Grundschullehramt - Wirklich so ein Burnout-Job?

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    • MrsPace schrieb:




      Der Unterricht muss gut sein, nicht perfekt. Die Klausuren müssen zeitnah, aber nicht morgen zurückgegeben werden. Lehrwerke gibt es nicht ohne Grund. Man muss nicht für jede Stunde ein Arbeitsblatt erstellen. Man wird nicht die Welt retten können. Die eigenen Ansprüche an sich selbst zurückschrauben.
      Nun, wir haben für genau 3 Fächer Lehrwerke. Ma, Deutsch und Englisch. Der Rest (Sachunterricht, Religion, Theater, Sport, Musik und Kunst) muss ohne auskommen. Da man alles unterrichten muss, kann man da schnell an seine Grenzen kommen.
    • MrsPace schrieb:


      Und wenn Familie/Freunde/Bekannte mal wieder auf die freien Nachmittage im Schwimmbad oder die 14 Wochen Ferien verweisen: Hey, Augen auf bei der Berufswahl. Sie hätten doch auch Lehrer/in werden können oder könnten eventuell noch einen Seiten- oder Quereinstieg machen... Wenn das so ein toller Beruf mit soviel Freizeit ist, was hindert sie dann daran?!
      Habsch gestern genauso gemacht. Und damit erfolgreich einen Unsympathling vertrieben. :P
      Be happy for this moment. This moment is your life.
    • Funktioniert fast immer, weil die Leute dann entweder Blödheit oder Nichteignung eingestehen müssten oder aber dann die Schattenseiten des Lehrerberufs anführen müssten, womit die "14 Wochen" dann ja sozusagen ausgeglichen werden.
      Gruß
      Bolzbold



      Ich bin ein Ar***, und deswegen konnte ich nur Lehrer werden.
    • Bolzbold schrieb:

      Funktioniert fast immer
      Also meine Techniker sind auch so drauf. Wenn ich denen dann antworte: "Wenn ihr hier fertig seit, könnt ihr gleich als Werkstattlehrer anfangen, Studium überflüssig", kommt als Antwort nur, daß sie derweil netto mehr verdienen als wir, also sogar a13 für sie finanziell nicht interessant ist, und rechnen das dann auch vor.

      Da frage ich mich dann jedes Mal warum ich überhaupt studiert habe? Und ja, da sollte man dann doch einmal bei der Besoldung wohl mal ordentlich drauflegen, also keine 300,- € Trostpflaster für Brennpunktschulen sondern richtig, also +20% oder so für alle.
    • plattyplus schrieb:

      Also meine Techniker sind auch so drauf. Wenn ich denen dann antworte: "Wenn ihr hier fertig seit, könnt ihr gleich als Werkstattlehrer anfangen, Studium überflüssig", kommt als Antwort nur, daß sie derweil netto mehr verdienen als wir, also sogar a13 für sie finanziell nicht interessant ist, und rechnen das dann auch vor.
      Da frage ich mich dann jedes Mal warum ich überhaupt studiert habe? Und ja, da sollte man dann doch einmal bei der Besoldung wohl mal ordentlich drauflegen, also keine 300,- € Trostpflaster für Brennpunktschulen sondern richtig, also +20% oder so für alle.
      Ich mache gerade Familienbesuch. Wenn man als Handwerker in einer vernünftigen Firma ist, kann man über A13 (und auch A15) nur müde lächeln. Ein bekannter hat zwar Abi, dann aber eine Ausbildung und Meister dran. Er ist Anfang 20, verdient jetzt als angestellter locker das Netto Äquivalent von A13 und die Steigerungen mit den Jahren sind deutlicher. Üppig bezahlte Überstunden an Feiertagen etc. kommen noch dazu.
    • plattyplus schrieb:

      Also meine Techniker sind auch so drauf. Wenn ich denen dann antworte: "Wenn ihr hier fertig seit, könnt ihr gleich als Werkstattlehrer anfangen, Studium überflüssig", kommt als Antwort nur, daß sie derweil netto mehr verdienen als wir, also sogar a13 für sie finanziell nicht interessant ist, und rechnen das dann auch vor.
      Da frage ich mich dann jedes Mal warum ich überhaupt studiert habe? Und ja, da sollte man dann doch einmal bei der Besoldung wohl mal ordentlich drauflegen, also keine 300,- € Trostpflaster für Brennpunktschulen sondern richtig, also +20% oder so für alle.

