Überfordert mit der aktuellen Situation in der 2. Klasse

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    • Überfordert mit der aktuellen Situation in der 2. Klasse

      Liebe alle

      Ich habe vor zwei Wochen eine Vertretungsstelle (100% als Klassenlehrerin) bis Ende Schuljahr in einer 2. Klasse übernommen. Die letzten zwei Wochen waren der reinste Horror. Die Kinder sind respektlos, können sich an keine unserer gemeinsam besprochenen Klassenregeln halten, schreien ständig hinein und prügeln sich z.T. während dem Unterricht (oder in der Pause/vor der Schule). Sie werfen Dinge durchs Schulzimmer und machen Gegenstände von anderen Kindern/von der LP kaputt.
      In der Klasse sind auch einzelne SuS die gerne mitmachen würden, nur leider gehen die total unter. 10 Kinder verhalten sich meiner Ansicht nach wirklich grenzwertig. In der Klasse ist es auch immer extrem laut, was mir und natürlich auch den Kindern langsam an die Substanz geht.

      Verschiedenste Dinge habe ich bereits ausprobiert: Lärmampel (= sie konnten sich nicht daran halten), Konsequenzen (in der Pause die versäumt Unterrichtszeit absitzen/nach der Schule länger bleiben, Strafaufgaben), Belohnungssystem (die SuS, die es wirklich gut machen, freuen sich sehr. Die Anderen interessiert es aber nicht wirklich, ob sie einen Stern bekommen oder nicht), in den Nebenraum/nach draussen versetzten (= der SuS kommt ständig wieder rein- ruft durch die Tür etwas ins Klazi); Elternanrufe/briefe/gespräche (Bei den meisten der Kinder ist die Erziehung zu Hause eine Katastrophe – die Kinder bestimmen/lassen sich nichts sagen. Die Eltern waren zwar einsichtig, bis jetzt hat es die Kinder aber herzliche wenig interessiert…). Ich habe auch schon ein Kind in eine andere Klasse versetzt. Den Schüler musste ich aber mit den Händen aus dem Klassenzimmer zerren und während ich weg war, hat der Rest im Schulzimmer randaliert…(ich finde es ehrlich gesagt schon grenzwertig, dass ich die Kinder so packen muss, damit sie tun, was ich sage…und es lässt sich auch überhaupt nicht mit meiner Art von Unterrichten vereinbaren…).

      Ich versuche, das Ziel der Lektion klar bekannt zu geben, den Unterricht zu rhythmisieren (mit Bewegungspausen/Spielen – es dauert aber jedes Mal ewig, bis das Spiel erklärt ist & die Hälfte der Klasse macht dann eh nicht richtig mit…) usw., leider bleibt der Erfolg aus.

      Mir macht das Unterrichten im Moment überhaupt keinen Spass, ich habe ständig Kopfschmerzen und schlafe sehr schlecht. Mit der Schulleitung habe ich bereits gesprochen, sie kennt die Klasse aber nicht und ich habe mich nicht wirklich ernst genommen gefühlt. Sie meinte, die SuS müssen sich noch an mich gewöhnen…aber ich finde nach 2 Wochen müsste mal eine Besserung ersichtlich sein.

      Da es sich um eine Vertretungsstelle handelt, kann ich diese laut Vertrag auch nicht künden (ich arbeite in der CH)
      Mit den besagten SuS habe ich auch schon mehrmals gesprochen & sie auch gefragt, weshalb sie sich so verhalten. Wirklich gute Antworten sind allerdings nicht gekommen („Ja, der Schüler X lenkt mich ab“; der Unterricht interessiert mich nicht; ich hasse die Schule usw.“)

      Ich bin echt am Ende mit meinem Latein. Ich komme am Morgen kaum aus dem Bett und bin nach der 1. Lektion schon fertig mit den Nerven…

      Hat jemand gute Tipps, was ich noch ausprobieren/ändern könnte? Vielen Dank für eure Antworten :) :D
    • puravida schrieb:

      .., ich habe ständig Kopfschmerzen und schlafe sehr schlecht. Mit der Schulleitung habe ich bereits gesprochen, sie kennt die Klasse aber nicht und ich habe mich nicht wirklich ernst genommen gefühlt. Sie meinte, die SuS müssen sich noch an mich gewöhnen…

      Lass dich krankschreiben.

