Hausaufgaben

  • Mittlerweile hat in den meisten Bundesländern die Schule wieder angefangen, und damit die häuslichen Hausaufgabenkämpfe. In vielen Foren lese ich die Hilferufe verzweifelter Eltern.
    Mich würde bei diesem Thema die Sicht der Lehrer interessieren.
    Nehmen wir an, ein Kind erzählt zu Hause nicht, was es auf hat, oder verweigert sich einfach. Die Mutter macht was sie kann, aber Kind schreit, weint, tobt.Das Kind kommt dann häufig ohne oder mit unvollständigen Aufgaben in die Schule.
    (Auch Eltern haben nur Nerven, und manche Eltern haben mehrere Schulkinder)


    Wie sieht man das als Lehrer? Denken Lehrer, die Eltern kümmern sich nicht?
    Oder sehen Lehrer das als Problem des Kindes, ohne in erster Linie den Eltern die Schuld zu geben.


    Wie sollten Eltern sich in einer solchen Situation verhalten?
    ?(

  • Hallo,


    das ist gar nicht so leicht in ein paar Sätzen zu beantworten.


    Ich sehe das auf jeden Fall schon auch als Problem der Eltern, schließlich ist der Lehrer nicht mit daheim beim Hausaufgaben machen.


    Zuerst sollte man abklären, woran es liegt, falls das möglich ist. Sind die Hausaufgaben zuviel? Sind sie zu schwer? Tragen Eltern und Kind über die Hausaufgaben einen Machtkampf aus? Möglicher Lehrerfehler: Hausaufgaben werden aufgegeben, aber nicht kontrolliert oder sonstwie in den Unterricht eingebunden. Sind die Eltern konsequent oder lassen sie sich zum Verzweifeln bringen?
    Je nach Ursache kann man dann ja einen Lösungsansatz suchen.


    Als Mutter würde ich mit Zuckerbrot und Peitsche arbeiten. Lob und kleine! Belohnungen bei gemachten Hausaufgaben, Konsequenzen bei nicht gemachten.


    Manchmal kann es hilfreich sein, wenn der Lehrer die Hausaufgabenhefte kontrolliert, was allerdings in der Praxis auch bei gutem Willen, vor allem wenn das Kind nicht mitmacht, nicht immer konsequent durchführbar ist.


    Meine persönliche Sicht, auch wenn ich mich in die Nesseln setze: Irgendwas muss da irgendwann wohl schon mal schief gelaufen sein, wenn Kinder einfach keine Hausaufgaben machen. Wobei ich hier nicht von "Schuld" sprechen würde, das ist eine Diskussion, die nichts bringt, wo jetzt genau die "Schuld" liegt. Der Schwerpunkt muss bei solchen Problemen auf der Lösung liegen, nicht auf dem Zuschieben von "Schuld".


    LG
    Tina

    Ein Hund denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, sie müssen Götter sein!" Eine Katze denkt: "Sie kümmern sich um mich, sie versorgen mich, ich muss ein Gott sein!"

  • Zitat


    Wie sieht man das als Lehrer? Denken Lehrer, die Eltern kümmern sich nicht?
    Oder sehen Lehrer das als Problem des Kindes, ohne in erster Linie den Eltern die Schuld zu geben.


    Wie sollten Eltern sich in einer solchen Situation verhalten?
    ?(


    Wichtig ist vor allem, dass die Eltern in so einem Fall mit der Lehrkraft sprechen und ihr Rückmeldung geben. Vielleicht besteht dann die Möglichkeit, dass sich Eltern, Kind und Lehrkraft einmal zusammen setzen. Das Kind die Möglichkeit erhält sich zu äußern und die Lehrerin erzählt, warum Hausaufgaben so wichtig sein können.
    So kann man dann nach Ursachen suchen und entsprechende Lösungswege finden.
    Gut finde ich auch, wenn "von solchen" Kindern die Hausaufgabenhefte am Ende eines Schultages von der unterrichtenden Person kontrolliert und zu Hause dann von den Eltern unterschrieben werden. Vielleicht mit einer kurzen Rückmeldung, wenn es Probleme/Schwierigkeiten gegeben hat.
    Als Mutter würde ich versuchen mit dem Kind einen "Deal" zu machen. Z.B. das es nach dem Essen zunächst eine halbe Stunde spielen darf und dann die HA erledigt werden, oder aber, dass man nach den gemachten HA gemeinsam etwas tut, was dem Kind sehr viel Freude bereitet (wenn es denn die Zeit der Mutter erlaubt).
    Eine allgemeingültige Lösung gibt es da sicher nicht.

