Sexismus und sexuelle Belästigung im Umfeld Schule

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  • Sexismus und sexuelle Belästigung im Umfeld Schule

    Hallo in die Runde!

    Ich habe gerade als Vertretungslehrer in Schleswig-Holstein gearbeitet und arbeite jetzt an einer, wie ich finde, sehr sehr wichtigen Geschichte:

    Journalistinnen und Schauspielerinnen berichten öffentlich über sexuelle Übergriffe - auch in Deutschland. Wir von Krautreporter, einem unabhängigen, digitalen Magazin, möchten denen Gehör verschaffen, die sonst keine öffentliche Bühne bekommen. Mit euren Geschichten wollen wir zeigen, dass es in jedem Arbeitsbereich zu sexuellen Übergriffen und Sexismus kommt. Wurdet ihr von Kollegen, Eltern oder Schülern im Umfeld Schule sexuell belästigt oder benachteiligt? Mach mit bei der Umfrage: krautreporter-magazin.typeform.com/to/LPxXGN

    Wir behandeln alle Daten vertraulich und anonym!

    Liebe Grüße

    Bent Freiwald
  • Bent Freiwald schrieb:

    Wurdet ihr von Kollegen, Eltern oder Schülern im Umfeld Schule sexuell belästigt oder benachteiligt?
    Als ich Zivildienstleistender war, war die Oberschwester (sorry, heißt heute ja "regionale Pflegedienstleitung"), daß Männer in einer Kinderklinik nichts zu suchen hätten. Die Männer, die sich sowas als Krankenpfleger freiwillig antun, würden das nur machen um sich an den Knirpsen vergreifen zu können. Entsprechend hatten wir auch nur einen Krankenpfleger. Der wurde eingestellt, als die Oberschwer gerade in Kur war.

    Ich als Zivi hatte auf der Kinder-Intensivstation meine Ruhe, als besagte Oberschwester kapiert hatte, daß ich nicht freiwillig da Dienst geschoben habe.

    --> Das ist auch der Grund, warum ich nie und nimmer in einer Grundschule unterrichten wollen würde. Gespräche mit Schülerinnen finden nur im Sekretariat statt. Ich will da Zeugen haben. Habs im Ref. miterlebt, wie sie einem Kollegen etwas anhängen wollten, was sich gottseidank vor Gericht letztlich nicht bewahrheitet hat.
  • Mir sind aus der Beratung natürlich viele Fälle bekannt, die ich allerdings ebenso natürlich nicht weiter geben werde.

    Ich erinnere mich auch noch gut an die Zeit als Referendarin und die Gespräche darüber, bei wem man grundsätzlich nur im Rollkragenpullover auftauchen sollte. Ätzend.

    Hier im thread im öffentlichen Forum werden sich ja dann auch eher die zu Worte melden, denen nichts bekannt ist, was nachvollziehbar ist in Anbetracht der Tatsache, wie schwer es den betroffenen Kolleginnen fällt, sich an überhaupt jemanden zu wenden: seltsamer(?)weise liegt die Scham ja immer bei der/dem Betroffenen und nicht beim Täter, ganz besonders im Umfeld Schule, wo KollegIn dann der flächendeckenden Kommentierung durch Pubertierende frei gegeben ist, wenn das durchsickert. Das ist ein ganz besonders schwieriges Umfeld um über solche Dinge zu sprechen oder sie ernsthaft proaktiv in Angriff zu nehmen:

    In Zweifelsfall musst du noch Jahre mit dem Kollegen (oder dessen Freunden im Kollegium) zusammenarbeiten. Du könntest isoliert werden, Opfer von Gerüchten, keine Unterstützung mehr erfahren. Der Übergriffige könnte aus Rache Andeutungen bei den Schülern machen, die so etwas immer hoch spannend finden und via (a-)soziale Netzwerke flächenbrandartig verbreiten - damit bekommst du in den Klassen keinen Fuß mehr auf den Boden, egal wie der Wahrheitsgehalt wirklich ist. Die Beweislast liegt bei dir, wenn du es nicht hinbekommst, bist du auf Jahre die Geächtete und wenn du es hinbekommst, bist du trotzdem auf Jahre Gesprächsthema auf eine Art und Weise, die dir in der Schule nun wirklich nicht weiterhilft bei der Arbeit.
    Das sind so einige der (berechtigten) Ängste, die viele dazu treiben, die disziplinarischen oder offiziellen Schritte dann doch nicht zu gehen und lieber einen Versetzungsantrag zu stellen.