      Um das zu präzisieren: du verausgabst dich gerade völlig für eine Gruppe, die du dann kennst, wenn deine Arbeitszeit vorbei ist. 2 Wochen reichen natürlich nicht zum Kennenlernen der Kinder.
      Und dein Chef weiß sehr wohl, was in den Klassen abgeht, hat aber keinen Bock oder keine Kraft dir zu helfen und du machst dich kaputt. Ich bin dafür, für alles, was Dauer hat eine Lösung zu finden. Hier würde ich sagen: diese Stelle hat keine Zukunft und ohne Schulleiter bist du praktisch aufgeschmissen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Krabappel ()

    • Nochmal mit der Schulleitung reden, sehr eindringlich werden (es ist eben NICHT besser geworden). Wenn die immer noch nicht unterstützend eingreifen will ... siehe Krabappel.

      Elternabend mit ALLEN Eltern. Die Eltern der braven Kinder können Dich dann gegenüber den anderen Eltern vehementer unterstützen.

      Andere Möglichkeit: Setzt Dich ans Pult und leg die Beine hoch ... kein Versuch, Unterricht zu machen, nur eingreifen, wenn Gefahr für ein Kind entsteht ... beim Ansatz der Sachbeschädigung deutlich darauf hinweisen, dass das nicht geht, aber nicht aufregen, es nicht an die eigenen Nerven lassen. Geht etwas kaputt (Dinge anderer Schüler) sollen das die Eltern der Krawallkinder mit den Eltern des geschädigten Kindes ausmachen - Du hast ja versucht, das Kind von der Sachbeschädigung abzuhalten, aber wenn die Kinder halt so schlecht erzogen sind, dass sie nicht hören ...
      Sollte Schuleigentum beschädigt werden, soll die Schule/der Sachaufwandsträger das mit den Eltern des Kindes regeln, Du hast ja versucht, etwas zu tun, aber zusätzlich zu dem oben genannten Aspekt hast Du auch keine Unterstützung durch die Schulleitung bekommen.
      Vielleicht wirken die Eltern mehr auf ihre Kinder ein, wenn es teuer wird.
      Wie gesagt, kein Unterricht machen, nichts anbieten (evtl. Gehörschutz mitnehmen). Evtl. wird es den Kindern dann sogar so langweilig oder selbst zu laut. Die braven Kinder werden heimgehen, die Eltern sich beschweren (bei Dir => an die Schulleitung verweisen. Bei der Schulleitung: dann setzt sich die vielleicht auch mehr ein. Bei den anderen Eltern: vielleicht unterstützen die Dich dann mehr).

      Zustand des Klassenzimmers (wenn Dinge geworfen / kaputt gemacht werden) mit Fotos dokumentieren, Bilder an Schulleitung und Eltern.

      Aber da ich keine Grundschullehrkraft bin, kann ich natürlich leicht reden - Grundschullehrkräfte sagen Dir vielleicht, dass meine Vorschläge Blödsinn sind ... Nur: Du hast ja eigentlich nichts zu verlieren, es kann nur besser werden.
    • Ich nehme an, es handelt sich um 8jährige Kinder. Wie groß ist die Klasse?

      So wie du das schilderst, sind die Kinder außer Rand und Band. Was sagen denn deine Kolleginnen zu der Klasse? Wurde die Klassenlehrerin plötzlich krank? Gab es schon vorher Probleme? Wie vorher schon geschildert wurde, hole dir vor Ort Unterstützung (Rektor z.B.) und befrage KollegInnen.

