Lehrermangel - Anekdoten aus der anderen Perspektive

  • Liebe Kolleginnen und Kollegen,

    wie wir alle wissen, ist mentale Gesundheit sehr wichtig in unserem Job, daher möchte ich euch ein paar Anekdoten aus meinen aktuellen Bewerbungen berichten. Ich werde ein wenig Ballast los und ihr habt u.U. etwas zum Lachen :S


    Vorne vorweg die Rahmenbedingung: Ich habe mein Ref im letzten Schuljahr abgeschlossen, konnte aber nur als Vertretungslehrerin an der Schule bleiben, da ich die Planstelle "knapp verpasst" habe. Mein Vertrag für die Vertretungsstelle neigt sich dem Ende zu - trotz beidseitigem Interesse ist eine Verlängerung nicht möglich, sodass ich mich seit einigen Wochen nach einer neuen Schule umschaue. Ich habe einen sehr guten Abschluss und schätze mich selbst als recht umgänglich ein, auch wenn ich sicherlich nicht der 0815-Lehrkraft entspreche, sowohl von der Persönlichkeit als auch vom Aussehen her. Nichtsdestotrotz denke ich, dass ich mit anderen Menschen gut zurechtkomme. (Aber wenn wir ehrlich sind: Wer würde schon das Gegenteil von sich behaupten? 8o) Hatte ich schon erwähnt, dass ich Mathematik unterrichte?


    Meine bisherige Ausbeute sieht wie folgt aus:

    • Schule A ignoriert meine Bewerbung komplett. Keine Reaktion. Okay...
    • Schule B antwortet nach Wochen per Mail, dass sie sich für eine andere Person entschieden hat.
    • Schule C lädt mich zum Vorstellungsgespräch ein. Die Stimmung ist anfangs etwas fragwürdig - der Ton geht in die Richtung von "Wieso haben Sie denn noch keine Planstelle trotz Ihres Abschlusses? Sie sind bestimmt anstrengend oder zu wählerisch!". Zum Ende hin wird das Gespräch lockerer und mir wird beteuert, dass sich die Schule unbedingt melden wird. Wer diesen Satz schon mal gehört hat, kann erahnen, ob dieses Versprechen eingehalten worden ist oder nicht.
    • Schule D kenne ich aus Praktika. Das Gespräch ist angenehm, keine Alarmglocken, die Unheil verkünden. Am Ende fällt die Entscheidung doch zugunsten einer anderen Person aus.

    Mittlerweile lässt sich meine Situation also wie folgt zusammenfassen: Mathelehrerin mit toller Ordnungsgruppe verzweifelt an Schulen, die Lehrkräfte zur Vertretung suchen, während die eigentliche Wunschschule keine passende Stelle ausschreiben kann. Irgendwie skurril, nicht wahr? Mal abgesehen davon, dass das System generell etwas veraltet wirkt, frage ich mich doch ernsthaft, was sich Schulen wie A und C eigentlich denken. Ich werde mich da sicherlich nicht mehr bewerben, weil einfach keinerlei Zuverlässigkeit vorhanden zu sein scheint. Da muss man sich am Ende des Tages auch nicht wundern, wenn die Nachfrage an Lehrkräften groß ist, aber sich letzlich niemand meldet.


    Ich bin schon gespannt, wie es weitergehen wird. In der Zwischenzeit dürft ihr gerne berichten - sowohl aus der Sicht von Bewerbern und Bewerberinnen, aber auch aus der Sicht der Schulleitung 8o


    PS: Sollte das Thema besser im Bereich "Vertretung" aufgehoben sein, freue ich mich über moderate Unterstützung :saint:

  • Ich weiß nicht welches Bundesland das ist. Für NRW würde ich sagen, bewirb Dich mal auf eine VS Stelle an einer Realschule. Da muss Du aber schon bei drei nicht auf dem Baum sein um nicht genommen zu werden. Die fangen Dich mit dem Lasso wieder ein.

