Studienabschluss steht bevor, Unsicherheiten, Selbstzweifel und evtl. auch psychosomatische Angsterkrankung

  • Ich habe jetzt sogar die Stelle gefunden, wo man das mit den Übungsaufsätzen nachlesen kann, da es mich selbst interessiert hat. Da steht übrigens auch, dass man eigene Gedanken von Schülern zulassen kann.

    https://www.isb.bayern.de/down…9_kms_schreiben_neu_r.pdf

    Ich habe mir das jetzt Interesse halber mal reingezogen:


    "Die schriftlichen Schulaufgaben erwachsen aus dem Unterricht. Vor der Schulaufgabe erhalten die Lernenden gezielte Rückmeldungen von Seiten der Lehrkraft zu schriftlichen Übungen, die die Aufgabenform vorbereiten, darunter bei neu eingeführten Formen zu einem Übungsaufsatz, so dass die Schülerinnen und Schüler abschätzen können, welche Anforderungen mit der in der Schulaufgabe erwarteten Schreibleistung insgesamt verbunden sind. Die Rückmeldung macht die wichtigsten Beurteilungsgesichtspunkte transparent. Wesentliches Ziel ist die individuelle Diagnose und Förderung der Schreibkompetenz."


    Also da steht nichts drüber,...

    ... dass ich das einsammeln und zuhause wie eine Klassenarbeit korrigieren muss.

    ... dass das für die Schüler Pflicht ist.

    ... in welcher Form diese Rückmeldung geschehen muss (schriftlich, mündlich?)

    ... dass die Rückmeldung individuell für jeden Schüler erfolgen muss.


    Also keine Ahnung, aber ich hätte da so einige Ideen wie ich mir da das Leben einfacher machen könnte. Aber wie gesagt, ist ja vollkommen OT eigentlich. Aber gut, dass man mal drüber gesprochen hat. Ich dachte schon, ich falle vom Glauben ab.

  • MrsPace: Die SL kann in Absprache mit dem Fachbetreuer eine ganze Schulaufgabe einkassieren, wenn man zu dem Schluss kommt, dass du sie nicht adäquat vorbereitet hast. Sie wird dann wiederholt. Wenn du keinen Übungsaufsatz gestellt hast bzw. diesen für freiwillig erklärt hast, dann wird man bei Elternbeschwerden sehr schnell zu diesem Schlus kommen, befürchte ich.

  • Ich habe jetzt sogar die Stelle gefunden, wo man das mit den Übungsaufsätzen nachlesen kann, da es mich selbst interessiert hat. Da steht übrigens auch, dass man eigene Gedanken von Schülern zulassen kann.

    https://www.isb.bayern.de/down…9_kms_schreiben_neu_r.pdf

    Ok, lassen wir das hier. Ist ohnehin OT, und ich glaube, wir reden über komplett verschiedene Dinge.

    The pen is mightier than the sword.

    - Edward Bulwer-Lytton

  • MrsPace: "macht die wichtigsten Beurteilungskriterien transparent" und "gezielte Rückmeldung" bedeutet schon, dass du eine schriftliche Rückmeldung geben musst. Die Kriterien sind auch vorgegeben (bezieht sich auf verschiedene Kompetenzbereiche).

  • MrsPace: "macht die wichtigsten Beurteilungskriterien transparent" und "gezielte Rückmeldung" bedeutet schon, dass du eine schriftliche Rückmeldung geben musst. Die Kriterien sind auch vorgegeben (bezieht sich auf verschiedene Kompetenzbereiche).

    Könnte man nicht in den Stunden üben lassen und zu jedem der SuS zu einem bestimmten Punkt eine Rückmeldung geben? Texteschreiben wird doch am besten eh abschnittsweise geübt, da muss die Lehrkraft dann auch nicht so viel auf einmal überblicken. Oder ich gebe denen Kriterien als Checkliste aus und gucke bei jedem auf einen Aspekt, der schwergefallen ist und gebe dazu einen Verbesserungsvorschlag.


    Mir kommt das total teaching-to-the-test-mäßig vor. Wenn ich alles mit einer Pseudo-Klassenarbeit üben müsste, korrigiere ich mich ja zu Tode - und spare an der Unterrichtsvorbereitung. Fällt dann irgendwann auch auf, Stichwort Eltern.

