Distanzunterrricht - wie läuft es technisch und organisatorisch

  • Nun... dann sollten wir das Klischee erfüllen, die Füße hochlegen und das Leben genießen. 8)

    Ehrlich? Mach ich teilweise im Moment. Da die UnbildungsministerInnen schon mehrfach gezeigt haben, dass ALLES an tollen technischen Spielereien was man im Moment zusätzlich vorbereitet dann danach für die Tonne sein wird, weil in Wahrheit Unterricht wie vor 20 Jahren gewünscht ist, mach ich außer "1:1-Übertragung meiner sowieso vorbereiteten Sachen in die Videokonferenz" nix mehr.


    Könnte der Unterricht besser sein? Sicher.

    Funktioniert er auch so? Jup. Reicht mir.


    Und ja, damit hat man's tatsächlich relativ gemütlich. Im Prinzip die ganz normalen Arbeitszeiten minus Fahrt, für jeden Mist durch das riesen Gebäudelaufen und viel Verwaltung (die man allerdings irgendwann wird nachholen müssen).

  • Genau so mache ich das und finde das vollkommen in Ordnung.


    Faul wäre, wenn du unveränderte alte Blätter hochlädst, Lösungen der Schüler gar nicht anschaust und dann eine Woche später die Musterlösung droppst. Oder nicht einmal das.


    Wie gesagt, ich habe Kollegen, die haben seit Mitte Dezember NICHTS gemacht.

  • Ich lese mir tatsächlich solche Artikel nicht mehr durch und nehme auch so einen Mist nicht als etwas an, das sich auf mich bezieht.

    Das ist wohl das einzig Richtige. Aber wenn ich so einen Artikel sehe, guck ich leider doch manchmal...


    Trotzdem kann ich es nicht ganz ausblenden, da ich auch in der realen Welt immer mal damit konfrontiert werde. Beim 1. Lockdown bekam ich eine Nachricht von einem Familienmitglied, wir hätten ja jetzt unerwartet Ferien und ob wir jetzt immer schön Ausflüge zusammen machen würden... Oder wenn es derzeit um Kinderbetreuung geht usw., kommt "Ach du hast ja auch frei, wenn die Schulen zu sind, du hast das Problem ja nicht."

    Oder als meine Kids jeweils in der 1. Klasse waren und die Eltern sich unterhielten über die Betreuungsmöglichkeiten in den Ferien: "Wie machst du das? Ach du hast ja auch Urlaub...."


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  • "Ferien" werden gleichsetzt mit "nicht vor Ort arbeiten". Ich sagte auch während der vorlesungsfreien Zeit immer, dass ich Ferien habe, obwohl ich Hausarbeiten zu schreiben oder für Prüfungen zu lernen hatte. Mache dir keinen Stress und denke dir deinen Teil einfach, Lehrerin2007 ;) !

  • Wie gesagt, ich habe Kollegen, die haben seit Mitte Dezember NICHTS gemacht.

    Bei uns ist das schön, dass diesmal die Kollegen, die im 1. Lockdown wenig bis gar nichts gemacht haben nun plötzlich z.B. KLassenlehrer einer 1-3 sind und ganz schön schnaufen, wobei sie meiner Meinung nach immer noch zu wenig machen, aber sie müssen endlich arbeiten (schönes Gefühl!) undauch die Kollegin, die mir im 1. Lockdown gesagt hat, dass jeder Lehrer, der nun nicht mehr Freizeit als vorher hat, was falsch macht, sagt das nun nicht mehr. Warum nicht, sie hat nun eine 6. Klasse, also Abschlussklasse der Grundschule bei uns und die Eltern treten sie regelmäßig und heftig, dass sie nun endlich arbeitet.