    An alle Deutschlehrer:
    Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. :doc:

  • Verzeihung, hatte ich irgendwie im Sinne, dass ich das im Profil angegeben hatte. Das wird direkt behoben...


    Das Problem besteht weniger darin, dass ich keine Stelle finde, sondern im zwischenmenschlichen Miteinander. Ich habe schon vor dem Ref an einer Gesamtschule gearbeitet. Und ohne das böse zu meinen - mir hat die Arbeit dort wenig zugesagt, auch wenn ich tatsächlich die Differenzierung super finde. Es war eine Brennpunktschule, was die Sache natürlich nicht einfacher gemacht hat. Der Alltag war sehr anstrengend, teilweise fast schon entwürdigend. Auch für die Stimme und die Seele belastend. Ich musste 10 Gänge zurückschalten, als ich mein Ref an einem "Vorzeigegymnasium" angefangen habe.


    Das muss sicherlich nicht an jeder Realschule so laufen, aber da behalte ich mir tatsächlich vor, an einem Gymnasium oder "notfalls" an einer Gesamtschule zu arbeiten.

  • Ich war 8x die Zweitwahl, I feel you. Und meine Vertretungsstellenschule, an der ich so so gerne geblieben wäre, konnte damals auch nicht ausschreiben. Keine Reaktion auf Vertretungsbewerbungen kenne ich ebenfalls und finde ich zwischenmenschlich ziemlich unmöglich - ist mir bei Bewerbungen in der freien Wirtschaft übrigens so nie passiert, selbst wenn es nur um Studentenjobs ging.


    Lustiger sind dann nur noch Bewerbungsgespräche, wo einem beim zweiten Satz klar wird, dass die Stelle eigentlich schon vergeben ist und man bloß seine Zeit verschwendet.



    Ist schon sehr frustig, aber mit deiner Fachkombi und gutem Abschluss sicherlich auch nur eine Frage der Zeit, bis es irgendwo klappt - viel Erfolg 😊

  • Haste mal über Berufskolleg nachgedacht. Wir haben immer mal wieder Bedarf an Mathematik-Lehrerinnen. Wir haben gerade eine eingestellt, deren zweites Fach (berufliche Fachrichtung) an unserer Schule gar nicht vorkommt. Wir haben auch jede Menge Mathematik-Quereinsteigerinnen ausgebildet.

    „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“

  • Ich habe einen sehr guten Abschluss und schätze mich selbst als recht umgänglich ein, auch wenn ich sicherlich nicht der 0815-Lehrkraft entspreche, sowohl von der Persönlichkeit als auch vom Aussehen her. Nichtsdestotrotz denke ich, dass ich mit anderen Menschen gut zurechtkomme. (Aber wenn wir ehrlich sind: Wer würde schon das Gegenteil von sich behaupten? 8o)

    Ehrlich gesagt macht mich diese Passage schon stutzig. Ich habe mich gefragt, wieso Du das ausdrücklich erwähnst, wenn Du in Deiner Persönlichkeit, in Deinem Auftreten und in Deinem äußeren Erscheinungsbild keine nachvollziehbaren Gründe für eine potenzielle Ablehnung als Bewerberin siehst,

    Versteh mich nicht falsch: Ich fände eine Ablehnung, die sich an Äußerlichkeiten festmacht, absolut daneben.


    Was aber bei den Auswahlgesprächen auch eine Rolle spielt, ist die Frage, ob eine Kandidatin auch in das bestehende Kollegium passt oder nicht. Wenn diese Frage mit "nein" beantwortet werden sollte, wäre das weniger eine Diskriminierung ob der oben genannten Parameter als vielmehr ein in meinen Augen durchaus berechtigtes Anliegen der Auswahlkommission, in der ja nicht nur die Schulleitung sitzt.


    Wir können es auch umdrehen und einmal unabhängig von Dir als Person sehen.