  • MrsPace ich finde deinen Ratschlag, aus der Opferrolle rauszukommen echt super und kann dir Salzkristall nur raten dich daran zu halten. Mach einfach dein Ding. Ich würde an deiner Stelle aufjedenfall D/E beenden. Ich weiß nicht aus welchem BL du kommst, aber in manchen BL, so habe ich es verstanden?, kann man nach dem Staatsexamen auch als Erzieher arbeiten und dir hat doch die Arbeit mit den Jugendlichen gefallen? Vielleicht kannst du da ja durchstarten, falls du dich gegen das Referendariat entscheidest, ansonsten geh natürlich ins Referendariat. Das Leben ist keine Einbahnstraße, es gibt immer irgendwas, was man tun kann, falls man mal "versagt"

  • Das ist übrigens nicht abgeschafft, sondern läuft aus. Da kann man aber noch problemlos drin studieren und auch Prüfungen ablegen. Da bist du auch nicht ganz ehrlich zu dir.

    In meinem Bundesland ist sie seit 2015 am Auslaufen, das heißt, wer sich ab 2015 oder später fürs Lehramt einschreibt (oder aber im Staatsexamenstudiengang einen Fachwechsel vornimmt und/oder ein Drittfach beginnt), der landet AUTOMATISCH in der neuen Prüfungsordnung. Nachzulesen in jeder Studienordnung. Da lüge ich mich nicht selbst an, sondern das sind die Fakten. Und aufgrund meines erfolgten Fachwechsels landete ich automatisch in der neuen Studienordnung, konnte mir aber meine unter der Staatsexamen-Ordnung erbrachten Leistungen zu großem Teile anrechnen lassen, sodass es mich nur ein wenig zeitlich zurückgeworfen hat. Ich finde das neue System aber auch überhaupt nicht nachteilig - ich finde einen Master of Education sogar besser als ein Staatsexamensabschluss, der nicht einmal einen akademischen Abschluss per se darstellt. Mit einem Master of Education sehe ich mich breitgefächerter aufgestellt, um eventuell auch noch andere Dinge außer Lehramt angehen zu können. Mit einem herkömmlichen Staatsexamen habe ich keinen akademischen Abschluss und im Ausland weiß man damit erst Recht nichts anzufangen - geht ja schon mit der Suche nach einem möglichst präzisen Begriff dafür los. State Board Examination?! Teacher's degree?!


    Master of Education hingegen ist klar verständlich, was sich hinter diesem Abschluss verbirgt.

  • MrsPace ich finde deinen Ratschlag, aus der Opferrolle rauszukommen echt super und kann dir Salzkristall nur raten dich daran zu halten.


    Ich sehe mich nach wie vor nicht in einer passiven, lamentierenden Opferrolle - ich denke auch nach wie vor, dass MrsPace meine ersten beiden Beiträge diesbezüglich auch eher missinterpretiert hat.

    Auch hatte ich niemals vor, mein Studium NICHT zu beenden. Dass ich dieses halbe Jahr nun noch durchziehe, stand nie zur Debatte. Zur Debatte stand und steht, wie es nach dem Uniabschluss weitergeht: ob direkt Ref, oder erst einmal noch etwas anderes und das Ref dann im Anschluss daran / oder eventuell auch nie? Wer weiß, vielleicht gefällt es mir in dem Bereich, was ich nach dem Uniabschluss dann mache, so gut, dass es mich gar nicht mehr so richtig zurückzieht ins Ref? Keine Ahnung. Aber meinen Master-of-Education-Abschluss mache ich auf jeden Fall fertig, ebenso auch meine angefangene Zusatzqualifikation "DaZ", wer weiß, wofür das mal noch gut sein wird.


    Ich weiß nur: so, wie es mir aktuell geht (vor allem körperlich und psychisch), hat das mit dem Ref so keinen Wert. Vielleicht ist es da gar nicht verkehrt, erst einmal noch was anderes zu machen, und mich erstmal wieder bisschen auf die Beine zu bringen, bevor ich mich dann in diese spanische Inquisition namens Ref begebe. Weil so instabil, wie ich zurzeit nervlich bin (ich kann quasi auf Kommando losheulen, so trist ist mir momentan alles gerade), sehe ich das Ref nicht auf stabilen Füßen.

  • Ich weiß nur: so, wie es mir aktuell geht (vor allem körperlich und psychisch), hat das mit dem Ref so keinen Wert.