      Ansonsten ist mir aufgefallen:
      Du hast deine Methoden innerhalb von 2 Wochen sehr schnell gewechselt. Ich würde lange bei einer Methode bleiben und diese versuchen eher durch Konsequenzen durchzusetzen.

      So aus dem hohlen Bauch heraus, vielleicht kannst du etwas damit anfangen:

      Gut hilft bei kleinen Grundschülern:
      loben, loben, loben und zwar einzelne Kinder. Super, dass du das schon schaffst z.B.
      Wenn du mit Lob anfängst, wollen andere Kinder auch gelobt werden. Oder: Mal sehen, wer ....
      Wir hatten einmal einen Thread, da hat - ich meine Krabappel - die Lobstrategien gut zusammengefasst.
      Loben funktioniert besser als schimpfen oder nur strafen in diesem Alter. Mit loben kann man einige Mitläufer gut einfangen. Wenn du schwerpunktmäßig schimpfst, fühlen sich die Schüler abgelehnt und sie sehen dann keine Notwendigkeit, etwas für dich zu tun. Gerade in der Grundschule geht viel über die Beziehung.

      Dennoch wichtig: Sicher und bestimmt auftreten, keinen Zweifel daran lassen, dass du die Chefin bist. Konsequent auftreten. Wer Gegenstände herumwirft, malt ein Bild oder schreibt etwas - je nach Vermögen, warum das gefährlich ist - mit Unterschrift der Eltern. Die Kinder auf die Gefährlichkeit und Verletzungen hinweisen.

      Beim Spiel diejenigen bevorzugen und das äußern, die sich regelkonform verhalten haben. Die Störer müssen länger warten. Erst wenn sie sich ein Weilchen richtig verhalten haben, dann dürfen sie sich richtig beteiligen.

      Ruhige, reflektierende Einzelgespräche mit Kindern finde ich gut - Grundschüler wissen auf die Fragen "warum" keine vernünftige Antwort und sind schnell bei Schuldzuweisungen. Sie sollten vielleicht eher darauf zielen, warum etwas nicht gut ist und wie man das in Zukunft vermeiden könnte.

      Erziehung in der Grundschule ist eine langwierige Arbeit und das geht nicht von heute auf morgen. Ich habe meine neue 3. Klasse (vom Verhalten her allerdings normaler Standard) nach 7 Schulwochen so weit, dass die Klassenzimmerlautstärke und Arbeitslautstärke bei Unterrichtsphasen, wo man reden kann oder muss, sich reduziert hat - mit ständigen Reflexionen und Rückmeldungen. Es dauert!
    • Ich kann mich den Vorschreibern nur anschließen. In welchem Kanton arbeitest? Verlange Hilfe von der Schulleitung zum Beispiel Klassenassistenz oder einen Zivi (wir haben einen an der Schule).

      Viel Geduld....ich habe letztes Jahr über ein halbes Jahr "gekämpft" bis ich Ruhe in der Klasse hatte und ich hatte nur zwei Störenfriede.
    • Auch ich möchte dir zu einem Elternabend raten. Wenn du die Klasse bis zum Schuljahresende unterrichten sollst, möchten die Eltern dich vielleicht ohnehin gern kennen lernen und du kannst sie besser ins Boot holen. Im Moment ist für die Eltern auch durchaus noch nachvollziehbar, dass du nichts für die Situation in der Klasse kannst und du kannst es ihnen quasi noch mit dem Blick eines Außenstehenden beschreiben. Äußere auch Sorge über den Lernfortschritt der Klasse, wenn die Unterrichtszeit zum Großteil für basale Erziehung genutzt werden muss. Bereite ein kleines Schreiben vor, das die Situation beschreibt und in welchem du aufzeigst, was du erwartest. Das können auch die Eltern bekommen, die nicht auf dem Elternabend waren.
      Ohne dessen Ankündigung gibst du den Kindern dann einige Tage später Zettel mit, auf denen du ankreuzen kannst, wie sich das betreffende Kind an die Grundregeln hält. Manche Eltern sehen plötzlich Handlungsbedarf, wenn die Nachbarn angeben können, dass deren eigenes Kind einen Lobzettel mitgebracht hat.