    Vielleicht weicht dieses Gefühl des Alleingelassenseins langsam auf.
    Was ganz sicher kein Zufall ist, ist dass vor ein paar Monaten alle hessichen Schulen aufgefordert wurden, Konzepte zu entwickeln: kultusministerium.hessen.de/si…exuellen_uebergriffen.pdf
    WE are the music-makers, and we are the dreamers of dreams,
    World-losers and world-forsakers on whom the pale moon gleams
    yet we are the movers and shakers of the world for ever, it seems.
  • Bent Freiwald schrieb:

    Wurdet ihr von Kollegen, Eltern oder Schülern im Umfeld Schule sexuell belästigt oder benachteiligt?
    Klar. Leider.

    Im Ref hat mir der Hausmeister an den Po gegriffen, später noch ein Kollege. Zwei Kollegen haben versucht mich betrunken abzuknutschen. Und ich habe noch einen Spruch vom SL: Ich stelle keine gutaussehenden Kollegen mehr ein, sonst hab ich bei dir keine Chancen mehr... Mehr fällt mir spontan nicht ein.
  • Sexuell belästigt wäre vllt. zu viel gesagt, eher unangenehmes Ereignis. Mir ist mal folgendes passiert:

    Als junge Lehrerin (28) stand ich gerade in BH und Unterhose in einer Lehrerumkleidekabine der Sporthalle und zog gerade das T-Shirt über den Kopf, als plötzlich eine junger Lehrer aus der benachbarten Hauptschule reinkam, meinte: "Wir sind ja beide erwachsen, ich zieh mich bei dir um" und ließ die Hüllen fallen.

    Wir hatten immer parallel Sport und es gab da auch genug andere Lehrerkabinen. Ich war völlig überrascht und konnte gar nichts sagen. Würde mir heute sicher nicht mehr passieren.
    Dieser Mensch gehörte nicht direkt zu meinem Kollegium, wir kannten uns nur vom Sehen. Ich habe dann immer abgeschlossen, weil ich das doof fand, auch den SuS gegenüber.
    Wie ist das bei euch? Ziehen sich da alle Lehrer gemeinsam um?
  • lamaison2 schrieb:

    Wie ist das bei euch? Ziehen sich da alle Lehrer gemeinsam um?
    Kenne ich nur aus der Zivi-Zeit in der Umkleide für die Intensiv-Station. Da war es allerdings genau andersrum. Da wir nur einen Quotenpfleger hatten (siehe oben), war in der Herrenumkleide praktisch alles leer, während bei den Damen die Schränke vierfach belegt waren. In der Folge zogen dann einige Kolleginnen in die Herrenumkleide um, weil der eigene Schrank dann doch wichtiger war.

    Als ich in der Herrenumkleide war und sie reingekommen sind... ok, ich könnte jetzt andersrum auch motzen, aber war mir egal. Wer gucken will, hat halt Pech gehabt.

    Einige Wochen später andersrum. Ich komme in die belegte Herenumkleide, sehe die Situation, schließe wieder die Tür und warte auf dem Flur.
    Ergebnis: Kriegst noch einen Spruch reingedrückt, weil du als Mann eben nicht reingegangen bist.

    Fazit: Wie man es macht, macht Mann es falsch.


    Ach und: Die Kolleginnen bei uns an der Berufsschule haben den PlayGirl-Kalender aufm Klo hängen. So what?
  • Ja, das ist eine gerade ganz moderne Haltung, die recht offensiv vor sich hergetragen wird. Leider auch immer gerne von den missverstandenen Pogreifern, Bedingungenstellern und "ach hab dich doch nicht so, wir sind ja erwachsen"-Auslegern.