    Wenn Du trotz sehr gutem Abschluss und trotz Umgänglichsein und dergleichen keine Zusage bekommen hast, dann lag das schlichtweg daran, dass andere BewerberInnen einfach besser waren bzw. die Kommission stärker überzeugt haben als Du. Das ist ärgerlich und nagt am Ego, aber diese Erfahrung haben Tausende vor Dir ganz genauso gemacht - ich übrigens auch.
    Vielleicht kann man es auch so drehen, dass es dann eben einfach nicht gepasst hat. Dann passt es eben früher oder später an einer anderen Schule. So wie bei den meisten von uns auch.

  • ... auch wenn ich sicherlich nicht der 0815-Lehrkraft entspreche, sowohl von der Persönlichkeit als auch vom Aussehen her.

    Zuerst mein Mitgefühl, dass es noch nicht mit einer festen Stelle geklappt hat. An meinem Gymnasium werden dieses Jahr drei Stellen frei: Fächer Ma/Phy/Inf/Astro, Ma/Phy/Technik und Bio/Che. Für keine Stelle gibt es Ersatz.


    Mich interessiert: Wie sieht eine 08/15-Lehrkraft aus ?


    Im Duden steht unter "08/15"

    Zitat

    „bar jeglicher Originalität, persönlichen Note; auf ein alltäglich gewordenes Muster festgelegt und deshalb Langeweile oder Überdruss erzeugend“

  • Mich interessiert: Wie sieht eine 08/15-Lehrkraft aus ?


    Im Duden steht unter "08/15"

    „bar jeglicher Originalität, persönlichen Note; auf ein alltäglich gewordenes Muster festgelegt und deshalb Langeweile oder Überdruss erzeugend“


    Passt schon ziemlich gut auf eine ganze Menge Kollgen ;)

  • Haste mal über Berufskolleg nachgedacht. Wir haben immer mal wieder Bedarf an Mathematik-Lehrerinnen. Wir haben gerade eine eingestellt, deren zweites Fach (berufliche Fachrichtung) an unserer Schule gar nicht vorkommt. Wir haben auch jede Menge Mathematik-Quereinsteigerinnen ausgebildet.

    Das Berufskolleg wäre für mich nicht die erste Wahl, da ich tatsächlich lieber mit Jugendlichen arbeite. Wie bereits oben erwähnt, ist es für mich grundsätzlich nicht das Problem, irgendwo eine Stelle zu finden. Derzeit bewerbe ich mich schließlich auch nicht auf jede Ausschreibung.


    Ehrlich gesagt macht mich diese Passage schon stutzig. Ich habe mich gefragt, wieso Du das ausdrücklich erwähnst, wenn Du in Deiner Persönlichkeit, in Deinem Auftreten und in Deinem äußeren Erscheinungsbild keine nachvollziehbaren Gründe für eine potenzielle Ablehnung als Bewerberin siehst,

    Versteh mich nicht falsch: Ich fände eine Ablehnung, die sich an Äußerlichkeiten festmacht, absolut daneben.

    Wie kommst du darauf, dass ich besagte Punkte nicht als mögliche Gründe für eine Ablehnung halte? Gerade deshalb habe ich sie angeführt. Ich habe in der Regel keine großen Schwierigkeiten, ein angenehmes Gespräch mit dem Gegenüber zu führen. Wenn dann dennoch eine Absage kommt, obwohl die "Eckdaten" passen, fragt man sich schon, ob eben besagte Aspekte wie Aussehen oder Persönlichkeit ausschlaggebend dafür waren. Aber wie auch in anderen Jobs erfährt nun mal selten, warum die Stelle letzlich an eine andere Person vergeben worden ist.

    Vielleicht kann man es auch so drehen, dass es dann eben einfach nicht gepasst hat. Dann passt es eben früher oder später an einer anderen Schule. So wie bei den meisten von uns auch.

    Klar, sicher. Ich habe ja letztendlich eine Schule gefunden, bei der es definitiv passt. Nur kann sie eben nicht vorhersagen, wann sie Kapazitäten für Ausschreibungen erhalten wird.

