Eltern rauben mir den Spaß

  • Normal tickende Etern

    … stehen mixen mitten im Werkunterricht und erwarten ein sofortiges Gespräch

    … beschweren sich, wenn am Vormittag innerhalb einer Stunde keine Antwort erfolgt, was sie unter „zeitnah“ fassen

    … diskutieren die von Kindern erzählten Erlebniss in der WhatsApp-Gruppe, ohne je eine Nachfrage zu stellen


    Was ist schon normal?

  • Nr. 1 ist jedenfalls nicht normal, den Rest kann man ja glücklicherweise einfach ignorieren.

    Definitiv "nicht normal" finde ich in der engsten gefassten Definition alles, was aktiv meinen Unterricht stört.

  • Hi, vielen Dank für die vielen Nachrichten. Das hat mich wirklich sehr aufgebaut. Ich denke, ihr habt recht, dass auch meine hohe Verfügbarkeit ein Teil des Problems ist. Leider hat uns die Schulleitung mitgeteilt, dass wir verpflichtet sind, einmal pro Tag, und zwar morgens, unsere E-Mails zu überprüfen. Dennoch habe ich für mich beschlossen, künftig nicht mehr direkt auf alle Mails zu antworten, sondern bewusst etwas Zeit verstreichen zu lassen.

    Ich glaube außerdem, dass ein zentrales Problem an meiner Schule darin liegt, dass vor allem die Schulleitung den Eltern immer alles recht machen möchte. Wenn eine Schule insgesamt so auftritt, spiegelt sich das letztlich auch in der Haltung und Resonanz bei den Lehrkräften wider.

    Gleichzeitig merke ich, dass ich mir wohl ein dickeres Fell zulegen muss, um die ganze sinnfreie Kritik nicht so sehr an mich heranzulassen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ich denke, das braucht einfach noch etwas Zeit. Ihr habt mir mit euren Nachrichten sehr geholfen :)

  • Das hat dazu geführt, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, ob ich diesen Beruf langfristig weiter ausüben möchte oder kurzfristig die Reißleine ziehe und bereits am Montag das Gespräch mit der Schulleitung suche, um über eine Kündigung zu sprechen.

    Ich schreibe inzw. manchmal zurück, dass ich 450 Schüler vor der Nase habe und mich deswegen um manche Kleinigkeiten gar nicht kümmern kann, weil das einfach meine Arbeitszeit nicht her gibt. Da kommt dann auch oft keine Rückfrage mehr. Viele Eltern und auch Ausbildungsbetriebe denken, dass ich maximal eine Klasse unterrichte und deswegen praktisch unendlich viel Zeit für jeden Einzelfall habe. Wenn sie feststellen, dass dem gerade nicht so ist, weckt das so manche auf.

    Und ja, 450 Schüler klingt viel und ist auch viel, aber denkt mal an den Religionslehrer, der mit jeweils einer Stunde durch alle Klassen gejagd wird, dann ahnt ihr vielleicht woher diese Zahl kommt. In der Klasse, in der ich Klassenlehrer bin, habe ich auch nur zwei Wochenstunden.

  • Leider hat uns die Schulleitung mitgeteilt, dass wir verpflichtet sind, einmal pro Tag, und zwar morgens, unsere E-Mails zu überprüfen.

    Wann denn morgens? Noch vor dem Unterricht? Dem würde ich nicht nachkommen - und sicher andere Lehrkräfte auch nicht, weil sie morgens andere Verpflichtungen haben.

    Die Mails zu überprüfen bedeutet zudem nicht, dass man sie dann beantworten muss. Guck, was du für den Tag dringend benötigst, alles andere kann warten.

    „Zeitnah“ bedeutet bei uns an der Schule „innerhalb von 3 Tagen“, manchmal ist es früher möglich, manchmal aber eben nicht. Gerade bei vorwurfsvoll klingenden Mails ist es sinnvoll, die Antwort mit Bedacht zu formulieren.

    Alles, was am Vormittag von außen erwartet wird, ignoriere ich. Sollte jemand nachfragen, werde ich äußern, dass ich mich darum kümmern kann, dann aber kein Unterricht mehr erfolgen kann für die gesamte Klasse.

    Manche Eltern haben eine merkwürdige Vorstellung von Unterricht, mir ist bewusst, dass viele sich nicht an die Grundschulzeit erinnern und ihr eigener Unterricht eine Weile vorbei ist. Aber die Vorstellung, man klebe dauerhaft an digitalen Geräten oder stünde unentwegt für Gespräche zur Verfügung, ist schlicht unrealistisch.

    Wenn es zu wild wird, kann man auch darauf verweisen, dass man über das Sekretariat einen Termin vereinbaren kann … oder selbst einen Termin vorschlagen, wenn es inhaltlich wirklich notwendig ist.

  • Leider hat uns die Schulleitung mitgeteilt, dass wir verpflichtet sind, einmal pro Tag, und zwar morgens, unsere E-Mails zu überprüfen.