      Deine Schulleitung sieht keinen Handlungsbedarf? Sprich die schlimmsten Situationen mit der Schulleitung durch und lass dir klare Verhaltensanweisungen geben. Frage deine Schulleitung nach Kriterien für Klassenkonferenzen, damit diese den Ernst der Lage begreift.

      Ansonsten kann ich mich Caro nur anschließen. Erziehung ist anstrengend und kostet Zeit für Einzelgespräche, fürs Organisieren von "Reflexionsarbeiten" etc.

      Ein kleiner Tipp noch:
      Spiele/Bewegungspausen können in solchen Klassen auch kontraproduktiv sein. Ungezogenen Kindern bieten sie zuallererst mal eine Plattform sich zu produzieren und schnell bist du in einer Situation in der du nur disziplinieren oder Regeln und Spielsituationen diskutieren musst.


      :rose: Alles Gute für Dich!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von roteAmeise ()

    • Belobigungskärtchen für positives Verhalten verteilen. Diese dürfen dann zeitnah eingetauscht werden, z.B. für Spielzeit, Malen, Hausaufgabenfrei oder dgl.
      Die Lärmampel funktioniert nur, wenn schon ein gewisses Grundverständnis in der Klasse vorhandn ist, dass alle an einem Strang ziehen müssen. Das scheint hier noch lange nicht der Fall zu sein. Darum würde ich immer jedem Schüler individuell sein Verhalten rückmelden, insbesondere positives Verhalten.
      Wenn dies bei euch möglich ist, Schüler, die massiv stören, von den Eltern abholen lassen oder zur Schulleitung bringen, so dass diese irgendwann aktiv werden muss.
    • roteAmeise schrieb:

      ...

      Deine Schulleitung sieht keinen Handlungsbedarf? Sprich die schlimmsten Situationen mit der Schulleitung durch und lass dir klare Verhaltensanweisungen geben. Frage deine Schulleitung nach Kriterien für Klassenkonferenzen, damit diese den Ernst der Lage begreift.

      ...
      Das würde ich mir gut überlegen. Die SL hat bereits signalisiert, dass sie keinen Stress will. Wenn die TE nun in Einzelheiten beschreibt, wie ihr die Klasse entgleitet, kann man das bei unguten Absichten prima nutzen, um die Schuld an der TE festzumachen. Und auch bei weniger unguten Absichten ist es ein Leichtes, mit ein paar Tips "setzen Sie sich durch", "lassen Sie sich mehr Zeit" oder "halten Sie eine Maßnahme länger durch", das Problem vom Tisch zu wischen.

      Die SL muss hier deutlich hinter den Kollegen stehen, Eltern vorladen, Kinder ausschließen oder zeitweise versetzen, mit in den Unterricht kommen, doppelt besetzen oder was das Schweizer Schulgesetz sonst noch vorsieht. Solange die Schulleitung selbst keinen Stich sieht, kann sie die Situation eigentlich nur noch schlimmer machen.
    • Sehe ich richtig, dass du derzeit nur Bestrafung/,Konsequenz ausprobiert hast? Ich habe auch gerade eine wilde 3. Klasse als Mathelehrerin übernommen. Die Vorgängerin wollte nicht mehr rein. Ich habe ein Stempelsystem und eine Schatztruhe mit coolen Sachen eingeführt. Es waren harte 4 Wochen, aber jetzt können wir gut arbeiten.

