Wem geht / ging es im Referendariat auch so schlecht?

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    • Wem geht / ging es im Referendariat auch so schlecht?

      Hallo,

      ich wollte mal in die Runde fragen, ob es euch im Referendariat auch so schlecht geht / ging.
      Zu mir: Ich werde bald fertig mit dem Ref sein, habe aber gerade das Gefühl, dass ich einfach nicht mehr kann.
      Ich bin jeden Tag unglücklich und mir fällt es schwer, überhaupt aus dem Bett zu kommen. Ich habe eine schwierige Klasse, mit der ich meine Lehrprobe absolvieren muss. Hier leide ich einerseits an dem Prüfungsdruck, andererseits bin ich mit den Kindern oft überfordert (z.B. aufgrund von Aggressivität) und habe das Gefühl, einfach gar nichts ausrichten zu können, obwohl ich mein bestes gebe. Ich war auch extrem häufig krank in den letzten eineinhalb Jahren und hatte neben einer stark erhöhten Infektanfälligkeit noch ein paar andere gesundheitliche Schwierigkeiten. Weiterhin habe ich Geldsorgen und über die Refzeit hinweg Schulden bei meinen Eltern angesammelt, an denen ich noch eine Weile zahlen werde. Wenn ich mich mit Freunden treffe, habe ich fast nichts anderes mehr zum Reden als die Schule / meinen Druck. Wenn meine Freunde mal jammern, dass sie ein paar Überstunden gemacht haben und dringend den nächsten Strandurlaub brauchen, kann ich nicht anders als neidisch zu sein, auch wenn das überhaupt nicht meinem Charakter entspricht. Ich merke selbst schon, dass ich eine negative Ausstrahlung habe. Genau wegen dieser Negativität habe ich eine noch frische Beziehung zu einem mir sehr wichtigen Menschen zerstört. Ich wollte der Beziehung entfliehen, weil ich dachte, sie würde mich unglücklich machen. Stattdessen musste ich aber erfahren, dass ich die Negativität, die in mir war, in die Beziehung getragen habe. Er möchte nun nichts weiteres mehr als Freundschaft von mir.
      Im Studium habe ich ohne große Probleme ein gutes Examen geschafft. Auch wenn die Staatsexamenszeit stressig war, habe ich mich nie so unglücklich gefühlt.
      Prinzipiell macht mir mein Job Spaß, aber ich frage mich einfach, wie ich wieder auf die Beine kommen und wieder fröhlicher und wenig gestresst werden kann. Ich erkenne mich gar nicht wieder und mag mich momentan selbst nicht mehr.
      Ich würde mich sehr über Kommentare freuen.
    • Hallo Luftsprung,
      mir ging es im Ref. auch so schlecht. Mein Gedanken kreisten ständig um die Dinge, die ich noch zu erledigen hatte und ich habe auch auch nichts anderes mehr gemacht als Dinge für die Schule vorzubereiten. Alles stand wie ein Berg vor mir. Dadurch ging es mir aber noch schlechter. Ich würde dir raten, dir ein Hobby zu suchen und das auch wirklich konsequent mindestens einmal die Woche auszuüben. Auch wenn du das Gefühl hast, dafür keine Zeit zu haben - nimm dir die Zeit, wenn du mal etwas anderes machst, geht die Vorbereitung dann im Endeffekt schneller. Am Besten ist vermutlich eine Betätigung bei der du nicht zum Nachdenken kommst, weil du dich auf andere Sachen konzentrieren musst.

      Vielleicht kannst du dich auch mit anderen Refs. zusammen tun, die die gleichen Fächer haben und mit ihnen Material austauschen, so dass du Zeit bei der Vorbereitung sparst. Gibt es Kollegen an deiner Schule, die dir Material geben könnten? Versuche Stunden, in denen du keine Unterichtsbesuche hast, zeitsparend vorzubereiten, man kann auch mal mit dem Buch arbeiten und muss nicht in jeder Stunde das Rad neu erfinden.

