Beiträge von s3g4

    Es wird hier (von Akademikern!) suggeriert, dass man durch den Ausbau der Berufsorientierung in quantitativ grotesken Maßstäben die Abbruchwahrscheinlichkeit gegen absolut utopische 0% streben lassen kann, wenn man doch nur noch mehr Tage mit BO-Kram vollpackt.

    Richtig und weil es nicht zu 100% funktioniert, dann lassen wir es. Wenn wir schon dabei sind, dann kann auch der Unterricht in französisch weg, da habe ich kaum französisch gelernt. Zeitverschwendung. Mathematik lernen manche auch nicht richtig, kann also auch weg. Merkste selbst oder?

    Außerdem kann man sowieso nicht alle retten! Und das sollte auch nicht unser Anspruch sein, zumindest nicht, wenn man halbwegs gesund in seinen Ruhestand gehen will.

    Ne können wir nicht. Dann bleiben wir am besten ganz daheim, wenn wir nicht jeden retten können. Du sagst doch selbst, dass das nicht der Maßstab sein kann. Also können wir nicht 6% des Schuljahres für was anderes als Fachunterricht verwenden?

    Ich schrieb es ja... Textverständnisprobleme - q.e.d.

    ¯\_(ツ)_/¯

    Wenn du meinst...

    Wen sollten wir "nicht mehr brauchen"?

    Klassen-/Kursteiler sind nicht gottgegeben, ebenso nicht Stundendeputate etc. - wäre endlich 'ne Chance für angemessene Klassen-/Kursgrößen und eine adäquate Anzahl zu unterrichtender Klassen/Kurse pro Lehrer (wovon alle massiv profitieren würden... wäre wohl angesagt, um wieder international wettbewerbsfähig zu werden).

    Die werden sicher nicht geändert. Weniger Schüler, heißt weniger Stellen und Schulen. In welcher Traumwelt werden denn die Klassengrößen und -teiler runter gesetzt, wenn die Schülerzahlen sinken?

    Ridikülisierung und das auch noch i.V.m. selektiv-dekontextualisierendem Zitieren demonstriert mangelndes (tatsächliches oder instrumentalisiertes) Text- u./o. Problemverständnis. Keine Diskussionsgrundlage deinerseits also und nichts, was meine Kernaussagen (die von deiner Replik unberührt bleiben) entkräftet.

    Du sagst nur mit sehr vielen Worten, dass wieder mehr gesiebt werden soll und nur noch diejenigen aufs Gymnasium gehen sollen, die auch später wirklich studieren. Deswegen braucht es keine Berufsorientierung, weil dort eh nur die Highperfomer sein sollen.

    Deine Kernaussage widerspricht einer Berufsorientierung gar nicht.

    Wenn dem wirklich so wäre, was machen wir mit den ganzen Gym-Lehrkräften, die wir dann nicht mehr brauchen?

    Das Jahr hätte man sich sparen können, um DIREKT zu einem dualen Studium oder Ausbildung lotsen zu können (und DANACH studieren).

    Nein das geht dann nicht mehr. Man ist mit Mitte 20 schon zu alt für ein Studium, die kognitive Kapazität hat man nur in jungen Jahre. So habe ich es hier zumindest gelernt/erfahren.

    Mittlerweile ist die Berufsorientierung an Gymnasien in NRW komplett aus dem Ruder gelaufen: 1 x Einstiegsinstrument, 2 x Berufsfelderkundung (alle drei je 1 kompletter Schultag, die letzten beiden bei uns traditionell immerhin an Konferenztagen) und zwei Praktika (zwei Wochen in Jgstf. 9 und eine Woche in der Q1). Dazu allerhand an Dokumentationen, Praktikumsberichten und Co.,alles (theoretisch)

    Echt 3 komplette Tage? Puh wie soll man das aufholen? und dann noch insgesamt 4 Wochen Praktikum.

    Also die vier Wochen Praktikum gab es bei uns in Hessen schon Ende der 90er Jahre (wahrscheinlich schon vorher).

