persönlicher Frustrierung seitens der Schulleitung umzugehen? Sprich: Bestimmte Fachbereiche sind wichtig, haben komplette Narrenfreiheit, werden dazu noch befördert....

    alle anderen sollen schön brav arbeiten, werden wegen Nichtigkeiten ermahnt und in ihrer Kompetenz angezweifelt.


    Wie geht man damit um? Also so dass sich der Frust eben nicht im Unterricht oder Umgang mit den Schülern spiegelt....

    Bei uns befindet sich ein Großteil des Kollegiums in einer Art innerer Emigration.

    Dafür erscheinen mit aber über 1000 Tage doch zu lang... allein dass ich das mal zählen würde, hätte ich nie gedacht.

  • Innere Emigration aufbrechen, sich bewusst machen, dass einem keiner mehr groß an den Karren fahren kann so kurz vor der Pensionierung und die Möglichkeiten des Konferenzrechts, aber auch der Zusammenarbeit mit dem PR voll ausnutzen, um offensichtlich dringend gebotene Diskussionen innerhalb des Kollegiums, aber eben auch mit der SL zu führen.


    Frustration hat oft auch etwas mit zumindest gefühlter Hilflosigkeit zu tun. Aktiv zu werden, zu kämpfen, etwas tun zu können, um eine Verbesserung durch eigenes Handeln herbeiführen zu können hilft mir persönlich immer enorm, damit mein Frust möglichst umgewandelt werden kann in konstruktive Handlungsenergie.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Innere Emigration

    Hm, ich hätte nun genau innere Emigration empfohlen.


    Also so dass sich der Frust eben nicht im Unterricht oder Umgang mit den Schülern spiegelt....

    Warum nicht? Warum nicht authentisch bleiben? Wenn man frustriert ist, ist man frustriert. Warum dürfen das die Kund*innen nicht merken?

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Mir (Pension noch so ca. 10 Jahre weg ;) ) hilft, mir immer wieder zu sagen:


    - Ich bin nicht mit der Schule verheiratet.

    - Ich arbeite, um zu leben, nicht umgekehrt.


    - Wenn's mal noch schlimmer als normal ist: Ich tue genau das, wofür ich bezahlt werde und nicht mehr (heißt: Zu Veranstaltungen, zu denen ich nicht verpflichtet bin, gehe ich dann halt auch mal nicht hin, und dann ist mir egal, ob die SL das gern sieht oder nicht).

    - Kraft und Freude daraus ziehen, dass mein Kerngeschäft (der Unterricht) meist gut läuft und Rückmeldungen von SuS - wenn es sie denn mal gibt - recht positiv sind (mein Oberstufenkurs war sich gestern einig, dass die Macbeth-Lektüre interessant war / gefallen hat ... Wunsch nach Besuch einer Theatervorstellung wurde geäußert ... heißt für mich, dass ich nicht alles falsch gemacht habe).

    - Bei mir spielt im Kopf oft (gerade wenn die SL sich so verhält wie Du schilderst) Bob Geldorfs "Great Song of Indifference" - wenn nicht bekannt, mal suchen / anhören ... mir hilft's ;) ... Im Extremfall kommt von mir auch ein "Ja ja" (innerlich mit leicht ostfriesischem Einschlag ... das verstehen jetzt nur die Leute, die den ersten Werner-Film kennen) ...


    Versuchen, sich nicht von der SL frustrieren zu lassen ... (leicht gesagt, aber in manchen Fällen hilft es, anzuerkennen, dass man mit der SL nicht gut klar kommt, den Kontakt und die Erwartungen auf das professionell Nötigste zu beschränken und - wie oben schon geschrieben - Kraft daraus zu ziehen, dass der Unterricht läuft.)


    Und weil ich in dem Bereich tätig bin: Wenn die SL nachweislich unfair handelt, kann man sich beim Personalrat mal "auskotzen". Ein guter Personalrat, der sich auskennt und den Dingen nachgeht, kann einer solchen SL durchaus unangenehm werden.

