Verbeamtung und (selbstgezahlte) Psychotherapie

  • Liebes Forum,


    mich plagt schon seit Jahren ein Thema: in Bälde werde ich mein Lehramtsstudium beenden und dann sollte eigentlich laut Plan dieses Referendariat anstehen. Davon abgesehen, dass ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt gerade überhaupt nicht mehr weiß, ob ich das Ref unmittelbar nach dem Studium gleich angehen soll (und in erster Linie überhaupt kann und will), kämpfe ich gerade akut wieder mit leichten psychosomatischen Beschwerden (für die nicht so fachkundigen: das sind Beschwerden, für die es keine körperlich/organischen Ursachen gibt, aber dennoch vorhanden sind - man nennt sie auch funktionelle Störungen). So eine Phase hatte ich vor 4 Jahren schon einmal durch. Tief in mir weiß ich schon seit vielen Jahren, dass es da einiges gibt, was alles mal auf den Tisch gehört und in Form einer Psychotherapie mal angegangen gehört - so auch meine ab und an auftretenden (hypochondrischen) Angstneigungen, auch Zukunftsängste, Prüfungsängste und Versagensängste sind dabei.


    Wenn ich ehrlich zu mir selber bin (und da wir es ja auch gerade von Ängsten haben), habe ich auch Angst vor dem Referendariat. Einerseits wegen der ganzen Horrorgeschichten, die man nicht nur liest, sondern mir auch von meinem Umfeld berichtet werden und andererseits da ich tief in mir merke, dass ich in diesem Zustand, mit diesen Ängsten, Selbstzweifel, Selbstunsicherheiten so eine psychisch-belastende Ausnahmesituation wie das Ref NIE packen würde. Die Ausgangsbedingungen sind also momentan nicht gerade optimal, meine Fächerkombination (Deutsch & Englisch) erst Recht nicht, noch dazu die Tatsache, dass ich mit der ganzen Berufswahl ohnehin schon immer gezweifelt habe und ursprünglich eigentlich immer in die Medienbranche wollte, aber (und erneut kommen hier wieder die Ängste und Unsicherheiten zum Vorschein) mir die Medienbranche zu "unsicher" und zu risikoreich war und ich etwas "sicheres", stabiles wollte.


    Ausgangslage nun: aufgrund meiner momentanen, akuten Beschwerden, die etwas an einen Reizdarm erinnern (Verdauungsbeschwerden), entschloss ich mich im Gegensatz zu vor 4 Jahren die Sache nicht erneut wieder auszusitzen, sondern dieses Mal endlich etwas zu unternehmen, um mein Leben umzukrempeln. Nach ärztlichen Untersuchungen, bei denen organisch nichts festgestellt wurde, die Beschwerden aber dennoch anhielten, entschloss ich mich, zur psychosomatischen Ambulanz der Uniklinik meiner Stadt zu gehen.


    Diesen Schritt habe ich jahrelang gemieden wie der Teufel das Weihwasser, weil man mir immer eingebläut hat, dass alles in Richtung Psyche leider Gottes auch heutzutage immer noch mit Risiken und Nachteilen behaftet ist. Und ein wenig Googlen gerade zeigte mir, dass dies wohl aktuell immer noch der Fall ist.


    Was also tun? Ich habe bei der Anmeldung in der Ambulanz Selbstzahlung angegeben. Ein Unterfangen, das sich als nebenjobbender Student auf 450-Euro-Basis wohl kaum dauerhaft halten lassen wird. Anscheinend findet in der psychosomatischen Ambulanz auch gar keine Therapie in dem Sinne statt, sondern es wird eine oder zwei Sitzungen zur Anamnese geben, dann stellen die anhand dessen eine Diagnose und man wird an niedergelassene Therapeuten weitervermittelt, oder aber kann in Form einer Tages- oder stationären Klinik bei denen direkt aufgenommen werden, aber für so schlimm erachte ich meine Situation nun nicht, als das ein Klinikaufenthalt (egal ob Tages oder stationär) in Frage käme.