      state_of_Trance schrieb:

      Ich mache gerade Familienbesuch. Wenn man als Handwerker in einer vernünftigen Firma ist, kann man über A13 (und auch A15) nur müde lächeln. Ein bekannter hat zwar Abi, dann aber eine Ausbildung und Meister dran. Er ist Anfang 20, verdient jetzt als angestellter locker das Netto Äquivalent von A13 und die Steigerungen mit den Jahren sind deutlicher. Üppig bezahlte Überstunden an Feiertagen etc. kommen noch dazu.
      Dies muss man sich immer wieder vor Augen halten, wenn die Schulleitungen oder überengagierte Kolleginnen Streß machen oder man sich gar selber Streß macht, weil man perfektionistisch ist. Im Endeffekt wird man hier als studierter Mensch als ziemlich günstige Arbeitskraft eingesetzt (verheizt?).
      Wichtig ist also, gerade als Lehrer, für psychischen Ausgleich zu sorgen. Der Gedanke, dass manch ein Lehrer ebenso schuftet wie ein Handwerksmeister, aber weniger verdient (unbedingt Studienzeit / Studienkredite mit verrechnen!), kann schon auf Dauer zermürben.
      Ich denke eine wichtige Burnout-Propyhlaxe ist deshalb das "gehaltsangemessene Arbeiten". Man sollte sich bei vielen Gelegenheiten rauszuziehen und viele Prozesse gezielt entschleunigen oder den Aufwand verschlanken. Ein Studium hinzulegen und sich durch ein Referendariat zu quälen mag sich finanziell nicht auszahlen und das kann man eben auch nicht durch besonders guten Unterricht und Engagement wettmachen, um dann nämlich eine Gehaltserhöhung zu fordern. Aber wenn man es richtig darauf anlegt, dann lohnt sich der Beruf wegen nutzbarer Freiräume für die Work Life Balance, wenn eben schon nicht für den finanziellen Aufstieg. Man muss da als Kollegium aber zusammenstehen und das vermisse ich zum Teil: Es gibt in vielen Kollegien so aus dem Rudel gelaufene Spiralen, oft gezielt durch die Schulleitung in Gang gesetzt. Und dann denkt nachher jede Kollegin, man müsse doch aber noch dies und das anbieten, alles ganz ausführlich und akribisch machen. Und dann wird gearbeitet und geschuftet und sich gegenseitig mit Engagement und zusätzlichen Projekten übertrumpft. Das setzt dann einen Standard und der Stress und die Burnout Spirale geht los. Dann wird die Schere zwischen geleisteter Arbeit und Alimentierung immer größer! (Der Dienstherr freut sich!)
      Da muss es vollkommen reichen mittelmäßig engagiert zu sein (Dienst nach Vorschrift ist ja immer sooo negativ besetzt). Lieber Zeit investieren um Hobbies zu pflegen.
      Die Schule nur so nebenher laufen lassen. Ich glaube mit einem soliden Freizeitverhalten schafft man es auch deutlich besser Resilienz gegenüber den psychischen Belastungen des Schullalltags zu entwickeln.
      Meine ganz klare Empfehlung: Studiere Grundschullehramt nur, wenn Du es schaffst gehaltsangemessen zu arbeiten und Du Dich nicht von Kolleginnen und Schulleitung mit in den Sog ziehen lässt.
      Mache deine Arbeit solide, aber brenne nicht dafür. Das was zählt ist Dein Urlaub, Deine Freizeit, die Schule ist nur ein (mittelmäßig bezahlter) Job, in dem hervorragender Unterricht, akribische Korrekturen und Engagement rund um die Uhr nicht im geringsten honoriert werden und im Endeffekt nur Ressourcen (Zeit) fressen, die man besser in Gesunderhaltung stecken sollte.
      Für alle, die eine gute Work Life Balance haben wollen und bereit sich da gezielt etwas für zu tun, kann der Job echt schön sein. Wenn man jemand ist, der möchte, dass seine eigene Leistung und seine Überdurschnittlichkeit entsprechend gewürdigt wird, der suche sich besser etwas in der freien Wirtschaft.
    • Hannelotti schrieb:

      Dann darf der Handwerker aber auch gerne den Lehrer fragen, ob er nicht umschulen will auf Handwerk, wenns da so toll ist ;)
      Wenn man bereits studiert und das Ref hinter sich hat, ist der Zug ja auch abgefahren

