Und eine weitere Abwertung des Lehramtsstudiums, diesmal in Berlin

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    • Und eine weitere Abwertung des Lehramtsstudiums, diesmal in Berlin

      Es war nur eine Frage der Zeit, bis betroffene Referendare sich wehren. Das tun sie jetzt. Auslöser für ihren Protest ist eine neue Regelung, mit der die Bildungsverwaltung erreichen wollte, dass die Quereinsteiger etwas gleichmäßiger über die Schulen verteilt sind. Diese Regelung besagte, dass es Schulen, die bislang ohne Quereinsteiger sind, verwehrt wird, voll ausgebildete Lehrer einzustellen, solange sie nicht ein bis zwei Quereinsteiger haben.
      tagesspiegel.de/berlin/lehrerm…-brandbrief/24165438.html

      Wie stellte einst Bildungsökonom Wößmann sinngemäß fest: Nur die dümmsten Abiturienten studieren heutzutage noch auf Lehramt...

      Gruß !
      Mikael - Experte für das Lehren und Lernen

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mikael ()

    • Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für die Referendare und frischgeprüften Lehrkräfte, die eine offene Stelle evtl. nicht bekommen, der Artikel besagt doch auch: "Quereinsteiger sind eine derartige Belastung des Schulsystems, dass sie verteilt werden müssen, damit es alle aushalten."
      In diesem Klima möchte ich kein Quereinsteiger sein.
    • Der Grundgedanke dahinter ist angesichts der zum Himmel schreienden Misere in Berlin nicht ganz falsch.
      Momentaner Stand ist nämlich, dass die wenigen ausgebildeten Lehrer sich eine Schule aussuchen können, sodass Schulen in "guten Einzugsgebieten" meist ausgebildete Lehrer/innen erhalten. (Meine neue Schule hat bisher insgesamt 4 Quereinsteiger beschäftigt. Meine letzte Schule hatte in den letzten 3 Jahren über 20)
      Schulen in Brennpunkten gehen oft leer aus und müssen schon darum kämpfen, überhaupt Quereinsteiger zu bekommen. Diese sollen dann "nebenbei" ausgebildet werden von den noch vorhandenen für die entsprechende Schulform ausgebildeten Lehrern.
      Zugleich gibt es die Schulinspektion, die in derartigen Schulen dann natürlich Mängel feststellt. Diese müssen durch vermehrte Schulentwicklung behoben werden. Das alles kostet Zeit, die aber nicht vorhanden ist, weil ja der normale eigene Job nebenher laufen muss, sodass die Unzurfriedneheit wächst. Es gibt inzwischen Brennpunktschulen, aus denen sich die ausgebildeten Lehrer versetzen lassen (oder vermehrt krank werden), weil sie es nicht mehr ertragen und dafür Quereinsteiger kommen.

      Die Idee, Quereinsteiger besser zu verteilen, ist nicht ganz schlecht. Zumindest um die Lage etwas zu beruhigen.
      Wie das aber mal wieder umgesetzt wird - ohne Worte. Es gibt noch keine schriftliche Grundlage, jeder Schulleiter hat irgendwas gehört und weiß nicht genau. Typisch Berlin.
      :autsch: :autsch: :autsch:

      Alles durch jahrelange Misskalkulation entstanden, keine Frage. Es sind viele sehr verärgert.
      Wir haben z.B. einige Stunden Unterhang im neuen Schuljahr. Für genau diese Stundenzahl hatten wir dieses Jahr eine Lehrkraft ohne 2. StEx mit Mangelfach und 1-Jahres-Vertrag, die sehr gerne bei uns geblieben wäre. Dürfen wir nicht weiterbeschäftigen, weil andere Schulen mehrere Stellen Unterhang haben.
      Free Klorollen! Keine Klorollen-Basteleien mehr in Grundschulen!