      Ich habe mich einmal mit einer Psychologin unterhalten, die mir der Personalrat des Studienseminars vermittlet hatte. Nach dem Gespräch hatte ich das Gefühl, dass mir das nichts gebracht hat, aber danach ging es aufwärts u.a. da bei mir die Arbeitsbelastung sank, weil ich mit einer Referendariatskollegin, Material austauschen konnte.
      Jetzt bin ich seit 5 Jahren im Beruf und natürlich manchmal noch gestresst und genervt (vor allem von Klassen, bei denen ich nichts ausrichten kann) und es gibt imme noch Phasen, in denen ich viel arbeite, allerdings finde ich die Arbeit mittlerweile überschaubar und sie steht nicht mehr wie ein Berg vor mir, den ich nicht überwinden kann. Mittlerweile schaffe ich es auch ganz gut, mir die Wochenenden ziemlich frei zu halten.

      Ich wünsche dir alles Gute,
      viele Grüße
      Seepferdchen
    • Hi Luftsprung.
      Je nach Fach, Standort usw. kann das Ref wirklich mörderisch sein. Da wird mitunter ein massiver Druck aufgebaut durch Leute, die meiner Meinung nach nur durch Beziehungen am längeren Hebel sitzen, an der fachlichen/didaktischen Kompetenz kann's zumindest nicht liegen.

      Kurz und gut (bzw. eigentlich nicht besonders gut): Mir ging's wie Dir, außer dem Teil mit den Schulden (Beziehung vernichtet, häufig krank, massiv unter Druck, etc.)

      Die gute Nachricht: Danach wird's besser. VIEL besser. Man verdient gut, hat den Job, für dessen Erreichen man sehr viel aufgegeben hat, die Arbeitszeiten werden deutlich angenehmer, und die Stelle ist - spätestens wenn man dann noch den deutlich einfacheren Sprung zur Lebenszeit geschafft hat - sicher.

      Achja, und zumindest in meinem Fall kommt noch dazu, dass ich genau das mache, was ich wollte. Letztendlich war's das Wert. Wenn mir allerdings die ein oder andere Seminarvertreterin begegnet, wechsle ich heute noch die Straßenseite :)

      Also "Augen zu und durch".

      Gruß,
      DpB
      Pleased to meet you, hope you guess my name.
    • Oh, du Arme! Ich drücke dir die Daumen, dass du die letzten Meter noch gut durchkommst und dann wieder aufatmen kannst und dein altes ICH wiederfindest - im Idealfall auch deine zerstörte Beziehung neuen Boden findet zu gedeihen.
      Mir ging es im Ref nicht so schlimm, ich war eher genervt von den vielen Unsinnigkeiten (wie die minutiöse Planung u.Ä., die einem abverlangt werden, wie cih aber in den Elternabend gehe, der 2 Wochen nach dem Ref in der eigenen Klasse auf mich wartete, hatte mir niemand in den zwei Jahren gesagt. Also... ich war oft genervt, aber nicht wirklich gestresst. Das hilft dir aber ja jetzt auch nichts...

      Kopf hoch und viel Erfolg, dass es bald besser wird!!!
    • Also eigentlich hab ich es im Referendariat ganz gut getroffen...
      ... eine nette Gruppe Mitreferendare, die sich gegenseitig unterstützen
      ... relativ klare Regeln, was Referendare dürfen/müssen und was nicht (siehe anderer Thread über erwartete Vertretungen/Aufsichten)
      ... ganz passable Seminarveranstaltungen
      ... und zumindest im 2. Jahr ne tolle Schule.


      Trotzdem habe ich mich ziemlich gestresst gefühlt. Der andauernde Druck wegen Beurteilung, Lehrproben und mündlichen Prüfungen hat mich echt fertig gemacht.

      Dazu noch eine ziemlich unbefriedigende Organisation im ersten Jahr mit einem absolut planlosen Seminarlehrer. Mit Beurteilungen, bei denen man sich fragt über wen der Seminarlehrer spricht, denn das Selbstbild war doch ein vollkommen anderes (und jahrelange berufliche Beurteilungen haben auch ein anderes Fremdbild vermittelt)

      Ich habe in der Zeit deutliche Stresssymptome entwickelt, die ich hoffentlich wieder los werde, habe zig Kilos zugenommen, sehe total abgewirtschaftet aus und fühle mich abdolut bescheiden. Dauernd erkältet, häufig Kopfschmerzen usw...

      Ich habe mittlerweile alle Prüfungsteile bestanden und hoffe auf deutliche Besserung. Zumindest die Erkältung wird schon wieder besser.
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    • Ich drücke dir die virtuellen Daumen, dass du dein Examen bestehst. Dann halte noch bis zu den Sommerferien durch, feiere das Ende des Drucks, erhole dich in den sechs Wochen ganz bewusst und dann starte hoffentlich in eine bessere Zeit!