    Bei uns war das auch einmal die Anweisung, bevor wir eine Schulapp hatten. Allerdings ging es nur darum, dass wir regelmäßig die Mails überprüfen sollten, ein Zeitpunkt wurde nicht genannt. Da ging es nicht um Elternmails, sondern um Mails der Schulleitung.

    Ich glaube außerdem, dass ein zentrales Problem an meiner Schule darin liegt, dass vor allem die Schulleitung den Eltern immer alles recht machen möchte. Wenn eine Schule insgesamt so auftritt, spiegelt sich das letztlich auch in der Haltung und Resonanz bei den Lehrkräften wider.

    Das Problem kenne ich. Das trat immer bei neuen Schulleitungen auf. Mit der Zeit aber hat sich das eingependelt, denn mit solchen Signalen, die teilweise objektiv unrealistisch waren, gab es da eher mehr Probleme, auch für die Schulleitungen selbst nach dem Motto: Gibt man den kleinen Finger.....

    Denkfabrik Wenn es an der Schule zu schlimm wird, könntest du dir langfristig überlegen an eine andere Schule zu wechseln. Ich finde deinen Ansatz gut, dass du dir vornimmst, sinnfreie Kritik als solche zu erkennen und dich nicht von ihr berühren zu lassen. Am Anfang meines Schuldienstes war ich auch viel empfindlicher und habe das dickere Fell dadurch erhalten, indem ich versucht habe die Situation zu analysieren oder wie ich das schon in #19 beschrieben habe durch verschiedene Maßnahmen und Interpretationen das Ganze zu verstehen. Geholfen haben übrigens auch Gespräche mit KollegInnen.

    Sitzordnungsproteste sind übrigens ein Klassiker in der Grundschule und da gibt es fast jedes Mal mindestens einen, dem man die Sitzordnung erklären muss. Ich hatte vor vielen Jahren im Nachhinein gesehen ein lustiges Erlebnis: Als ich an einer neuen Schule anfing, kam ich vor Unterrichtsbeginn in mein neues Klassenzimmer. Es war so früh, dass es noch nicht geläutet hatte und eigentlich niemand da war. Dennoch stand eine Mutter mit ihrer Tochter vorne (irgendjemand hatte ihr das Klssenzimmer aufgeschlossen) und die Tochter besetzte einen Platz in der ersten Reihe. Ich war, glaube ich, sehr perplex, denn das hatte ich noch nie erlebt. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie sie das begründet hat, ich glaube, es ging ums Sehen oder um die Größe. Die grenzüberschreitende Maßnahme hat aber aber nicht viel genutzt, denn irgendwann habe ich umgesetzt. ;) Die Tocher gehörte mit zu den besten Schülerinnen und hätte das gar nicht nötig gehabt.

  • Hi, vielen Dank für die vielen Nachrichten. Das hat mich wirklich sehr aufgebaut. Ich denke, ihr habt recht, dass auch meine hohe Verfügbarkeit ein Teil des Problems ist. Leider hat uns die Schulleitung mitgeteilt, dass wir verpflichtet sind, einmal pro Tag, und zwar morgens, unsere E-Mails zu überprüfen. Dennoch habe ich für mich beschlossen, künftig nicht mehr direkt auf alle Mails zu antworten, sondern bewusst etwas Zeit verstreichen zu lassen.

    Ich glaube außerdem, dass ein zentrales Problem an meiner Schule darin liegt, dass vor allem die Schulleitung den Eltern immer alles recht machen möchte. Wenn eine Schule insgesamt so auftritt, spiegelt sich das letztlich auch in der Haltung und Resonanz bei den Lehrkräften wider.

    Gleichzeitig merke ich, dass ich mir wohl ein dickeres Fell zulegen muss, um die ganze sinnfreie Kritik nicht so sehr an mich heranzulassen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Ich denke, das braucht einfach noch etwas Zeit. Ihr habt mir mit euren Nachrichten sehr geholfen :)

    Ich denke, es ist völlig normal, dass man in den ersten Jahren im Bereich mit den Eltern unsicher ist. Mir haben da einfach Übung, Wissen und Fortbildungen geholfen. Und ich habe versucht mich in die Lage der Eltern zu versetzen. In NRW haben Eltern eigentlich nur ein Beratungs- und Informationsrecht. Beim Sitzplan z.B. wird das Kind die Eltern angesprochen haben und erzählt haben es sitze jetzt woanders und es ist einfach scheisse. Die Eltern, die ihrem Kind schon immer alle Wünsche erfüllen, setzen sich jetzt dafür ein. Natürlich geht es ihnen nicht um die Sache. Also, dass deine Entscheidung ja mit Sicherheit in einem pädagogischen Kontext steht. Es geht ihnen nur darum, den Wunsch des Kindes zu erfüllen. Du kannst -ohne dich zu erklären - kurz und knapp antworten, es sein deine pädagogische Entscheidung für die gesamte Klasse. Selbst wenn sie sich bei der Schulleitung, Schulaufsicht oder beim Bundesverfassungsgericht beschweren. Werden die nur ausgelacht, vielleicht ne narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert bekommen sowie der schulpsychologische Dienst wird ihnen nahegelegt. 😉


    Meine Empfehlung: Weiter machen! 💪

Werbung