      Immer wieder gut, Bodo Wartke: youtube.com/watch?v=WiCV4KKW6Nw
    • ich bewerbe mich als seiteneinsteiger und kann dennoch solche Klauseln nicht verstehen, da ich es meinen Kindern auch wuensche, gut ausgebildete Lehrer zu haben.
      Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile viel berichtete, teilweise sogar oeffentliche Anfeindungen in lehrerkollegien, wenn Seiteneinsteiger dazu kommen. Ja, Lehramt ist ein praktischer Beruf und nicht umsonst gibt es didaktische Studienteile und Praktika.
      Ein Seiteneinsteiger muss jedoch auch Mind. 8 Semester studiert und einen Abschluss an der Uni nachweisen. Dazu bringt er Berufserfahrung meist mit, vielleicht sogar Leitungserfahrung mit Teams und Erfahrung im Umgang mit "Kunden". Hier kann man für die Lehrerkollegen einen positiven Austausch entwickeln, wenn man das unterstützt. Schließung sollen die Schüler auf die " Welt da draußen " vorbereitet werden.
    • Glory schrieb:

      Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile viel berichtete, teilweise sogar oeffentliche Anfeindungen in lehrerkollegien, wenn Seiteneinsteiger dazu kommen.
      Ja, weil - siehe oben - das einfach nicht mehr zu wuppen ist. Mal abgesehen von denen, die scheitern und aufgeben oder Klassen im Chaos versinken lassen. Es gibt auch gute, wirklich. Aber man steckt eben auch viel Zeit (Zeit, in der man guten Unterricht vorbereiten könnte oder Freizeit haben sollte) in diejenigen, die scheitern.
      Die Kollegien sind ausgepowert und sie wissen, dass das in den nächsten Jahren immer so weiter gehen wird. Nebenbei wird der Lehrerberuf systematisch abgewertet. Die Wut entlädt sich in manchen Kollegien, die völlig fertig sind, offenbar leider gegen die Quereinsteiger und müsste eigentlich gegen die Senatsverwaltung gehen. In meinen beiden Kollegien habe ich das übrigens nicht erlebt.
      Mit zwei "Ausnahmen", die keine Anfeindungen waren, aber von Quereinsteigern als unangenehm empfunden wurden:
      Es wurde Quereinsteigern zugetraut, auch viel selbstständig und alleine zurechtzukommen, weil sie studiert und Berufserfahrung hatten und sich bewusst entschieden, sich also das Lehrersein auch selber zugetraut haben. Einige wollten aber an die Hand genommen und rundumbetreut werden. Funktioniert leider nicht. Zum zweiten gab es Quereinsteiger, die sich völlig selbst überschätzt haben und zusätzlich beratungsresistent waren (oder so überfordert, dass sie Beratung nicht annehmen konnten). Das lief meist auf Dauerschreien und durch das Schulhaus tobende Klassen hinaus. Da wurde zwar noch höflich, aber nicht mehr nett reagiert.
      Ansonsten habe ich einen sehr freundlichen und aufgeschlossenen Umgang erlebt.

      glory schrieb:

      Ja, Lehramt ist ein praktischer Beruf und nicht umsonst gibt es didaktische Studienteile und Praktika. Ein Seiteneinsteiger muss jedoch auch Mind. 8 Semester studiert und einen Abschluss an der Uni nachweisen. Dazu bringt er Berufserfahrung meist mit, vielleicht sogar Leitungserfahrung mit Teams und Erfahrung im Umgang mit "Kunden". Hier kann man für die Lehrerkollegen einen positiven Austausch entwickeln, wenn man das unterstützt.

      Eben. Das wäre schön, das wird aber nicht unterstützt. An meiner letzten Schule gab es 2 Abminderungsstunden für die Betreuung aller aktuellen, noch frischen Quereinsteiger (damals 5 bis 8, schwankend wegen Fluktuation) zusammen. Jeder pfeift auf dem letzten Loch. Ich habe für zusätzliche Absprachen letztes Jahr einer quereinsteigenden Kollegin mal 30 min Skype oder Telefon am Sonntagvormittag angeboten. Wollte sie nicht. Ich hatte außerhalb dessen keine Kapazitäten mehr.