      Ich bin auch im Ref, mir geht es aber nicht so schlecht. Eine tolle Zeit ist es aber auch für mich nicht. Was ich furchtbar finde, ist die ständige Überwachung von allen Seiten, ich habe das Gefühl, dass jeder Atemzug an der Schule beobachtet und bewertet wird. Ich habe absolut niemanden, den ich mal um fachlichen oder fachdidaktischen Rat fragen könnte und bei dem ich nicht erst überlegen muss, wie genau ich die Frage formuliere, damit sie sich nicht negativ auf meine Beurteilung auswirkt. Das finde ich furchtbar. Und natürlich auch, dass an uns Refs insbesondere von den Seminarleitern, aber auch von vielen Ausbildungslehrern immer ein Perfektionsmaßstab gesetzt wird. Meine Noten und Gutachten sind gut, aber ich fühle mich schlecht, weil ich ausschließlich Negativfeedback bekomme - das verstehe ich auch, denn ich soll ja an dem arbeiten, was ich nicht kann und was ich kann, das wiederholt man nicht immer wieder. Aber auf Dauer (!) ist das einfach wahnsinnig deprimierend und ich habe das Gefühl einfach nur schlecht zu sein, ohne es wirklich zu sein (denke ich, sagen dann auch meine Noten). Die einzigen, die auch mal Lob loswerden, sind die Schüler. Da ist das anonyme Feedback, das ich mir immer von allen meinen Klassen/Kursen vor den Ferien geben lassen, eine warme Dusche für die Seele. Dies und dass ich so gern mit den Schülern arbeite, sowie das Wissen, dass es vielen meiner Mitrefis auch so geht, halten mich aufrecht. Ich hangele mich jetzt einfach bis zum Schuljahresende durch: "Nur den April überstehen, im Mai fällt die Hälfte des Unterrichts wegen Feiertagen aus! Und dann nur noch den Juni, da sind die UBs dann weg und du machst einfach bei allen möglichen Projekten mit um dem Ausbildungsunterricht zu entfliehen. Und dann hast du dieses Schuljahr geschafft!"

      Dass schulische Themen meine Gespräche dominieren merke ich übrigens auch und bin damit auch nicht wirklich glücklich. Haben früher schul- und unithemen auch so eine große Rolle in meinen Gesprächen gespielt? Ich weiß es nicht... ich hoffe, dass sich das irgendwann wieder gibt, wenn ich wieder mehr Zeit in außerschulische Aktivitäten investiere(n kann).
      Warum Trübsal blasen, wenn man auch Seifenblasen kann?
    • Oh je, Luftsprung, das hört sich alles nicht gut an :(
      Das tut mir sehr leid für dich, dass dich das alles so fertig macht.
      Die Zeit im Ref ist unglaublich stressig und der Druck ist hoch. Jeder geht anders damit um. Ich habe mich in der Zeit eigentlich NUR mit Leuten getroffen, die ebenfalls das Ref. bestreiten mussten und mich verstanden haben. Mit den anderen hatte ich quasi soziale Sendepause. Mein Mann meinte hinterher, er hätte sich wohl scheiden lassen, wenn ich durchgefallen wäre…. für ihn war die Zeit auch der Hammer und er wollte das nicht noch mal mitmachen…
      Vielleicht hilft es dir, wenn du mit jemandem prof. darüber redest? Einem Psychologen o.ä.
      Denn egal wie: Es wäre sehr schade, wenn du kurz vor dem Ziel aufgeben würdest. Hinterher kannst du dir ja überlegen,ob du nicht doch etwas anderes machen willst. Aber so kurz vor dem Ende….. auf der anderen Seite brauchst du vielleicht professionelle Hilfe, um den Rest noch zu bewältigen. Das würde ich mir an deiner Stelle überlegen.
      Und hast du mit deinen Eltern über deine Sorgen bezüglich deiner Finanzen gesprochen? Wichtig ist es, darüber zu sprechen. Und nicht alles in sich reinzufressen…. ich drück dir die Daumen, dass du das alles noch packst :)
      "Du musst nur die Laufrichtung ändern..." sagte die Katze zur Maus, und fraß sie.
    • Ohje, klingt ja echt übel. Was mich fast noch mehr schockt, ist, dass eine Menge anderer Leute ähnliche Erfahrungen gemacht haben müssen... (daran gemessen, wie viele hier zustimmen bzw. Verständnis zeigen) Muss sagen, dass ich vom deutschen Referendariat über Freunde schon viel Ähnliches gehört habe.

