Arbeitslosengeld Beamter nach Kündigung?

  • Hallo zusammen,

    Ich möchte demnächst (Niedersachsen) einen Antrag zur Entlassung aus dem Beamtenverhältnis stellen.

    Bitte jetzt keine gut gemeinten Tipps oder Belehrungen. Ich habe mir das ganze reiflich überlegt.


    Meine Frage dazu:

    Gibt es die Möglichkeit im Anschluss Arbeitslosengeld zu erhalten?


    Vielleicht kennt sich jemand damit aus, weiß wo ich nachlesen kann oder hat das selbst schon durchlebt.


    Freue mich auf eure Antworten.

    Vg Jojo0815

  • Beamte sind in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Nach Ausscheiden aus dem Beamtenverhältnis besteht daher kein Anspruch auf Arbeitslosengeld.

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Mal abgesehen davon, dass es als Beamter ohnehin kein ALG I gäbe, würde auch die Eigenkündigung bereits zur vorläufigen Sperre des Bezugs führen.

  • ich klinke mich hier mit einer Zwischenfrage ein. Weiß jemand, ob es relativ unschwierig sein könnte, den Wechsel vom Beamtentun in ein Angestelltenverhältnis zu gehen (idealerweise: selbe Stelle), so dass man den Abgang vorbereitet?

    (Mir ist klar, dass ich kündigen kann und dann eine Vertretungsstelle suchen kann.)

  • Die Frage ist, ob der Dienstherr da mitspielt. Angestellte sind deutlich teurer als Beamte.


    Notabene: Ich hoffe, dass das nicht so einfach funktioniert. Wer die Vorteile des Beamtentums genießen will, sollte auch mit den Nachteilen leben können.

    Eine Rückkehr zur Normalität „nach der Pandemie“ wird nur für diejenigen möglich sein, die vorher schon normal waren. Es handelt sich um eine Pandemie, nicht um ein Wunder.

  • Notabene: Ich hoffe, dass das nicht so einfach funktioniert. Wer die Vorteile des Beamtentums genießen will, sollte auch mit den Nachteilen leben können.

    Auch wenn ich den Gedanken verstehe (und teile): wer bereit ist, die Verbeamtung aufzugeben, lebt auch mit den Nachteilen.. ;-) Ein Wunsch nach Minimisierung der Nachteile ist vielleicht verständlich. Die Landung ist schon schwer genug.
    (In meinem Fall: so früh wie möglich aussteigen, aber eben vielleicht nicht zu früh aus dem Schuldienst/Landesdienst. Mir wären also lieber noch 5-10 Jahre als Angestellte zu arbeiten...)

  • Prinzipiell d'accord, aber das Beamtenverhältnis ist nun mal grundsätzlich auf Lebenszeit angelegt. Ein Ausstieg ist schlicht im System nicht vorgesehen. Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

    Eine Rückkehr zur Normalität „nach der Pandemie“ wird nur für diejenigen möglich sein, die vorher schon normal waren. Es handelt sich um eine Pandemie, nicht um ein Wunder.

  • ja. und leider war mir damals nicht bewusst, dass (? / ob) ich damals die Verbeamtung hätte ausschlagen können.
    Ich war so baff, dass man sie mir anbietet, dass ich die Risiken ausgeblendet habe, und das OBWOHL ich immer wusste, dass ich erleichtert war, dass ich nicht verbeamtet würde (haha... es lebe mein Pessimismus, der dann enttäuscht wird).

    Aber noch 30 Jahre aufgrund eines "Fehlers" "aushalten", wäre auch doof.

  • Ich war so baff, dass man sie mir anbietet, dass ich die Risiken ausgeblendet habe, und das OBWOHL ich immer wusste, dass ich erleichtert war, dass ich nicht verbeamtet würde (haha... es lebe mein Pessimismus, der dann enttäuscht wird).

    Da es mir ja gerade ähnlich geht, magst du noch mal die Nachteile der Verbeamtung aus deiner Sicht aufschreiben, denn ich überlege ja auch immer noch hin- und her, ob ich das überhaupt will, wenn ich nun evtl. kann.

