Unruhe oder die Frage nach dem eigenen Handeln

  • Moinsen, ich wende mich mal mit einem Thema an die größere Runde. Ich unterrichte Mathe in einer Klasse 1, 25 Kinder, recht leistungsheterogen. Von den fünf Wochenstunden unterrichte ich an drei Tagen zwei Mal 3./4. und einmal 4. Stunde. Oft, wirklich oft ist die Konzentration bei den Kids schon zu Anfang der 3. spätestens zur 4. Stunde wech. Vor allem die Einzelstunde in der 4. Stunde ist oft kaum ertragreich. Ich versuche immer wieder bei mir selbst anzusetzen: wie kann ich die Stunde spannender getalten? Ich mache viel im Sitzkreis und hole mir die Kids nach vorne und wir arbeiten mit Material am Boden oder an der Tafel. Aber allein schon im Sitzkreis zu sitzen ist für viele überfordernd, manche schauen von Minute eins an in der Gegend rum. Mittlerweile arbeiten wir bereits eine Weile schon mit Arbeitsplänen, was es entzerrt. Aber die Erarbeitungsphasen der neuen Inhalte ist oft zäh und dauert und dauert, weil wir nicht gut vorankommen und in der 1. Klasse kommen ja quasi ständig unbekannte neue Sachen. Kürze ich das ganze ab und mache kurz und knackig hab ich zehn Kinder bei mir, die es nicht verstanden haben. Mein Impuls ist noch enaktiver zu arbeiten, aber wie? Hat da jemand ähnliches durch oder gute Erfahrungen gemacht?

    Liebe Grüße

  • Je später der Tag, desto weniger mache ich "offene" Formen wie Sitzkreis, Partnerarbeit o.ä.. Einzelarbeit ist dann oft das einzige, was noch geht. Davor eine kleine Bewegungspause, dann kommen die meisten nochmal in den Flow.

    Die, die es nicht schaffen, werden rausgesetzt zum Arbeiten, Nebenraum, andre Klasse, was halt so geht.


    PS Du könntest dann auch alle Einzelarbeit machen lassen und immer zu zwei Kindern gehen, und diesen etwas Neues erklären, was sie dann wiederum einzeln bearbeiten, dann die nächsten 2 Kinder etc.

  • Mathe in einer Klasse 1, 25 Kinder, recht leistungsheterogen. ...Oft, wirklich oft ist die Konzentration bei den Kids schon zu Anfang der 3. spätestens zur 4. Stunde wech. ... Aber allein schon im Sitzkreis zu sitzen ist für viele überfordernd, ... Mittlerweile arbeiten wir bereits eine Weile schon mit Arbeitsplänen, was es entzerrt. Aber die Erarbeitungsphasen der neuen Inhalte ist oft zäh und dauert und dauert, weil wir nicht gut vorankommen und in der 1. Klasse kommen ja quasi ständig unbekannte neue Sachen.

    Du schreibst:

    1. Die Kinder können sich in der 3./4. Stunde nicht mehr konzentrieren, das ist altersgerecht.
    2. Sie sind im Sitzkreis überfordert, auch wenn mit Material gearbeitet wird.
    3. Arbeitspläne klappen besser.

    Ich bin nach dem Referendariat relativ schnell von Stehkreisen (für Sitzkreise gab es nicht genug Platz im Klassenraum) und Gruppentischen zurück zu Frontalsitzordnung und relativ viel Frontalunterricht / Einzelarbeit / Arbeitspläne.

    Es bringt ja nichts, wenn es die Kinder überfordert. Es gibt auch Kinder, die nicht mit Material umgehen können. Wenn du jedem Material gibst, sitzen ein paar Kinder da und warten, dass das Material sich von alleine bewegt.

    Hinzu kommt, dass das "alleine erarbeiten" für viele nicht passt. Gerade für leistungsschwächere Kinder ist es hilfreich, wenn richtig lange gemeinsam Beispiele bearbeitet werden. Wenn es zäh ist, mache ich vor oder nehme die ran, die es schon verstanden haben. Das aufgrund der fehlenden Konzentration über einen längeren Zeitraum natürlich schwierig.


    Pragmatisch gesehen:

    Könntest du 2 Kinder nebeneinander setzen, jeweils eins das fit ist und schnell versteht und ein zweites, das mehr Hilfe braucht, sodass du kurze und knackige Einführungen machst und das erstere helfen kann, wenn das zweite danach Unterstützung braucht?

    Ich würde dann nämlich mit den Arbeitsplänen weitermachen. Das ist etwas, was der Klasse mehr liegt als Sitzkreise und das wird für die Kinder gewinnbringender und zufriedenstellender sein als im Sitzkreis zu sitzen, Löcher in die Luft zu gucken und sich zu langweilen.

    Davon ausgehend dann kurze Phasen in anderen Konstellationen.


    Was blöd ist: Du bist im Referendariat und musst jetzt schauen, wie du die Anforderungen für die Unterrichtsbesuche erfüllst.

    🍦 Eis macht Spaß! 🍦
    Schoko, Vanille – ganz egal,
    Hauptsache lecker jedes Mal! 😋

    Ich lese und schreibe nach dem Paretoprinzip.

  • Was wir für spannender halten ist für die Kinder ja oft noch mehr mit Fokus und Konzentration verbunden. Im Sitzkreis zum Beispiel hat man wesentlich mehr Ablenkung als alleine am Tisch, Material ist nur hilfreich, wenn man schon damit arbeiten kann und nicht mehr damit rumspielt.

    Allerdings darf man sie auch nicht überfordern mit 45 min Stillsitzen und das Problem der Heterogenität kennen wir bestimmt auch alle, es bleibt also herausfordernd :).

    Vielleicht könntest du versuchen, so wie Grundschullehrerinnen in den 80ern, bewusst mehr Phasen einzubauen, die sich wiederholen? Also etwa wie in der Sendung mit der Maus, aller paar Minuten kommt die Maus...

    Zum Beispiel:

    - Immer zu Beginn 10 Wiederholungs-Aufgaben von der Tafel abschreiben und in einem Übeheft rechnen lassen

    - Bewegungsübung einbauen (ein paar Wochen lang dieselbe in etwa derselben Unterrichtsminute-/ phase)

    - Rechenspiel einbauen und ein paar Wochen lang dasselbe Spiel

    - kurze Phase der Präsentation vorne, dann stille Arbeitsphase am Platz. Wer Material braucht, holt es sich von hinten in vorbereiteten Körbchen

    - Einzelerklärungen oder in Kleingruppen ggf. in einer Förderstunde oder einzeln am Platz vertiefen

    - fitte Kinder können sich ein Selbstlernheft nehmen oder einen LÜK-Kasten oder was du vorbereiten und stehen lassen kannst

    Je genauer Kinder wissen, was als nächstes kommt, desto besser können sie meiner Erfahrung nach zuhören.

    Edit: Ich hatte nicht gesehen, dass du im Referendariat bist. Dann noch mehr auf Unterrichtsphasen achten und diese vorher aufschreiben und planen. So etwa 10 min pro Phase der hohen Konzentration. Dann wieder "itzen ditzen Silberspitzen, alle Finger dürfen sitzen."... ein kurzes Fingerspiel, dass die Aufmerksamkeit wieder neu gesammelt wird.

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