  • ich stimme den anderen zu
    wichtig ist sicher, mit der Lehrerin zu reden


    ein Tipp für hausaugabengeplagte Mütter, der vielleicht ab und zu hilft: das Kind gegen die Küchenuhr arbeiten zu lassen. Auf eine halbe Stunde einstellen (bzw. länger, bei größeren Kindern) und wer schneller ist (also Uhr oder Kind) hat gewonnen.
    Zieht bei meinen ganz gut, wenn sie mal einen Hänger haben :-).


    Gut ist auch, dem Kind für die gewonnene Zeit (die nicht vertrödelt, verdiskutiert, usw. wurde) etwas in Aussicht zu stellen. Z.B., dass sich dann dafür ein Spiel ausgeht, oder dass man vorliest in der 'gewonnenen' Zeit.

  • Da ich das Problem aus der Sicht beider Seiten kenne, hat sich meine Einstellung zu Hausaufgaben geändert.
    Früher habe ich immer gedacht, es liegt am Elternhaus, wenn ein Kind ohne Hausaufgaben in die Schule kam. Bei meiner Tochter waren Hausis auch kein Problem, sie fertigte sie selbständig an, ich brauchte mich nicht zu kümmern. Doch dann kam mein Sohn in die Schule. Er ging mit Begeisterung, weigerte sich aber, Hausaufgaben zu machen. Es half nichts, weder Strafen noch positive Verstärkung, weder Nachsitzen noch schlechte Noten. Irgendwann habe ich aufgegeben. Er hat bis zur Klasse 13 keine gemacht. Wenn mich jetzt Eltern fragen, was sie mit notorischen Hausaufgabenverweigerern machen sollen, kann ich nur sagen, dass ich selbst ein solches Exemplar zu Hause hatte und auch kein Rezept dagegen fand. Man muss halt ausprobieren, was hilft. Ich tendiere immer mehr dazu, Hausaufgaben als freiwilliges Zusatzprogramm zu sehen. Wenn ein Kind sich nämlich so sehr dagegen sträubt, bleibt doch nichts haften.
    Übrigens - mein Sohn studiert im letzten Semester Kommunikationsdesign und arbeitet wie ein Wilder, freiwillig.
    Es hat also nicht unbedingt etwas mit Faulheit zu tun, wenn jemand die Arbeit verweigert.
    Heidi

  • Aus all diesen Gründen bin ich für die Ganztagsschúle. Mütter als "Hilfslehrer der Nation" zu sehen ist einfach ungerecht.


    LG Anja.

  • Ich habe auch zwei eigene Kinder, die nur mit Mühe und Not und viel viel täglichem Diskussions-Stress an die Hausaufgaben gingen. Und ich bin sehr gegen Mütter als unbezahlte Hilfslehrerinnen der Nation! (Auch) deshalb bin ich für die Ganztagsschule. Wir haben sie beantragt, aber es wurde abgelehnt. Grundschulen als Ganztagsschulen sind politisch nicht gewollt, zumindest in Hessen.

  • Ich sehe alles sehr gemischt.
    Wir sind im Moment Ganztagsschule, doch wird es bei uns in NRW ja eine offene Ganztagsschule, d.h. nicht alle Kinder der Klasse gehen dorthin. So sind immer noch die Kinder, die die Hausaufgaben dort machen benachteiligt, weil eben nicht jemand da ist, der sich daneben setzen kann (wie auch bei 25 Kindern?). Einerseits denke ich, werden die Kinder selbständiger, sich Hilfe zu holen, eigenverantwortlicher zu lernen, andererseits haben die Kinder, die sich u.U. noch einmal zu Hause alles erklären lassen, Vorteile. Bin sehr gespannt, wie sich das auf lange Sicht auswirkt.
    Ich bemühe mich sehr, Hausaufgaben aufzugeben, die die Kinder eigenverantwortlich machen können. Nun bekomme ich eine direkterer Rückmeldung, wo die Schwierigkeiten liegen, und ich bin z.T. erschrocken, wo sie liegen.


    Schwierig dabei finde ich aber auch, dass die Leseübungen, die die anderen Kinder zu Hause machen (Mama hört interessiert zu, wenn Kind lesen übt) eben nicht abgedeckt werden können. Ich meine zu merken, wie die Schere allmählich sehr auseinandergeht.


    Andererseits sehe ich meinen Sohn, der im ersten Schuljahr ist und mindestens das Doppelte an Hausaufgaben aufbekommt, die ich jemals aufgegeben habe. So weit werden meine Schüler niemals kommen. Aber ich muss ihn begleiten.


    Wichtig finde ich aus Elternsicht nur soweit zu helfen, als dass es nicht eskaliert. Ansonsten würde ich versuchen, wie Sally die Ursachen herauszubekommen. U.U. würde ich Freunde, Nachbarn oder wen auch immer bitten, die Hausaufgabenbetreuung zu übernehmen.

