Rund 40% Teilzeitarbeit unter Lehrern

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    • Rund 40% Teilzeitarbeit unter Lehrern

      Endlich habe ich hier mal konkrete Zahlen zur Teilzeitbeschäftigung unter den rund 800.000 Lehrern in Deutschland (davon ca. 600.000 verbeamtet). Man liest ja oft, "an meiner Schule ist es so" und an einer anderen Schule aber anders. Wiederholt habe ich gelesen von Kommentatoren, dass in ihrem Bundesland Teilzeit kaum genehmigt bzw. oft abgelehnt wird.

      Bundesweit arbeiten aber immerhin fast 40% der Lehrer in Teilzeit.

      Zitat schrieb:

      Bundesweit waren es demnach 38,1 Prozent, in Bayern sogar 40,2 Prozent und in Baden-Württemberg 45 Prozent. Im Osten ist die Lehrer-Teilzeit geringer ausgeprägt als im Westen: Nur 19 Prozent betrug der Anteil in Sachsen-Anhalt, in Brandenburg 24,2 Prozent und in Thüringen 26,5 Prozent.

      t-online.de/nachrichten/id_852…ilzeit-als-im-westen.html

      Meine These ist ja, wenn die Arbeitsbedingungen massiv verbessert, wir Lehrer also entlastet werden, dann sänke auch die Teilzeitquote und DAS wäre dann wirklich ein Beitrag zur raschen Minderung des Lehrermangels, denn mehr auszubilden ist gut, nur dauert es ja rund 7 Jahre, bis die dann in den Schuldienst eintreten.
      "Aus Niederlagen kann man auch gestärkt hervorgehen." (AUS: Günter Görlich: Eine Anzeige in der Zeitung)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tayfun Pempelfort ()

    • Zitat 2 schrieb:

      "Gründe sind unter anderem die hohe Belastung im Schulalltag und die fehlende Entlastung im Alter." Das Bildungsministerium müsse die Arbeitsbedingungen "dringend" verbessern. Ministerin Hesse wies die Kritik zurück.

      Es gebe bereits Entlastungen für ältere Lehrer, betonte sie. So müssten Pädagogen ab 57 Jahren eine Stunde weniger unterrichten, ab 60 Jahren seien es zwei Stunden weniger.

      (ebenda)

      An dieser Stelle möchte ich noch einfügen, dass diese Entlastungen für ältere Lehrkräfte ja ganz nett sind, aber völlig unzureichend. Eine Stunde weniger bzw. dann 2 ist ein Witz. Das sollte mindestens verdoppelt werden, also 2 Stunden weniger für Lehrkräfte ab 57 und 4 Stunden weniger ab 60.

      Das hätte, denke ich, einen spürbaren Effekt! Man muss auch bedenken, wenn sich weniger Lehrer frühpensionieren lassen, ist das auch ein rascher Beitrag zur Minderung des Lehrermangels, bevor die neuen Lehramtsstudenten fertig sind!
      "Aus Niederlagen kann man auch gestärkt hervorgehen." (AUS: Günter Görlich: Eine Anzeige in der Zeitung)
    • Ich denke mal, der häufigste Grund für Teilzeit sind nicht die schlechten Arbeitsbedingungen, sondern eigene Kinder.

      Wenn ich Vollzeit arbeite, muss ich ja mindestens 9 Stunden am Tag arbeiten (Ferien berücksichtigt). Plus 1,5 Stunden Fahrzeit täglich. D.h. wenn ich um 8 anfange, habe ich dann erst nach 18 Uhr Zeit für meine Kinder.

      Das funktioniert nicht!