    Ich gab zudem an, dass der Diagnosebericht auch ausschließlich NUR an mich gesendet werden darf und selbst auf die externe Abrechnungsgesellschaft habe ich verzichtet, sodass mir die Uniklinik persönlich die Rechnung schicken muss.


    Bisher hat eine dieser Anamnese-Sitzungen stattgefunden. Nächste Woche soll die zweite und eventuell letzte sein und dann auf dieser Basis die Diagnose gestellt werden.


    Ich hänge momentan ziemlich in der Luft: schwanke hin und her, ob ich nächste Woche noch einmal hingehen soll, oder ob ich da demnächst anrufen und sagen soll, es hat sich erledigt, ich zahle die bereits stattgefundene erste Sitzung, sie brauchen mir keine Diagnose o.Ä. erstellen und damit hat sich das.


    Oder ob ich diese Sitzungen noch fertig machen soll, dann eine Diagnose erhalte und dann ewig auf einen Therapieplatz warten muss. Eine Therapie, die ich höchstwahrscheinlich als Selbstzahler eh nicht werde zahlen können auf Dauer.


    Ich habe diese Bedenken bei der ersten Sitzung erwähnt. Da war man natürlich erstmal überrascht, dass ihre Gilde als so verpöhnt und nachteilhaft angesehen wird und man hat mir geraten, sich doch nochmal genaustens zu informieren, ob eine kassenabgerechnete Therapie denn tatsächlich so schädlich sei, wie behauptet.


    Meine Frage ist nun:

    Angenommen, ich würde es finanziell gestemmt bekommen, jede Sitzung aus eigener Tasche zu zahlen und es somit an der Krankenkasse und anderen aktensammelnden Behörden vorbeigeschmuggelt bekommen, wäre ich dann verpflichtet, diese selbstgezahlte Therapie immer noch bei der Verbeamtung anzugeben und falls ich lügen würde, wie sollte so eine selbstgezahlte Therapie denn jemals ans Licht kommen, wenn sie nirgends aktenkundig ist aufgrund der Selbstzahlung?


    Ich nehme an, der Amtsarzt wird nicht auf Verdacht hin sämtliche in der EU tätigen, deutschsprachigen Ärzte abtelefonieren, ob ich denn mal Patient gewesen sein könnte?


    Mich kotzt dieses ganze System nur noch an. Man soll ein Leben lang dienstfähig sein, aber bittschön sich auch vorher nicht darum kümmern, dass das auch so bleibt. Die Katze beißt sich selbst in Schwanz. Lieber alles in sich reinfressen, die geheiligte Verbeamtung kassieren und dann mit Ende 30 wegen Burnout ausscheiden. Stellt sich das der Dienstherr so vor?? :autsch:


    Jetzt werden eventuell einige sagen: eine Therapie muss nicht zwangsläufig zum Aus der Verbeamtung führen. Das mag sein. Allerdings gibt es neben Lehramt noch andere Berufe im Beamtenverhältnis, bei denen eine auftauchende psychologische Therapie aber von Vorneherein das Aus darstellt. Zwar weiß ich nicht, ob ich jemals in solchen Berufen landen könnte, aber ich will mir natürlich nicht schon von Vorneherein Mauern hochziehen. Möglichst alle Türen offenhalten. Deswegen möchte ich das erstmal nirgends aktenkundig auftauchen sehen.


    Meine Angst ist jetzt sogar, ob ich durch diese Vorgespräche, von denen ich ja eines bereits hatte, bereits gebranntmarkt bin - aber das kann doch wohl noch nicht als eigentliche Therapie gelten, oder? Das dient ja nun erstmal eher der Diagnoseerhebung. Wenn ich das jetzt abbreche und sage, es hat sich erledigt, dann zählt dieses eine Gespräch sicher nicht als Therapie, oder?


    Ich weiß hier nicht mehr weiter. Ich fühle mich wie in einem Minenfeld - setze ja keinen falschen Schritt und verbaue dir deine Zukunft!

  • Erstmal Glückwunsch, dass du den Schritt gewagt hast! Dazu gehört viel Mut dazu! Schau, dass du auf die Beine kommst. Das Ref ist kein Zuckerschlecken, da braucht man viel Kraft!