  • um nochmal auf das Thema zurückzukommen


    zu den Fragen:


    --------Wie sieht man das als Lehrer? Denken Lehrer, die Eltern kümmern sich nicht? Oder sehen Lehrer das als Problem des Kindes, ohne in erster Linie den Eltern die Schuld zu geben.-----------


    Ich denke das nicht mehr, seit ich selber Schulkinder habe . Die Eltern sitzen ja nicht da und hören, was, wie an die Kinder weitergegeben wurde - ich sage zu meinen Schülern immer, dass SIE verantwortlich sind für das, was in der Schule passiert, nicht die Mama, die ist ja nicht dabei.
    Manche Kinder kriegen es nicht geregelt, die Hausaufgaben regelmäßig, vollständig oder was immer zu bringen. Wenn es krass wird, dann schreibe ich ins Heft, dass das und das fehlt, aber meistens genügt es, ernsthaft mit dem Kind zu reden. Einer sagte mal: 'Aber daheim weiß ich nie, was ich machen muss' - da habe ich mit ihm vereinbart, dass er es sich aufschreiben muss (weil er das aber auch nicht wollte, versucht er nun besser aufzupassen
    *g*).
    Wenn es gar nicht klappen würde, würde ich mich mit der Mutter abreden, dass ich kontrolliere, dass das Kind aufschreibt, was auf ist, und die Mutter zu Hause kontrolliert, was dort steht. Das müsste dann auch funktionieren.



    ----------Wie sollten Eltern sich in einer solchen Situation verhalten? -------------


    Wenn es daheim deshalb immer wieder zu Machtkämpfen kommt, würde ich mit der Lehrerin reden und das Kind tatsächlich mal anrennen lassen, die Lehrerin ist dann für die Konsequenzen zuständig - einen Heimkrieg sind Hausaufgaben jedenfalls nicht wert.


    Die Erfahrung mit meinen eigenen Kindern zeigt mir, dass Hausaufgaben wirklich oft zu langweilig, oder aber auch zu schwer, zu viel und was immer noch sind. Ich versuche das bei meinen Schulkindern so gut wie mölich zu berücksichtigen. Und meine Schulkinder dürfen mir das auch rückmelden - wenn also ein guter Rechner das dazugehörige Ausmalbild nicht auch noch anmalen will, wo doch eh die Rechnungen schon abgelutscht sind, dann kann ich das durchaus verstehen - dadurch, dass ich ihm das Ausmalen 'erspare', ist er oft dann schon wieder ausreichend motiviert.
    Und wenn nicht die halbe Klasse dann protestieren würde, würde ich Manchen die Zusatzübung überhaupt ersparen - aber so konkret zu differenzieren, das schaff ich irgendwie noch nicht

    • Offizieller Beitrag

    müllerin
    Ähnlich wie im Unterricht wär es natürlich toll, auch die Hausaufgaben differenzieren zu können. Aber wie willst du das für 25 oder 30 Kinder machen. ?(


    Das Problem ist, dass man oft eben nur sieht, die Hausaufgaben sind nicht da, ohne den Grund zu erfahren. Vielleicht schaff ich es ja bei ner eigenen Klasse dann, dass die Kinder auch sagen können, woran es lag.


    Jedenfalls haben wir hier Hortbetreuung, das ist sowas wie Ganztagsschule. Da es immer wieder Probleme mit den Hausaufgaben gab, wurde zwischen Schule und Hort abgesprochen, dass für jede Klassenstufe eine bestimmte Hausaufgabendauer vorgesehen ist. Nach 45 Min. wird in Kl. 1/2 spätestens abgebrochen. Es gibt dann eine Meldung an die Lehrerin (die den Umfang oder Schwierigkeitsgrad der Hausaufgaben dann anpasst), die die Aufgaben stellte und an die Eltern, insbesondere Kinder, die "getrödelt" haben, sollen zu Hause noch weitermachen. Ideal ist die Lösung auch nicht, aber sie führt wenigstens nicht dazu, dass noch mehr Kinder "trödeln", weil sie wissen: Nach 45 Minuten ist Schluss und sie brauchen dann nicht weiterzumachen.
    Die Kinder sind natürlich auch nicht optimal betreut, weil eben 20 bis 25 Kinder eine Erzieherin zur Aufsicht haben.


