Mehrarbeit durch Fortbildungen - Müssen wir das machen?

  • Aufgrund eines Sonderkurses, der ein Aushängeschild unserer Schule werden soll, sollen einige Kollegen zu einer mehrtägigen Fortbildung mit anschließender Prüfung geschickt werden.

    Wir werden dazu vier Woche im ca. 200km entfernten Hotel übernachten. Das heftigste ist aus meiner Sicht, dass wir uns eigenständig im Vorfeld auf diese Prüfung vorbereiten müssen und in der Woche der Anwesenheit überwiegend den praktischen Teil der Prüfung üben. Der theoretische Teil wird zu Hause vorbereitet und kostet jedem von uns ca. 120 Stunden und mehr Arbeit. Der Vorbereitungszeitraum beträgt ca. 3 - 4 Monate.


    Um ehrlich zu sein, habe ich wenig Lust darauf, noch mal geprüft zu werden (Durchfallen ist ja möglich) und den ganzen Frühling in jeder freien Minute parallel zum Vollzeitjob so etwas zu machen. Besonders, da es auch keine "Belohnung" dafür gibt, außer dass die Hotel- und Fahrtkosten übernommen werden.


    Die Kollegen sind eher begeistert über die tollen Inhalte (ist schon fast ein Hobby für die), mich schreckt das eher ab. Der Vorteil des Kurses ist, dass wir beim Bestehen der Prüfung einen Zugang zu sehr guten Unterrichtsmaterialien erhalten und damit fast keine Unterrichtsvorbereitung für ca. 4 Wochenstunden mehr haben werden.


    Wie seht ihr das?

  • Ich hätte auf so eine Fortbildung keine Lust (einmal wegen der Lernerei, andererseits wegen der Tatsache, dass ich mehrere Tage 200 km entfernt von meiner Heimat in einem Hotel übernachten würde. Ich hoffe mal, dass auch die Kosten für die Verpflegung übernommen werden.

    Musst du daran teilnehmen oder sie an Kollegen, die die Fortbildung so toll finden, abtreten?

  • ... Woche der Anwesenheit überwiegend den praktischen Teil der Prüfung üben. Der theoretische Teil wird zu Hause vorbereitet und kostet jedem von uns ca. 120 Stunden und mehr Arbeit.

    Insgesamt 160 Stunden Fortbildung bei einer Jahresarbeitszeit von 1800 Stunden sind unverhältnismäßig.


    Zum Vergleich: In Hamburg ist Fortbildung im Umfang von 30 Stunden im Lehrerarbeitszeitmodell pro Jahr vorgesehen:

    https://li.hamburg.de/dienstvereinbarung/


    Alternativ könnte euch eure Schulleitung natürlich 3 Wochen vom Unterricht freistellen...


    Gruß !

  • Eine Schule braucht keine Aushängeschilder. Dass junge Menschen etwas lernen können, ist Aushängeschild genug. Der Rest ist Ersatz. Das Problem ist, so wie du es hier beschreibst. Die einen wollen das Schild, die anderen haben die Arbeit.


    Es kommt mir auch recht aufwändig vor.


    Hattest du hier schon eine andere Anfrage am Laufen, weil dir aufgrund des Abendunterrichts zu wenig Zeit zum Korrigieren und Vorbereiten bleibt? Sollte dich jemand zu der Fortbildung schicken wollen, müsstest du überprüfen, ob du die zusätzliche Arbeit überhaupt leisten kannst. Falls nicht, musst du eine Überforderungsanzeige erstatten.


    Es macht auch keinen Sinn, jemand zu einer auch teuren Fortbildung zu schicken, wenn nicht abzusehen ist, dass er die zeitlichen Ressourcen hat, um diese auch erfolgreich abzuschließen.


    Wird diese Fortbildung zufällig von einem namhaften Netzhardwarehersteller angeboten? Ich meine dazu gab es hier schon mal Diskussionen. Da war auch der ungeheure Aufwand ein Thema.


    Fazit: mache deinen Leuten klar, dass du dafür der Falsche bist. Sollen die fahren, die da Bock auf haben.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    Einmal editiert, zuletzt von O. Meier () aus folgendem Grund: Ergänzung (kursiv)

  • Leute zu so etwas zu schicken, die weder Interesse noch die Motivation dafür haben (verständlich in Anbetracht der Rahmenbedingungen) ist doch für beide Seiten unsinnig.

    Ich würde unter den gegebenen Umständen die Theorie ganz einfach nicht lernen. Dann falle ich halt durch. Und dann?

  • Danke für die Antworten. Wir sollen als Team an dieser Fortbildung teilnehmen. Natürlich werden die Hotel-, Verpflegungs- und Fahrtkosten bezahlt.

    Mich beunruhigt eher, dass dann bis zur Prüfung alle Wochenenden und Osterferien mit der Vorbereitung ausgefüllt sind.


    Ist ja nicht so, dass dafür Stunden wegfallen oder es eine sonstige Entlastung gibt.

  • Ist ja nicht so, dass dafür Stunden wegfallen oder es eine sonstige Entlastung gibt.

    Dann mach' nur mit, wenn das geklärt ist. Für den Theorieteil würde ich Befreiung vom Unterricht erwirken. (Oder durchfallen wie jemand vorschlug, aber das wäre mir persönlich zu doof, wer weiß, wofür dir das Zertifikat mal dient. Von der Ersparnis der späteren U-Vorb. mal abgesehen, "Portfolio" und so...)