    Die Fälle, von denen ich rede, sind aber keine "ich-Armer-war-mal-kurz-in-der-Umkleide-und-wurde-total-missverstanden"-Fälle. Die spielen in einer ganz anderen Liga. Und genau deshalb werden sie meist auch nicht nach außen getragen. Sie sind durchaus lebensqualitäts- und gesundheitsschädigend, und einer der Gründe, warum das so ist, ist auch, dass in der ganzen Übergriffigkeitsdebatte viele die Ebenen nicht sortiert bekommen und es für Betroffene immer noch ganz dünnes Eis ist.
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  • Für MICH fällt es unter Sexismus, einige meiner KollegInnen finden es "nachvollziehbar", wenn ich es erzähle (sogar am meisten die Frauen...).
    Ich bin im Ref, mitte 30, in einer festen Beziehung am Schulort (bekannt), kinderlos, habe ein Fach, was sogar an der Schule Mangelfach war. Spruch der Schulleitung beim lockeren Weihnachtsessen "Ach, Frau Chili, Sie würde ich leider nicht einstellen, Sie müssen es schon verstehen, eine kinderlose mitt-30-jährige in fester Beziehung? nee, das kann ich zur Zeit echt nicht gebrauchen" (Hintergrund: in dem Schuljahr hatten wir zwischen Schuljahresbeginn und Weihnachten 5 Stundenplananpassungen aufgrund von Mutterschutz, Elternzeit- und Elternzeitrückkehr gehabt. Einige Kolleginnen und zwei Männer waren auch in Elternzeit... Also das, was in einem jungen Kollegium üblich ist.)
    Die Frau hat 3 Jahre später aber echt doof geguckt, als sie mich immer wieder getroffen hat (wir wohnen nicht mehr am Ort, ich bin aber zu vielen Schulveranstaltungen ehemaliger SchülerInnen gefahren), ich immer noch kein Kind bzw. schwanger und sie gerade eine weitere Kollegin vom Fach wegziehen lassen musste und sie mich fragte, ob ich doch nicht an ihre Schule möchte... Ach, habe ich übrigens erwähnt, dass diese Frau kinderlos ist?!
  • Wir hatten mal einen Schüler, der Mitschülerinnen sexuell belästigt hat. Er bekam sofortiges Hausverbot vom Schulleiter und wurde schließlich von der Schule ausgeschlossen.

    Weiterhin waren in unserer Turnhalle vorrübergehend Flüchtlinge untergebracht, die laufend unseren Schülerinnen nachstellten. Das ging soweit, dass schließlich Polizei-Präsenz nötig war und bald darauf wurden die Flüchtlinge dann auch anderswo untergebracht.
  • chilipaprika schrieb:

    "Ach, Frau Chili, Sie würde ich leider nicht einstellen, Sie müssen es schon verstehen, eine kinderlose mitt-30-jährige in fester Beziehung? nee, das kann ich zur Zeit echt nicht gebrauchen" (Hintergrund: in dem Schuljahr hatten wir zwischen Schuljahresbeginn und Weihnachten 5 Stundenplananpassungen aufgrund von Mutterschutz, Elternzeit- und Elternzeitrückkehr gehabt. Einige Kolleginnen und zwei Männer waren auch in Elternzeit... Also das, was in einem jungen Kollegium üblich ist.
    Ähnliches kenne ich aus der Wirtschaft. Da heißt es in vielen Betrieben: Wir stellen Frauen erst abe einem Alter von 38 ein, weil dann das Thema "Kinder" zumeist durch ist. Ist zwar verboten, wird so aber gemacht.

    Wobei es ander Schule, an die ich abgeordnet wurde, gerade andersrum läuft. Bei der Stundenplanung für dieses Schuljahr hatten sie noch eine Unterdeckung von 3 Stellen. Jetzt haben sie 12 Kollegen zuviel, weil die alle aus der Elternzeit zurückgekommen sind und/oder von Teil- auf Vollzeit aufgestockt haben, von wegen Lehrermangel und so. Werd so einen spontanen Überhang von 20% (das Kollegium umfaßt nur 60 Personen) mal los. Da ist jetzt das Hauen und Stechen zwischen denen, die weg wollen aber nicht dürfen (Mangelfächer) und denen, die weg sollen aber nicht wollen.