      Auch wenn es evtl blöd rüberkommt, das hier zu schreiben, aber: Da lobe ich mir ganz ehrlich meine gute Schweizer Lehrerbildung. Okay, ich hatte dort auch Kommilitonen, die mal ähnliche Erfahrungen mit einzelnen Fachdidaktikern oder Betreuungslehrern gemacht haben. Aber mein Gesamteindruck war, dass es dort wirklich einfach nur konzentriert drum ging, dass Junglehrer was lernen, und das in einer eher positiven Atmosphäre. Viel Arbeit war es auf jeden Fall, aber das stört ja nicht, wenn das Klima positiv ist. Und sehr viel gelernt habe ich auch. Ich stehe jedenfalls mit beiden meinen Fachdidaktikern (=Äquivalent zum deutschen Fachleiter) noch in gutem Kontakt und kann jetzt immer noch Mails rüberschreiben, wenn ich mal eine Meinung zu einer Situation benötige oder einfach nur quatschen will. (und der Rest meiner Ex-Kommilitonen handhabt dies ähnlich.)

      Vielleicht sollte man also das deutsche Referendariat mal überdenken. Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass viele deutsche Lehrer dazu eine schon fast mythish-rituell-überhöhende Einstellung haben. So nach dem Motto: "Das Referendariat ist eine schreckliche Zeit, aber da müssen alle mal durch, um zu testen, ob sie überhaupt hart genug für den Lehrberuf sind. Also macht man sie mal gescheit fertig, schadet ja langfristig keinem." (kenne jedenfalls paar Leute, die sich so in diese Richtung darüber äussern.) Aber trotzdem. Einerseits den Referendaren was von angenehmer, angstfreier Lernatmosphäre erzählen, die sie im Unterricht schaffen sollen, und andererseits für die Referendare selbst eine unangenehme, stark angst- und druckbesetzte Lernatmosphäre schaffen? Seht es, wie ihr wollt; für mich ist das zumindest mal unreflektiert.
    • Du magst Recht haben - das hilft hier nur leider keinem weiter. Wir haben keinen Einfluss drauf. Und Luftsprung erst Recht nicht. Im Übrigen war für mich das Ref. nicht die Schrecklichste Zeit. Ich fand diese Zeit klasse. Aber der Druck ist enorm und die Anforderungen hoch. Viele steigen spätestens da aus.
      Aber wie gesagt: Drüber jammern nützt gerade nix
      "Du musst nur die Laufrichtung ändern..." sagte die Katze zur Maus, und fraß sie.
    • Guten Morgen!

      Tut mir sehr leid, dass dich das Ref so fertig macht. Ich glaube, viele waren irgendwann an diesem Punkt, an dem man am liebsten alles in die Ecke geworfen hätte, laut geschrien hätte und dann einfach mal nur heulen würde. Ich erinnere mich noch an das völlige Ausgeliefersein von teilweise absolut inkompetenten Fachleitern. Mein Reli Fachleiter war einfach ein riesiges Ar.... und ist sogar aus einem Seminar geflogen, bei uns durfte er leider weitermachen. Wenn ich an diesen Mann denke, packt mich bis heute die Wut!
      In meinem Abschlusskolloquium hab ich mir dann fast noch ne 5 reingesemmelt, weil ich zu einem Themenbereich auspacken sollte, "der ganz sicher nicht drankommt und für den wir nun auch keine Zeit mehr haben" (Hauptseminarleiterin). Unfassbar, so sollte ich meine Kids mal auf die Abschlussprüfungen vorbereiten.
      Meine SL war total auf Außenwirkung bedacht, d.h. es wurde enorm viel außerschulisches Engagement erwartet (AG, Organisation von Festen, Lesenächste, Klassenfahrt, Ausflüge, Organisation einer Projektwoche, Begleitung von freiwilligen Wettbewerben, Jeki-Konzerte, Kommunionen...) und sie fand es eh total schrecklich, dass ich 50 km entfernt wohnte. Ihrer Meinung nach hätte ich umziehen müssen, um mehr Präsenz im Leben der Schüler zu zeigen (wohlgemerkt nach der Schule!).
      Mein Tipp: Ich habe mich mit einer ganz lieben Refi-Kollegin vor den UB an einem Samstagabend zusammengesetzt. Dann wurde bei einem, zwei... Sekt alles durchgesprochen. Teilweise sind wir noch mit Bilderbuch fürs 1. Sj. in die Kneipe gegangen. Besser und kreativer wurden nie thematisch passende Lieder für den Stundeneinstieg gedichtet 8) Danach fühlte man sich gestärkt. Außerdem haben wir immer gegenseitig beieinander hospitiert und ein dementsprechendes Feedback in den Anschlussgesprächen gegeben. Momentan klingst du sehr nach Einzelkämpfer, das musst du aber nicht sein.
      Wünsche dir viel Erfolg für die letzten Schritte!
    • Mathelehrer01 schrieb:

      Obwohl ich manchmal das Gefühl habe, dass viele deutsche Lehrer dazu eine schon fast mythish-rituell-überhöhende Einstellung haben. So nach dem Motto: "Das Referendariat ist eine schreckliche Zeit, aber da müssen alle mal durch, um zu testen, ob sie überhaupt hart genug für den Lehrberuf sind. Also macht man sie mal gescheit fertig, schadet ja langfristig keinem." (kenne jedenfalls paar Leute, die sich so in diese Richtung darüber äussern.
      Also, ich habe mein Ref an einer deutschen Schule gemacht und habe in den seitdem knapp 15 Jahren an vier verschiedenen deutschen Schulen gearbeitet und hatte entsprechend viele Kollegen, die das deutsche Ref gemacht haben. Wie die meisten Lehrer habe ich viele Leher im Freundeskreis. Ich kenne nicht einen einzigen Lehrer, der jemals so etwas gesagt hätte.
      Dass diese Einstellung vorherrscht, halte ich für den eigentlichen Mythos.
    • Hallo Luftsprung,

      ich habe mein Ref gehasst. Ich habe mich durchbeißen müssen. Ich habe viel Sport zum Ausgleich gemacht (Kampfkunst). Ich hatte einige nette Freunde im Seminar.

      In der Schule war es schrecklich und ich hatte wirklich schlimme Gruppen und gleichzeitig nicht die Unterstützung, die ich brauchte und die andere bekommen haben. Das brachte mich mehr als einmal an meine Grenzen, aber ich habe versucht, mich nicht kleinkriegen zu lassen.

      Es gibt super Material, das man nutzen kann und man muss das Rad nicht immer neu erfinden.
      Schwere Lerngruppen sind immer ein Problem und da ist es auch keine Schande, wenn man sich Hilfe holt oder vor Lehrproben Schüler ausschließt. Die Prüfer wollen doch keinen Alltag, sondern eine Bilderbuchstunde.

      Halt die Ohren steif und vergiss nicht deine Freizeit, auch wenn die bekanntermaßen knapp wird. Und leider ist es auch ein Beziehungskiller. Manche schaffen das, viele heiraten danach, die Hälfte in meinem Ref aber nicht. Ich war auch froh, dass ich Single war in der Zeit.

      Und schau dir eine Gewerkschaft an und werde Mitglied. Die können vor allem bei den Jugendorganisationen sicherlich oft helfen.
    • Mathelehrer01 schrieb:

      Auch wenn es evtl blöd rüberkommt, das hier zu schreiben, aber: Da lobe ich mir ganz ehrlich meine gute Schweizer Lehrerbildung. Okay, ich hatte dort auch Kommilitonen, die mal ähnliche Erfahrungen mit einzelnen Fachdidaktikern oder Betreuungslehrern gemacht haben. Aber mein Gesamteindruck war, dass es dort wirklich einfach nur konzentriert drum ging, dass Junglehrer was lernen, und das in einer eher positiven Atmosphäre. Viel Arbeit war es auf jeden Fall, aber das stört ja nicht, wenn das Klima positiv ist.
      Das liegt meines Erachtens vor allem daran, dass der durchschnittliche schweizer Anwärter fürs Lehrdiplom Sek II deutlich älter ist, als ein deutscher Refi. In der Regel gilt ja - je älter, desto mehr Lebenserfahrung, desto gelassener erträgt man so eine Situation. Ich hab davor während 5 Jahren Doktorarbeit genug gekotzt, da ging mir der eine Jerk, den ich als Praxislehrer ertragen musste, geflissentlich am Allerwertesten vorbei.