  • Mich beunruhigt eher, dass dann bis zur Prüfung alle Wochenenden und Osterferien mit der Vorbereitung ausgefüllt sind.

    Würd' ich nicht machen. Nicht zumutbar. Die Sonntgasruhe hat sogar Verfassungsrang.


    Ist ja nicht so, dass dafür Stunden wegfallen oder es eine sonstige Entlastung gibt.

    Könnte aber. Wenn die SL nicht bereit ist, euch zu entlasten, kann die Sache nicht so wichtig sein.


    Wir sollen als Team an dieser Fortbildung teilnehmen.

    Das ist nicht ganz klar. Was für ein "Team" soll das sein? Und wer sagt, dass ihr sollt? Derjenige soll dir mal erklären, wo die Zeit herkommen soll.

  • Und was passiert, wenn man wegen Überlastung durch die Prüfung fällt? Zur Sicherheit vorher Überlastungsanzeige ...

    Unfähigkeit ist kein Dienstvergehen und kann nicht geahndet werden. ;) Aber was mich interessiert, ist, ob es überhaupt rechtlich möglich ist, zu so einer Art von Fortbildung dienstverpflichtet zu werden. Auf welcher Rechtsgrundlage ist das geschehen? Wurde das überhaupt vorher in einer Lehrerkonferenz beschlossen, dass das Kollegium so etwas machen will?

  • Habe nach langer Diskussion mit meiner Frau beschlossen, an dieser Fortbildung nicht teilzunehmen.

    Wenn andere daran Spaß oder zu viel Langeweile haben, sollen die die Fortbildung machen.

    Dafür danke ich euch.


    Ebenso möchte ich gerne den angebotenen Schuladministratorjob ablehnen, da dieser Job mit zwei Ermäßigungsstunden für über 120PCs/Beamer/Drucker nicht ausreichend gewürdigt wird.

    Die bisherigen Amtsinhaber wollten mir den Job auch geben, weil ich mehr Fachkenntnisse auf dem Gebiet habe, als fast alle anderen Kollegen.


    Mache lieber meinen Unterricht und gehe pünktlich nach Hause um dort meine restlichen Aufgaben zu erledigen.


    Habt ihr auch Leute bei euch, die sich für die Schule den Ar... für ein nettes Wort und einen Händedruck auf der Lehrerkonferenz oder als Hobby aufreißen?

  • Ja, die haben wir auch. Allerdings würde bei uns eine ganze Menge nicht so gut laufen, wenn es diese Leute nicht gäbe. Ich versuche, nicht immer einer von ihnen zu sein (das schaffe ich sogar meist), aber manche Belange sind mir einfach auch wichtig (auch für das Kollegium) ... und dann mach ich für nix halt mehr als ich muss.

  • Habt ihr auch Leute bei euch, die sich für die Schule den Ar... für ein nettes Wort und einen Händedruck auf der Lehrerkonferenz oder als Hobby aufreißen?

    Bei mir ist es sogar noch schlimmer, ich mache meine Arbeit gern und suche solche Aufgaben, nur leider bekomm' ich dafür weder Hotel, noch Abminderung noch feuchten Händedruck. Und zwar v.a. deswegen, weil ich bei Aufgaben, die ich nicht machen muss und auf die ich auch keinen Bock habe, "nö" sage.


    Überlege dir, ob du es nicht bereuen könntest, wenn das Unterrichten Routine geworden ist und alle anderen fürs Administrieren frei und A14 kriegen und dich keiner mehr fragt. Du musst nicht überall *hurra* rufen, aber schieß' dich auch nicht gleich zum Einstieg ins Aus.

  • Überlege dir, ob du es nicht bereuen könntest, wenn das Unterrichten Routine geworden ist und alle anderen fürs Administrieren frei und A14 kriegen und dich keiner mehr fragt. Du musst nicht überall *hurra* rufen, aber schieß' dich auch nicht gleich zum Einstieg ins Aus.

    Wenn Unterrichten zur Routine geworden ist, hat man wohl etwas falsch gemacht. Es gibt so viele Ideen für den Unterricht, die man ausprobieren könnte ...


    Ich finde es richtigm zunächst zurückhaltend zu sein, genau zu checken, was man machen möchte und kann. Wenn man länger im Job ist, kann man besser beurteilen, welche Belastung man noch hinzunehmen kann.


    Zunächst sollte man Sonderaufgaben annehmen, die überschaubar und zeitlich fest begrenzt sind. Nichts, woran man sich über Jahre bindet (wie Rechner streicheln), das man im Zweifelsfall nicht mehr von der Backe kriegt.


    Der Enthuisiasmus und die Energie von jungen Kollegen und Berufsanfängern wird von Schulleitungen und Kollegium nur zu gerne in die falsche Richtung geleitet, so dass diese schnell durch sind.


    Wenn ihr neu im Job seid, macht ihn so, dass ihr ihn 40 Jahre machen könnt. Wenn ein neuer Kollege kommt, behandlet ihn so, dass er 40 Jahre euer Kollege sein kann.


    Unterm Strich wird sich jede um sich kümmern müssen, insofern Glückwunsch an den Threadstarter zu einer überlegten Entscheidung.

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