    Bezogen auf die beiden Schuljahre fehlen also knapp 6%. Das läuft wirklich aus dem Ruder. Ihr solltet Samstags zusätzlichen Unterricht anbieten, um die verschwendete Zeit zu kompensieren.

    Dann hast du das Ziel bzw. den Sinn und Zweck der Schulform Gymnasium nicht verstanden. Aber vielleicht prallen hier auch Welten aufeinander, du scheinst an einer beruflichen Schule unterwegs zu sein. Da ist der Bezug zum Beruf ja schon viel eher gegeben.

    Sicher habe ich eine andere Sicht auf die Welt. Es ist aber immer noch die gleiche Welt, die wir betrachten und am Ende müssen wir alle für unseren Lebensunterhalt sorgen. Das ist in der Grundschule noch ziemlich egal, sobald die Kinder aber um die 16 Jahre alt sind, rückt das ganze schon immer näher und kann/darf gar nicht mehr zurückgehalten werden, weil man mehr Zeit für irgendwelche Unterrichtsinhalte haben will. Es gibt in diesem Alter kein wichtigeres Thema.

    Schauen wir mal, was die Gesetzgeber so zum Sinn und Zweck von Gymnasien sagen:

    Zitat von Schulgesetz Berlin

    Das Gymnasium vermittelt seinen Schülerinnen und Schülern eine vertiefte allgemeine Bildung und ermöglicht ihnen entsprechend ihren Leistungen und Neigungen eine Schwerpunktbildung, die sie befähigt, … an einer Hochschule oder in beruflichen Bildungsgängen fortzusetzen.

    Zitat von Schulgesetz Sachsen

    Das Gymnasium vermittelt Schülern … eine vertiefte allgemeine Bildung, die für ein Hochschulstudium vorausgesetzt wird; es schafft auch Voraussetzungen für eine berufliche Ausbildung außerhalb der Hochschule.

    Bei euch wird der Stellenwert über den Runderlass KAoA geregelt. Damit sind auch die Gymnasien gemeint. Es ist ziemlich klar was der Normgeber zum Auftrag meint. Das Ziel ist es am Ende in eine Erwerbstätigkeit zu kommen, hier meistens nach einem Studium. In keiner Rechtsnorm wird der Bildungsauftrag der Gymnasien rein als Selbstzweck beschrieben.

    s3g4 Deine Forderung, alle Lehrer müssten vorher "in der Arbeitswelt" gearbeitet haben, ist doch populistischer Unfug. Erinnert mich so ein bisschen an die Boomer, die die Wehrpflicht einfordern, "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" usw. propagieren. Lehrer müssen fachlich so gut wie möglich ausgebildet sein und das erreicht man nicht, wenn man auf der Höhe seiner kognitiven Schaffenskraft und Aufnahmefähigkeit "in der realen Arbeitswelt" irgendwo die Werkstatt fegt.

    Nein ist es nicht, du kletterst den Elfenbeinturm nur immer weiter hoch. Für Lehrer reicht es eben nicht nur fachlich gut ausgebildet zu sein.

    Der Rest bestätigt einfach nur meinen Punkt.

    Die wenigsten Professuren werden an Leute vergeben, die gerade ihre Dissertation abgegeben haben. An FHs müssen diese mindestens 5 Jahre außerhalb von Hochschule gearbeitet haben. Wenn man sich mal mit den "großen Hunden" vergleichen will.

    Denkt man deine Argumentationslinie weiter, brauchen Schüler zukünftig außer Prompten eigentlich überhaupt nichts mehr selbst beherrschen und wir können sämtliche Lehrpläne direkt fast vollständig im Schredder entsorgen.

    Das ist doch unsinnige Polemik. Es ist andersherum doch viel schwieriger, ein generiertes Ergebnis zu bewerten. Ohne dass man sich tiefer auskennt, geht da überhaupt nichts.

    Für meine Schüler ist das prüfungsrelevant. Sie müssen ihre Projektarbeit präsentieren und verteidigen. Daher hat das einen hohen Stellenwert bei uns.

    Schon richtig, das ist bei uns auch so. Es wird aber an manchen Stellen, meiner Meinung nach, schon übertrieben. Darüber beschweren sich auch einige Lerngruppen.