    Du merkst, dass das dann hier fast so ist wie in einer Therapie. Ein Therapeut gibt zwar normalerweise keine Ratschläge, aber dort wirst du dir ebenfalls während oder nach einem Gespräch immer klarer, was du eigentlich selbst denkst/fühlst/willst.

    Du brauchst also vielleicht einen Rat, den du ablehnst, weil du damit für dich selber mehr Klarheit bekommst.


    Etwas anderes ist es allerdings, die eigene Befindlichkeit/Rolle nicht gut reflektieren zu können. Wenn es das ist, können noch so viele Menschen versuchen zu spiegeln, wie das, was du schreibst auf sie wirkt.


    Ich hoffe für dich, dass das erstere der Fall ist und dass du den Weg einschlägst, den du wirklich willst und dabei die Option nicht vergisst, wieder etwas anders zu machen, bevor du zu unglücklich wirst.

    Die Weisheit des Alters kann uns nicht ersetzen, was wir an Jugendtorheiten versäumt haben. (Bertrand Russell)

  • @ Salzkristall

    Das, was du schreibst, klingt ziemlich reflektiert. Wie ich sehe, willst du dir einige Optionen offen halten.

    Mache auf jeden Fall DAZ fertig! Das kann ein Standbein sein, wenngleich die Bezahlung wahrscheinlich nicht mit einem Gymnasiallehrergehalt vergleichbar ist.

    Wir an unserer Schule sind auf jeden Fall immer froh, wenn wir fürs folgende Schuljahr die Zusatz-DAZ - Kurse durch Externe, die von der Schulbehörde angestellt werden, abgedeckt haben. Flexible, qualifizierte DAZ - Lehrer sind im Augenblick noch rar.

  • (...) Ich weiß nicht aus welchem BL du kommst, aber in manchen BL, so habe ich es verstanden?, kann man nach dem Staatsexamen auch als Erzieher arbeiten und dir hat doch die Arbeit mit den Jugendlichen gefallen? Vielleicht kannst du da ja durchstarten, falls du dich gegen das Referendariat entscheidest, ansonsten geh natürlich ins Referendariat. Das Leben ist keine Einbahnstraße, es gibt immer irgendwas, was man tun kann, falls man mal "versagt"

    Ich möchte nur kurz diesen Teilaspekt aufgreifen mit Verweis auf die Rechtslage in BW (https://dejure.org/gesetze/KiTaG/7.html). Einige Studienabschlüsse aus dem Lehramtsbereich können hier als gleichwertig mit einer Erzieherausbildung anerkannt werden, so dass man direkt als Erzieher tätig werden kann nach dem 1.Staatsexamen, sollte man nicht direkt (oder gar nicht) ins Ref wollen. Eventuell wäre so ein Ortswechsel auch eine Chance für dich Salzkristall , um etwas dringend benötigten Abstand zu deinem Elternhaus zu gewinnen, herauszufinden, wer du eigentlich sein möchtest und was das beinhaltet, zu dir zu stehen (beruflich, menschlich, sexuelle Orientierung), vielleicht sogar einen Partner zu finden und ganz nebenbei deinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Erzieher verdienen zwar nicht weltbewegend gut, aber bei einer Vollzeitstelle doch besser als die meisten Azubis. Das würde dir also vor allem auch direkt finanzielle Unabhängigkeit von deinem Elternhaus ermöglichen, was es erlaubt deutlich freier zu agieren und auch Grenzen zu ziehen den Eltern gegenüber. Sollte sich herausstellen, dass das Ref doch dein Weg sein könnte, hast du ganz nebenbei auch noch Berufserfahrung in einem berufsnahen Arbeitsfeld gesammelt, von der du in jedem Fall im Ref profitieren wirst (ich habe lange als Pädagogische Fachkraft( = Erzieheräquvalent) mit Kindern und Jugendlichen ab 6 Jahren, später dann ab 10 Jahren gearbeitet- das hat mir unglaublich viel gebracht im Ref, weil ich mit meiner Zielgruppe bereits gearbeitet habe, aber eben auch die Stufe davor- GS- besser kennenlernen konnte).

