Meckerforum, hier darf alles rein, was doof ist

  • Weil?

    Wurde dir jetzt bereits mehrfach erläutert: Weil die Vorgaben de facto so sind, dass die Texte inhaltlich-sprachlich quasi komplett(!) unverständlich und quasi ausnahmslos(!) fehlerhaft sein müssten. Wie kann einer Lehrerin das nicht bekannt sein, auch wenn es nicht das eigene BL u./o. Fach ist?

  • Weil diese Nachfragen von Userinnen aus der Förderschule kommen, vermute ich, dass es mit der Schulform auch zusammenhängt.
    In der Zeit hat es sich an den allgemeinbildenden Schulen eben sehr viel verändert.

    (und dann natürlich die Frage der BL)

  • Weil?

    ...Bayern und Sachsen nicht NRW sind, offenbar ticken die Uhren dort anders.

    Wobei ich es auch nicht für eine besondere Zumutung halte, im Englischunterricht zu erklären und zu üben, wie man Texte verfasst und liest und SuS zum Vokabellernen zu nötigen.

    Ich hatte (damals...) auch keine Lust auf "Wuthering Heights" und das hat das Verständnis nicht gerade gefördert. Edit: Habt ihr euch früher nicht durch die Lektüre gemogelt und nur immer so viel wie nötig gemacht? Es gibt ja noch 15 andere Fächer zum Lernen und nicht jedes ist das Lieblingsfach.

  • ...Bayern und Sachsen nicht NRW sind, offenbar ticken die Uhren dort anders.

    Wobei ich es auch nicht für eine besondere Zumutung halte, im Englischunterricht zu erklären und zu üben, wie man Texte verfasst und liest und SuS zum Vokabellernen zu nötigen.

    Klar, wir sind faule Lehrkräfte, die natürlch nicht erklären und üben lassen.

  • Quittengelees Einwurf habe ich so verstanden, dass die Bewertungskriterien in Bayern und Sachsen schärfer sind.

    "Wobei ich es auch nicht für eine besondere Zumutung halte, im Englischunterricht zu erklären und zu üben, wie man Texte verfasst und liest und SuS zum Vokabellernen zu nötigen."

    Klingt nach Lehrerbashing...

  • Von Vielschreiber*innen / Viellesenden sind solche Rückfragen schwierig.
    In den letzten zwei Monaten hat sich wenig verändert.
    Die Erwartungshorizonte / Bepunktungsraster inklusive prozentuale Kategorien sind VORGEGEBEN!!!

    Ja sorry, ich arbeite halt an einer ganz andren Schulform, hab mit ominös wichtigen Noten noch nie was zu tun gehabt ;)

    Danke jedenfalls fürs Erklären.

  • In Bayern ist in der Oberstufe in Englisch die Lektüre eines Dramas und eines Romans in Englisch vorgeschrieben, soweit ich weiß. Im Leistungsfach verbindlich ein Shakespeare-Drama.

  • Aber was glaubt ihr? Natürlich machen wir in NRW und anderen BL ähnlichen Unterricht. Nur kapieren die SuS relativ schnell, wie hoch man springen muss.
    Dazu kommt natürlich die NRW-Besonderheit der Schriftlichkeit/Mündlichkeit und weniger Abifächer.
    Was man nur in einigen Fächern in schriftlichen Bewertungssituationen zeigen muss (Textanalyse), lernt man weniger. und wenn man nicht bestraft wird, weil man keine 100 Wörter gelernt hat (weil "Vokabeltests" kaum Gewicht haben und der Sprachanteil in der Klausur kaum relevant ist), dann entscheiden sich einige eher für eine Runde Basketball. Oder auch nicht - und hier Achtung, ich habe selbst großes Verständnis für die Kids - weil sie kaum noch Zeit dafür haben.
    Können wir uns bitte vergegenwärtigen, dass 16jährige 4-5 Tage die Woche von 8-16 oder 17 Uhr in der Schule hocken, wenige Freistunden haben, dafür keine guten Konditionen zum Arbeiten haben und dann abends noch Hausaufgaben machen müssen?

    Ja, unser System geht vor die Hunde, aber was tun wir denn Kindern und Heranwachsenden an?