    Und überleg dir schon mal einen Plan B, das kann dich auch entlasten, das wirkt sich vielleicht auch auf deine Ängste aus...

    Ich habe mit der Therapie gewartet, bis ich die Lebenszeit-Verbeamtung hatte-waren aber sehr anstrengende Jahre...

    Alles Gute dir!

  • Meine Frage ist nun:

    Angenommen, ich würde es finanziell gestemmt bekommen, jede Sitzung aus eigener Tasche zu zahlen und es somit an der Krankenkasse und anderen aktensammelnden Behörden vorbeigeschmuggelt bekommen, wäre ich dann verpflichtet, diese selbstgezahlte Therapie immer noch bei der Verbeamtung anzugeben und falls ich lügen würde, wie sollte so eine selbstgezahlte Therapie denn jemals ans Licht kommen, wenn sie nirgends aktenkundig ist aufgrund der Selbstzahlung?

    Hallo Kreacher,


    auch ich möchte dir erst einmal zu diesem Schritt gratulieren, der dir sicher schwer gefallen ist - aber mindestens genauso sicher überfällig war!


    Denn sieh mal: Dass du psychosomatische Beschwerden hast (und das auch nicht erst seit gestern), bedeutet doch, dass dein Körper darauf aufmerksam machen will, dass in Wirklichkeit deine Seele nach Hilfe schreit. Ich würde mich an deiner Stelle auf jeden Fall intensiv behandeln lassen, nicht nur, damit dieser unangenehme und sicher auch schmerzhafte Reizdarm endlich kuriert wird, sondern auch, damit du die Ruhe hast, über deinen bisherigen Weg, deinen Ist-Zustand und deine Zukunft nachzudenken. Dass du gerade körperliche Beschwerden hast, passiert ja nicht, obwohl du gerade dein Studium beendest, sondern weil.


    Möchtest du denn wirklich deine berufliche Zukunft auf einer Lüge aufbauen?

    Damit bereitest du nur den Boden für dauerhaftes Unglücklichsein und Gehetztsein.

    Es mag gemein klingen (aber ich meine das keineswegs so!), aber wenn dir das Studium schon so im Magen liegt (sic!) und der Gedanke ans Ref dich noch unruhiger macht... warum um Himmels Willen willst du diesen Weg dann weitergehen? Du bist bereits erkrankt, und glaube mir - das wird im Ref nicht besser, ganz im Gegenteil.


    Ich sage ja nicht, du sollst deine Pläne komplett abblasen.

    Ich gebe nur zu bedenken, dass du im angeschlagenen Zustand überall Schiffbruch erleiden wirst.

    Deshalb würde ich an deiner Stelle das Studium abschließen und mir dann psychiatrisch helfen lassen.

    Alles andere findet sich dann.


    Ich wünsche dir alles Gute! :_o_)

  • Auch wenn ich jetzt erschlagen werde: Deine Gesundheit ist wichtiger als die Verbeamtung (falls sich eine Psychotherapie überhaupt dahingehend negativ auswirkt). Als angestellter Lehrer hat man auch (andere) Vorteile gegenüber verbeamteten Lehrern. Die Rente/Pension als Angestellter ist geringer, das ist der entscheidende Punkt, aber sonst... lässt sichs auch gut leben und du kannst leichter Stellen wechseln.


    Mit jetzt schon angeschlagener Psyche wird das Ref. ohne Hilfe wahrscheinlich eine große Herausforderung.

  • Als angestellter Lehrer hat man auch (andere) Vorteile gegenüber verbeamteten Lehrern.

    *unterschreib*


    … und dank des momentanen Lehrermangels würde ich mir ohnehin sehr gut überlegen, ob ich nicht lieber als Angestellter arbeiten möchte. 8_o_)

    Always look on the bright side of life… :pfeifen:

  • Ich habe gerade nach viel Lesen und Recherchieren eine E-Mail als Entwurf an die psychosomatische Ambulanz aufgesetzt, bei der nächste Woche ja das zweite Beratungsgespräch stattfinden soll. Meine Recherchen gerade haben mich mehr und mehr verschreckt, dass eine Therapie im aktuellen Zustand vielleicht doch noch wesentlich mehr Steine in den Weg legen könnte, als es gut wäre. Dies betrifft nicht nur das Berufsfeld Lehramt, sondern anscheinend auch viele andere Berufe im öffentlichen Dienst, die ich mir als Lehramtsalternative vorstellen könnte.


