Beiträge von Bolzbold

    Was man für pädagogisch vertretbar hält oder nicht, kann ja jeder für sich selbst entscheiden. Zu irgendwas wird man seine SuS letztlich immer zwingen müssen. Und wenn ein onlinesüchtiger Schüler nun plötzlich süchtig nach z.B. "Classcraft" wird... man stelle sich vor, wie aktiv der dann plötzlich am Unterrichtsgeschehen teilnimmt. Das wäre doch mal eine tolle Suchtumlenkung!

    der Buntflieger


    Dem ersten Satz stimme ich noch zu - ähnliches habe ich ja auch bereits geschrieben.
    Was den Rest angeht, lieber Buntflieger, so finde ich diese Aussage mehr als bedenklich. Wärst Du der Lehrer eines meiner Kinder und würdest mir dies als Begründung für den Einsatz von Classcraft oder Gamification im Allgemeinen liefern, hättest Du Dich für mich als Pädagoge endgültig disqualifiziert. Ich hätte Deine Aussage darüber hinaus als verantwortungslos empfunden.

    Wenn ich das richtig gelesen habe, soll das angeblich auch dazu dienen, auf diese Weise die Leistungsbewertung transparenter zu machen - angeblich sind eigene Notizen außerhalb dieses Spiels dann gar nicht mehr nötig nach Aussage von Kollegen, die das nutzen. (Ich habe mich gestern ausgiebig in die Thematik eingelesen.)

    An diesem Punkt verwischen bei mir virtuelle und reale Welt - da würde ich persönlich definitivi nicht mehr mitgehen.

    Auf Anregung hin kann die Diskussion über Sinn und Unsinn, Vorzüge und Nachteile von Gamification im Unterricht diskutiert werden.

    Meine Haltung dazu habe ich nachstehend noch einmal kopiert:

    Was ich viel schlimmer finde, ist das Ignorieren der negativen Auswirkungen, die die Einrichtung eines solchen Spiels bzw. des Einsatzes von Gamification im Unterricht mit sich bringt.

    Zum einen wären da die Kosten, denn die Basisversion hat erstaunlich wenig Funktionen.
    Zum anderen - und das ist für mich der zentrale Aspekt - enthält dieses Spiel ein Element vieler kommerzieller Handyspiele, nämlich ein süchtigmachendes Belohnungssystem.

    Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass Schüler durch "Gamification" eine höhere Lernmotivation in Bezug auf den Lerngegenstand und den Kompetenzzuwachs entwickeln. Letztlich ist es die Sucht nach dem Spiel, die wie auch zu Hause dann dazu führt, dass man seine Aufgaben bearbeitet, um anschließend zu spielen. Damit droht die häusliche Lebenswirklichkeit der Schüler nun auch zur schulischen Lebenswirklichkeit zu werden. Schule und das Leben an sich sind kein beständiges Spiel, bei dem Spaß und Belohnung an oberster Stelle stehen. Die Einführung von Gamification in den Unterricht suggeriert aber genau das.

    Die eigenmächtige Einführung eines solchen Konzepts dürfte nicht nur den meisten pädagogischen Konzepten von Schulen diametral zuwiderlaufen, das sollte in meinen Augen entsprechend vorbereitet und abgestimmt sein.

    Ich kann Seph hier nur ausdrücklich zustimmen.

    Was man hier vielleicht noch berücksichtigen sollte, ist, dass didaktische Autonomie nicht mit Anarchie oder Beliebigkeit gleichzusetzen ist. Ein solches Konzept, das grundlegende Aspekte des Unterrichts und des gesamtpädagogischen Kozepts einer Schule betrifft, sollte immer mit der Schulleitung abgesprochen sein. Ich tendiere dazu - bei allem pädagogsichen Engagement und gutem Willen, den der TE an den Tag legt - das Ganze als einen pädagogischen Alleingang zu betrachten, der so stark in die pädagogischen Konzepte der Schule hineingreift, dass die Schulleitung hier reagieren muss. Ob das in der beschriebenen Form sein muss, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Was ich viel schlimmer finde, ist das Ignorieren der negativen Auswirkungen, die die Einrichtung eines solchen Spiels mit sich bringt.

    Zum einen wären da die Kosten, denn die Basisversion hat erstaunlich wenig Funktionen.
    Zum anderen - und das ist für mich der zentrale Aspekt - enthält dieses Spiel ein Element vieler kommerzieller Handyspiele, nämlich ein süchtigmachendes Belohnungssystem.