  • Klar, wir sind faule Lehrkräfte, die natürlch nicht erklären und üben lassen.

    Nein, ich bezog mich darauf, dass Kairos bemängelte, dass dies oft Thema wäre.

    Im übrigen fällt es Außenstehenden wirklich schwer, das Problem nachzuvollziehen:


    Für die intensive Auseinandersetzung mit Shakespeare, Orwell oder Atwood bleibt unter diesen Bedingungen nicht nur schlicht keine Zeit. Eine solche Lektüre wäre für viele meiner SuS zum jetzigen Zeitpunkt auch eine maßlose Überforderung. ...

    Wenn man die Ansprüche selbst runterschraubt, werden die Noten logischerweise besser. Man könnte auch jedes Jahr eine bestimmte Lektüre als Voraussetzung lesen, so dass nur die mit C1-Niveau mindestens eine 3 erreichen. Wer das Buch nicht versteht, sollte in keinem Bundesland eine 4 in der Klausur schaffen.

    Es tut mir leid, wenn ich es bis heute nicht verstehe, ich weiß, dass dich das nervt. Ich meine es aber nicht persönlich, dass sich hier alle den A*** für ihre Lerngruppen aufreißen ist mir sehr bewusst, chilipaprika

  • und weißt du, was das Schlimme ist, @Quittengelee ?
    Die allermeisten NRWler*innen sind nie außerhalb von NRW gewesen und halten ihr System für normal (egal ob SuS oder KuK) und können sich nicht vorstellen, wie es woanders zugeht (egal ob SuS oder KuK).
    Ich habe schon von Sachfach-KuK gehört, dass sie sich nicht vorstellen, wie eine Arbeit in der 8. Klasse aussehen könnte. Oder es zu komplex sei. Fanden meine SuS in NDS nicht, in den Praktika in RLP sah es auch möglich aus.
    Für Bio/Chemie-KuK in NRW ist es gottgegeben, dass SuS nur in D/E/M (und 2. FS/WP) Arbeiten schreiben und erst manchmal in der Oberstufe.

    Und OBWOHL ich in einem System aufgewachsen bin, in dem ich auch 10-12 Fächer hatte und in jedem Fach mindestens 3 Arbeiten pro TRImester schrieb, frage ich mich, wie man es überhaupt schadensfrei überleben kann.

  • Ich glaube, ich hatte das Problem bereits vor einigen Wochen einmal angesprochen: Literatur wird zwar im Bildungsplan erwähnt, spielt in den Prüfungen jedoch keine Rolle. Gleichzeitig haben meine SuS bereits große Schwierigkeiten damit, einen Artikel von etwa 800 Wörtern konzentriert und sinnentnehmend zu lesen. Eine Ganzschrift, die weder handlungsbetont noch besonders spannend geschrieben ist und zudem einen gewissen Wortschatz voraussetzt, würde viele von ihnen schlicht überfordern. Das ist keine Übertreibung, sondern entspricht meinen Erfahrungen aus dem Unterricht.

    Wenn man mit der Schulform nichts zu tun hat, versteht man das kaum, auch dass es so gut wie keine 5 oder 6 geben darf. Und dann bekommen die Schüler/innen ein Abiturzeugnis? Ist das ein Fachabitur oder was kann man damit anfangen?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Wenn man mit der Schulform nichts zu tun hat, versteht man das kaum, auch dass es keine 5 oder 6 geben darf. Und dann bekommen die Schüler/innen ein Abiturzeugnis? Ist das ein Fachabitur oder was kann man damit anfangen?

    Natürlich darf es die geben. Ich habe sie auch schon vergeben. Aber es ist wirklich wirklich wirklich schwer.
    Ich habe dieses Jahr einen Pädagogik-Kurs (12. Klasse). 3 Mädels aus dem Kurs haben Päda gewählt, weil sie Erzieherinnen oder im Pflegebereich sein wollen. Zufällig kenne ich sie aus anderen Fächern und ich würde sagen: 3-4er-Bereich.
    Warum sind sie nicht direkt in die Ausbildung? Warum sind sie nicht zum BK für eine duale Ausbildung? Gute Frage.
    Unsere Schule ist warm?
    (haha, nicht mal im ganzen Winter)

  • und aus meiner Perspektive ist es schwer zu verstehen, wie es in BY, BaWü und Sachsen denn umgesetzt wird, dass es doch so anders sein muss (was ich euch glaube). Wo sind die Stellschrauben?
    und haben diese nicht negative Konsequenzen auf die Knder?