    Mich interessiert: Wie sieht eine 08/15-Lehrkraft aus ?

    Ist sicherlich eine heikle Frage, daher möchte ich ungern das Fass hier aufmachen. Wenn es dich interessiert, kannst du gerne ein neues Thema aufmachen und erhältst dort eine Antwort. Unabhängig davon denke ich aber, dass jede/r von uns ein bestimmtes Bild von der "Klischeelehrkraft" hat und ebenso auch Personen kennt, die das entsprechende Bild deutlich sprengen. Ich kleide mich z.B. gelegentlich extravagant oder eher sportlich/leger - allein damit falle ich je nach Kollegium schon auf. Von Piercings und Tattoos mal ganz zu schweigen.

  • Ja? Und?

    Magst du deine Frage präzisieren? Ich arbeite persönlich am liebsten mit SuS der 7./8. Klasse. Nach meinem Wissensstand sind die SuS an Berufsschulen und -kollegs 16+ Jahre alt, also deutlich älter. Sollte ich mich da täuschen, freue ich mich natürlich über eine Korrektur.


    Wenn ich zwei berufliche Alternativen habe, nehme ich sicherlich die, die mir mehr Freude bereitet und/oder besser bezahlt ist. Hier trifft halt beides auf Gym/Ge zu, für die ich nun mal ausgebildet bin.

    Lustiger sind dann nur noch Bewerbungsgespräche, wo einem beim zweiten Satz klar wird, dass die Stelle eigentlich schon vergeben ist und man bloß seine Zeit verschwendet.

     

    Stimmt, das gibt es auch. Den Luxus durfte ich auch bereits genießen. Was ich mich allerdings frage: Was spricht eigentlich dagegen, dass die Schulen offen kommunizieren, dass sie bereits einen Favoriten haben und eigentlich nicht mehr wirklich suchen? Drohen dann irgendwelche Auseinandersetzungen mit der Bezirksregierung?

  • Du wirst am BK nicht schlechter bezahlt.

    Wie genau kommst du darauf? Ich gebe zu, in diesem Moment nicht die BASS-Vorschriften durchkauen zu wollen, aber den Aufwand scheinst du ja auch nicht auf dich nehmen zu wollen. So wie ich das sehe, wäre ich am BK erstmal ein "Nichterfüller" und würde somit nicht das reguläre E13-Gehalt bekommen. Was ja auch irgendwo logisch ist, da ich nicht über die schulformspezifischen pädagogischen Kenntnisse verfüge.

  • Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das so funktioniert. Ich weiß zumindest für NRW, dass ich beispielsweise an einer Realschule auch kein E13 erhalten würde, obwohl da Mathe und Deutsch natürlich genauso unterrichtet werden. Wenn ich mich richtig erinnere, würde ich dort mit E10 starten, bis ich das Kolloquium abschließe und dann ins reguläre E11 übergehe.

  • ich hatte das Problem auch, dass meine OG so gut war, dass ich zu jedem Gespräch eingeladen werden musste, auch wenn die Schulen schon andere KandidatInnen im Auge hatten. leider können Schulen nicht kommunizieren, dass sie schon jemanden favorisieren - im Übrigen kann es auch sein, dass dann im Gespräch jemand anders besser abschneidet - weil das dann Formfehler undsoweiter ist. Für mich hatte es sich bewährt, im Vorfeld an der Schule anzurufen und nach einer Verlegung des Termins fürs Vorstellungsgespräch zu fragen; da waren die zum Teil richtig dankbar, durch die Blume sagen zu können, dass sie schon jemanden haben und selbst wenn nicht - wenn da überhaupt keine Bereitschaft zum Verlegen ist, dann brauchen sie Dich halt nicht so dringend.

  • An einer Realschule ist E13/A13 ja (leider) auch nicht die Regel, daher würdest du es dort auch nicht bekommen. Wobei es, wenn du lieber mit jüngeren arbeitest, deutlich besser passen würde.

    Pubertiere hast du auch am BK ;)

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