    Zwar sind diese Beratungsgespräche lediglich dazu da, um am Ende eine Diagnose zu ermitteln und mich dann an einen Therapeuten weiterzuvermitteln, aber mir machen allein diese Beratungsgespräche bereits Sorgen. Zählen die auch schon als "Therapie", die man angeben müsste? Sobald ich eine Diagnose bekäme, müsste ich diese selbst ohne danach folgende psychologische Therapie angeben? Oder wäre nur die danach folgende Therapie angabepflichtig?


    Ich habe daher gerade eine Mail aufgesetzt, allerdings noch nicht abgeschickt, in welcher ich das zweite Vorstellungsgespräch nächste Woche absage und auch keinen aufgrund des Abbruchs unvollständigen Diagnosebericht erhalten möchte, sondern nur die Rechnung für das bereits stattgefundene erste Vorstellungsgespräch.


    Die Therapie würde ich dann auch erst nach einer etwaigen Verbeamtung bzw. nach einer Berufssicherung angehen. Aber momentan bin ich zu verunsichert, ob mir das noch vor Ergreifen eines Berufes nicht schon zu vieles verbauen würde.


    Was meint ihr? Die Mail habe ich noch nicht abgeschickt, aber ich bin kurz davor. Ich weiß einerseits zwar, dass es dringend notwendig wäre, allerdings wäre ich nachher nicht glücklicher, wenn ich mir dadurch bereits vieles verbaut hätte...

  • Ich glaube, dass du dir vor allem etwas "verbaust" wenn du dir nicht endlich erlaubst die Hilfe zu erhalten, die du benötigst. Alles andere kannst du danach mit neuer Kraft und vor allem neuem Mut und Zuversicht angehen für dich. Du hast eingangs selbst geschrieben, dass du u.a.mit diversen Ängsten zu kämpfen hast. Genau diese Ängste lese ich massiv heraus bei deinen Überlegungen dir selbst notwendige Hilfe zumindest vorerst zu versagen. Lass nicht der Angst das letzte Wort, gib ihr nicht länger soviel Macht über dein Leben, sondern wage den ersten Schritt zu mehr mentaler Gesundheit, indem du dich dazu entschließt stärker zu sein als deine Ängste und erforderliche Hilfe anzugehen und anzunehmen. Ich weiß aus eigener Erfahrung wie groß dieser erste Schritt ist, ich weiß auch, wieviel heller, schöner und gesünder das Leben wird, wenn man sich endlich erlaubt Hilfe zu suchen und anzunehmen. Ich wünsche dir alles Gute und hoffe, es gelingt dir gut für dich zu sorgen. :troest:

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Im Grunde hast du bzw. habt ihr alle Recht. Aber vielleicht wäre es doch sinnvoller, das Ganze erst anzupacken, wenn es mir nichts mehr versauen kann. Das würde halt noch ein klein wenig Zeit in Anspruch nehmen, aber vielleicht ist es so doch besser. Ach, ich weiß gerade selber nicht mehr weiter... ?(

  • Es „versaut“ dir eher etwas, wenn du die therapeutische Hilfe zu spät in Anspruch nimmst. Um die Zeit, die du dann noch leidest, wäre es zu schade bzw. würdest du ein Referendariat vielleicht nur schlecht oder gar nicht durchstehen. Eine Verbeamtung ist es im Zweifelsfall nicht wert, sich nicht auf den Weg zu machen, an solchen Problemen zu arbeiten und dadurch mehr Lebensfreude zu gewinnen.

    Lass deinen Leidensdruck nicht noch größer werden! Man kann durch eine gute Therapie so viel gewinnen, das habe ich selbst erfahren und ich weiß heute auch, ich hätte früher damit anfangen sollen.