    Ich habe erhebliche Zweifel daran, dass Schüler durch "Gamification" eine höhere Lernmotivation in Bezug auf den Lerngegenstand und den Kompetenzzuwachs entwickeln. Letztlich ist es die Sucht nach dem Spiel, die wie auch zu Hause dann dazu führt, dass man seine Aufgaben bearbeitet, um anschließend zu spielen. Damit droht die häusliche Lebenswirklichkeit der Schüler nun auch zur schulischen Lebenswirklichkeit zu werden. Schule und das Leben an sich sind kein beständiges Spiel, bei dem Spaß und Belohnung an oberster Stelle stehen. Die Einführung von Gamification in den Unterricht suggeriert aber genau das.

    Die eigenmächtige Einführung eines solchen Konzepts dürfte nicht nur den meisten pädagogischen Konzepten von Schulen diametral zuwiderlaufen, sie ist in meinen Augen auch Ausdruck einer bewussten Abgrenzung, womöglich sogar einer Selbsterhöhung gegenüber dem Kollegium. Als Betroffener kann man das als Neid oder Missgunst abtun. Vielleicht ist es aber auch berechtigte Kritik gegenüber jemandem, der offenbar absichtlich gerne mal gegen den Strom schwimmt. Ich bin weder ein Fan von Hyperkonformität noch von Hyperindividualität. Ich hätte, wenn ich denn von einem solchen Konzept überzeugt gewesen wäre, das Ganze auf einer Lehrerkonferenz vorgestellt und versucht, Schulleitung und Kollegium davon zu überzeugen, das Ganze testweise einzuführen und im Falle einer Ablehnung die Schulleitung um eine Genehmigung zur Einführung in meiner Klasse ersucht.

    Natürlich kann man jetzt einen Versetzungsantrag stellen oder in die innere Emigration gehen. Die Ursachen der dargelegten Probleme werden dadurch jedoch nicht behoben.

    Ich glaube nicht, dass das mit Intelligenz zu tun hat sondern damit, dass man im Zeitalter des Internets wahlweise alle Informationen frei Haus geliefert bekommen kann und dies Teil der eigenen Lebenswirklichkeit geworden ist.
    Sofern sich die TE hier noch einmal melden sollte, würde sie wohl einwenden, dass sie doch fragen dürfe, weil das doch ein Lehrerforum sei und dass sie bereits die Suchfunktion genutzt hätte. Was sie eben ohne hier nachzufragen nicht bekommen hätte, das war eine mundgerechte, auf den individuellen Einzelfall bezogene Aussage.

    Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass es bei Lehrern in der Probezeit auch solche gibt, die sich mit solchen Dingen noch nie auseinandergesetzt haben und auch nicht die entsprechende Zielstrebigkeit besitzen, eben dies zu tun. Dafür gibt es doch das Internet...

    Ich bin weder Mitglied in der GEW noch GEW affin. Die Diskussion brauchst Du mit mir nach wie vor nicht zu führen.

    Vom Sinn und Zweck her betrachtet dienen die Ferien, die über die 30 Tage hinaus gehen, in der Tat dazu, unsere Überstunden abzubauen. Man mag das moralisch rechtfertigen, juristisch kann man es aber nicht. Und letztlich ist es eben eine Art "silent agreement", an das sich beide Seiten nicht heranwagen - aus den oben genannten Gründen.

    Ob wir wirklich alle uns die 6 Wochen Ferien mit Überstunden erarbeiten, dürfte ferner je nach Fächerkombi erheblich variieren. Dann sind wir wieder beim Arbeitszeitkonto. Das dürfte für Korrekturfachlehrer günstiger sein - für die Nebenfachlehrer aber eben nicht - und die werden sich nicht aus Solidarität mit denen, die aus ihrer sicht so blöd waren und Korrekturfächer studiert haben, deutlich schlechter stellen lassen. Das Arbeitszeitkonto hat dann nämlich nichts mehr mit gefühlter Belastung (Lärm in der Sporthalle o.ä.) zu tun sondern mit tatsächlicher (d.h. v.a. Korrekturen).

    Ich kenne mittlerweile die Vorzüge und Nachteile beider Arbeitsformen und kann der 41-Stunden-Woche durchaus etwas abgewinnen. Am Schreibtisch muss ich die 41 Stunden absitzen - ganz gleich wie effizient ich arbeite. In der Schule habe ich immerhin die Chance, durch Organisation, Struktur und Effizienz sowie Arbeitsdisziplin mehr als sechs Wochen Urlaub herauszuschlagen und hoffentlich dabei gesund zu bleiben. Aber am Schreibtisch im Büro sind es eben fest 41 Stunden. Nicht mehr, nicht weniger. Ich bin dadurch aktuell deutlich weniger gestresst, meine chronischen Beschwerden haben nachgelassen. Und ja, ich würde mir von unserem Dienstherren wünschen, dass er uns während des Schulalltags spürbar entlastet. Dafür stehe ich dann auch gerne zu Beginn und am Ende der Ferien zur Verfügung.