      Wir haben im Moment einen Praktikanten an der Schule, der ist noch verdammt jung, ich glaub der hat noch nicht mal den Fach-Master fertig und ich sage Dir, der kackt sich echt ziemlich in die Hosen. Theoretisch darf man sich ja mit dem Fach-Bachelor schon fürs Lehrdiplom einschreiben, aber davor raten die meisten Fachdidaktiker völlig zu Recht dringend ab.
    • Habe ich ernsthaft "hat fertig" geschrieben? Meine Güte ... ich helvetisiere.

      Abgesehen davon kann ich jedem in der Situation nur raten auf jeden Fall irgendein Hobby zu haben. Und wenn man nur 1 x die Woche in irgendeinen Sportverein geht oder so. Unbedingt ... man verblödet ja sonst vollends wenn man immer nur die gleichen Leute sieht die immer nur übers gleiche Thema reden.
    • Also ich habe mich mit einer Freundin getroffen, die jetzt am Ende des Refs. ist und sie geht wahrhaftig durch die Hölle und ist völlig am Ende :(. Ich habe das Ganze noch vor mir und hoffe einfach, dass es mich nicht ganz so schlimm treffen wird. Aber das weiß man wohl nie. Man kann nur hoffen, dass man, wenn es wirklich so schlimm ist, das Ganze ohne Schaden übersteht :O.
    • Bewahre Dir Deine Freizeit - um jeden Preis. Alles andere ist ungesund und das ist es nicht wert. Ich fürchte fast, die meisten Akademiker machen irgendwann so eine Phase durch. Doktorarbeit war für mich sicher vergleichbar zu dem, was viele hier übers Ref schreiben. Sowas überstehen nur diejenigen unbeschadet, die es schaffen, nebenher noch ein "richtiges" Leben zu führen.
    • Primarlehrer schrieb:

      Wollsocken schrieb:

      Sowas überstehen nur diejenigen unbeschadet, die es schaffen, nebenher noch ein "richtiges" Leben zu führen.
      Arrogant und gleichzeitig ignorant.
      Finde ich überhaipt nicht. Im Gegenteil, das ist der einzig sinnvolle Tipp, den man Refs mitgeben kann.
      Es scheitert nur daran, dass man im Ref meistens so im eigenen Tunnelblick steckt, dass man diesen Tipp nicht annehmen kann.
      Wer über die Arbeitsbelastung verzweifelt, seine Sozialkontakte vernachlässigt und keinen Ausgleich mehr hat, hat gar keine Chance, aus dem Hamsterrad auszubrechen. Umso mehr kreisen die Gedanken um die Arbeit und den Druck. Die einzige Lösung ist hier, mal was anderes zu machen: Hobby, Sport, Freunde oder sich meinetwegen mit ein paar Kumpels hoffnungslos vollaufen zu lassen. Was einen halt mal auf andere Gedanken bringt. Das ist Psychohygiene. Danach hat man wieder etwas Abstand und Energie, ist effektiver und lässt sich nicht so leicht stressen.
      Leider schaffen das viele nicht. Sie denken, vor lauter Arbeit und Stress haben sie keine Zeit für "solche Sachen", mit dem Effekt, dass sie irgendwann völlig am Boden sind - oder völlig durchdrehen.
      Deshalb stimme ich zu: Sowas überstehen nur diejenigen unbeschadet, die es schaffen, nebenher noch ein "richtiges" Leben zu führen.
    • Völlig richtig!
      Darüber hinaus empfehle ich, sich mit dem "Pareto-Prinzip" auseinanderzusetzen. Ich denke, die letzten 20% oder im Ref. gar die 30%, um über die 100% zu kommen, sind es, das vielen Referendaren die letzte Energie raubt.

      Ich habe in den zehn Jahren mit voller Stelle immer wieder die Erfahrung gemacht, dass bei vielen Dingen 80% in der Tat mit sehr wenig Aufwand zu erreichen sind. Bei einigen Dingen, wo es mir wichtig war, 100% zu erzielen, war der Aufwand in der Tat erheblich höher.

      Das Ref. ist eine zeitaufwändige Ausbildung - aber man sollte um jeden Preis verhindern, dass 18 bis 24 Monate an Lebenszeit nahezu ausschließlich darauf verwendet werden.
      Gruß
      Bolzbold



      Ich bin ein Ar***, und deswegen konnte ich nur Lehrer werden.