      Die Alternative wäre natürlich, sich von 15 - 18 Uhr Zeit freizuschaufeln (z.B.) und dafür dann, wenn die Kinder im Bett sind (also vielleicht so ab 21 Uhr) die 3 Stunden nachzuarbeiten. Aber wer will schon täglich bis Mitternacht arbeiten? Und wer hält das länger als eine Woche aus????
    • Ich habe bei uns an der Schule schon vor Jahren geäußert, dass wir gefühlt sehr viele Kollegen/Kolleginnen in Teilzeit haben ... und zwar, weil das Arbeitspensum in Vollzeit kaum zu schaffen ist, jedenfalls nicht, ohne dass Familie und Freizeit auf der Strecke bleiben. Die SL hat das erst einmal weg gelacht, bis wir uns die Zahlen dann mal angeschaut haben ... es waren über 60% des Kollegiums in Teilzeit!
      Daran hat sich bis heute nicht viel geändert und es sind definitiv nicht nur Kinder, die Kolleginnen und Kollegen (!) in Teilzeit gehen lassen.
    • Ich kenne die Zahlen an meiner Schule nicht auswendig, aber um die Hälfte wird es auch sein. Wir sind ein relativ junges Kollegium und viele "ehemaligen" Mütter haben einfach nie wieder aufgestockt. Einige kinderlose gehen auch auf Teilzeit, weil sie halt auch was vom Leben haben möchten. Nach sehr langem Abwägen habe ich mich auch dazu entschlossen. Richtig damit zufrieden werde ich vermutlich nicht aber ganz ehrlich: mit meiner Vollzeitstelle bin ich zur Zeit auch nicht zufrieden.
      chili
    • Anna Lisa schrieb:



      Die Alternative wäre natürlich, sich von 15 - 18 Uhr Zeit freizuschaufeln (z.B.) und dafür dann, wenn die Kinder im Bett sind (also vielleicht so ab 21 Uhr) die 3 Stunden nachzuarbeiten.
      So mache ich's und alle anderen Lehrereltern, die ich kenne.

      Ob im Westen mehr TZ gearbeitet wird, als in Ostdeutschland? Würde mich wirklich interessieren. Bei uns sind es nur sehr wenige.
    • Anja82 schrieb:

      Warum sprichst du eigentlich immer noch von Ostdeutschland?
      Weil es nach wie vor Unterschiede in vielen Bereichen gibt. Bezahlung, Erziehung, Miete, Parteienlandaschaft, Rollenbilder, Vertrauen in unseren Rechtsstaat...

      Edit: da ich nicht von hier komme, fallen mir auch die Vorurteile ggü. "Wessis" auf und das positive Ostalgiebild bei vielen hier. Davon kriegt man im "Westen" aber nicht so viel mit, weil "der Osten" schon immer ein bisschen egal war oder belächelt wurde. Mauer in Köpfen und so...
    • Ich komme selbst aus dem ehemaligen Osten, habe dort 19 Jahre gelebt, bin jetzt mit einem Hamburger verheiratet und habe "Wossi"-Kinder und finde diese Unterscheidung einfach nur noch unnötig.

      Meine Verwandtschaft im ehemaligen Osten erlebe ich da auch viel rückwärtsgewandter, als die, die inzwischen im ehemaligen Westen leben oder dort eine zeitlang gelebt haben.

      Fakt ist, es gibt Ostdeutschland nicht mehr und daher finde ich es unnötig es noch so zu nennen. Aber das war nur offtopic und hat mich wahrscheinlich getriggert, weil ich mir schon oft Gedanken dazu gemacht habe.
    • Krabappel schrieb:

      Anna Lisa schrieb:

      Die Alternative wäre natürlich, sich von 15 - 18 Uhr Zeit freizuschaufeln (z.B.) und dafür dann, wenn die Kinder im Bett sind (also vielleicht so ab 21 Uhr) die 3 Stunden nachzuarbeiten.
      So mache ich's und alle anderen Lehrereltern, die ich kenne.
      Ob im Westen mehr TZ gearbeitet wird, als in Ostdeutschland? Würde mich wirklich interessieren. Bei uns sind es nur sehr wenige.
      Und wann hast du dann Paarzeit mit deinem Mann? Wann gehst du zum Sport? Wann liest du ein Buch? Wann hockst du auf der Couch und guckst deine Lieblingsserie? Wann triffst du dich mit deiner Freundin? Wann gehst du zum Chor / Verein XYZ? Wann machst du den Haushalt? Wann hast du einfach mal Freizeit / Erholungszeit???
    • Wir sind ein sehr kleines Kollegium. Bei uns haben von 9 Lehrern mit Klassenleitung 7 Teilzeit in unterschiedlichem Ausmaß und aus unterschiedlichen Gründen (von kleine Kinder über größere Kinder bis hin zu pflegebedürftigen Angehörigen oder zusätzlich Mitarbeit im Familienbetrieb).
      Ich habe, seit ich meine Kinder habe, eine 2/3- bis 3/4-Stelle, das schwankt immer wieder ein bisschen. ICh arbeite immer sehr viel am Wochenende. Da hat mein Mann dann "Haushalts- und Kinderdienst", während ich dafür während der Woche mehr Zeit für diese Dinge aufwende. Was ich allerdings nur im alleräußersten Notfall mache ist, nach 18/19 Uhr noch am Schreibtisch zu sitzen. Da möchte ich dann meine Freizeit/Ruhe. Da ist aber jeder anders und das muss auch jeder selbst für sich entscheiden.
    • Ja. Aber wenn du unter der Woche dann um 15 Uhr Schluss machst, um dich um die Kinder zu kümmern und ab 18 Uhr nichts mehr machst, arbeitest du ja maximal 6 Stunden. D.h. du müsstest am WE mindestens 10 Stunden nachholen. Sitzt du wirklich Samstag UND Sonntag jeweils 5 Stunden am Schreibtisch? Kann ich mir nicht vorstellen.
      Mein Mann würde sich auch bedanken, wenn er am WE alles alleine machen müsste und wir gar keine Ausflüge etc. mehr machen könnten.