      Ich drücke dir die Daumen, dass du in ein Kollegium mit wenigen Quereinsteigern und gut aufgestellten Klassen kommst und du gut betreut werden kannst.
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    • Conni schrieb:

      Es wurde Quereinsteigern zugetraut, auch viel selbstständig und alleine zurechtzukommen, weil sie studiert und Berufserfahrung hatten und sich bewusst entschieden, sich also das Lehrersein auch selber zugetraut, haben.
      Genau das ist der springende Punkt! Ich würde es als Kollege nicjt einsehen, über alle Maßen hinaus Ausbilder zu spielen. Gerne helfe ich mal aus, gebe Tipps usw. Aber nicht in dem Maße, wie es manche gerne hätten oder bräuchten. Das sehe ich nicht als meine Aufgabe an. Hier passt auch schön der Vergleich mit der freien Wirtschaft: Wer sich da auf eine stelle bewirbt, wird genommen, weil davon auszugehen ist, dass er den Job kann und sich das zutraut. Warum sagt man im schuldienst quasi "naja, der kann das halt noch nicht oder nicht richtig". Dennoch finde ich es absolut daneben, dass sich der Ärger auf die jeweiligen Personen entlädt. Da bin ich immer wieder froh, an einer BBS zu arbeiten, wo es völlig normal ist, dass ein Großteil nicht genuin lehrer ist und es diesbezüglich auch keine Grabenkämpfe gibt.
    • Glory schrieb:

      Ja, Lehramt ist ein praktischer Beruf und nicht umsonst gibt es didaktische Studienteile und Praktika.
      Ein Seiteneinsteiger muss jedoch auch Mind. 8 Semester studiert und einen Abschluss an der Uni nachweisen. Dazu bringt er Berufserfahrung meist mit, vielleicht sogar Leitungserfahrung mit Teams und Erfahrung im Umgang mit "Kunden". Hier kann man für die Lehrerkollegen einen positiven Austausch entwickeln, wenn man das unterstützt. Schließung sollen die Schüler auf die " Welt da draußen " vorbereitet werden.

      Auf der anderen Seite gibt es mittlerweile viel berichtete, teilweise sogar oeffentliche Anfeindungen in lehrerkollegien, wenn Seiteneinsteiger dazu kommen.
      Bei uns sind mittlerweile über 20 % Quereinsteiger, dazu noch ein paar junge Kollegen, die auch noch nicht komplett erfahrene Lehrer sind. Es herrscht Chaos. In diesem Schuljahr hat man das auch deutlich an den Leistungen der Schüler gemerkt. Grottige Zensuren zu den Halbjahresinformationen. Tendenz fallend.

      Ich selbst nehme mich da zurück, aber der große Unmut der erfahrenen Kollegen ist nach vollziehbar. Bei den coolen neuen "Lehrern" muss man sich nicht an die Hausordnung halten, lehren wird aus Ermangelung von eigener Erfahrung Youtube Filmen überlassen...Es ist eine Katastrophe. Von all unseren Quereinsteigern kann ich nur bei einem Menschen Potential für einen guten engagierten Lehrer erkennen. Die Anderen haben in der freien Wirtschaft nix gebracht und ruhen sich nun, unkündbar, im öffentlichen Dienst aus.

      Schön, wenn du eine andere Einstellung und Zielsetzung hast.

      " Schließung sollen die Schüler auf die " Welt da draußen " vorbereitet werden."

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von MarlenH () aus folgendem Grund: RS Fehler und fehlendes Wort ergänzt

    • MarlenH schrieb:

      Schließung sollen die Schüler auf die " Welt da draußen " vorbereitet werden."
      Bei sowas geht mit auch immer die hutschnur hoch! Dieses bescheuerte Argument, man bräuchte Leute von "da draußen", damit die Schüler lernen wie es "da draußen im echten Leben wirklich ist" weil Lehrer davon ja keine Ahnung hätten. Was bitteschön soll denn das "da draußen" sein? Leben Lehrer im Schulgebäude und haben Zuhause Angestellte, die das reale alltagsleben für die Lehrer managen? Verstehe ich nicht. Ich bezahle meine Rechnungen wie jeder andere, gehe einkaufen wie jeder andere, wohne wie jeder andere, muss mit meinem Geld haushalten wie jeder andere.... Und wenn es um das arbeiten in der "freien Wirtschaft" gehen soll: Dort findet auch nicht wesentlich etwas anderes statt als in der Schule. Man hat Vorgesetzte, Kollegen, "Kunden", muss sich adäquat verhalten usw. Der einzige Unterschied mag die Sicherheit im Beruf sein, die man als beamter genießt.
    • Mir ist klar, dass sich die Lehrer mit diesem Thema schwer tun, eben weil es ein geschlossenes System in sich ist.