    Dafür muss ich z.B. aktuell bis auf eine Englischstunde online und eine zum zuhause machen für nächste Woche bisher gar nichts vorbereiten. Das ist dann eben der Ausgleich, aber klar habe ich ein schlechtes Gewissen (obwohl ich weiß, dass ich das nicht haben muss, denn alleine mit den PC habe ich diese Woche schon wieder 13 Zeitstunden verbracht (bei insgesamt einer 60% Stelle) und Präsenzunterricht hatte ich ja auch noch (auch wenn ich nur genau machen musste, was meine Kollegin vorbereitet und sogar kopiert hatte))

  • Das Schlimme an diesem pauschalen und völlig undifferenzierten Lehrerbashing ist doch, dass es diejenigen auf die es zutrifft (und dass es die gibt wissen wir alle) vermutlich gar nicht juckt. Für alle diejenigen (und ich behaupte mal, dass das die Mehrheit ist), die jetzt schon seit Monaten im Ausmahmezustand an ihrer Belastungsegrenze arbeiten ist es ein Schlag ins Gesicht. Glauben die Leute, die so einen Scheiß raushauen, dass die Kollegen, die sich trotz der widrigen Umstände immer noch abmühen, dadurch motiviert werden weiterzumachen? Wohl kaum. Wenn ich nicht immer mal wieder aufbauende und auch sehr dankbare Rückmeldungen von den Eltern bekäme, wüsste ich nicht, ob ich noch so viel Energie aufbringen würde. Würde ich dazu dann noch regeläßig solchen Müll lesen, würde ich mein Engnagment irgendwann massiv herunterfahren. Ob das dabb der geüsnchte Effekt ist?

    Ehrlich: ich erwarte keine große Dankbarkeit, aber doch ein Mindestmaß an Respekt.

  • Glauben die Leute, die so einen Scheiß raushauen, dass die Kollegen, die sich trotz der widrigen Umstände immer noch abmühen, dadurch motiviert werden weiterzumachen?

    Als ob es das Interesse dieser Leute wäre, uns zu motivieren.

  • Glauben die Leute, die so einen Scheiß raushauen, dass die Kollegen, die sich trotz der widrigen Umstände immer noch abmühen, dadurch motiviert werden weiterzumachen? Wohl kaum.

    Nein, wohl kaum. Man könnte sich überlegen, ob man selbst so einen Artikel über irgendeine Berufsgruppe verfassen würde. Würde man? Sicher nicht, auch wenn man sich noch so über irgendwen oder irgendwas ärgern würde. Da geht's um Klickzahlen und Wutbürgerbedienung.


    Man sollte eher Mitleid haben und diesen Menschen trösten, dass er nicht zufrieden sein kann mit seinem Leben:troest:

  • Als ob es das Interesse dieser Leute wäre, uns zu motivieren.

    Nein, ist es natürlich nicht. Aber gerade das macht das Geschreibsel so scheinheilig (und das ärgert mich einfach): vordergründig wird so getan, als ginge es um das Wohl der Kinder, während man gleichzeitg genau die Menschen trifft, die sich eben dafür abstrampeln...

    "Die Wahrheit ist ein Zitronenbaiser!" Freitag O'Leary

  • Mal so als Zwischenstand: "Moodle" und Videokonferenzen über "Big Blue Button" und "Jitsi" laufen weiterhin gut bei uns. Zwischenzeitlich hakt es mal etwas bei den ViKo (in Bild oder Ton), wenn viele gleichzeitig stattfinden, aber insgesamt läuft's gut.

    Tja, organisatorisch hat unsere SL nun geplant, dass ab nächster Woche die FOS12- sowie die Abschlussklassen der zwei- und dreijährigen BFS und Fachschulen wieder jeden Tag in die Schule kommen sollen (im Wechselunterricht; außer bei Klassen unter 17 SuS). Die Berufsschulklassen im letzten Ausbildungsjahr kommen - ebenfalls als geteilte Klassen - an ihrem jeweiligen Berufsschultag in die Schule. Außerdem sollen die Berufseinstiegsklassen 1 (entspricht dem BVJ) für zwei Tage wiederkommen (die waren seit drei Wochen für jeweils einen Tag da).

    Für mich heißt das, dass ich nächste Woche zwei Tage für jeweils eine Doppelstunde zur Schule fahren muss. Alle weiteren Stunden habe ich weiterhin im Distanzunterricht.

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • So wir haben den nächsten Fall von abfotografierten und abgefilmten Lehrern die in TikTok und im What‘sApp-Status von einem Schüler veröffentlicht wurden.


    Seine Eltern sehen das als Versehen an. Die Dateien hätten sie gelöscht und damit sei ja jetzt alles in Ordnung...


