Ideen für mehr Abwechslung im coronabedingten Frontalunterricht

  • Hilfe, ich brauche Ideen, wie ich speziell die Themen Politik und deutsche Geschichte für meine erwachsenen TN (heterogene Migrantengruppe) im Unterricht interessanter gestalten kann.


    Zum Hintergrund: leider nur Frontalunterricht in einem Unterrichtsraum mit Kreidetafel und ohne Internetzugang/ohne PC oder sonstiges moderen Equipment (Heureka, ich habe wenigstens einen CD-Player!!!!) möglich. Dazu kommt noch, dass sich die TN das Lehrwerk "Zur Orientierung - Basiswissen Deutschland" (Hueberverlag) nicht anschaffen wollen.


    Natürlich habe ich große Fotokarten mit themenbezogenem Bildmaterial erstellt, eine bunte Deutschlandkarte (meine private) aufgehängt, aus meinen Privatbeständen Bücher mit Bildmaterial, etc verfügbar gemacht und auch ein paar Arbeitsblätter gezogen (dürfen aber aus Kostengründen nicht zu viele sein).


    Vor dieser ganzen C-Ka**e war das ja alles kein Thema, aber mir geht im Moment die Luft aus und ich bin auch dabei, meine Begeisterung für meinen Beruf zu verlieren.

  • Hi Enora, ich hätte zur Materialsammlung noch eine Idee: Hast du schon mal bei den Materialangeboten der Bundeszentrale für Politische Bildung gestöbert? Dort gibt es Materialien in einfacher Sprache und für Willkommensklassen, die sind im Download und als Hefte kostenfrei (man muss lediglich die Portokosten übernehmen, wenn man Hefte oder anderes bestellt und die Lieferung schwerer als 1kg wird). Ich gebe diese z.B. in meinen Berufsschulklassen aus, da ich dort ab und an Nicht-Muttersprachler habe. Auf der Webseite gibt es auch Podcasts, die man dann mit dem Smartphone und einem Bluetooth Lautsprecher in den Klassenraum bringen könnte. Zu einigen Materalien gibt es auch kleine didaktische Handreichungen, Tipps und Hinweise, wie man sie im Unterricht einsetzen kann. Vielleicht ist da ja etwas dabei, was bei dir wieder für etwas mehr Freude sorgt?

  • Coronabedingter Frontalunterricht? Da bin ich froh, dass der bei uns nie angesagt war. Wir machen Unterricht "wie immer", also mit Partner- und Gruppenarbeit etc pp.

    :flieh:

    Ich mache auch viel coronabedingten Frontalunterricht. Nicht wegen irgendwelcher Vorschriften, sondern weil manche Themen letztes Halbjahr entfallen sind und wir jetzt durcheilen. Da lagere ich schon einige Übungen aus.

  • Ich bin zwar kein Lehrer, aber wie wäre es mit einer Art Politik Stadt/Land/Fluss?


    Vielleicht mit den Kategorien Politiker, Länder, Internationale Organisationen, Kriege/Konflikte

  • Hallo Leute,

    erst mal Danke für eure Hilfe.


    Klar kenne ich die Materialien der Bundeszentrale für Polit. Bildung. Ist auch ok, solange es kostenlose Downloads gibt, sobald Portokosten anfallen, heißt es dann von der NL (SL) , dass das dann bitte doch privat zu bezahlen sei und ganz ehrlich: das sehe ich jetzt auch nicht mehr ein! Es wird schon moniert, wenn kostenloses Material vom Bundestag, etc ab und an mal an mich adressiert kommt (schon allein aus Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsgründen beschränke ich mich da wirklich auf Notwendiges!).


    An anderer Stelle hatte ich ja auch erwähnt, dass es keine Regelung über Versicherungsschutz für privatge Tablegts, Smartphoones, etc gibt.

  • @ gingergirl:das Lehrwerk "Zur Orientierung - Basiswissen Deutschland" (Hueberverlag) wollen die TN nicht anschaffen (da gibt es schon seit einiger Zeit einen Hickhack drum). TN sind der Meinung, dass sie LiD nicht brauchen (sie kennen ja oft genug nicht einmal die polit. Struktur ihres Heimatlandes, haben daher oft auch kein Interesse, das dann über Deutschland zu lernen.

  • Vor Corona konnte man ja ganz "normal" unterrichten: Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Stationen, also definitiv mehr Abwechslung, die vermutlich den TN und letztendlich auch mir fehlt.

  • Zitat

    Basiswissen Deutschland" (Hueberverlag) wollen die TN nicht anschaffen

    Wieso haben die TN hier einen Diskussionsspielraum? Wird das nicht von der Schule bzw. Fachkonferenz festgelegt, was schulseitig angeschafft wird bzw. privat gekauft werden muss? Die Betonung liegt hier auf MUSS, da nun mal benötigtes Unterrichtsmaterial (dass das für TN evtl. zu teuer ist, steht noch aif einem anderen Blatt).


    Kann die Schule die Bücher nicht leihweise zur Verfügung stellen? Ich fänd es u.U. auch etwas viel verlangt, wenn TN mit extrem geringem Einkommen "stapelweise" Schulbücher selbst kaufen müssen.

  • Um es noch mal zu u reißen:

    Du sollst

    - Geschichte und politische Bildung unterrichten, vermutlich die DaZ-üblichen Themen

    - Frontalunterricht machen

    - hast kein Buch ?