      Konseqent muss man dennoch sein, immer.
    • Individuell verstärken. Wer also etwas richtig macht, bekommt einen Stern/Stempel/was auch immer - ganz intermittiertend, wie es dir gerade auffällt. 10 davon gesammelt ergeben einmal in die "Goldene Kiste" fassen. In meiner Klasse gibt es zB folgende Individualziele: Ich bleibe am Platz/Ich melde mich, wenn ich etwas sagen will/ Ich konzentriere mich auf meine Aufgaben/...
      Weitere Punkte: Arbeitsplatz herrichten in der Vorvierteilstunde - alle Hausis erledigt - "auf Grün geblieben" bis zur Pause - Extras.
      Dabei gibt es jeweils einen Punkt, 5 Punkte werden in einen Stempel eingelöst und 5 Stempel sind einmal Goldene Kiste.
      V.a. mit den Individualzielen geben sie sich richtig Mühe.
      Außerdem: Wer öfter als zweimal Hausis vergisst pro Woche, darf nicht an der freitäglichen Spielstunde teilnehmen.
      Mehr gerne, wenn du möchtest.
      Und ganz wichtig: Bring die Störer dazu, dich zu mögen. Schreibe zB eine Lesegeschichte, in der sie vorkommen und echt gut drauf sind, zB Fußballturnier mit Gewinn oder Detektivgeschichte oder so...
    • Weitere Denkanstöße (viele gute Tipps wurden schon geschrieben) :
      - Unterricht sehr strickt planen (kurze gemeinsame/frontale Erklärung, viel stille Einzelarbeit - - > erst mal muss Ruhe in die Klasse kommen, es sollte aber kein Leerlauf entstehen)
      - gehe bei der Stillarbeit rum und lobe die einzelnen Kinder ohne dass es alle mitbekommen
      - leise arbeitende Schüler dürfen in den Nebenraum
      - immer das gleiche Bewegungsspiel ohne viel Erklärung (z.B. ein Bewegungslied oder du "turnst" vor)
      - bei einem System bleiben
      - durchhalten (2 Wochen sind noch nicht lange)
    • Vielen Dank für eure tollen Ideen. Ein Belohnungssystem mit Sternen (die sie dann gegen kleine Dinge, wie ein Spiel im Turnen/ein Lied wünschen usw. eintauschen können) habe ich bereits eingeführt. Wie oben geschrieben freuen sich zwar die SuS, die wirklich gut mitmachen. Den anderen ist es aber relativ egal, dass sie keinen Stern bekommen. Ich lobe auch die Kinder, die sich an die Regeln halten/aufs Klingeln hören usw. Damit habe ich in anderen Klassen sehr gute Erfahrungen gemacht...aber hier scheint es nicht zu funktionieren, weil einfach zu viele Kinder nicht mitmachen. Irgendwie entsteht eine negative Gruppendynamik :(

      Elternabend ist geplant. Ehrlich gesagt habe ich aber gehofft, dass ich nicht alle Eltern mit reinziehen muss, sondern nur mit denjenigen, deren Kinder es auch betrifft.

      Ich unterrichte im dritten Jahr. Auch davor hatte ich schon "lebendige" Klassen, dort habe ich aber gesehen, dass sie sich mit der Zeit verbessern/Mitarbeiten, um ein angenehmeres Klima hinzubekommen. Normalerweise finden es ja auch die Kinder angenehmer, wenn der Lärmpegel nicht zu laut ist. Ich habe sehr viele Kinder aus anderen Kulturen in der Klasse. Da Italiener/Portugiesen usw. ein anderes Temperament haben, ist es irgendwie noch schwieriger, Ruhe in die Klasse zu bringen. Mir ist klar, dass ich den Kindern noch Zeit geben muss, damit wir uns besser kennenlernen. Aber im Moment läuft alles so aus dem Ruder, dass ich mich in vielen Situationen nicht mehr wohl fühle.

      Vielleicht muss ich einfach versuchen, den Fokus noch mehr auf die Dinge zu legen, die gut laufen...auch wenn es im Moment nur wenige sind.

