"Zurück rudern"

  • Wir sind an unserer Schule leider personell am Limit. Vieles, was bei uns entscheidend die Schulkultur und das Miteinander prägt, war mal auf wesentlich mehr Köpfe gestützt...
    Etliches wird künftig nur noch funktionieren, wenn sich alle über das bisherige Maß einbringen oder wir müssen liebgewonenes aufgeben.
    So oder so trifft es die Kollegen mit Herzblut...
    An mehr Personal ist nicht zu denken.
    Wie ist denn bei euch die Situation und das Klima? Das ist so demoralisieren...

  • Dann gib doch "liebgewonnenes" auf? Es klingt so, als ob einige bei euch gemerkt haben, dass die Anforderungen an Grundschulen durch Inklusion, Flüchtlinge usw. euch massiv in der Ausführung eurer Arbeit belasten. Aus diesem Grund werden sich wohl einige entschieden haben, zusätzliche Tätigkeiten im Sinne ihrer Gesundheit aufzugeben.


    Demgegenüber stehen Kollegen, die trotz geänderter Rahmenbedingungen, ihre Zusatztätigkeiten nicht aufgeben wollen und dadurch langsam aber sicher an den Rand ihrer Kapazitäten kommen oder sogar Raubbau betreiben.


    Letztlich ist unser Beruf ein gewöhnlicher Job, dessen Ausübung auch von den Rahmenbedingungen abhängen, für die unser Dienstherr zu sorgen hat. Sind diese derart miserabel, dann schütze ich mich selbst insoweit, als dass ich meiner Dienstpflicht nachkomme und ansonsten bei anderen Dingen heraushalte.

  • Tjaa... Wenn es so einfach wäre.
    In der Grundschule ist vieles pädagogisch absolut sinnvoll und notwendig...
    Ich sehe es wie du, das ist aber in hochengagierten Kollegien manchmal kontraproduktiv.

  • Es ist letztlich eine Güterabwägung zwischen dem Wohl der Schule und dem eigenen Wohl - hier der psychischen und physischen Gesundheit.
    Bei mir hat es 12 Jahre gedauert, bis ich mich von meiner Schule sozusagen "entliebt" habe. Herzblut bringe ich in meine eigenen Projekte ein, ansonsten habe ich vor allem emotional und zum Teil auch was die Zusatzaufgaben angeht, abgespeckt.


    Würden alle Kollegen an Deiner Schule so handeln, würde sich das natürlich spürbar bemerkbar machen. Bevor es dann ggf. zum Super-GAU kommt, würde ich mit dem Lehrerrat und dem Personalrat ein Gespräch mit der Schulleitung und ggf. auch mit der Schulaufsicht führen. So ein Problem muss offensiv angegangen werden.


    Ich habe durch während meiner Dienstzeit "erworbene" chronische Erkrankungen auf die harte Tour lernen müssen, dass keine Schule und keine strahlenden Kinderaugen (außer denen meiner eigenen Kinder) ein Zugrunderichten meinerseits rechtfertigen.

  • Dann muss im Gespräch mit den Kollegen deutlich werden, dass das keine Bestrafung oder Geringschätzung ihrer Arbeit ist sonder im Gegenteil ein Versuch, die Kollegen zu entlasten und so die Gesundheitsfürsorge, die Du als Schulleitung hast, auch aktiv wahrzunehmen.

  • Ich bemerke in unserem Kollegium einen deutlichen Generationenwechsel, die jungen Kollegen/Innen wägen sehr deutlich ab,
    wann sie zusätzlich in der Schule sein möchten und wann nicht. Das sieht dann in der Quintessenz so aus, dass viele junge Kollegen nicht zu den freiwilligen Terminen kommen.
    Hier sind Privatleben und Hobbies wichtiger, die Schule ist ein Arbeitsort, an dem man nicht über die Pflicht hinaus verweilt.


    In der älteren Fraktion gibt/gab es bei Vielen die Einstellung, dass Schule mehr ist als ein Arbeitsort.


    Diesen Generationenwechsel wird man akzeptieren müssen.
    Wichtige Schulthemen müssen Pflichtthemen sein (mit entsprechender Anrechnung im Deputat), ansosnten sind sie für die Schule vielleicht doch nicht so wichtig.
    Dass du das nicht entscheiden kannst, auch nicht als SL ist mir klar.
    Aber du kannst durch die Verteilung der Poolstunden Prioriäten setzen.
    Alles andere ist Sache der Bildungspolitik. Und hier wird nur reagiert, wenn die Qualität nachlässt. Leider.