  • und aus meiner Perspektive ist es schwer zu verstehen, wie es in BY, BaWü und Sachsen denn umgesetzt wird, dass es doch so anders sein muss (was ich euch glaube). Wo sind die Stellschrauben?
    und haben diese nicht negative Konsequenzen auf die Knder?

    Sprechen wir von Beruflichen Gymnasien? Da hat man hier die Allgemeine Hochschulreife und kann studieren, was man möchte. Sprecht ihr auch davon oder um welche Schulform geht es?

    Nicht jeder wird es verstehen, und das ist okay!

  • Warum sind sie nicht direkt in die Ausbildung? Warum sind sie nicht zum BK für eine duale Ausbildung? Gute Frage.
    Unsere Schule ist warm?
    (haha, nicht mal im ganzen Winter)

    Man merkt seit circa einem Jahr (Vielleicht Zusammenhang mit der sich verstärkenden Wirtschaftskrise?), dass erstmals wirklich auch in der Öffentlichkeit kritisch diskutiert wird, ob es wirklich so viele Akademiker (m/w/d) braucht, ob zunehmend besser werdende Abiturschnitte wirklich ein Zugewinn für den Bildungsstandort sind, ob manche Schulabsolventen (m/w/d) mit einer soliden dualen Ausbildung nicht persönlich langfristig besser fahren. In einem Jahr kann man jedoch nicht die Fehlentwicklung ausgleichen, die zuvor jahrzehntelang stattfand. Viele unserer heutigen Oberstufenschüler (m/w/d) haben von ihren Eltern regelrecht eingehämmert bekommen, es müsse unbedingt das Abitur sein, egal wie. Und auch in Talkrunden um soziale Ungerechtigkeiten geht es immer darum, warum manche Bevölkerungsgruppen es seltener auf das Gymnasium schaffen - als sei der Besuch des Gymnasiums der Goldstandard für alles. Eine Gegenbewegung hat begonnen, aber ich prognostiziere, dass wir noch die nächsten 10 Jahre maßgeblich damit beschäftigt sein werden, Fehlvorstellungen bei unseren Schülern (m/w/d) korrigieren zu müssen.

  • Wenn man mit der Schulform nichts zu tun hat, versteht man das kaum, auch dass es so gut wie keine 5 oder 6 geben darf. Und dann bekommen die Schüler/innen ein Abiturzeugnis? Ist das ein Fachabitur oder was kann man damit anfangen?

    Das Problem sind die Bewertungsraster mit zigtausend, teils lächerlichen Kategorien (mein Favorit ist immer noch "löst sich vom Ausgangstext und formuliert eigenständig" - ob grottenfalsch formuliert wird, ist strenggenommen erstmal egal, wenn man das wörtlich nimmt), durch die unterm Strich zwangsweise so viele Teilpunkte zusammengesammelt werden, dass am Ende in Kombination mit den niedrigen prozentualen Notengrenzen kaum noch Defizite möglich sind.

    Ich hab neulich bei meinen Eltern ein Klausurenheft meiner Schwester gefunden. Englisch LK, Klausur zur Lektüre True West. Aufgeschlagen, drübergelesen und war überrascht, dass sich das sprachlich für mich eigentlich gar nicht so schlecht las. Umgeblättert -> Fehlerquotient Note Mangelhaft. Zeigt sehr schön, wie verschoben mein innerer Kompass im Vergleich zur damaligen Bewertung ist. Ich bin sicher, mit den heutigen Rastern wäre der Sprachteil auf keinen Fall schlechter als 3.

    Am Wirtschaftsgymnasium haben wir andere Bewertungsraster und damit habe ich auch plötzlich wieder Fünfen. Ist für mich eine ganz neue Erfahrung^^

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