      Vielen Dank nochmals für euer Mitdenken!
    • puravida schrieb:


      Ehrlich gesagt habe ich aber gehofft, dass ich nicht alle Eltern mit reinziehen muss, sondern nur mit denjenigen, deren Kinder es auch betrifft.
      Doch, auf jeden Fall. Die Eltern, die es nicht betrifft, werden sehr bald zu Betroffenen, wenn die eigenen Kinder unter der Situation leiden. Da ist es gut, frühzeitig deutliche Signale zu setzen. Und vielleicht sprechen die einen und die anderen Eltern ja auch mal untereinander.
    • puravida schrieb:

      ... Wie oben geschrieben freuen sich zwar die SuS, die wirklich gut mitmachen. Den anderen ist es aber relativ egal, dass sie keinen Stern bekommen...
      Egal ist es ihnen wahrscheinlich nicht. Es gibt aber viele Gründe, warum diese Tokensysteme nicht funktionieren.
      - ich schaffe die Anforderung sowieso nicht (45 min. still sitzen/ 10 Sterne sammeln, bevor es die Belohnung gibt)
      - mit den anderen Gaudi machen ist lustiger, als Sterne zu sammeln
      - Belohnung nicht attraktiv (Spiel in Aussicht, obwohl Spiele in der Klasse nicht funktionieren/ Spiel in Aussicht, obwohl ihr sowieso oft spielt)
      - nicht konsequent umgesetzt
      - Unterricht zu chaotisch, als dass man selbst noch hinterherkäme mit den Sternchen
      - ...

      Mein Gefühl sagt Ähnliches wie das von Krümelmama: Aufregung rausnehmen. Schreiben lassen, rechnen lassen, jeden Tag dasselbe machen, bloß keine Spiele. Nacharbeiten nicht in der Pause, sondern mittags, sie brauchen Bewegung und frische Luft zwischendrin. Klare, kurze Ansagen.

      Nächstes Etappenziel: Dezember. Bis dahin müssen sie nicht mehr jede Stunde testen, wie du reagierst, weil sie es schon wissen.
    • puravida schrieb:

      Da es sich um eine Vertretungsstelle handelt, kann ich diese laut Vertrag auch nicht künden (ich arbeite in der CH)
      Kurzer Einwurf vom Rande: Das ist sicher falsch. Da es sich um einen Zeitvertrag handelt *musst* Du ihn nicht kündigen um zum Schuljahresende die Stelle wieder loszuwerden. Selbstverständlich *kannst* Du ihn aber kündigen und zwar - sofern nicht explizit was anderes im Vertrag steht - mit einer Frist von 1 Monat. Wenn Du wirklich keinen Bock mehr hast, solltest Du Dich diesbezüglich dringend bei der kantonalen Gewerkschaft erkundigen. Das Personalrecht unterscheidet sich natürlich von einem zum nächsten Kanton, drum kann ich Dir jetzt schlecht aus dem Personalrecht Baselland zitieren.

      Edit: Gerade rausgefunden ... Du kannst ihn "verlustfrei" tatsächlich nur dann kündigen, wenn eine Probezeit vereinbart wurde. Ansonsten kannst Du zwar künden, der Arbeitgeber hat aber Anspruch auf Entschädigung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wollsocken80 ()

    • puravida schrieb:

      Ich habe vor zwei Wochen eine Vertretungsstelle (100% als Klassenlehrerin) bis Ende Schuljahr in einer 2. Klasse übernommen.
      Jetzt mal noch ne Frage zur Sache ... Das heisst also, Du hast die Klasse nach den Herbstferien übernommen, bis dahin wurde sie noch von der eigentlichen Klassenleitung geführt. Hast Du denn vorher nicht hospitiert bzw. mit der Kollegin (ich gehe mal davon aus, dass es eine Frau ist) gesprochen? Hat man Dir keinen Mentor zugewiesen? Falls beides nicht zutrifft, ist das sehr ungewöhnlich und spricht überhaupt nicht für die Schule. In dem Fall würde ich Krabappels Rat zustimmen und Dir raten, möglichst schnell aus der Nummer wieder rauszukommen indem Du Dich krankschreiben lässt (ich weiss, das ist nicht so einfach ...) bzw. die Schulleitung um Auflösung des Vertrags bittest.
    • Wollsocken80 schrieb:

      puravida schrieb:

      Ich habe vor zwei Wochen eine Vertretungsstelle (100% als Klassenlehrerin) bis Ende Schuljahr in einer 2. Klasse übernommen.
      Jetzt mal noch ne Frage zur Sache ... Das heisst also, Du hast die Klasse nach den Herbstferien übernommen, bis dahin wurde sie noch von der eigentlichen Klassenleitung geführt. Hast Du denn vorher nicht hospitiert bzw. mit der Kollegin (ich gehe mal davon aus, dass es eine Frau ist) gesprochen? Hat man Dir keinen Mentor zugewiesen? Falls beides nicht zutrifft, ist das sehr ungewöhnlich und spricht überhaupt nicht für die Schule. In dem Fall würde ich Krabappels Rat zustimmen und Dir raten, möglichst schnell aus der Nummer wieder rauszukommen indem Du Dich krankschreiben lässt (ich weiss, das ist nicht so einfach ...) bzw. die Schulleitung um Auflösung des Vertrags bittest.
      Genau, die vorherige Klassenlehrerin ist im Mutterschaftsurlaub - kommt aber nicht wieder zurück. Klar habe ich davor hospitiert (aber da war der Vertrag leider bereits unterschrieben). Auch bei der Hospitation ging es sehr wild/lebendig/laut zu und her...allerdings nicht in dem Masse, wie es jetzt der Fall ist (das war aber auch nur einen Morgen & die LP meinte, die SuS hätten sich heute sehr zusammengenommen, weil ich da war). Mentoren gibt es bei uns nur in den ersten zwei Berufsjahren...
    • Wie sieht denn deine Sitzordnung aus? Diese Kinder würde ich hauptsächlich frontal setzen - mit Platz zwischen den einzelnen Tischen. Besonders auffällige Störer sollten einzeln sitzen, evtl. mit Blick auf eine Wand oder durch Raumteiler 'konzentriert'.
      Wer unterrichtet in der Nachbarklasse? Ist die Kollegin/der Kollege bereit spontan zwei, drei Kinder zu nehmen, die auch nach zweimaliger Verwarnung deinen Aufforderungen nicht nachkommen? Diese Kinder müssen dann für den Rest des Schultages ihre Aufgaben in der anderen Klasse erledigen. Notiz ins Mitteilungsheft mit Unterschrift der Eltern. Sollte sich diese Maßnahme wiederholen müssen, folgt ein Gespräch bei der Schulleiterin - zuerst nur das Kind, dann auch die Eltern. Die Schulleitung muss dich unbedingt unterstützen! Hole dir eine Kollegin dazu und fordere diese Fürsorgepflicht freundlich ein.

      Bezüglich der Unterrichtsinhalte kann ich dir auch nur empfehlen zunächst auf klar strukturierte Einzelarbeit umzuschalten. Können die Kinder einigermaßen gut lesen? Dann könntest du es mit einem Wochenplan versuchen. So sehen die Eltern auch, was deine Vorgaben sind und wer sein Pensum nicht schafft, muss den Rest eben am Wochenende zu Hause nacharbeiten. Nimm die Eltern in die Verantwortung.

      Parallel kannst du ja ein einfaches Belohnungssystem durchziehen. Auch das sichtbar für die Eltern als Sternchen o.ä. im Mitteilungsheft.
      Ein Niederrheiner ist einer, der nix weiß und alles erklären kann.
      Hanns Dieter Hüsch