    Da man in einer Hörgeschädigtenschule aber als Lehrer nicht ohne Kamerabild unterrichten kann, werde ich mit sofortiger Wirkung in dieser Klasse keinen Videounterricht mehr anbieten. Alternativ würde ich es machen, wenn besagter Schüler von der Schulleitung vom Videounterricht ausgeschlossen würde.

  • Da man in einer Hörgeschädigtenschule aber als Lehrer nicht ohne Kamerabild unterrichten kann, werde ich mit sofortiger Wirkung in dieser Klasse keinen Videounterricht mehr anbieten.

    So! Ich halte da Konsequenz auch für angebracht.

  • Da man in einer Hörgeschädigtenschule aber als Lehrer nicht ohne Kamerabild unterrichten kann, werde ich mit sofortiger Wirkung in dieser Klasse keinen Videounterricht mehr anbieten. Alternativ würde ich es machen, wenn besagter Schüler von der Schulleitung vom Videounterricht ausgeschlossen würde.

    Ich sehe da das Vertrauensverhältnis auch beschädigt, plädiere aber wenn dann eher für die 2. Maßnahme als durchaus angemessene Ordnungsmaßnahme. Was können die anderen Schüler für das Fehlverhalten des Mitschülers? Gegen diesen würde ich persönlich bei entsprechendem Lebensalter noch mindestens einen Unterlassungsanspruch durchsetzen wollen. Das tut finanziell etwas weh und ist nicht von der Gefahr einer konsequenzenlosen Verfahrenseinstellung begleitet.

  • Ich sehe da das Vertrauensverhältnis auch beschädigt, plädiere aber wenn dann eher für die 2. Maßnahme als durchaus angemessene Ordnungsmaßnahme. Was können die anderen Schüler für das Fehlverhalten des Mitschülers? Gegen diesen würde ich persönlich bei entsprechendem Lebensalter noch mindestens einen Unterlassungsanspruch durchsetzen wollen. Das tut finanziell etwas weh und ist nicht von der Gefahr einer konsequenzenlosen Verfahrenseinstellung begleitet.

    Da hast du absolut Recht.


    Ich möchte jedoch, dass dieses Verbot von der Schulleitung ausgesprochen wird und nicht von mir selbst. Da die Eltern hier keinerlei Einsicht und Problembewusstsein zeigen, schwärzen die mich am Ende noch an. Nein danke!


    Es war noch eine weitere Schülerin beteiligt. Diese hat unter Tränen zu Hause gebeichtet. Es gab ein konstruktives Gespräch mit den Eltern und entsprechende Konsequenzen zu Hause. Hier sehe ich keine Wiederholungsgefahr. Bei obigem Schüler jedoch durchaus.


    Für einen Unterlassungsanspruch reicht das Lebensalter leider noch nicht aus.

  • Ich finde das schon völlig gerechtfertigt, dann eben keinen Videounterricht mehr anzubieten. Ja, ist blöd für alle anderen, aber für Dich unzumutbar.


    Ich habe in fast allen Videostunden mit meiner Klasse Störer gehabt, die ich nur mit hoher Konzentration identifizieren konnte, um sie aus dem Warteraum nicht versehentlich in die Konferenz zu schalten. (Viele meiner Schüler haben eine wacklige Internetverbindung und müssen sich mehrfach wieder einwählen.)

    Deshalb hole ich die Hälfte, die jeweils zu Hause sitzt, nicht per Videostream in den Unterricht. Das kann ich einfach nicht leisten, gleichzeitig die Präsenz- und die Distanzgruppe zu beschulen UND dabei auch noch immer wieder die Störer rauszufiltern.

    Mit anderen Kursen mache ich das sehr erfolgreich und mit Mehrwert für die DistanzteilnehmerInnen. Schade für meine Klasse, aber es geht nicht, denn bei ihr wäre sinnvoller Unterricht so nicht möglich.

    Dödudeldö ist das 2. Futur bei Sonnenaufgang.

  • Ich habe in fast allen Videostunden mit meiner Klasse Störer gehabt, die ich nur mit hoher Konzentration identifizieren konnte, um sie aus dem Warteraum nicht versehentlich in die Konferenz zu schalten.

    Wie nervig und sinnlos! Als ob es nicht genug andere Probleme gäbe...

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