    Als Profi bin ich gendermäßig wieder zufrieden oder sollte es Profitesse heißen?
    Für Conni: اسمي ماري

  • Ich kann den vielen Antworten hier nur Beipflichten. In erster Instanz solltest du dich um deine Gesundheit kümmern.


    [...]Dies betrifft nicht nur das Berufsfeld Lehramt, sondern anscheinend auch viele andere Berufe im öffentlichen Dienst, die ich mir als Lehramtsalternative vorstellen könnte.

    [...]noch dazu die Tatsache, dass ich mit der ganzen Berufswahl ohnehin schon immer gezweifelt habe und ursprünglich eigentlich immer in die Medienbranche wollte, aber (und erneut kommen hier wieder die Ängste und Unsicherheiten zum Vorschein) mir die Medienbranche zu "unsicher" und zu risikoreich war und ich etwas "sicheres", stabiles wollte.

    Mir scheint es auch, als sei der Beruf Lehrer für dich nur interessant, weil er "sicher" ist und du den Beruf ansich nicht wirklich gerne machst. Aber mal angenommen, du schaffst das Referendariat und wirst verbeamtet. Was dann? Im zweifel sitzt du in einem Job die nächsten 40 Jahre fest, bei dem zwar die Taler jeden Monat pünklich auf dein Konto rollen, bei dem du aber unglücklich bist. Ist es das Wert 40 Jahre in einem Beruf festzusitzen, der einem kein Spaß macht?


    Ich kann dir aus Erfahrung sagen: Nein ist es nicht! Kein Geld der Welt, ist es Wert seine Gesundheit und Lebensfreude auf dem Spiel zu setzen.

    Und falls du den Beruf doch sehr gerne machst - wieso nicht auch als Angestellter? Ja die Zahl auf dem Zohnzettel ist eine andere, aber du wirst nicht am Hungertuch nagen und arbeitslos wirst du vermutlich auch nicht.

    Ist dir das alles deine Gesundheit Wert? Das solltest du dich echt fragen. Und wer weiß... Vielleicht wirst du trotz der Therapie verbeamtet.

  • Nur noch zwei Punkte, weil ansonsten alles gesagt ist:


    1. Deine völlig irrationale Angst davor, das selbst gezahlte, nirgends aktenkundige Vorgespräch könnte Dir später einmal auf die Füße fallen, ist für mich der beste Indikator dafür, dass es ein großer Fehler wäre, mit der Therapie zu warten. Mir erscheint es so, dass Du momentan für gar keine Tätigkeit geeignet bist, die qualifikationsmäßig und von der Verantwortung her über die eines Lagerhelfers o. ä. hinausgeht. Dies wohlgemerkt aufgrund Deiner psychischen Verfassung, nicht aufgrund Deiner Qualifikation! Nur der Vollständigkeit halber angemerkt.

    2. Selbst wenn - aufgrund irgendeines saublöden Zufalls - irgendwann mal herauskommen sollte, dass Du mal bei diesem Gespräch gewesen bist, hat das überhaupt keine Auswirkungen. Im äußersten Fall könntest Du immer noch sagen, dass Du wegen Prüfungsangst dort vorgesprochen hast, dass sich dann aber herausgestellt hat, dass keine Therapie notwendig war.


    - davon abgesehen bin ich der gleichen Meinung wie die meisten in diesem Thread: Wenn Du Deine momentane Verfassung halbwegs realistisch wiedergegeben hast, sehe auch ich Dich keine drei Monate im Ref.

    Gib einem Hungrigen einen Fisch, und er ist für einen Tag satt. Zeig ihm, wie man angelt, und er pöbelt Dich an, dass er besseres zu tun hätte, als Schnüre ins Wasser hängen zu lassen.

  • Wie stellst du dir denn das Ref und eine anschließende Tätigkeit als Lehrkraft vor, wenn du so stark wie geschildert beeinträchtigt bist?

    Es hat durchaus seinen Grund, warum der Staat sich für die Gesundheit der angehenden Lehrer interessiert. Natürlich möchte man Kosten gar nicht erst entstehen lassen.