    Ich weiß gar nicht, woher dieser Powerpoint-Hausarbeits-Gruppenreferatefetisch kommt, lernt man das am Seminar?

    Keine Ahnung. Also mal eine Präsentation zu üben ist ja gar nicht verkehrt. Das kann man später immer mal brauchen. Aber ich finde das meistens selbst ziemlich langweilig. Andere Lehrkräfte machen das schon zu genüge, deswegen gibt es das bei mir nicht.

    Einmal, dann arbeiten die SuS über Wochen selbständig, die Präsentation findet ebenfalls in der Unterrichtszeit statt..

    In der Grundschule machen viele Eltern den scheiß, in der Sek I sitzen die SuS gruppenweise am Nachmittag und machen den Scheiß.

    Lehrer ohne Kinder in dem Alter denken wahrscheinlich, dass sie die einzigen sind, die sich Referate und Hauarbeitsthemen für die Kinder ausdenken.

    Was ist daran schlecht, wenn die Dinge gruppenweise erledigt werden?

    Ich mach Referate und Projekte nicht besonders gerne, weil ich die Bewertung sehr schwierig finde und es im Stoff nur langsam voran geht. Dabei werden halt andere Kompetenzen gestärkt.

    Sich den Alltag mit solchen Dingen einfacher zu machen ist doch gar nicht schlimm. Ich bereite nicht gerne Unterricht vor, also verbringe ich damit so wenig Zeit wie möglich. Wenn ich was habe, was funktioniert und entsprechend zum Ziel kommt ist doch alles fein.

    So am Rande aus der Gesamtschulperspektive. Im Herzen bin ich Gymnasiallehrer, deshalb kann ich dem nur wenig abgewinnen und würde es wahrscheinlich am Gym auch sehr pragmatisch und kurz halten. Die SuS sollen dort schließlich ein Abitur anstreben.

    Und deshalb sind andere Perspektiven völlig egal? Ja das ist der angestrebte Abschluss, in der Realschule wird auch der Realschulabschluss angestrebt. Da würde niemand sagen, ach komm die brauchen keinen Einblick in die "echte Welt", die sollen den Abschluss machen.

    Du bist mit dieser Sichtweise nicht alleine. Denn euch (not all gym teacher) fehlt:

    Und manchmal wünsche ich mir, das hätten auch die Gym-Lehrkräfte erhalten.

    Das Abitur kann kein Selbstzweck sein. Wenn man es schon aus der Elfenbeiturmperspektive machen will, dann braucht es doch wenigstens Einblicke in die Hochschulen. Welche Hochschulen gibt es überhaupt, was kann man alles studieren und mit welchem Ziel? Das wird aber nicht (oder nur selten) gemacht. Es wird das System einfach mit Scheuklappen durchgezogen bis die Jugendlichen am Ende orientierungslos herauspurzeln.

    Es ist auch kein Wunder, weil die meisten Lehrkräfte an Gymnasien nur Schule -> Uni -> Schule kennen. Wie eine Parallelgesellschaft.

    Hier muss mal der Kreis durchbrochen werden. Niemand dürfte an einer Schule unterrichten dürfen ohne beruflich einige Zeit außerhalb verbracht zu haben. Muss gar nicht inhaltlich passend sein, nur um mal geerdet zu werden.

    Der Abschluss war zu erwarten. Was macht es ab April im Geldbeutel aus... knapp 100 Euro? Der Tarifrechner scheint noch fehlerhaft zu sein.

    Für Beamte muss das erstmal im Gesetz übernommen. Da lässt man sich nochmal Zeit, je nach Bundesland:

    Öffentlicher-Dienst.Info - Besoldungsrunde 2025-2028 der Landesbeamten

    Für Hessen steht ein Abschluss noch aus bzw. die Verhandlungen beginnen erst Ende Februar. Hoffentlich wird der TV-L-Abschluss wenigstens übernommen. Kann aber auch sein dass wir schlechter da stehen. Bis das bei mir ankommt, ist es Sommer.

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