Wieso fehlen so viele Schulleiter?

  • Wie lange diskutiert man schon über Barrierefreiheit? Ein paar Jahrzehnte später bequemen sich die Schulträgerinnen, erste Maßnahmen einzuleiten. Das soll ich auch noch bejubeln?

    An meiner Schule gibt es schon seit Jahrzehnten in allen Gebäuden/Gebäudeteilen Aufzüge, Behinderten-WCs usw.

  • Stimmt, aber wie gerade schon jemand hier geschrieben hat: Es wird seit Jahrzehnten über Inklusion gesprochen und häufig ist nix passiert.

    Auch bei anderen Förderschwerpunkten nicht, z. B. bei ESE und Lernen. In Jahrzehnten hätte man locker professionelle I-Helfer ausbilden können, wurde nicht gemacht.

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • Bei alten Schulgebäuden ist es ähnlich. Da einen Fahrstuhl einzubauen, ist das geringste Problem. Aber wenn dann der Denkmalschutz kommt oder auf einmal das komplette Gebäude renoviert werden muß, weil so ein Fahrstuhl ja auch Strom braucht und durch die Arbeiten an der Elektroinstallation der Bestandschutz der Elektro-Anlage verfällt, so daß die komplette Elektrik im ganzen Geäude neu eingezogen werden muß, ...

    Dann sollte Inklusion über Denkmalschutz stehen. Die meisten Städte werden noch genug denkmalgeschützte Gebäude haben, die sich irgendwer angucken kann.

    Bildung ist die Fähigkeit, fast alles anhören zu können, ohne die Ruhe zu verlieren oder das Selbstvertrauen. (Robert Frost)

    Bildung kann einen sehr glücklich und gelassen machen. (Günther Jauch)

    Was nützt es dem Menschen, wenn er Lesen und Schreiben gelernt hat, aber das Denken anderen überlässt? (Ernst R. Hauschka)




  • Ich bin nicht frustriert, unterlasse bitte solche Behauptungen. Vor Frustration weiß ich mich zu schützen. Ich bin lediglich ernüchtert (s. o.), das ist kein unangenehmer Zustand.

    Dir kann man es wirklich nicht recht machen. Aber bitte: gerne ändere ich meinen obigen Beitrag entsprechend ab... (auch wenn "Ernüchterung" für mich eigentlich ein Synonym von "Frustration" ist; aber ich will ja um Himmels Willen keine unrichtigen Behauptungen aufstellen)

  • Unser Schulhaus ist ein kompletter Schrotthaufen. Was ich aber vor allem im letzten Schuljahr gelernt habe: Man muss auch einfach mal das Maul aufmachen und Bescheid geben, was verbessert werden könnte. Unsere Fenster z. B. konnte man bis anhin nur auf Kipp stellen, kein Durchzug möglich, mangels Isolation jeden Sommer schier verreckt. Dank Pandemie haben wir jetzt in jedem Schulzimmer zwei Fenster, die man vollständig öffnen kann, die Jalousien sind davor jeweils auf Kipp arretiert so dass sich niemand rausstürzen kann. Der Trick war denkbar einfach - sag dem Hochbauamt wir wollen Flügelfenster, Hochbauamt veranlasst den Umbau. Selbiges gilt für die alten, verrotteten Jalousien über die man sich jahrelang geärgert hat. Na wenn das Hochbauamt nicht weiss, dass die verrottet sind, wird es auch keinen Ersatz veranlassen.


    Barrierefrei sind wir seit 3 Jahren tatsächlich auch. Das kam so, da wir als erstes Gymnasium im Kanton zwei Schülerinnen im Rollstuhl aufgenommen haben. Der konkrete Anlass hat's wiederum gebracht. Wo ich mich bis heute frage, wo denn all die Jahrzehnte davor körperbehinderte Jugendliche hin verfrachtet wurden die die Übertrittsbedingungen ans Gymnasium erfüllt hatten. Naja, ich überlege besser nicht weiter, sonst rege ich mich nur auf.