      Die Schule ist für die Schüler ein sicherer Hafen eine klare Zeiteinheit die mit verpflichtendem Besuch gebunden ist.
      Das ist anders, als sich dann für eine Zukunft entscheiden zu müssen und eigenverantwortlich handeln zu müssen inkl. Aller Konsequenzen.

      Mir geht es hier aber nicht darum, was die Lehrer denken, sondern welchen Nutzen/Mehrwert die Schülerschaft von den Seiteneinsteigern haben können.

      Seiteneinsteiger haben unterschiedliche Biografien, orientieren ihr schulisches Handeln dann evtl. Auch mehr auf Basis " was hat mich im Leben" weitergebracht.

      Ich weiß nicht inwiefern das auf die Lehrer zu trifft. Vielleicht von ich auch zu idealistisch und sollte das nochmal hinterfragen.
      Ich höre lediglich sehr oft von Lehrplangetriebenheit.

      Vielleicht vermische ich hier auch Themen.

      Jedenfalls wollte ich mich gern aus der Seiteneinsteigerperspektive einbringen.
    • Da ich selber ein Seiteneinsteiger bin, möchte ich mal sagen, dass es die Mischung macht. Ich glaube, dass wir uns alle einig sind, dass es gute wie schlechte Seiten- bzw. Quereinsteiger gibt. Ich habe es hier auch schon mal an anderer Stelle gesagt, ohne meine netten und hilfsbereiten Kollegen, hätte ich den Seiteneinstieg nicht geschafft. Als ich noch von Vertretungsstelle zur Vertretungsstelle gearbeitet habe, wollte ich mich immer Weiterbilden, da ich dies als sehr wichtig sehe, doch das ging aufgrund der befristeten Verträge nicht. Ich finde, auch da ist auf jeden Fall nachzubessern. Als Vertretungslehrer darf man dann so vor sich "hinwurschteln", womit keinem geholfen ist.
      Letzen Endes profitieren doch alle davon, wenn ausgebildete Lehrer, Seiten- und Quereinsteiger zusammenarbeiten.

      Und ich finde so Aussagen, dass Seiteneinsteiger beruflich nichts auf die Reihe bekommen haben und deswegen jetzt im Schuldienst sind, um dort eine ruhige Kugel zu schieben,.....ich möchte gar nicht sagen wie ich das finde.
      Zum einen haben auch die Seiteneinsteiger ein Studium hinter sich und haben in anderen Bereichen Berufserfahrungen gesammelt. Ich spreche jetzt mal von meinem Studium, da waren tatsächlich die Lehramtsstudenten gegenüber den "Magisterstudenten" fachlich nicht immer die besseren Studenten.
      Dennoch bin ich auch der Meinung, dass bei einer Neueinstellung, der qualifizierte Lehrer bevorzugt werden muss. Von einer gleichmäßigen Verteilung von Seiten- und Quereinsteiger auf die Schulen würden doch am Ende alle profitieren, weil sich dadurch die Mehrarbeit in Form der Betreuung von Seiteneinsteiger verringern würde und die Seiteneinsteiger besser betreut werden können.

      Anstatt über die Seiteneinsteiger immer wieder zu meckern, wäre es einfach schön, wenn wir uns einfach alle, so gut es geht, unterstützen würden.
    • Glory schrieb:

      Seiteneinsteiger haben unterschiedliche Biografien, orientieren ihr schulisches Handeln dann evtl. Auch mehr auf Basis " was hat mich im Leben" weitergebracht.



      Ich höre lediglich sehr oft von Lehrplangetriebenheit.
      Auch Seiteneinsteiger haben sich an den Lehrplan zu halten. Ich kann in Mathematik auch nicht nur die Prozentrechnung unterrichten, weil man die im Alltag häufiger braucht als Funktionsuntersuchungen.
    • Glory schrieb:

      (...) Schließung sollen die Schüler auf die " Welt da draußen " vorbereitet werden.

      Glory schrieb:

      (...) Mir geht es hier aber nicht darum, was die Lehrer denken, sondern welchen Nutzen/Mehrwert die Schülerschaft von den Seiteneinsteigern haben können.
      Seiteneinsteiger haben unterschiedliche Biografien, orientieren ihr schulisches Handeln dann evtl. Auch mehr auf Basis " was hat mich im Leben" weitergebracht.