    - kannst bpb Material bestellen, musst aber das Porto selbst tragen (5€)

    - könntest vermutlich auch Materialien der Bundesministerien bestellen


    Wenn du freischaffend bist, hat dein Arbeitgeber keine Weisungsbefugnis zu deinem Unterricht, von Hygienemaßnahmen abgesehen, gerade deshalb bist du selbstständig und nimmst ja auch viele Nachteile auf die eigenen Schultern.


    Mit dem Kostenträger würde ich aushandeln, was für den Unterricht möglich oder notwendig ist, also freies Kopierkontingent ODER ein festes Lehrmittelbudget ODER eine feste pro-Kopf-Pauschale pro Lernendem ODER die verpflichtende Anschaffung von Lehrmitteln als Zugangsvoraussetzung zum Kurs ODER Bücher zum Ausleihen

    ... BIS du im Unterrichtsraum WLAN zur Verfügung hast mit Gastzugängen für die Teilnehmenden, DANN kannst du auf Kopien verzichten und die Leute am Handy arbeiten lassen.


    Wenn es Frontal sein muss, sind ja Diskussionen mit Rollen dennoch möglich, auch die gegenseitige Vorstellung von Inhalten ... und vielleicht auch mehr.

  • Catania : Ich schätze, das liegt daran, dass Enora bei einem privaten Träger in der Erwachsenenbildung tätig ist und es daher keine Fachkonferenz/Fachteam gibt, die so etwas beschließen könnten.

    Genauso ist es, Humblebee & al.


    In dem besagten Unterrichtsraum ist kein WLAN. Den Hickhack um Selbstanschaffen von Ergänzungsmaterial seitens der TN gab es ab und an schon früher mal. Ganz am Anfang war es so, dass auch das LiD-Lehrwerk gestellt worden war, aber dann haben viele TN in den Büchern rumgemalt oder sie einfach so verschusselt, dass sie irgendwann nur noch leihweise ausgegeben worden waren, es wurde dann trotzdem reingemalt und du als Lehrkraft solltest dann die Bücher kontrollieren und bei Reingemale eben zusehen, dass die TN dann die Bücher bezahlen. Das stieß insbesondere bei den Honorardozenten auf Widerstand. Also gab es dann vor Corona die Option, entweder gebrauchte Bücher leihen oder neues kaufen.


    Jetzt ist nat. wegen Corona die Diskussion, wie mit gebrauchten Büchern verfahren (theoret. müssten diese dann jedesmal desinfiziert werden, am besten vorab noch in Folie einbinden, damit das Desinfizieren besser geht - aber wer soll das bitte alles machen?!) Bei Honorardozenten scheint es schon zu viel verlangt zu sein.für ein Mindestmaß an Ordnung und Sauberkeit im Klassenraum zu sorgen.


    Nachdem einiges an Text von der Tafel zu schreiben war rsp ich auch mal das Diktieren der PoWi-Infos als Diktat angekündigt hatte, stieg die Bereitschaft, sich die Bücher anzuschaffen ;)

  • Zitat

    Bei Honorardozenten scheint es schon zu viel verlangt zu sein.für ein Mindestmaß an Ordnung und Sauberkeit im Klassenraum zu sorgen.


    Kann ich ein großes Stückweit nachvollziehen, denn Sie werden dafür nicht bezahlt. Und zwar tatsächlich nicht. Die Bezahlung von Honorarkräften ist zumeist unterirdisch. Sie sind selbstständig und bekommen oft nur einen Stundenlohn von allerhöchstens 25 Euro/Stunde, oft viel weniger (eher um die 20 Euro), bezahlt. Und das von großen, bundesweit tätigen Bildungsträgern. Wenn man die Steuern und alles, die abgeführt werden müssen, abzieht, bleibt meist ein Stundenlohn übrig, der (vergleichbar) unter dem gesetzlichen Mindestlohn für Pädagogische Mitarbeiter liegt!


    Wie ist es denn mit Kopien aus den Büchern? Oft werden ja sowieso nicht alle Seiten durchgenommen. Aber vermutlich zahlt das der Bildungsträger auch nicht :-/

  • Sorry, Catania, aber das BAMF hat die Stundensätze der Honorardozenten deutlich angehoben.


    Wenn ich es zu meiner Zeit mit Honorardozententum geschafft habe, meinen Unterrichtsraum sauber und ordentlich mit geschlossenen Fenstern, ausgeschaltetem Licht und runtergedrehter Heizung für weniger als 35 E verlassen, dann könnten andere das doch auch, oder?


    Das Thema Kopierkosten wird auch von Träger zu Träger unterschiedlich gehandthabt. Es gibt tatsächlich welche, da sollte man besser sein Kopierpapier selbst mitbringen.

    Außerdem ist das Kopieren aus Büchern ja auch immer unter dem Aspekt des Copyrights zu betrachten. Klar, aus dem Lid-Lehrwerk braucht man wirklich nicht alles, deshalb konnte ich mir ja auch die ganze Zeit mit Arbeitsblättern und meinem eigenen Lehrmaterial behelfen, aber durchgängig 25 UE in der Woche coronabedingt total frontal - nö, das geht selbst mir an die Substanz.


    Ich muss aber auch sagen, dass speziell dieser Kurs nach Corona und nach den Ferien mit "Macken" angefangen hatte, die für mich neu gewesen sind, z. B. das Infragestellen, warum denn die Bilder in der Prüfung schwarzweiß seien oder warum die telc-Prüfungsbögen mit Bleistift ausgefüllt werden müssen. Bislang hatte das noch kein Kurs gefragt (hatte mich darüber auch mit anderen KuK ausgetauscht, die hatten das auch noch nicht erlebt).

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