    Und dann gibt es einfach Mängel an der Bausubstanz die nicht behoben werden KÖNNEN, mit denen müssen wir weiter leben. Wir haben z. B. bei jedem Starkregen Wassereinbruch im Keller und zum Teil tritt auch Wasser durch die Fenster und Deckenpaneelen ein. Dafür müssten sie einfach den ganzen Kasten wegreissen und neu bauen, was aber ohnehin schon seit 15 Jahren der Plan ist und in weiteren 10 Jahren oder so dann auch endlich mal umgesetzt werden wird.

  • Dir kann man es wirklich nicht recht machen.

    Doch. Unterlasse bitte solche Behauptungen.


    Zum Unterschied: Frustration ist negativ konnotiert. Man möchte, aber kann nicht. Man läuft Gefahr, auf Windmühlen loszugehen.


    Der Ernüchterung fehlt dieser negative Aspekt. Ich ordne diesen Gemütszustand als neutral ein. Man weiß schlicht, was nicht geht oder was sich nicht lohnt. Man lässt seine Begeisterung zu Hause und engagiert sich, wo es lohnt. Ehrenamtlich geht viel. So wird es sogar etwas Positives.


    Ernüchtert komme ich smooth bis zur Pensionierung, frustriert würde das schwer.

  • Und dann gibt es einfach Mängel an der Bausubstanz die nicht behoben werden KÖNNEN, mit denen müssen wir weiter leben. Wir haben z. B. bei jedem Starkregen Wassereinbruch im Keller und zum Teil tritt auch Wasser durch die Fenster und Deckenpaneelen ein. Dafür müssten sie einfach den ganzen Kasten wegreissen und neu bauen, was aber ohnehin schon seit 15 Jahren der Plan ist und in weiteren 10 Jahren oder so dann auch endlich mal umgesetzt werden wird.

    Das erinnert mich irgendwie an meine Grundschule (als ich Schüler war). Wir hatten auch so einen 1970er Jahre Plattenbau mit Flachdach. Das Ding war einfach nicht dicht zu bekommen. Irgendwann hat dann unsere Stadtverwaltung Nägel mit Köpfen gemacht und den Kasten komplett abgerissen.


    Der Neubau sah dann so aus:

    • Kein Keller
    • Doppelschaliges Mauerwerk (also außen rote Klinker, dann Wärmeisolierung und dann erst innen die tragende Wand)
    • Klassisches Satteldach mit Keramik-Dachziegeln (einer der führenden Dachziegelfabrikaten Deutschlands sitzt im Nachbarort, der hat sich nicht lumpen lassen), keine Dachluken oder so einen Firlefanz

    Ergebnis: Das Schulgebäude aus den frühen 1990ern sieht von außen fast so aus wie ein Gebäude aus den 1890ern, aber seitdem gab es mit der Bausubstanz nie wieder Probleme. Wassereinbruch unbekannt. Durch die dicken Wände heizt sich der Bau auch im Sommer kaum auf. :top:

    Und da sag noch einer, daß unsere Vorfahren nicht wußten, wie man ein Gebäude hochzieht, das 200 Jahre hält. :victory:

  • Unterlasse bitte solche Behauptungen.

    Du hast gesehen, dass ich meine angebliche "Behauptung" gelöscht habe, oder?

    Der Ernüchterung fehlt dieser negative Aspekt.

    Finde ich nun so gar nicht. Aber wenn "ernüchtert sein" für dich ein "neutraler" Zustand ist, verharre von mir aus darin bis zu deiner Pensionierung :weissnicht:. Ich bin allerdings sehr froh, dass ich bisher weder ernüchtert, noch frustiert, enttäuscht, ... durch meinen Schulalltag gehe.


    Und nun: Back to the topic!