      Ich weiß nicht inwiefern das auf die Lehrer zu trifft. Vielleicht von ich auch zu idealistisch und sollte das nochmal hinterfragen.
      Ich höre lediglich sehr oft von Lehrplangetriebenheit.
      (...)
      In BaWü bedeutet Seiteneinstieg Fachstudium + Referendariat. Ja, das sind am Ende gute Lehrer die rauskommen, die sich entsprechend qualifiziert haben und manchmal tatsächlich eine andere Perspektive oder auch - je nach Schulform- unersetzliche Praxiserfahrung einbringen können, weil sie anders als manche Lehrer nicht nur Schule-Uni-Schule kennen. Diese andere Perspektive bringen aber auch viele Lehrer mit Lehramtsstudium + Ref ein. "Klassische Lehrer" sind nämlich auch Individuen mit völlig unterschiedlichen Bildungs- und Erwerbsbiographien.
      In vielen BL bedeutet Seiteneinstieg, was in BaWü Direkteinstieg heißt: Kein Lehramtstudium, kein Ref, sondern direkt (evtl.nach einer teilweise fakultatven, teilweise verpflichtenden Einführung und/oder punktueller Seminarbegleitung) ab in den Unterricht. Das kann in Einzelfällen je nach bisheriger Erwerbsbiographie und vor allem der Bereitschaft der Person sich einzuarbeiten wie guter Unterricht funktioniert klappen. Dafür muss man aber auch verstehen, dass Lehr- oder Bildungspläne zumindest in Deutschland nicht fakultativ sind und man als Lehrer nicht das unterrichtet, was man infolge eigener Lebenserfahrung für besonders relevant erachtet.

      Deine Lebenserfahrung kannst du einsetzen um SuS zu motivieren für ein scheinbar trockenes Thema, um ihnen begreiflich zu machen, warum das absolut lebensrelevant ist, deine Berufserfahrung kann helfen Themen spannend und interessant zu verpacken die der Bildungsplan dir vorgibt und entsprechende Akzente zu setzen. Oft ist der Bildungsplan aber bei genauerer Betrachtung bereits verdammt spannend und es geht vor allem darum für deine SuS den Lebensweltbezug herzustellen, also was hat Thema x (z.B. "Soziale Marktwirtschaft") mit mir als Schüler von y Jahren zu tun ("Soziale Marktwirtschaft" behandeln wir in Wirtschaft in der 7. und 8.Klasse). Da geht es also nur sehr begrenzt um deine bisherigen beruflichen Erfahrungen sondern vor allem darum deine Zielgruppe gut genug zu kennen, um zu wissen, was sie am jeweiligen Thema interessiert und für sie aktuell relevant genug ist, um Interesse zu wecken.

      Der Vorbereitung auf "die Welt da draußen" dient am Ende in der einen oder anderen Weise jedes Fach.
    • Glory schrieb:

      Mir geht es hier aber nicht darum, was die Lehrer denken, sondern welchen Nutzen/Mehrwert die Schülerschaft von den Seiteneinsteigern haben können.

      Seiteneinsteiger haben unterschiedliche Biografien, orientieren ihr schulisches Handeln dann evtl. Auch mehr auf Basis " was hat mich im Leben" weitergebracht.
      ...


      Ich höre lediglich sehr oft von Lehrplangetriebenheit.
      Ich habe miterlebt, wie ein Seiteneinsteiger einen Kurs anderthalb Jahre ausschließlich mit Inhalten seiner Dissertation beglückt hat. Da konnten die Schüler zweifelsohne erkennen, dass sich wohl nicht jede Promotion auszahlt. Nur wollten sie eigentlich erstmal Abi machen. Diesen Murks konnte dann auf den letzten Drücker nur ein ausgebildeter Lehrer noch halbwegs hinbiegen. Der Seiteneinsteiger fand sich selbst super, sah keinen Anlass, sich an den Schulrahmen zu halten und wurde auch von der SL nicht eingenordet. Dabei war er tatsächlich noch einer der besseren.
    • Ich mache mit Seiteneinsteigern leider eher schlechte Erfahrungen.