      Dem Beitrag von Firelilly kann ich in diesem Fall wirklich nur zustimmen. Und um nochmal die Brücke zu schlagen zu anderen Themen, die Sommerferien sind ein großer Luxus und die letzte Woche werde ich daher auch noch ausgiebig genießen.
    • Firelilly schrieb:

      Dies muss man sich immer wieder vor Augen halten, wenn die Schulleitungen oder überengagierte Kolleginnen Streß machen oder man sich gar selber Streß macht, weil man perfektionistisch ist. Im Endeffekt wird man hier als studierter Mensch als ziemlich günstige Arbeitskraft eingesetzt (verheizt?).
      Ich rechne in BWL meinen Schülern bzw. Azubis immer vor, was man so insg. im Leben verdient. Grundvoraussetzung bei allen ist Single = Steuerklasse 1.

      Am extremsten ist es bei den Maschinen- und Anlagenführern. Dabei handelt es sich um eine zweijährige Kurzausbildung, die nur deswegen eingeführt wurde, weil wir heute Schulpflicht bis 18 haben. Früher wurden die einfach 2-3 Wochen angelernt und fertig.
      • Maschinen- und Anlagenführer: Arbeitszeit bis zur Rente: 49 Jahre, 13 Monatsgehälter, 1600,- € netto (ja, soviel bekommen die echt): Lebenseinkommen: 1.020.000,- €.
      • Lehrer (a13): Arbeitszeit bis zur Pension: 35 Jahre, 12 Monatsgehälter, 2500,- € netto nach Krankenkasse: Lebenseinkommen: 1.050.000,- €
      Mit dem Studium und dem ganzen Kram haben wir also am Lebensende ganze 30.000,- € mehr verdient als eine ungelernte Kraft, die in einer Brauerei die Etiketten in die Maschine nachfüllt.

      Ich rechne bei mir immer mit "netto nach Krankenkasse", weil die Krankenkasse bei den Angestellten und Arbeitern ja schon runter ist, ich sie aber vom "gesetzlichen Netto" noch voll zahlen muß. Von wegen Vergleichbarkeit.
    • @Firelily
      Im Prinzip hast du Recht mit deinen Aussagen. Das Thema der Work Life Blance ist ein Dauerbrenner in Fortbildungen und Supervisionssitzungen. Und dennoch haben wir alle keine akzeptable, nachhaltige Lösung dafür gefunden. Mir und uns, die sich darüber Gedanken machen, ist das sehr wohl bewusst. An kleinen Stellschrauben kann man arbeiten, aber nur da.
      Den Herausforderungen - hier wurden einige aufgezählt - muss man begegnen, schon aus Selbstschutz. Hervorragender Unterricht muss nicht in allen Fächern sein, wenn man mal im Job drin ist, das schafft man auch gar nicht. Was stresst, sind andere Dinge, die einfach da sind.
      Wenn man in der Grundschule nur die absolute Pflicht macht - und das sind eher die unangenehmen Aufgaben - dann macht das keinen Spaß mehr.
      Ganz wichtig ist in der Grundschule die Lehrer- Schülerbeziehung. Die Kinder sollen gerne in die Schule gehen, sich wohlfühlen und damit auch Freude am Lernen haben. Da ist der Klassenlehrer auch neben seines Unterrichts gefragt - das Gesamtpaket macht es eben in der Grundschule. Das ist für die Grundschüler (und Eltern) ein wichtiges Kriterium.
      Wie soll man eine gute Lehrer- Schülerbeziehung aufbauen, wenn man den Beruf nur als Job sieht?
    • plattyplus schrieb:

      state_of_Trance schrieb:

      die Sommerferien sind ein großer Luxus
      Blöd nur, wenn Du mal im Februar Urlaub brauchst. Da würdest auch sagen: "Urlaub dann nehmen zu können, wann es dem Arbeitnehmer paßt, ist ein großer Luxus."
      Das wiederum stimmt, habe ich ja auch schonmal erläutert. Aber trotzdem sind die vielen Ferien nicht zu verachten.
    • plattyplus schrieb:

      Firelilly schrieb:

      Dies muss man sich immer wieder vor Augen halten, wenn die Schulleitungen oder überengagierte Kolleginnen Streß machen oder man sich gar selber Streß macht, weil man perfektionistisch ist. Im Endeffekt wird man hier als studierter Mensch als ziemlich günstige Arbeitskraft eingesetzt (verheizt?).
      Ich rechne in BWL meinen Schülern bzw. Azubis immer vor, was man so insg. im Leben verdient. Grundvoraussetzung bei allen ist Single = Steuerklasse 1.
      Am extremsten ist es bei den Maschinen- und Anlagenführern. Dabei handelt es sich um eine zweijährige Kurzausbildung, die nur deswegen eingeführt wurde, weil wir heute Schulpflicht bis 18 haben. Früher wurden die einfach 2-3 Wochen angelernt und fertig.
      • Maschinen- und Anlagenführer: Arbeitszeit bis zur Rente: 49 Jahre, 13 Monatsgehälter, 1600,- € netto (ja, soviel bekommen die echt): Lebenseinkommen: 1.020.000,- €.
      • Lehrer (a13): Arbeitszeit bis zur Pension: 35 Jahre, 12 Monatsgehälter, 2500,- € netto nach Krankenkasse: Lebenseinkommen: 1.050.000,- €
      Mit dem Studium und dem ganzen Kram haben wir also am Lebensende ganze 30.000,- € mehr verdient als eine ungelernte Kraft, die in einer Brauerei die Etiketten in die Maschine nachfüllt.

      Ich rechne bei mir immer mit "netto nach Krankenkasse", weil die Krankenkasse bei den Angestellten und Arbeitern ja schon runter ist, ich sie aber vom "gesetzlichen Netto" noch voll zahlen muß. Von wegen Vergleichbarkeit.
      Aber es ist mMn ein großer Unterschied ob man ein Leben lang mit 1.600€ netto auskommen muss oder ob man mit längeren Ausbildungszeiten (Oberstufe, Studium) halt quasi in ein höheres Monatsgehalt investiert, von dem man sich halt auch mal was leisten kann (Urlaub, Hobbies,...)

      Wo verdient man als Lehrer nur 2.500€ netto?! Ich bin nun acht Jahre im Geschäft und verdiene gut 3.200€ netto (nach Krankenkasse)...
    • MrsPace schrieb:

      Wo verdient man als Lehrer nur 2.500€ netto?! Ich bin nun acht Jahre im Geschäft und verdiene gut 3.200€ netto (nach Krankenkasse)...
      Kommt auf die Steuerklasse an. Ich zum Beispiel habe Steuerklasse 5, verdiene A12, letzte Gehaltsstufe und arbeite 25 von 28 Wochenstunden. Ohne Kindergeld und Kinderzulagen sind es ca. 2500 € nach angeblich 26 Dienstjahren (aber da wird irgendwie mein Studium teilweise mit angerechnet, kann gar nicht sein).

      Krankenkasse muss ich davon aber auch noch bezahlen, ca. 190 €.
      Be happy for this moment. This moment is your life.
    • Siehste, plattyplus, und du bist bestimmt viel jünger als ich. (offtopic: Hab ne doofe Blase am Daumen vom Zeug abschneiden im Garten und habe mir gestern echt überlegt, ob ich so ein Feuer mit Würstchen drauf mache, damit ich das Zeug nicht auch noch wegfahren muss. Aber jetzt habe ich es schon verpackt).
      Be happy for this moment. This moment is your life.
    • Conni schrieb:

      ...
      An manchen Tagen kam ich mir vor wie ein Busfahrer, der alle 20 Zentimeter anhalten muss, um etwas zu regeln, was sonst zu einer Gefährdung im Straßenverkehr führen würde und dann von der Leitstelle massiv dafür gerügt wird, dass er seinen Fahrplan nicht einhält.
      Es gibt keinen Unterrichtsfluss. Ich finde sowas sehr nervig und fange dann an, mich zu geistig zu langweilen.
      .. .
      Ich nehme mal diesen Teil raus, er fasst vielleicht ganz gut den Irrsinn des Alltags zusammen. Kann man sich daran gewöhnen, das als Hauptteil der Arbeit sehen? Oder wird die empfundene Belastung im Alter höher?

      Ich bewundere manchen Kollegen, der mit Ende 50 noch umherhüpft, das 30. Mal in die Zooschule geht oder Unterricht tatsächlich noch vorbereitet. Meine Schüler werden zwar nicht schlauer im Laufe der Jahre aber sie werden wenigstens älter. Aller 4 Jahre eine neue Erste stelle ich mir für mich extrem vor.

      Ja, dieser Lärm, das immer wieder neu loslegen, gepaart mit intellektueller Unterforderung. Das ist eine ungute Boreout-Grundlage...