  • Dafür erscheinen mit aber über 1000 Tage doch zu lang... allein dass ich das mal zählen würde, hätte ich nie gedacht.

    Damit bist du nicht alleine:!:

    Meine Prophylaxe seit Berufseinstieg:
    Schülerzentriertheit.
    Und privat guter Sex.
    Das hat sich bewährt.

    #Zesame:!:


    Konzentrieren Sie sich ganz auf den Text, wenden Sie das Ganze auf sich selbst an. (J.A. Bengel)

  • Hm, ich hätte nun genau innere Emigration empfohlen.

    Ich definitiv nicht und das meine ich gar nicht aus systemischer Sicht, sondern tatsächlich aus Perspektive von sich selbst. Die innere Emigration geht doch gerade einher mit Frustration und Unzufriedenheit im Beruf. Ich bin da voll bei CDL :

    Frustration hat oft auch etwas mit zumindest gefühlter Hilflosigkeit zu tun. Aktiv zu werden, zu kämpfen, etwas tun zu können, um eine Verbesserung durch eigenes Handeln herbeiführen zu können hilft mir persönlich immer enorm, damit mein Frust möglichst umgewandelt werden kann in konstruktive Handlungsenergie.

  • Wenn die SL nachweislich unfair handelt, kann man sich beim Personalrat mal "auskotzen". Ein guter Personalrat, der sich auskennt und den Dingen nachgeht, kann einer solchen SL durchaus unangenehm werden.

    Führt das nicht eher zu einer Retourkutsche der SL?

    Ich habe es leider so erlebt...

  • Die innere Emigration geht doch gerade einher mit Frustration und Unzufriedenheit im Beruf.

    Frustriert? Nö, bin ich nicht. Könnte ich sein angesichts der Umstände. Aber ich versuche den Driss nicht persönlich zu nehmen. Aus Sicht des Systems finde ich als Person nicht statt. Also geht mich das alles auch nicht zu sehr an.


    Führt das nicht eher zu einer Retourkutsche der SL?

    Möglich. Ich möchte aber vor der Illusion warnen, Soziopathinnen durch willfähriges Verhalten befrieden zu können.


    Man muss sich darauf einstellen, dass es ein harter Kampf wird, wenn man sich auf das Angebot der Schulleiterin zum Streit einlässt. Man muss abwägen.


    Angesichts kurzer Restdienstzeit, kann die Betrachtung, ob es sich lohnt, nochmal anders ausfallen.

  • Hm, ich hätte nun genau innere Emigration empfohlen.

    Das ist sicherlich ein Stück weit auch eine Typfrage, zu welcher Reaktion man neigt (kämpfen, sich ergeben oder flüchten). Wobei ich wirklich der Überzeugung bin, dass selbst aktiv zu versuchen eine Veränderung herbeizuführen gesünder ist, als sich einer als enorm belastend empfundenen Situation zu ergeben.


    Ich nehme an, wenn die innere Emigration für den TE die Lösung der Wahl wäre, hätte er/ sie sich den Thread auch geschenkt.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Führt das nicht eher zu einer Retourkutsche der SL?

    Ich habe es leider so erlebt...

    Das kommt drauf an, in einigen Fällen kann der ÖPR auch den Namen der Kollegin/des Kollegen raus halten. Wenn es klar objektiv gesehen unfaires Verhalten gibt, ist das oft überprüfbar, ohne dass man jemanden als "Kronzeugen" braucht.

  • Wobei ich wirklich der Überzeugung bin, dass selbst aktiv zu versuchen eine Veränderung herbeizuführen gesünder ist, als sich einer als enorm belastend empfundenen Situation zu ergeben.

    Sich zu ver-kämpfen, weil die SL letztlich immer am längeren Hebel sitzt, kann noch kaputter machen. Stichwort "Posttraumatische Verbitterungsstörung", sowas gibt's wirklich, ohne das freilich direkt auf die/den TE zu beziehen.

    ...

    Wie geht man damit um?