  • Bei uns ist genau umgekehrt. Die jungen Kollegen, v.a. die ohne Kinder, sind mehr engagiert. Die alten Hasen, die schon x Reformen und Konzepte durch haben, wägen sehr genau ab, was sie machen.

  • was ist denn das "Liebgewordene"? Sind das nice-to-haves? Oder sind das essentielle Bestandteile des Schullebens?

  • Dann muss im Gespräch mit den Kollegen deutlich werden, dass das keine Bestrafung oder Geringschätzung ihrer Arbeit ist sonder im Gegenteil ein Versuch, die Kollegen zu entlasten und so die Gesundheitsfürsorge, die Du als Schulleitung hast, auch aktiv wahrzunehmen.

    Das ist aber erfahrungsgemäß ein klassischer Fall von "Ich erkläre es Ihnen gerne ein drittes Mal, aber verstehen müssen Sie es schon selbst." Kinderaugen, you know... wobei, ich bin seit einem dreiviertel Jahr fest mit in unserer Grundschulgruppe. Ist schon was dran an der Sache mit den leuchtenden Kinderaugen, das kann man nicht leugnen.

    The pen is mightier than the sword.

    - Edward Bulwer-Lytton

  • Ich bin die Schulleitung... und muss Projekte kappen, an denen die Kollegen hängen, weil wir sie nicht langfristig stemmen können...

    Ich kann dich voll verstehen, aber das gehört zum Job als Schulleitung :uebel: Ich versuche solche Dinge mittlerweile sehr pragmatisch zu sehen und das auch so zu kommunizieren. Du hast als Schulleitung eine (Mit-)Verantwortung deinen Kollegen gegenüber, was die Belastung der Einzelnen angeht. Auch wenn die Rahmenbedingungen schlecht sind, kannst du bei der Stunden-/Klassenverteilung versuchen, die Belastungen gleichmäßig zu verteilen. Und transparent sein und wertschätzend kommunizieren, dass einfach Projekte gekappt werden müssen, weil ihr sie langfristig nicht stemmen könnt. Als Tipp kann ich dir nur geben, nicht selbst (vorm Kollegium) in Jammern zu verfallen, fruchtlose Diskussionen zu vermeiden und versuchen, trotzdem eine positive Einstellung an den Tag zu legen - auch wenn es schwer fällt. Negative Stimmung ist genauso übertragbar wie positve Stimmung, auch wenn das mit dem positiv Denken echt schwerer ist. Darüber hinaus fällt mir zum "personellen Limit" nur ein, dass du dir als Schulleitung diesbezüglich ein dickes Fell zulegen solltest. Versuch einerseits zu akzeptieren, dass die Situation ist, wie sie ist und versuch das Beste daraus zu machen. Andererseits hilft manchmal ein langer Atem, werde ein bisschen unbequem bei den Verantwortlichen, nerve immer wieder freundlich, aber bestimmt rum und lass nicht locker. Das ist anstrengend und zehrend, aber du glaubst gar nicht, was manchmal doch noch alles möglich ist, wenn man nur hartnäckig genug ist. Und dabei immer nett, freundlich und grundsätzlich kooperativ bleibt :engel:

    Sei immer du selbst! Außer, du kannst ein Einhorn sein - dann sei ein Einhorn! :verliebt:

  • Erstmal Danke für eure Antworten.
    Ich habe beschlossen, wir machen das jetzt häppchenweise...
    Wir haben in den nächsten 2 Jahren ohnehin einen Kollegiumstausch durch viele Pensionierungen, da schiebe ich manche Dinge so, dass zumindest die Herzblut-Projekte derer, die mit viel persönlichem Engagement erarbeitet wurden, erst nach deren Weggang gekappt werden.
    Ich will inhaltlich nicht zu sehr ins Detail gehen, muss ja kein Kollege über ein Forum erfahren, dass er/sie gemeint ist...

  • Ich verstehe die Frage nicht. Wenn ältere KollegInnen "mit Herzblut" Projekte betreiben, wieso sollen die aufgegeben werden? Können nicht Theatergruppen und Schulfeste stattfinden, wenn jemand freiwillig sowas macht?


    Ein Kollegium lebt doch davon, dass es für jedes Thema eine Spezialistin gibt, oder zumindest einen, der es werden möchte. Ich wette, bei den jungen Nachrückern wirst du jemanden finden, der/die mit Begeisterung Inklusionskonzepte schreibt oder DaZ-Material verwaltet etc.


    Unsere SL hat das Talent, die Aufgaben immer genauso zu verteilen, dass alle unzufrieden sind. Dann muss man sich nicht wundern, dass sich alle ausgebremst fühlen. Ich würde als SL mit den KollegInnen reden. Die sollen die Aufgaben doch managen. Transparenz: das müssen wir, das können wir. Wer will was machen?