      Eine Vollzeitstelle bedeutet bei mir 6 Korrekturen (!!!), und mindestens 2x Nachmittagsunterricht bis 16 Uhr, d.h. ich arbeite dann im Durschnitt tatsächlich 50 Stunden die Woche. Das könnte ich - selbst wenn ich wollte - gar nicht am WE nachholen, wenn ich mir dann nachmittags für die Kinder frei nehmen würde. Für mich würde das bedeuten, dass ich die Kinder morgens wecke, in die Schule schicke und abends ins Bett bringe. Das wars. Leider erziehen sich Kinder aber nicht von selbst. Und das entspricht auch nicht so meiner Vorstellung von Familienleben mit Kindern.
    • Also bei uns ist das Kollegium überwiegend in Teilzeit. Und zwar zu einem großen Teil wegen der Arbeitsbelastung...
      Diejenigen, die voll arbeiten, haben sich durch Übernahme von Funktionen (Beratungsteam hier... Kulturbeauftragte da...) einen Stundenplan geschaffen, der möglichst wenig Unterricht in kompletten Klassen beinhaltet... Ich bin dabei mich in ähnlich "unverzichtbar" zu machen und zwar in Bereichen, in denen ich mich gerne engagiere. Macht das Leben sehr viel leichter :)
    • Vielleicht sollten wir dann mal differenzieren: Für MANCHE Lehrer ist es möglich, mit Kindern Vollzeit zu arbeiten - aber längst nicht für alle! Offensichtlich sind doch die Arbeitsbedingungen SEHR unterschiedlich.

      Mich ärgert das immer, dass, wenn man sich beschwert, dass man als Teilzeitlehrer benachteiligt wird, von Lehrern (!) dann immer nur als Antwort kommt: Dann arbeite doch einfach Vollzeit!
      Hä?? Nein: Wenn ich schon mit den Teilzeitstunden (und 3 Korrekturen) VOLL ausgelastet bin, wie soll ich dann Vollzeit arbeiten???
    • Anna Lisa schrieb:

      Ja. Aber wenn du unter der Woche dann um 15 Uhr Schluss machst, um dich um die Kinder zu kümmern und ab 18 Uhr nichts mehr machst, arbeitest du ja maximal 6 Stunden. D.h. du müsstest am WE mindestens 10 Stunden nachholen. Sitzt du wirklich Samstag UND Sonntag jeweils 5 Stunden am Schreibtisch? Kann ich mir nicht vorstellen.
      Mein Mann würde sich auch bedanken, wenn er am WE alles alleine machen müsste und wir gar keine Ausflüge etc. mehr machen könnten.

      Eine Vollzeitstelle bedeutet bei mir 6 Korrekturen (!!!), und mindestens 2x Nachmittagsunterricht bis 16 Uhr, d.h. ich arbeite dann im Durschnitt tatsächlich 50 Stunden die Woche. Das könnte ich - selbst wenn ich wollte - gar nicht am WE nachholen, wenn ich mir dann nachmittags für die Kinder frei nehmen würde. Für mich würde das bedeuten, dass ich die Kinder morgens wecke, in die Schule schicke und abends ins Bett bringe. Das wars. Leider erziehen sich Kinder aber nicht von selbst. Und das entspricht auch nicht so meiner Vorstellung von Familienleben mit Kindern.

