Schlägereien während der Pausenaufsicht

  • Kindesmissbrauch ist nicht nur das Zufügen von Leid und Schmerz, sondern auch das Erschweren oder Verwehren der Stillung elementarer Bedürfnisse. Zu letzterem zählt vor allem sowas wie Entzug von Nahrung, Wasser oder Schlaf, aber auch Bildung und Erziehung.

    Jede/r hat das Recht auf Unfähigkeit. Was es zum Missbrauch macht, ist Unfähigkeit in Verbindung mit der Unwilligkeit, Hilfe zu organisieren und somit dem Kind zuzumuten, dieser Unfähigkeit ausgesetzt zu bleiben.

    Das ist mir bewusst. Aber du stellst so was in den Raum ohne irgendwelche Hintergründe zu kennen. Vielleicht machen die Eltern alles richtig und das Kind hat einfach nur große Probleme. Die Schuld direkt bei den Eltern zu suchen ist arrogant und eine sehr unprofessionelle Sichtweise.

  • Inwieweit ist das für die Thematik relevant?

    Wenn du davon sprichst, wie unfähig und unwillig Eltern seien, dann hoffe ich doch sehr, dass du das selbst viel besser machst, behördliche Laufzeiten und Hindernisse für Hilfen etc. kennst und das objektiv bewerten kannst. Also: wieviele eigene Kinder mit überdurchschnittlichem Hilfsbedarf hast du denn schon erfolgreich durch das System begleite?

    Tipp: Kinder können sehr große Probleme haben, obwohl Eltern alles richtig machen.

  • Ich gestehe Eltern durchaus zu, mit einem Systemsprenger ebenso überfordert zu sein, wie die Schule. Da muss keine Vernachlässigung oder Kindeswohlgefährdung hinter stecken.

  • Tom123 : Es gibt Kinder mit bisweilen großen Problemen, aber ich habe Zweifel daran, dass Eltern bei anhaltend schwerwiegend Problemen "alles richtig" machen. Vielleicht alles in ihrer Macht Stehende, aber in manchen Fällen ist auch das zu wenig und dann habe ich ja darauf hingewiesen, dass es nicht nur hilfreich, sondern essentiell ist, sich von außen Hilfe zu holen. Und wenn diese Hilfe wiederum ausgeschlagen wird, tut man dem Kind schichtweg nichts Gutes.

  • Vielleicht bin ich von meinem alten Nebenjob im Kinderheim zu geprägt, aber ich würde der Aussage "am Verhalten der Kinder sind (fast) immer die Eltern schuld" uneingeschränkt zustimmen. Das fast ist nur drin für Erkrankungen ab Geburt, sexueller Missbrauch außerhalb der Familie und Schicksalsschläge (Tod eines Elternteils, etc.). Je älter die Kinder waren die gekommen sind, desto weniger konnte man noch tun. Wenn ein Kind erst im Grundschulalter ins Kinderheim gekommen ist, war es oftmals einfach schon zu spät.

    In der Schule hatte ich auch keine Fälle außerhalb dieser Ausnahmen. Ansonsten waren Eltern von Schülern mit problematischem Verhalten ausnahmslos unfähig, unwillig oder beides. Das Jugendamt ist auch maximal überlastet, wenn es nicht um körperliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch geht, führen die ein, zwei Gespräche und dann war es das oftmals.

    If you look for the light, you can often find it.
    But if you look for the dark that is all you will ever see.

    Einmal editiert, zuletzt von Valerianus (28. Juni 2026 17:27)

  • Ich gestehe Eltern durchaus zu, mit einem Systemsprenger ebenso überfordert zu sein, wie die Schule. Da muss keine Vernachlässigung oder Kindeswohlgefährdung hinter stecken.