    Der Beruf, den du dir ausgesucht hast, ist einer der psychisch belastendten überhaupt. Krank dort hineinzustarten ist keine gute Idee. Für die Schüler ist eine Lehrkraft, die authentisch ist und Freude an der Arbeit hat, unabdingbar. Unter dem Stress und den Belastungen knicken viel zu oft auch diese Kollegen gesundheitlich ein,


    Insofern: die Angst vor der Therapie scheint mir Teil des Problems zu sein. Mein rat: Geh es jetzt an.

  • Danke dir für diese Einschätzung. Ich weiß nicht, ob dies exakt so zutrifft, denn:


    Gestern Abend habe ich dann also an die psychosomatische Ambulanz geschrieben, welche ja auch nur eine Vermittlungsstelle und keine eigentliche Therapiestelle ist, dass meine Beschwerden mittlerweile nachgelassen haben, was auch tatsächlich so ist und ich daher das Folgegespräch nächste Woche samt des darauf fußenden Diagnoseberichts nicht mehr benötige, da ich die Strategie verfolgen möchte und solche Therapien erst nach einer Verbeamtung anzugehen, sollte es soweit überhaupt kommen.


    Leider kam die Mail zurück, dass sie aus rechtlicher Sicht zu einer Dokumentationspflicht verpflichtet sind und sie mir somit einen Bericht über eben nur das eine stattgefundene Gespräch zuschicken werden. Sprich das wird ein Diagnosebericht werden, so wie das diese Vermittlungsstelle normal auch tut, mit welchem man sich dann an niedergelassene Therapeuten wenden könnte zur Behandlung. Mittlerweile denke ich, dass ich mir diesen Schritt auch gleich sparen hätte können, denn ein niedergelassener Therapeut wird vorher ja auch eine Diagnose stellen, wozu dann überhaupt dieser Zwischenschritt in der psychosomatischen Ambulanz?!


    Ich hatte angegeben, dass dieser Bericht NUR an mich geschickt werden darf und auch nicht über eine Krankenkasse o.Ä. gehen kann, folglich werde auch nur ich diesen Diagnosebericht erhalten. Dieser Bericht fußt nun auf einem einzelnen Erstgespräch bzw. Einschätzungsgespräch von 40 Minuten. Dies stellt meines Wissens ja noch keine Therapie im eigentlichen Sinne dar, oder? Allerdings weiß ich nicht, ob selbst das angabepflichtig wäre. Wenn ich von denen nun einen Bericht mit einer Diagnose (fußend auf einem einzelnen Gespräch) erhalte, wäre sowas auch angabepflichtig, oder nur erfolgte und beendete therapeutische Behandlungen?


    Darüber hinaus frage ich mich, wieviel Wert nun ein Diagnosebericht hat, welcher auf einer einzelnen Sitzung beruht, wenn sogar die Therapeutin nächste Woche nochmals einen weiteren Termin zur Einschätzung haben wollte?!

  • Schaltet Mal einen Gang runter, ihr schreibt einer Person, die offenbar psychisch derzeit sehr angegriffen ist. Das ist NICHT der Moment, indem man grundsätzlich über berufliche Eignung oder Perspektiven nachdenkt.


    Gerade ist was ganz anderes dran: Hilfe annehmen ohne Angst (du hast eine PN von mir), auf die Beine kommen und dann beruflich weitersehen!


    Kreacher Deine Panik bezüglich einer Verbeamtung ist meiner persönlichen Erfahrung nach völlig überzogen. Du solltest es nur nicht verschweigen.

  • EducatedGuess


    Danke für deine Worte!! Das Problem ist, dass ich ohnehin schon etwas "später" dran bin, mein Studium hat sich etwas gezogen und ich werde demnächst 30. Da kommen natürlich (und vermutlich nicht unberechtigterweise) auch Ängste auf, dass es bald auch für gescheite Alternativberufe, die nicht "jobben" darstellen, eng werden wird, falls die Lehramtsschiene doch nicht hinhauen sollte.