    Natürlich steht uns der Überstundenausgleich in den Ferien zu!
    Eine duckmäuserische Haltung gegenüber der veröffentlichten Meinung, was Lehrkräfte denn Bitte alles schön unbezahlt an Überstunden zu leisten hätten, hat uns doch erst die Situation eingebrockt, in der wir stecken. Angst davor zu haben, dass uns jemand nicht mehr lieb hätte, wenn wir nicht jedes hingeworfene Stöckchen brav apportieren, ist nicht zielführend.

    Gruß !


    Ach Mikael, darum geht es mir doch gar nicht...

    Die subjektive Wahrnehmung eines aktiv in Anspruch genommenen Vorteils mit der Begründung "das steht mir doch zu!" divergiert doch deutlich mit der Rechtslage. Die Rechtslage ist nämlich tatsächlich die, dass uns nur 30 Tage Urlaub zustehen. Punkt.
    Dass die Länder nicht während der Ferien auf ihre Lehrkräfte aktiv zugreifen und diese zur Anwesenheit in der Schule verpflichten, ist aus meiner Sicht eine praktikable Lösung, sich in diesem Fall einmal zugunsten der Lehrerschaft vor einem Arbeitszeitmodell zu drücken. Die Länder wissen sehr gut, dass Rosinenpickerei hier nicht funktioniert. Wer in den Ferien mit der Stechuhr ankommt, muss sie auch außerhalb der Ferien verwenden. Und DAS könnte teuer werden.

    Daraus jedoch einen Anspruch nach dem Motto "das steht mir zu" abzuleiten, halte ich für taktisch unklug. Es befeuert die Neiddebatte über den faulen, überbezahlten Halbtagsjobber.

    Wenn man Bolzbolds früheren Usernamen noch kennt und seinen Shakespeare gelesen hat, kann man zumindest eine Vermutung zum Geschlecht wagen.@Krabappel Gute Erholung. Ich war hier früher auch schon mal mit anderem Namen angemeldet, hab mich dann abgemeldet, um wengier online zu sein und bin ca. zwei Jahre später als WillG wieder angekrochen gekommen.

    Dafür brauchst Du Shakespeare gar nicht zu bemühen. Ich heiße hier seit meiner ersten (und einzigen) Registrierung Bolzbold. Und dafür gibt es auch ein "historisches" Vorbild. Es ist der Name eines persiflierten Ritters aus einem Fantasy Rollenspiel, den einer meiner damaligen Mitspieler kreiert hat.

    Lieber Doktorand,

    diametral auseinandergehende Bewertungen sind eher die Ausnahme. Im Zeitalter von Bildungsstandards und KMK-Vereinbarungen im Abitur sowie einer verbindlichen Prozent-Noten-Zuordnung und kriteriengestützten Bewertungsrastern können Sie größere Diskrepanzen in der Regel ausschließen. Natürlich gibt es hier und da einmal Auslegungssachen, die sich jedoch - und das kann ich nach 14 Jahren Abiturkorrekturen sagen - in der Summe maximal im Bereich von zwei Notenpunkten (von 15) bewegen. Denken Sie außerdem an die Drittkorrekturen, die für solche Fälle eingeführt wurden und in NRW nur ganz selten vorkamen.

    Ich fände es im Sinne wissenschaftlicher Redlichkeit sehr bedenklich, wenn Sie sich motivational von dem tradierten und sorgsam gepflegten Klischee hätten leiten lassen, dass ein Aufsatz von vier Lehrern korrigiert wird und vier verschiedene Noten bei herumkommen.

    Auch wenn mich die Gesamtschulkollegen jetzt vermutlich steinigen werden: Ich persönlich befürchte jedoch, dass es im kommenden Abiturdurchlauf aufgrund der externen Zweitkorrektur in Englisch zu einigen Drittkorrekturen kommen wird, falls die Gymnasien und Gesamtschulen Abiturklausuren untereinander tauschen.

    Mir ist es momentan schlicht nicht möglich Vollzeit zu arbeiten.
    Ich brauche die Stundenreduzierung, um, wie jemand so schön schrieb, meinen Alltag zu überleben.
    Auch sehe ich, und bedauere es sehr, dass Teilzeit selten wirklich Teilzeit ist, eben aufgrund vieler (angeblich) unteilbarer Aufgaben.
    Wie jemand mit Kindern und einer Lehrervollzeitstelle genügend Freizeit haben kann, ohne das Gefühl, man vernachlässige wichtige Wirkungsbereiche oder erledige sie nur ausreichend, ist mir ein Rätsel.
    Hier nehme ich sehr gerne Tipps an. ;)

    Das dürften in der Tat nur sehr sehr wenige Leute sein - oder eben Blender.