  • Aus *meiner* Perspektive: Ich bin sehr gerne Lehrerin und glaube auch, dass ich einigermaßen als solche tauge, weiß aber schon immer, dass es nicht das einzige ist, was mich erfüllt / erfüllen kann, und dass ich idealerweise gerne mehr hätte.
    Ich glaube aber zu wissen (sobald ich mehr Kraft in das Thema investieren kann, werde ich mich mehr informieren und wohl alle Folgen von Isabell Probsts Podcast hören :-D ), dass ich zum Beispiel keine Nebenbeschäftigung haben kann, wie ich es mir vorstellen könnte (halbe Stelle Schule, halbe Stelle woanders (ich rede nicht über die Koordination), halbe Stelle Schule, Selbstsständigkeit daneben...).
    Die Tatsache, dass die Reduzierung meiner Stundenzahl von meiner SL abhängig ist (ich bin kinderlos und es wird sich nicht ändern), die Genehmigung einer Nebenbeschäftigung ebenfalls (und diese nur einen Mini-Umfang haben darf), sind Sachen, die für MICH und mein Wohlbefinden gerade so ausschlaggebend sind, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, mich aus dem Dienst entlassen zu lassen.
    Dann kommen aber eben die Sachen mit der Nachversicherung und dem Altersgeld (je nach Bundesland anders geregelt, Spoiler, ich bin im schlechten Bundesland), ...

    Aber vielleicht liege ich auch total falsch und kann doch neben dem Beamtenstatus weitere Einkommensquellen als Arbeitnehmerin/Selbstständige haben...?
    Dass diese Gründe für viele keine Rolle spielen, ist mir klar. Für mich ist es ärgerlich, weil es mit ein bisschen Nachdenken schon von Anfang an klar war. Ich WUSSTE schon vor der Verbeamtung, dass ich NICHT 40 Jahre als VZ-Lehrerin arbeiten würde.

  • 1. Man kann zwar einen Antrag auf Entlassung stellen, die Nachversicherung ist aber nicht so viel Wert, als wenn man Angestellte wäre. Es findet keine Nachversicherung in der Zusatzversorgung statt.


    2. Man kann als Beamter für eine Straftat doppelt belangt werden. Beispiel Trunkenheitsfahrt: Wird man schuldig gesprochen und man bekommt 20 Tagessätze, kann man zusätzlich noch mit einem Disziplinarverfahren rechnen: §§ 34, 47 BeamStG.


    3. Ein Streikrecht gibt es (noch) nicht ...


    4. Gehorsamspflicht ...


    5. Besoldungserhöhungen können nicht erkämpft werden sondern werden per Gesetz festgelegt ...


    Muss ich weiter auflisten?

  • die beitragsfreie GKV spielt eher eine untergeordnete Rolle, wenn ich ab 3 Kindern aufwärts komme…

    Naja, die ist ja auch vom Ehepartner abhängig, in der können meine Kinder problemlos bleiben, da mein Mann eindeutig das höhere Brutto hat, wenn ich nicht mehr als 90% (aktuell arbeite ich ja sogar nur 60%) arbeite.

    Ich hätte also 30% PKV für mich (die ich damals nach dem Ref ruhend gestellt habe und jedes Jahr eine Menge Geld eingezahlt habe) und trotzdem kostenlose Familienversicherung für meine drei Kinder ;)

  • …am Ende läuft es doch immer auf die Kernpunkte PKV und Pension sowie Nettogehalt hinaus…die beitragsfreie GKV spielt eher eine untergeordnete Rolle, wenn ich ab 3 Kindern aufwärts komme…

    nicht für jeden, habe ich oben dargestellt.


    Wenn ich als Angestellte meine Nebenbeschäftigung nicht bekäme, könnte ich aber entweder gut verhandeln oder ohne Verlust von allem Tschüss sagen.


    Ich sage nicht, dass ich den Sinn hinter dem Exklusivvertrag nicht verstehe, er passt nur MIR nicht in den Kram. Und von dem mehr Geld habe ich zwar mehr Geld aber es war‘s. Ich sage es mal so: mehr Geld macht ab einer bestimmten Grenze nicht glücklicher und bei mir wäre es mit E13 schon erreicht. Ich sage aber nicht, dass der Einkommensunterschied bzw -Verlust in meinem Entscheidungsweg unbedeutend ist. Neben der drohenden Altersarmut ist es auf einmal drastisch viel weniger. Und wenn ich nicht direkt Anschluss habe, sogar: gar nicht.