      Etwas anmaßend finde ich auch das Argument, auch Seiteneinsteiger (Quereinsteiger,...) hätten ein abgeschlossenes Studium. Ja, das haben sie, aber eben kein Lehramtstudium. Ich habe auch ein abgeschlossenes Studium, das heißt noch lange nicht, dass ich jetzt in jedem akademischen Beruf arbeiten kann.
    • Von solchen "Stilblüten" hab ich auch schon gehört, da verstehe ich auch nicht, weshalb das nicht mit dem Lehrenden geklärt wird.

      Das Versagen eines Systems kann doch nicht dem Einzelnen zur Last gelegt werden, oder?

      .....

      Und zwecks nix auf die Reihe kriegen... Das verstehe ich wirklich nicht. Ich bin aktuell in einem finanziell lukrativem Job mit Leitungsfunktion. Dort zu bleiben wäre meine "Ruhige Kugel" da schon langjährig und unbefristet.
      Mein Bauch und Herz sagen mir aber, dass ich vielleicht doch nach der Hospitation an der Schule den anderen Weg damals vor dem Studium hätte einschlagen sollen, als jenen der mich hierher geführt hat.
    • @Diokeles:

      Ich sprach von den Seiteneinsteigern, die ich persönlich erlebt habe.

      Bis auf den einen sind sie nicht in der Lage, Hinweise umzusetzen.
      Daher kann ich meine Energie sparen, dies weiterhin mehr als von mir verlangt wird, zu leisten. Ich gehörte zunächst nicht zu den Meckerern, was Quereinstieg angeht, habe auch auf einen frischen Wind gehofft.

      Extreme Disziplinprobleme, viel Youtubeerklärvideos, Zuballern mit Folien und häufiges Kranksein (passiert ja nix, die anderen machen das dann schon) haben mich in die Realität geholt. Ich gehöre zu denen, die das ausbaden müssen.
    • Glory schrieb:

      Mir ist klar, dass sich die Lehrer mit diesem Thema schwer tun, eben weil es ein geschlossenes System in sich ist.
      Genau das ist oft das Problem. Dass Quereinsteiger meinen, mehr zu wissen/können als Lehrer und nicht einfach nur was anderes gelernt zu haben.

      Es gibt zwei Bereiche der Ausbildung (deswegen auch zwei Staatsexamina). Erstens Fachwissen, zweitens Didaktik. Und irgendwo dazwischen auch noch Pädagogik. Dass das Referendariat samt Didaktik ein wesentlicher Teil der Ausbildung ist, vergessen Quereinsteiger offenbar sehr oft. Stattdessen halten sie ihr pädagogisches Wissen für überdurchschnittlich weil sie a) älter einsteigen b) Kinder haben oder c) ihren Beruf aufgegeben haben schon mal woanders gearbeitet haben. So richtig schlüssig ist das alles nicht.

      Aber wie auch immer, das Problem ist, dass sich um die Einarbeitung wer kümmern muss und das für Unmut sorgt. Insofern halte ich gleichmäßiges Verteilen für absolut sinnvoll.
    • krabappel: ich spreche auch nicht von mehr wissen, sondern bin in dem Punkt d'accord, dass es anderes Wissen ist.
      Ich finde es doch insgesamt wichtig, dass die Schüler den Bestmöglichen Unterricht erhalten. Auch hier hatte ich schon zu Beginn geschrieben, dass ich ebenfalls für meine Kinder zuerst einen ausgebildeten Lehrer wählen würde.
      Sollte den Quereinsteigern nicht zumindest auch die Chance eingeräumt werden sich zu beweisen?
      Denkt doch auch mal an eure erste Zeit im aktiven Betrieb und wie es euch ging.

      Vielleicht erinnert ihr euch wie das war.
      Bzw. Auch wie es wäre, wenn ihr wo komplett neu anfangt.

      Mich wundert mehr wieder, dass die Auswahl der Seiteneinsteiger so schlecht sein muss, dass es zu so negativen Erfahrungen gekommen ist.

      Heißt das im Umkehrschluss, wenn ich mir bisherige Studienleistungen anrechnen lasse, Lehramt beginne grundständig zu studieren, werde ich besser im Kollegium aufgenommen und deshalb auch ein besserer Mensch? Das ist doch absurd.