    Nimm dir Zeit, dich tatsächlich auf eine Therapie einzulassen. Dein erster Beitrag liest sich eher so, als hättest du das 2x probiert mit verschiedenen Therapeuten und würdest das, weil es menschlich in den Probesitzungen nicht gepasst hat, wieder lassen, während du dich gleichzeitig daran festzuhalten scheinst, dass es in jedem Fall eine somatische Ursache für bestimmte gesundheitliche Probleme geben müsse, egal was dir deine Ärzte sagen, weil es keine psychosomatische Ursache geben darf. Ich gehe davon aus, dass zumindest einem Teil von dir bewusst ist, dass genau dieses Verhalten ein Symptom einer hypochondrischen Angststörung ist (eine gute Freundin von mir leidet ebenfalls darunter, insofern kommt mir das recht bekannt vor, dass es schwer fällt zu akzeptieren, dass es keine somatische Ursache für ein somatisches Symptom geben soll). Versuch dich damit auseinanderzusetzen, dass dein Körper lediglich eine Sprache sucht, die du bereit bist zu verstehen und zu akzeptieren. Je schlechter wir uns selbst zuhören, desto mehr somatischer Symptome bedarf es, damit unsere Psyche ernst genommen wird, die genauso wertvoll und unersetzlich ist, wie jedes Organ in unserem Körper. Such dir einen Therapeuten, mit dem du gemeinsam das eigentliche Gespräch mit dir selbst wagen kannst, damit du verstehst, was du dir eigentlich sagen möchtest, was du brauchst, um gesund sein bzw. werden zu können. Ich könnte mir vorstellen, dass wenn du erst begonnen hast dieses eigentliche Gespräch zu führen, du auch stabil genug sein wirst, um ein Referendariat zu überstehen (das kann man nämlich auch schaffen, wenn man noch auf der Reise zu sich selbst ist und nicht erst, wenn man schon bei sich angekommen ist). Ich wünsche dir alles Gute für deine Reise und alle äußeren Schritte, die diese begleiten werden.

    "Benutzen wir unsere Vernunft, der wir auch diese Medizin verdanken, um das Kostbarste zu erhalten, das wir haben: unser soziales Gewebe, unsere Menschlichkeit. Sollten wir das nicht schaffen, hätte die Pest in der Tat gewonnen. Ich warte auf euch in der Schule." Domenico Squillace

  • Salzkristall Du siehst dich also nicht in der Opferrolle? Alles klar, dann nimm dir bitte Stift und Papier und schreib dir für dich mindestens fünf Dinge auf, die DU (ja DU) falsch gemacht hast und die dich in die Situation gebracht haben, in der du heute bist.


    Ich kann dir nur nochmal raten: Hör auf mit dem Finger auf Andere zu zeigen oder irgendwelche unglücklichen Umstände vorzuschieben. Du wirst irgendwann in deinem Leben sehr große Reue haben, wenn du den Denkfehler, dass Andere für dein Lebensglück zuständig/verantwortlich sind, nicht als bald behebst.


    Deine „Idee“ jetzt noch eine Ausbildung zu machen, ist für mich die Fortsetzung deiner Vermeidungsstrategie. Wieso solte denn eine Ausbildung, die noch drei Jahre dauern wird, so viel besser laufen als das Ref? Da hockst du wieder in der Berufsschule. Mit 16-Jährigen, die frisch von der Realschule, etc. kommen. Ich habe in meinen Berufsschulklassen immer mal wieder Schüler die Ü30 sind. Glaub mir, das ist auch kein Zuckerschlecken.


    Was spricht denn überhaupt dagegen erst das Ref zu versuchen und wenn das nicht klappt, dann die Ausbildung zu machen? Habe ich bisher nicht verstanden. Ok, du sagst du bis psychisch im Moment labil. Aber wieso sollte denn eine Ausbildung dann locker flockig laufen und das Ref nicht. Im Ref hast du es wenigstens mit „Gleichgesinnten“ zu tun, die ungefähr deine Altersklasse haben.

  • Was das Thema Ausbildung angeht, da kann ich mich nur erneut MrsPace anschliessen.

    Ich habe nach der Realschule selber eine (kaufmännische) Ausbildung gemacht, zu Beginn war ich 16. Alle anderen waren auch in der Altersklasse bzw. Leute mit Abi etwa 3 Jahre älter.