    Es macht mir gerade so vieles Sorgen, vor allem, dass sie mir nun einen solchen Bericht schicken müssen und werden. Ich werde jetzt also bei denen im System in der Akte als psychisch-auffällig auftauchen und habe das nun fortan über mir schweben. Rückblickend bereue ich diesen Schritt nun, vor allem da diese Beschwerden im Laufe der letzten Wochen nachgelassen haben. Vielleicht war das alles viel zu überstürzt und ich lege mir mit diesem blöden Diagnosebericht nur gehörig Steine in den Weg,

  • Schaltet Mal einen Gang runter, ihr schreibt einer Person, die offenbar psychisch derzeit sehr angegriffen ist. Das ist NICHT der Moment, indem man grundsätzlich über berufliche Eignung oder Perspektiven nachdenkt.

    Ich finde es sehr wohl angebracht, diese Punkte zumindest anzusprechen. Wenn es Ihr(?) tatsächlich so schlecht geht, wie es rüber kommt, dann sollte man sie auch davor schützen, einen falschen Weg (Lehrer sein / die Therapie zu verzögern) aus den falschen Gründen (Beamter sein) zu gehen.

  • EducatedGuess


    Danke für deine Worte!! Das Problem ist, dass ich ohnehin schon etwas "später" dran bin, mein Studium hat sich etwas gezogen und ich werde demnächst 30. Da kommen natürlich (und vermutlich nicht unberechtigterweise) auch Ängste auf, dass es bald auch für gescheite Alternativberufe, die nicht "jobben" darstellen, eng werden wird, falls die Lehramtsschiene doch nicht hinhauen sollte.


    Es macht mir gerade so vieles Sorgen, vor allem, dass sie mir nun einen solchen Bericht schicken müssen und werden. Ich werde jetzt also bei denen im System in der Akte als psychisch-auffällig auftauchen und habe das nun fortan über mir schweben. Rückblickend bereue ich diesen Schritt nun, vor allem da diese Beschwerden im Laufe der letzten Wochen nachgelassen haben. Vielleicht war das alles viel zu überstürzt und ich lege mir mit diesem blöden Diagnosebericht nur gehörig Steine in den Weg,

    Kreacher, du machst dir selber viel zu viele Ängste. Dieses Gespräch wird null Auswirkung auf deine Karriere haben. Vergiss es!


    Aber man sieht, dass du Sorgen und Probleme hast. Du solltest dir wirklich helfen lassen. Beende dein Studium und mache begleitend eine Therapie. Vielleicht siehst du dann auch überhaupt klarer. Du selbst bist wichtiger als die Verbeamtung, falls das überhaupt Auswirkungen hat. Es gibt Lehrer im Beamtenstand, die Krankheiten seit ihrer Kindheit haben (z.B. Rheuma). Die haben dann sogar Anspruch auf Ermäßigungsstunden. Und wenn das nicht klappen sollte, dann hast du wenigstens mehr Lebensqualität, weil es dir besser geht.


    Setze dir kleinere Ziele: Studienabschluss und Therapie (sind ja schon groß genug). Die Verbeamtung kommt dann auch noch dran.

  • Schaltet Mal einen Gang runter, ihr schreibt einer Person, die offenbar psychisch derzeit sehr angegriffen ist. Das ist NICHT der Moment, indem man grundsätzlich über berufliche Eignung oder Perspektiven nachdenkt.

    Nichts anderes wurde hier geschrieben.

    Sinngemäß: Werde erst einmal in Ruhe gesund, und dann kannst du immer noch überlegen.

    Ich finde es sehr wohl angebracht, diese Punkte zumindest anzusprechen. Wenn es Ihr(?) tatsächlich so schlecht geht, wie es rüber kommt, dann sollte man sie auch davor schützen, einen falschen Weg (Lehrer sein / die Therapie zu verzögern) aus den falschen Gründen (Beamter sein) zu gehen.

    Genau.

    Mich beschleicht nämlich der Verdacht, dass hier jemand auf Deibel komm raus einen sicheren Job haben will (Beamter) - und der eigentliche Beruf (Lehrer) ist eher Nebensache. Da können einem die späteren Schüler jetzt schon leid tun. :_o_(

    Always look on the bright side of life… :pfeifen:

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