  • Das Schulgebäude aus den frühen 1990ern sieht von außen fast so aus wie ein Gebäude aus den 1890ern, aber seitdem gab es mit der Bausubstanz nie wieder Probleme. Wassereinbruch unbekannt. Durch die dicken Wände heizt sich der Bau auch im Sommer kaum auf. :top:

    Und da sag noch einer, daß unsere Vorfahren nicht wußten, wie man ein Gebäude hochzieht, das 200 Jahre hält.

    So ein Gebäude habe ich auch vor Augen mit sehr alten und neueren Gebäudeabschnitten.

    Es wurde x mal angeflickt, während man im Süden offenbar gewohnt ist, Höhenunterschiede zu bedenken, gibt es in dem Schulgebäude einen kleinen Treppenabsatz nach dem nächsten.

    Da kann man eben nicht einfach umbauen und alles gerade ziehen.


    Ich kann mir das wünschen, aber ich wünsche mir noch ganz anderes von der gleichen Schulträgerin.

  • Oh Mist, und ich gleich mit, weil ich ein "Danke" dafür gegeben habe. Naja, was soll's. Der Abend ist ja eh schon verschifft.

  • Um aber kurz beim philosophischen Off Topic zu bleiben: Doch, "ernüchtert" bin ich auch in vielerlei Hinsicht. Der Zustand hat für mich aber auch absolut nichts Negatives, im Gegenteil, er bewahrt mich zuverlässig vor Enttäuschungen. Unter anderem habe ich schon lernen müssen, dass unsere Schulleitung bewusst falsche Informationen verbreitet um die eigenen Interessen durchzudrücken. Das ist durchaus ernüchternd obschon ich ein gewisses Verständnis für dieses Verhalten habe und meine Schulleitung in anderen Bereichen dennoch sehr schätze. Ich habe bei der Gelegenheit aber auch gelernt, dass man sich ganz und gar nicht alles gefallen lassen muss und als Mitglied in organisatorischen und stellvertretenden Gremien im Zweifelsfall halt ganz genauso agitieren muss um die Interessen der Gegenseite durchzudrücken.

  • Die einen nennen es "ernüchtert", die anderen "in der Realität angekommen. Der Begriff "ernüchtert" bedeutet für mich einerseits, dass ich in der Realität angekommen bin - auf dem Weg dorthin aber ein gehöriges Maß meiner Anfangseuphorie als Junglehrer und meines Grundoptimismus' eingebüßt habe. Gleichwohl hat mich dies vor weiteren Enttäuschungen, innerer Resignation und Frustrationserlebnissen bewahrt.

    Die einen werden irgendwann fatalistisch oder demotiviert. Ich versuche dennoch immer, an das Gute im Menschen zu glauben und im Rahmen der immer noch vorhandenen Möglichkeiten mir die Euphorie und den Optimismus in der nun "realitätskompatiblen" Menge zu bewahren. Das hat bisher auch in der Behörde funktioniert.

    Das Ergebnis der Vielzahl an einzelnen (Selbst)Erkenntnismomenten hat aber auch dazu beigetragen, dass Schulleitung für mich aktuell und wahrscheinlich auch in Zukunft keine Option darstellt.

  • Der Job ist geschenkt zu teuer.
    Zum einen erinnert er mich an ein Hamburger Patty;Druck von unten und oben gleichzeitig. Wirklich Recht machen kann man es niemandem, da die Ressourcen begrenzt sind, selbst wenn man 24 h am Tag arbeiten würde. Das Preis \ Leistungsverhältnis stimmt hier überhaupt nicht mehr.
    Als Arbeitsschützer könnte ich überhaupt nicht mehr in den Spiegel sehen. Zum einen wird einem die komplette rechtliche Verantwortung für diesen Bereich via Schulgesetz aufgebürdet, zum Anderen werden mit aber zur Bewältigung dieser Aufgabe nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung gestellt. Die korrekte Ausführung alleine dieser Tätigkeit würde schon eine halbe Stelle füllen. Insoweit...Prädikat nicht empfehlenswert🤷

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

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