    @fossi74

    Es ist keine Hexerei, aber aus politischen und fiskalischen Gründen definitiv unerwünscht. Es gibt einen Grund, warum die vom Land NRW Ende der 90er Jahre in Auftrag gegebene Studie zur Arbeitszeit von Lehrkräften von Mummert & Partner in der Versenkung verschwunden ist. Im Zuge dessen wurden bestimmte Tätigkeiten zu Normaufwand deklariert, wodurch die Zahlen dann wieder "passten".

    Im direkten Vergleich kann man auch diskutieren, wieso ich mit meiner neuen Tätigkeit (immer noch als Beamter) ein Gleitzeitkonto habe, auf dem jede zusätzliche Minute gutgeschrieben wird und ich das irgendwann abfeiern kann und wieso bei Beschäftigten im klassischen Schuldienst quasi immerwährendes "open end" gilt.

    Was hier übersehen wird, ist meines Erachtens, dass es nicht um die "Planung" oder die Einstellung geht, dass man sich nicht als Teilzeitkraft vselbst verheizt. Es geht darum, dass der systemische Normaufwand nicht anteilig reduziert werden kann und so eine 50%-Stelle nicht effektiv 50% der Arbeitszeit entspricht. Gerade weil man ja nun mehr Zeit hat, Dinge zu Ende zu bringen, wird man diese ohne es explizit vorzuhaben, wohl dafür nutzen und letztlich mehr als die intendierten 50% arbeiten. Als Vollzeitkraft muss ich Dinge ggf. kürzer, effizienter oder häufiger nach dem Pareto-Prinzip erledigen, weil ich sonst gar nicht hinkomme. Als Teilzeitkraft muss ich das nicht, es sei denn, ich hätte meine durch die Teilzeit frei gewordene Zeit komplett mit anderen Dingen gefüllt. Dann wäre ich ggf. aber wieder auf demselben Stresslevel wie vorher.

    Dass TZ-Kräfte mitunter die Preise verderben, ist ein Faktum. Es ist keine böse Absicht, aber es lässt sich augenscheinlich auch nicht vermeiden.

    Ich möchte an dieser Stelle aus eigener Erfahrung noch einmal betonen:

    So sehr man sich auch für seine Klasse engagiert und sich verpflichtet fühlt, sie durch Dick und Dünn zu begleiten: JEDER ist ersetzbar und niemand ist unverzichtbar.
    Auch wenn es der werdenden Mutter freigestellt ist, während des Mutterschutzes vor der Geburt weiter zu arbeiten, so ist das meines Erachtens wieder eine Situation, in der man die pädagogsichen Preise kaputt macht. Ich fände es schade, wenn sich andere werdenden Mütter mit Verweis auf die TE künftig fragen lassen müssten, wieso sie nicht auch soviel Einsatz zeigen.

    In Ergänzung zu dem, was Nele geschrieben hat:

    Bringen wir unseren Schülern nicht auch bei, Vertrauen in die Institutionen sprich auch in uns zu haben? Wieso messen wir dann bei der SL und der BR mit zweierlei Maß und begeben uns wieder auf das Level von Schülern, die mitunter glauben, alle Schulen und deren Personal hätten sich gegen sie verschworen?

    Wenn die Eltern da die Welle machen sollten, wäre das völlig lächerlich. Als ob man sich so derbe die Zehen quetschen würde. Ich habe mal bei einem kippelnden Schüler in der Referendarszeit an die Lehne gegriffen, um den Stuhl wieder in die Ausgangsposition zu schieben, worauf der Schüler vom Stuhl fiel und sich den Rücken an der Stuhlkante stieß. War doof, ich habe meinem Ausbildungskoordinator angeboten, mich zusätzlich bei den Eltern zu entschuldigen. Der AKO meinte, dass das überzogen sei und es dem Schüler vermutlich sehr peinlich sei, so dass er es gar nicht erst den Eltern erzählen würde. So war es auch. Ich habe mich in der nächsten Stunde nach dem Wohlbefinden des Schülers erkundigt und gut war.

    Wenn der Schüler natürlich zu Hause erzählt hat, dass Du mit dem Stuhl des Nachbarn seinen Fuß gequetscht hättest, und er selbst ja gaaar nichts getan hätte, dann neigen manche Eltern eben dazu, per se Böswilligkeit zu unterstellen. Alles halb so wild - und das scheint Dein Schulleiter ja auch so gesehen zu haben.

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