    Ich als Lehrerin fände es wichtig, dass Eltern solche Sachen mir mitteilen. Am besten in einer möglichst neutralen Form ("Mein Kind macht keine Hausaufgaben." statt "Was machen Sie überhaupt in der Schule, dass mein Kind keine Hausaufgaben macht?") Und dass das Kind den Raum bekommt auch selber zu sagen, was das Problem ist.
    Wir hatten kürzlich einen Fall, wo durch Zufall eine Teilleistungsstärke in einem Bereich festgestellt wurde. Das war keinem aufgefallen, weil die Klasse sehr schwierig ist und das entsprechende Kind sehr unkonzentriert und unruhig im Unterricht (und wohl auch bei den Hausaufgaben) war und es eher so aussah, als würde es die Anforderungen seiner Klassenstufe einigermaßen erfüllen können; weil es auch bei 25 Kindern in der Hausaufgabenbetreuung nicht auffällt und die Mutter sehr viel arbeitet und nicht so viel Zeit hatte. Mit dem Kind wurde eine Absprache bezüglich schwierigerer Aufgaben getroffen und seitdem funktionieren Hausaufgaben und Unterricht besser.


    @besonders die Eltern
    Was auch ein Problem für mich als Lehrerin ist: Ich kenne es so, dass viele Eltern die Lehrerin dafür verantwortlich machen, wenn ihr Kind irgendetwas noch nicht kann oder wenn die Rahmenlehrpläne nicht eingehalten werden. Real gesehen sind diese Lehrpläne so umfangreich, dass nicht genügend Zeit bleibt, alles so intensiv zu behandeln, dass es ohne Hausaufgaben alle Kinder verinnerlicht haben.
    Was denkt ihr denn, wie sollte sich eine Lehrerin dann verhalten?
    (Aktueller Fall, Schule einer Freundin: Bestimmte Rechenverfahren werden nicht beherrscht, Schüler verlangen, dass diese Freundin das alles nachholt, sie hat aber einen wirklich vollgepackten Lehrplan. Also wiederholt sie kurz im Unterricht und gibt die Übungsaufgaben für Zuhause auf. Führt natürlich auch wieder zu Unmut.)


    Gruß,
    Conni

    • Offizieller Beitrag

    Einige "meiner" Eltern waren auf dem letzten Elternabend der Meinung, die Kinder hätten in Deutsch zu wenig Hausaufgaben auf.
    Begründung: in Mathemathik sitzen sie immer ne halbe bis dreiviertel Stunde, bei meinen HA manchmal nur 15 Minuten 8o
    Äh,...2. Klasse, um das zu ergänzen...


    Zum Glück sagten mir mehrere Eltern in den Einzelgesprächen, ihre Kinder hätten genug damit zu tun und bräuchten nicht mehr HA!
    Aber anscheinend gibt es auch Eltern, die gar nicht genug HA haben können.


    Muss leider sagen, dass es ganz ohne HA in der Regelschule nicht geht.
    Mein Sohn besucht eine Ganztagsschule und hat bisher keine HA bekommen - kenne den Stress als Mutter damit also nicht aus erster Hand.


    LG, M.

  • Ja, das sind bei einigen Eltern die besten Lehrer: die jeden Tag Massen an Hausaufgaben aufgeben! "Da lernt es was!!" Das hat mich am Anfang meiner Lehrerlaufbahn auch sehr stutzig gemacht, aber am Elternabend sind solche Eltern besonders laut, die nicht genug HA kriegen können ("mein Kind langweilt sich so am Nachmittag!)- den anderen ist es eher peinlich, dass ihr Kind anscheinend viel zu lange braucht! Diese Eltern muss ich als Lehrerin unterstützen. Den anderen muss man siganlisieren, dass wir nicht für das Nachmittagsprogramm der Kinder zuständig sind...


    viele Grüße
    venti :)

  • Das Problem ist einfach, dass man eigentlich nicht für alle Kinder einer Klasse gleich viel aufgeben darf.
    Denn die einen haben alles in 10 MInuten erledigt, die anderen sitzen 1 Stunde. - Wie in der Schule halt auch.
    Da sind ja auch nicht alle zur gleichen Zeit fertig.


    Ich versuche (mit Betonung auf "versuche") in meiner Klasse immer mal wieder differenzierte Hausaufgaben zu geben.
    Gelingt nicht immer und ist vielleicht auch nicht ganz so schwierig, weil ich nur 15 Schüler hab (Förderschule).


    Entweder, die langsameren/schwächeren Schüler kriegen ein bisserl weniger auf, oder einfachere Aufgaben, z.B. einen vereinfachten Lesetext.

  • In den Klassen meiner Söhne sehr unterschiedlich: Klasse 5, Gym. recht wenig - er ist manchmal in 30 min. fertig.
    Klasse 6 Gym. an manchen Tagen Stunde um Stunde - reine Schreibzeit! Dazu Lernen für 2 Fremdsprachen (tgl. Vokabeln).


    Die Lehrer sehen das offenbar sehr unterschiedlich und über ein bisschen mehr Ausgleich würde ich mich sehr freuen, weil es für den nur wenig Älteren verständlicherweise nicht einsichtig ist, warum der etwas Jüngere so viel weniger arbeiten muss, er dagegen an manchen Tagen kaum freie Spielzeit hat.


    LG cecilia

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