  • Ich verstehe die Frage nicht. Wenn ältere KollegInnen "mit Herzblut" Projekte betreiben, wieso sollen die aufgegeben werden? Können nicht Theatergruppen und Schulfeste stattfinden, wenn jemand freiwillig sowas macht?

    So einfach ist nicht. Die Schulleitung hat auch dann die Pflicht (Fürsorgepflicht !) zu intervenieren, wenn Lehrkräfte ihre Leistungsgrenzen erkennbar überschreiten, auch wenn sie dies "freiwllig" tun. Und es sollte klar sein, dass das Kerngeschäft von Schule (v.a. der Unterricht) nicht darunter leiden darf, dass sich Lehrkräfte in anderen schulischen Bereichen so verausgaben, dass sie z.B. für ihr Kerngeschäft zu wenig Zeit haben oder ihre Gesundheit gefährden. Hier MUSS die SL sogar einschreiten!


    Gruß !

  • Dir ist aber schon auch klar, dass du mit 25x45 min. Unterricht minus 14 Ferienwochen im Jahr nicht auf 40 Arbeitsstunden kommst.


    Deswegen auch meine Frage, was genau das Problem ist.

  • Dir ist aber schon auch klar, dass du mit 25x45 min. Unterricht minus 14 Ferienwochen im Jahr nicht auf 40 Arbeitsstunden kommst.

    Wie träumst du dir eigentlich deine "14 Ferienwochen" zusammen? Das durchschnittlice Schuljahr hat 40 Unterrichtswochen, und von den verbleibenden 12 Ferienwochen kann man locker 1 Woche abziehen, da es sich um gesetzliche Feiertage handelt. Also eher 11 "echte" Ferienwochen pro Jahr.

    Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

  • Dir ist aber schon auch klar, dass du mit 25x45 min. Unterricht minus 14 Ferienwochen im Jahr nicht auf 40 Arbeitsstunden kommst.


    Deswegen auch meine Frage, was genau das Problem ist.

    Verstehe ich auch nicht. Die 160 Abschlussprüfungen in meinem Arbeitszimmer gebe ich dann mal zurück. Ich mache jetzt auch eine Klatsch-AG auf :top:

  • ... Ich mache jetzt auch eine Klatsch-AG auf :top:


    :lach: Ich bin dabei!


    Nein, bitte nicht die wer-arbeitet-am-meisten-Debatte anleiern. Ich weiß, wie anstrengend meine Arbeit ist.


    Allerdings würde ich mich wundern, läse ich über meine Projekte den Satz "ich warte bis sie tot, äh pensioniert ist, dann mach ich ihre überflüssigen Projekte dicht" gepaart mit dem etwas zusammenhanglosen Übergang von Mikael, der SL habe eine Fürsorgepflicht.


    Es gibt nämlich noch ein Zwischending zwischen 13 Uhr die Tür zufallen lassen und Aufopferung bis zum Herzzentrum. Die meisten KollegInnen mögen ihre Arbeit und das sollte man nicht zerstören. Ich erwarte jedenfalls von einem guten Schulleiter, dass er die Fähigkeiten und Wünsche der Kollegen berücksichtigt. Jegliches dran vorbeiplanen bringt Unmut und lässt Kräfte versickern.

  • Ich muss mich bei Schantalles Argumentationen auch zurückhalten, sehe aber, dass mein Problem hier durchaus bei einigen auf Verständnis stößt.
    Ein Schulfest wird auch leider nicht nur von einem vorbereitet, das muss schon von allen mitgetragen werden.
    In der Grundschule hast du 29x45 minuten, nicht 25. Zudem 2 unbesetzte Stellen und wegen Personalmangel keine Aussicht auf Personal... Toll, dass dann ein paar noch können und wollen und hier schreien, wenn die dann aber genau in der heißen Phase eines Projekts schwnger werden, etc. muss jemand anders einspringen. Und den haben wir nicht mehr, denn der Personalangel plus höhere Klassenteiler plus schwierigeres Klientel verheizt jetzt schon die verbliebenen Kollegen.
    Mir nützen keine 10 tollen Projekte, wenn sich dann übers Jahr verteilt täglich 2-3 krank melden. DAS verheizt. Aber genau für den Unterricht brauche ich die Kollegen, nicht für Heckmeck (auch wenn er toll ist und wichtig und strahlende Augen erzeugt und tolle Presse und noch tollere Familienfotos...) Es geht nicht mehr.

  • Du tendierst dazu , das Wort im Mund zu verdrehen. Und es ist doch besser, ich mache die AG dicht, wenn du tot bist als sie als Todesstoß für dich abzuschaffen.

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