      Ich arbeite zum Glück an einer Halbtagsschule. Fahrstrecke habe ich ca. 30 Min. einfach, d.h. ich bin spätestens um 13.30 Uhr zu Hause. Auch meine Kinder besuchten in der Grundschulzeit eine Halbtagsklasse und kamen um diese Zeit nach Hause. Dann gab's Mittagessen und danach machten wir "Hausaufgaben" (ich meine und sie ihre). Und man muss doch nicht ständig um die Kinder rumwuseln, da geht doch vieles nebenbei, Staubsaugen, kochen, was weiß ich ...
      Auch als sie noch im Kindergarten waren, hab ich nachmittags immer wieder mal für die Schule gearbeitet, natürlich nicht 3 Stunden am Stück. Dann musste halt auch mal eine halbe Stunde Ruhe sein, damit ich mich auf eine Arbeit konzentrieren konnte. Die wirklich aufwändigen Sachen habe ich dann am Wochenende gemacht.
      Damals kam ich bei einer 2/3-Stelle auf ca. 40 Arbeitsstunden pro Woche während der Schulzeit. Das waren im Schnitt 4-5 Zeitstunden in der Schule, nachmittags 1-2 Stunden und den Rest am Wochenende. Ich habe mir meine alten Aufzeichnungen gerade durchgeschaut. Da waren Wochenenden mit insgesamt 12 Stunden Arbeit dabei, aber auch Wochenenden mit 3 oder 4 Stunden. In den Ferien habe ich weniger gemacht, kam aber gerade in meinen Anfangsjahren als Lehrerin immer mit Überstunden am Ende raus.
      Jetzt profitiere ich von der ausführlichen Vorbereitung damals und meinem gut sortierten Fundus und habe zumindest nur noch recht wenig Vorbereitungszeit.


      "Mein Mann würde sich auch bedanken, wenn er am WE alles alleine machen müsste"

      Er hatte damals auch eine Teilzeitstelle. Er ist mehr der "am-Abend-Arbeiter. Was ist also so ungerecht daran, wenn er am Wochende mehr Hausarbeit und Kinder hatte und ich während der Woche? Er hat sich nicht beschwert. Und die Kinder wurden ja auch größer und brauchten immer weniger Aufsicht, usw.

    • Anna Lisa schrieb:



      Eine Vollzeitstelle bedeutet bei mir 6 Korrekturen (!!!), und mindestens 2x Nachmittagsunterricht bis 16 Uhr, d.h. ich arbeite dann im Durschnitt tatsächlich 50 Stunden die Woche.
      Hier auch, ich arbeite seit den Kindern ca. 70% und komme dann (ich bekomme Entlastung für die Arbeit man Stundenplan und betreue Erzieher im Praktischen Jahr) auf 3-4 Korrekturen und das pro Quartal. Das ist finde ich gerade noch machbar um am Wochenende auch Mal Familienzeit zu haben.

      Bei uns im Kollegium haben wir aber „nur“ ca. 20-30% Kollegen in Teilzeit und das sind zwar meist Frauen aber nicht extrem viele im Verhältnis.
      Only Robinson Crusoe had everything done by Friday.
    • Anna Lisa schrieb:

      ...
      Hä?? Nein: Wenn ich schon mit den Teilzeitstunden (und 3 Korrekturen) VOLL ausgelastet bin, wie soll ich dann Vollzeit arbeiten???
      Das weiß ich nicht, ich hab auch (glaube ich zumindest?) nicht empfohlen, Vollzeit zu arbeiten.

      Anna Lisa schrieb:

      ...Offensichtlich sind doch die Arbeitsbedingungen SEHR unterschiedlich.
      Das stimmt, die Lebensbedingungen aber auch. Du darfst nicht vergessen, dass nicht jeder verbeamtet ist und mit einem gut verdienenden Ehegatten zusammenlebt, TZ ist schon Luxus, den man sich leisten möchte. Was ja absolut okay ist, mich hätte nur interessiert, ob es nach wie vor Unterschiede in der Ost/West-Sozialisation gibt.