    Wie bist du damit bislang umgegangen? Oder was hat sich geändert an den Bedingungen, wenn du erst jetzt überlegst, damit überhaupt irgendwie umzugehen?

  • Ich würde mich auf jeden Fall nicht darauf verlassen, dass die Pension "nur" 3 Jahre weg ist. Das ist noch eine lange Zeit. Ich selbst war 3 Jahre vor der Pension noch voll in den Gremien aktiv und habe erst zwei Jahre davor und vor allem im letzten Jahr weniger gemacht.

    Versuche jetzt Lösungen zu finden und die Lösung nicht drei Jahre vor dir herzuschieben. Die Tipps von CDL, Dead Poet und Quittengelee finde ich gut.


    Du hast aber auch die Vorteile des Alters. Versuche Dinge an dir abprallen zu lassen, du bist sicher älter als die Schulleitung und hast mehr Lebenserfahrung. In den letzten Jahren habe ich auch mal öfter innerlich den Kopf geschüttelt über Maßnahmen der Schulleitung und dachte, dass es ihrer Unerfahrenheit und Persönlichkeit geschuldet ist.


    Allgemein würde ich sagen, dass man sich nicht zu sehr von dem, was die Schulleitung tut und sagt, abhängig machen soll. In meinem Kollegium gab es oft die Stimmen, dass die Arbeit zu wenig wertgeschätzt wird. Und schon hat man sich wieder innerlich abhängig von der Schulleitung gemacht. Innerlich autark zu sein finde ich wichtig. Von Gerüchteküchen sollte man sich fernhalten, so meine Devise. In diesem Zusammenhang wird oft etwas übertrieben oder subjektiv dargestellt und irgendwann glaubt man es selbst.


    Betrifft es einen selbst, würde ich versuchen, mit der Person, mit der ich das Problem habe, es zu lösen oder zumindest die Situation zu verbessern. Klug geführte Gespräche (offen, sachlich, situationsangepasst) können Situationen verbessern.


    Bezüglich des Unterrichts: Die Schüler haben eigentlich nichts mit dem zu tun, dass die Ebene "Schulleitung" nicht stimmt. Ich würde da innerlich klar abgrenzen. Bereich Schüler und Unterricht, Bereich Kollegium, Bereich Schulleitung.... Wenn man z.B. Coaching oder Supervision macht, werden die Schwierigkeiten in die betreffenden Gebiete verortet. Vielleicht findest du dennoch positive Seiten.

  • Erst einmal danke für die Antworten.

    Für eine posttraumatische Verbitterungsstörung wäre es noch zu frisch...

    Ich trage das jetzt 4 Wochen mit mir rum, dachte erst....."O.k., dann halt innere Emigration", aber es NAGT an mir und ich merke, dass ich keine große Lust mehr habe, in die Schule zu gehen.

    Dazu muss man sagen, dass ich den Beruf aus Leidenschaft ergriffen habe und Unterrichten liebe. Das tue ich auch jetzt noch, aber schon die Vorstellung, ins LZ zu gehen, schreckt mich ab. Ich habe viele nette Kollegen, aber man kann sich nicht wirklich unterhalten, denn die Günstlinge des Chefs sind auch immer irgendwo....

    Und für Vermeidungsstrategien finde ich knapp 3,5 Jahre verdammt lang.

  • - Wenn's mal noch schlimmer als normal ist: Ich tue genau das, wofür ich bezahlt werde und nicht mehr (heißt: Zu Veranstaltungen, zu denen ich nicht verpflichtet bin, gehe ich dann halt auch mal nicht hin, und dann ist mir egal, ob die SL das gern sieht oder nicht).