    Im Endeffekt macht das Land es mir unglaublich attraktiv, die für mich niedrigstmögliche Teilzeit auszuhandeln (Beamtenstatus behalten, Geld ist egal) und daneben chillen oder ehrenamtlich was machen. Denn das Glück liegt nicht im Geld (bei mir, solange ein Mindestmass erreicht ist) sondern in der anderen Beschäftigung.

  • Wenn ich als Angestellte meine Nebenbeschäftigung nicht bekäme, könnte ich aber entweder gut verhandeln oder ohne Verlust von allem Tschüss sagen.

    Naja, bisher war es so, dass der AG sowohl im Ref als auch als Angestellter damit leben musste, dass die Selbstständigkeit bereits seit 24 Jahren vorhanden ist und entweder ich werde trotzdem verbeamtet bzw. eingestellt oder eben nicht ;)

  • Chilli schreibt:

    Zitat

    Wenn ich als Angestellte meine Nebenbeschäftigung nicht bekäme, könnte ich aber entweder gut verhandeln oder ohne Verlust von allem Tschüss sagen.

    Na, dann viel Vergnügen beim Verhandeln - ist doch unrealistisch, damit als TB was erreichen zu können (oder gar so eine Besserstellung gegenüber Beamten zu erreichen)


    Chili schreibt:

    Zitat

    ich klinke mich hier mit einer Zwischenfrage ein. Weiß jemand, ob es relativ unschwierig sein könnte, den Wechsel vom Beamtentun in ein Angestelltenverhältnis zu gehen (idealerweise: selbe Stelle), so dass man den Abgang vorbereitet?

    Theoretisch ginge das, es müsste aber dann ja ein Beschäftigungsverhältnis neu begründet werden - und dazu gehören 2 Seiten...


    Würde man erstmal natürlich mit ganz spitzen Fingern behandelt werden - da Verzicht auf Beamtenverhältnis (um als TB weiterzuarbeiten) gemeinhin ja doch als selbstschädigend und als so eine Form des Ausdrucks von 'psychischer Störung' verstanden werden würde,,,;)


    Aufzählungen will ich jetzt gar nicht kommentieren, aber Familienzuschläge für Beamte sind z.B. nicht berücksichtigt...(wo im Moment die rechtliche Entwicklung durchaus darauf hinausläuft, dass die drastisch erhöht werden...(in Thüringen für Teilgruppen schon geschehen), Absicherung gegen Erwerbsunfähigkeit, usw., usw.


    Achja, und das ewige Beamtenlobbymärchen, dass Beamte billiger kommen als Tarifbeschäftigte (....kurzfristig kann das hinkommen - aber die Pension unbeschränkte Lohnfortzahlung, lebenslange (!!) Beihilfe usw. usw. hauen halt voll rein, der TB ist für den Arbeitgeber mit 67 'erledigt) Für Berlin gabs im Zuge der Wiederverbeamtungsdiskussion da z.B. eindeutigste und drastische recht aktuelle Berechnungen... (natürlich nicht von der Beamtenlobby, sondern vom Finanzsenator)

  • Die Liste der Vorteile mag sehr lang sein, kommt aber auf immer dasselbe hinaus: Geld.

    Und vergleicht beide Statusgruppen in der selben Position.


    Ich nehme aber jetzt an, dass meine Zufriedenheit mehr wert ist als Geld (ich weiß, total crazy, tun wir einfach so, als hätte ich im Lotto gewonnen) und spinne Gedanken weiter, wie ich mir wünsche, dass es wäre. Und stelle eben fest, dass meine Hanflungsoptionen sehr gering sind.

    Es geht nicht darum, dass ich die Vorteile nicht zu schätzen weiß, diese mich aber auch krass einschränken.


    Mindestens ein TB bei meiner Schule hat eben mit Mangelfach seeeehr gut verhandelt.

    Und es geht eben darum: ich könnte es mir anders vorstellen. Dann bin ich raus, mache was anderes, und in ein paar Jahren bin ich vll mit Vertretungsvertrag für ein paar Stunden dabei. WENN ich nicht verbeamtet worden wäre, wäre der Unterschied zwischen E13 fest und E13 nicht fest irrelevant.

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