    Du würdest mit Ü30 eine ganz andere Lebensrealität haben als deine Azubi-Kollegen und da Anknüpfungspunkte zu finden ist schwierig, glaub mir das. Mit Vorgesetzten und Mitarbeitern ist das auch so eine Sache - bedenke, dass du trotz deiner höheren Lebenserfahrung in der Hackordnung ganz unten bist. Und intellektuelle Herausforderungen wirst du, sehr vorsichtig gesagt, dort eher nicht finden.

    Alles in allem denke ich nicht, dass es dir dort besser gehen würde als im Ref, eher das Gegenteil.

  • Was das Thema Ausbildung angeht, da kann ich mich nur erneut MrsPace anschliessen.

    Ich habe nach der Realschule selber eine (kaufmännische) Ausbildung gemacht, zu Beginn war ich 16. Alle anderen waren auch in der Altersklasse bzw. Leute mit Abi etwa 3 Jahre älter.

    Du würdest mit Ü30 eine ganz andere Lebensrealität haben als deine Azubi-Kollegen und da Anknüpfungspunkte zu finden ist schwierig, glaub mir das. Mit Vorgesetzten und Mitarbeitern ist das auch so eine Sache - bedenke, dass du trotz deiner höheren Lebenserfahrung in der Hackordnung ganz unten bist. Und intellektuelle Herausforderungen wirst du, sehr vorsichtig gesagt, dort eher nicht finden.

    Alles in allem denke ich nicht, dass es dir dort besser gehen würde als im Ref, eher das Gegenteil.

    Danke, Philio ! Ich wusste nicht, wie ich das mit der „intellektuellen Herausforderung“ diplomatisch formuliert bekomme. ;)

  • Wieso solte denn eine Ausbildung, die noch drei Jahre dauern wird, so viel besser laufen als das Ref?

    Ich habe mir diese Frage auch gestellt und bin auf folgende, mögliche Antwort gekommen:

    Stelle ich mir aktuell die Zeit nach dem Uniabschluss vor, sprich das selbst hier im Forum oft als sehr stressige, psychisch äußerst belastende Referendariat, welches mich mit meiner ohnehin schon sehr unglücklichen Fächerkombination mit ungewissen Berufsaussichten dann den ganzen Tag bis spät nachts nur noch an den Schreibtisch fesseln wird, dann kommt in mir wenig bis gar keine Freude, Neugier, Spannung auf. Ganz im Gegenteil zu Caro07's KommilitonInnen, welche es ja anscheinend kaum erwarten konnten, endlich aus der Uni draußen zu sein und sich ins System "Schule" zu stürzen. Solche KommilitonInnen gabs bei mir auch.


    Stelle ich mir aktuell hingegen eine Ausbildung im oben genannten telekommunikativen / informatischen Bereich vor, mit welchem ich mich schon die ganzen Jahre über neben dem Studium hauptsächlich in meiner Freizeit autodidaktisch befasse (anstatt Goethe, Schiller oder Lehr-Lern-Didaktik zu lesen in der Freizeit), dann kommt in mir durchaus Neugier und Interesse auf. Letztens hatten wir die Elektriker im Haus, die bei uns neue Internet-Netzwerkleitungen legten und installierten und die ganze Zeit wich ich denen nicht von der Pelle - mich interessierte es, was gemacht wird, konnte es aufgrund meines autodidaktischen Befassens mit der Thematik auch nachvollziehen, konnte mit denen über technische Aspekte wie Dämpfung, Durchlassrate, etc diskutieren und dachte mir, mensch, sowas könnte ich mir beruflich auch gut vorstellen, das würde mir Spaß machen, damit befasse ich mich auch in der Freizeit genug.


    Zu dem Zeitaspekt: ich glaube nicht, dass ich mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium volle 3 Jahre Ausbildung durchlaufen müsste. Das muss man ja teilweise nicht mal mit bloß Abitur. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, dass ich meine 2 studierten Fächer in der Ausbildungsschule absolvieren müsste - denn ich könnte ja quasi selbst vorne hinstehen und den Unterricht für die Azubis machen. Vermutlich werden es nur ausbildungsspezifische Schulfächer sein, die ich dann aber auch bestimmt verkürzt durchlaufen müsste.


    Aufgrund dieser beiden Gegenüberstellungen denke ich, komme ich zu der Antwort auf deine Frage.



    Zitat

    Da hockst du wieder in der Berufsschule. Mit 16-Jährigen, die frisch von der Realschule, etc. kommen.