    Doch, genau das muss es. Jeder, der mit extrem verhaltensauffälligen Kindern zu tun hat, kennt die Geschichten von Gewalt, Missbrauch oder unberechenbaren Eltern mit psychischen Erkrankungen dahinter. Dass diese Eltern überfordert sind, liegt in der Natur der Sache, die Kinder tragen dafür aber keine Verantwortung.

  • Das würde heißen, ohne elterliches Versagen gäbe es keine verhaltensauffälligen Kinder?

    Ich weiß es nicht. Der Junge hatte 2 Förderdiagnosen und war sowohl kognitiv eingeschränkt als auch extrem unbeherrscht in seinem Verhalten. Dass die Kombination auch für Eltern nicht einfach ist, glaube ich gerne. Die Eltern wirkten sehr einfach gestrickt, aber bemüht und haben sich gekümmert. Es mag sein, dass es den Eltern intellektuell nicht möglich war, das Kind optimal zu fördern und zu begleiten, aber ist das direkt eine Kindeswohlgefährdung? Don't know.

  • Vielleicht bin ich von meinem alten Nebenjob im Kinderheim zu geprägt, aber ich würde der Aussage "am Verhalten der Kinder sind (fast) immer die Eltern schuld" uneingeschränkt zustimmen.

    Kinder im Kinderheim sind nur ein kleiner Ausschnitt. Von denen haben die wenigsten überhaupt überdurchschnittlichen Hilfebedarf. Als ich kurzzeitig im Kinderheim gearbeitet habe, hatten die Kinder/Jugendlichen überwiegend keinen bewonderen Förderbedarf. Die meisten waren dort, weil das einzige sorgeberechtigte Familienmitglied ins Gefägnis musste oder weil die Eltern geschlagen und/oder vergewaltigt haben.

    In der Schule hatte ich auch keine Fälle außerhalb dieser Ausnahmen. Ansonsten waren Eltern von Schülern mit problematischem Verhalten ausnahmslos unfähig, unwillig oder beides. Das Jugendamt ist auch maximal überlastet, wenn es nicht um körperliche Gewalt oder sexuellen Missbrauch geht, führen die ein, zwei Gespräche und dann war es das oftmals.

    Eltern dürfen auch überfordert sein. Wenn sogar pädagogisches Fachpersonal in den Schulen überdordert ist, wieso sollte das bei den Eltern anders sein? Woher kommt die Vorstellung, dass sie das nicht sein dürfen? Wenn sie dann auch noch monatelang darauf warten, von irgendwem Unterstützung zu bekommen, sich mit Ämtern auseinandersetzen müssen, was genau sollen Eltern dann machen? Manchmal machen sogar alle Beteiligten alles richtig und am Ende bleibt das Kind trotzdem auf der Strecke.


    Gymshark Und, wie siehts aus? Wieviele Kinder hast du schon angemessen durchgebracht? Wieviele Anträge hast du schon für deine Kinder bei Ämtern gestellt?

  • Wer das nicht glaubt, kennt die Lebensgeschichten nicht. Meistens bekommt man die auch nicht mit, die Eltern können einem normalen Gespräch in der Schule problemlos folgen.

    2024 wurden 3600 Fälle von Kindesmisshandlung erfasst, 16.400 von Missbrauch. Die Dunkelziffer liegt weit höher. Wenn diese Fälle bis zur Polizei vordringen, Kinder aus der Familie genommen werden oder/und wegen Fremdgefährdung in der Psychiatrie behandelt werden, nicht mehr gruppenfähig in der Erziehungshilfe beschult, kriminell usw., dann ist etwas massiv schiefgelaufen über Jahre. Natürlich sind Eltern dann überfordert, sie verhalten sich in ihrer Überforderung aber auch massiv falsch.

    Kann man erklären, wer psychisch krank ist, selbst misshandelt wurde als Kind, drogenabhängig usw. ist nur begrenzt erziehungsfähig. Ob man das entschuldigen kann ist eine moralische Frage. Ich habe Berichte über Schüler gelesen, da ist mir buchstäblich schlecht geworden.

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