    Und weil ich in dem Bereich tätig bin: Wenn die SL nachweislich unfair handelt, kann man sich beim Personalrat mal "auskotzen". Ein guter Personalrat, der sich auskennt und den Dingen nachgeht, kann einer solchen SL durchaus unangenehm werden.

    zu 1: So einen Fall gab es kürzlich. Ich war da, jemand anderes nicht. Daraufhin wurde dieser zum Chef zitiert. Es sei respektlos nicht zu erscheinen, damit zeige man, dass man sich nicht mit der Schule identifiziere.


    zu 2: Leider Fehlanzeige... sitzt in Günstling drin, sozusagen "Ohr des Chefs"....

  • Innere Emigration aufbrechen, sich bewusst machen, dass einem keiner mehr groß an den Karren fahren kann so kurz vor der Pensionierung und die Möglichkeiten des Konferenzrechts, aber auch der Zusammenarbeit mit dem PR voll ausnutzen, um offensichtlich dringend gebotene Diskussionen innerhalb des Kollegiums, aber eben auch mit der SL zu führen.


    Frustration hat oft auch etwas mit zumindest gefühlter Hilflosigkeit zu tun. Aktiv zu werden, zu kämpfen, etwas tun zu können, um eine Verbesserung durch eigenes Handeln herbeiführen zu können hilft mir persönlich immer enorm, damit mein Frust möglichst umgewandelt werden kann in konstruktive Handlungsenergie.

    Personalrat nur mit einer möglichen Ansprechpartnerin besetzt, die aber aufgrund der gegebenen Umstände auch resigniert und aussteigen/ sich nicht mehr wiederwählen lassen will

  • zu 2: Leider Fehlanzeige... sitzt in Günstling drin, sozusagen "Ohr des Chefs"....

    Hm.. das hört sich an wie eine Verschwörungstheorie. Welche Nachteile befürchtest du bzw. befürchtet ihr denn, wenn der "Günstling" dem Chef petzt? Warum führt ihr nicht mal ein offenes Gespräch im Kollegium?

    Ich war einmal an einer Schule, da war das Kollegium gespalten. Diejenigen, die zum Chef hielten und die, die nicht alles mit sich machen ließen. Das gesamte Kollegium war ein engagiertes Kollegium. Die zweite Gruppe war im Vorteil und wurde interessanterweise eher vom Chef respektiert, vielleicht auch gefürchtet. Die zweite Gruppe trug zudem Konflikte mit dem Chef bis zu einem gewissen Maß offen aus.

    Die erste Gruppe hatte wesentlich mehr Arbeit, weil sie zu allem "ja" sagte.

    zu 1: So einen Fall gab es kürzlich. Ich war da, jemand anderes nicht. Daraufhin wurde dieser zum Chef zitiert. Es sei respektlos nicht zu erscheinen, damit zeige man, dass man sich nicht mit der Schule identifiziere.

    Aus Sicht des Chefs hat er eigentlich schon ein bisschen Recht. Dem Chef geht es da wahrscheinlich um die Außenwirkung. An meiner Schule war es sozusagen Pflicht, zu gewissen allgemeinen, wiederkehrenden Veranstaltungen für Eltern zu kommen, damit die Schule nach außen besser präsentiert wird. So weit ich mich erinnern kann, waren das 2 Termine pro Schuljahr. Einige haben ihr Erscheinen ernster genommen, andere wiederum hatten meistens andere Termine an dem Abend. Nach Jahren war es mir langweilig, weil es ja fast immer dieselben Infos waren und es war dann meistens ein lästiger Termin. Da habe ich mich weder aufgeregt, noch war ich besonders erfreut. Einen Vorteil hatte es: In der Sprechstunde konnte ich auf das im Infoabend Besprochene gut eingehen.

  • Hm.. das hört sich an wie eine Verschwörungstheorie. Welche Nachteile befürchtest du bzw. befürchtet ihr denn, wenn der "Günstling" dem Chef petzt? Warum führt ihr nicht mal ein offenes Gespräch im Kollegium?

    Das ist die Realität, leider.

    Da gibt es viele Möglichkeiten..... extrem schlechter Stundenplan, die größten und arbeitsintensivsten Klassen (z.B. Deutschlehrer NUR in diesem Fach), Einteilung zu diversen Fahrten und und und...

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