    Nun ja, wenn das so ist, dann dürfte ja eigentlich niemand jenseits der 20 mehr eine Ausbildung mehr beginnen, geschweige denn Ende 20, Ü-30 oder gar Ü-40. Ich frage mich dann, was jene machen, die durchs Ref fallen mit Anfang, Mitte 30... Sind die dann für den Rest des Lebens H4-ler, weil eine Ausbildung aufgrund der etwaigen 16-jährigen Mitschüler nicht mehr machbar wäre?


    Zudem läuft der heutige Trend meines Erachtens nach eh zu einer Inflation in der Bildung hin. Wer macht heute als 16-jähriger mit Realschulabschluss noch eine Ausbildung? Heute ist Abitur Standard und nach dem Abitur muss mindestens ein Bachelorstudium obendrauf. Ausbildung? Es ächzen doch alle Betriebe, weil kaum noch Azubis da sind...

    Zudem sehe ich den Sinn einer Ausbildung, wie die eines Studiums, nicht primär darin, neue Freundschaften zu schließen und mit denen nachts um die Blocks zu ziehen, sondern im Erwerb einer "Ausbildung". Ob da jetzt 16-jährige, 20-jährige oder 40-jährige mit drin hocken, ist mir persönlich ziemlich egal.


    Zitat

    Was spricht denn überhaupt dagegen erst das Ref zu versuchen und wenn das nicht klappt, dann die Ausbildung zu machen? Habe ich bisher nicht verstanden. Ok, du sagst du bis psychisch im Moment labil. Aber wieso sollte denn eine Ausbildung dann locker flockig laufen und das Ref nicht. Im Ref hast du es wenigstens mit „Gleichgesinnten“ zu tun, die ungefähr deine Altersklasse haben.

    Warum die Ausbildung besser laufen könnte als das Ref, habe ich oben ja schon erläutert. Bezüglich der "Gleichgesinnten" habe ich eben ja auch schon was gesagt. Ausbildungsklassen sind längst nicht so homogen, wie du es hier beschreibst. Auch im Studium hatten wir einige Ü-30 und Ü-40.

  • Danke, Philio ! Ich wusste nicht, wie ich das mit der „intellektuellen Herausforderung“ diplomatisch formuliert bekomme. ;)

    Nur zur weiteren Ergänzung:


    Selbst im Vorbereitungsdienst muss man "Glück" haben, was die "Hackordnung" in der Ausbildungsschule angeht.

    Hier ist es ähnlich wie mit einer Ausbildung, die man deutlich später im Leben anfängt.

    Trotz Lebenserfahrung wird man sicherlich an einigen Ausbildungsschulen nicht als "vollwertig" angesehen, obwohl man schon einiges mitbringt aus dem vorherigen Lebensabschnitt. ;)


    Das muss einem also sowohl bei einer Ausbildung als auch beim Einstieg ins Referendariat bewusst sein!

  • Du würdest mit Ü30 eine ganz andere Lebensrealität haben als deine Azubi-Kollegen und da Anknüpfungspunkte zu finden ist schwierig, glaub mir das.

    Siehe hierfür ebenfalls den obigen Post mit den Ausführungen zu MrsPace. Es geht in der Ausbildung doch nicht darum, neue Leute kennenzulernen, das ist doch keine Single-Börse. Ausbildung, wie Studium ist sehr zweckgebunden, mit dem Ziel des Erreichens und des Erwerbs von Qualifikationen und Kompetenzen.

    Bezüglich intellektueller Forderung: sicherlich wird eine Ausbildung bestimmt intellektuell auf niedrigerem Level sein als mein Gymnasialstudium, aber auch das muss ja nichts Schlimmes sein. Da kommt man dann vermutlich umso schneller durch mit gleichzeitig sehr guten Noten.


    Eine Ausbildung sehe ich, wie gesagt, einfach als sicheres Backup für die Fälle, dass das mit dem Lehramt nicht mehr weitergeht. Im Lehramt, das habt ihr selbst gesagt, ist der Zeit- und Altersfaktor nicht so entscheidend, außerhalb des Lehramts aber durchaus. Deswegen sehe ich die Reihenfolge Ausbildung und danach eventuell Ref als wichtiger an als umgekehrt. Weil irgendwann ist auch für eine Ausbildung der Zug abgefahren, selbst wenn es dort auch vereinzelt noch Ü-40 Leute geben mag.

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