Hohe Ansprüche junger Kolleginnen und Kollegen

  • Eben. Und wenn man das klären kann, bevor diese zu euch wechseln, ist doch alles geklärt.

    Ja, unsere SL ist toll und klärt vorab in Gesprächen, dass die 1. Stunden zu besetzen sind (wenige Ausnahmen), Klassenleitungen gebraucht werden um doppelte zu vermeiden, Klassenleitungen in der Regel wenigstens ein Hauptfach übernehmen, Einzelfächer nicht Vollzeit vergeben werden können und Fachräume erst bezogen werden können, wenn sie angebaut wurden ... also nie.

  • Meine Generation ist die erste, die gelernt hat für sich zu sorgen. Neue Lehrkräfte kriegen selten die Gegenleistungen (Planungssicherheit / Bezahlung / Respekt / Rückhalt), die die etablierten Lehrkräfte genießen und sollen dennoch mindestens die gleiche Leistung, wenn nicht mehr, erbringen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir eher die unbeliebten Stunden machen sollen - das ist ungerecht, wieso sollten wir das machen? Weil sich die vorherigen Lehrergenerationen diese Ungerechtigkeit haben gefallen lassen? ^^

    Ein paar Anmerkungen zum Einordnen des ganzen:


    * Die Geschichte mit den Kettenverträgen und arbeitslos in den Sommerferien ist schon uralt also schon deutlich älter als die von dir woanders genannten 15 Jahre. Ist schon immer eine Unverschämtheit, das erlaubt sich kein privater Arbeitgeber!


    * Wenn jemand neu an eine Schule kommt - und das trifft die ältere Kollegin nach Versetzung(!) genauso wie den Jungspund - dann muss man sich in ein etabliertes System einfinden. Dass dann im Zweifel eher die von dir so genannten unbeliebten Stunden übrigbleiben, kann schon mal passieren. Im Umkehrschluss würde deine implizite Forderung bedeuten, dass z.B. die Kollegin, die seit 10 Jahren in der Fachkräfte für Lagerlogistik-Klasse unterrichtet, die dort den Lehrplan aus dem ff kennt, mit den Betrieben vernetzt ist und kurze Kommunikationswege hat, die weiß, wie auf die Prüfung vorbereitet werden muss etc., dass diese Kollegin bitte aus diesem System heraus soll, weil eine neue Person an die Schule kommt. Deine Forderung bedeutet nämlich genau das, dass etablierte professionelle Systeme und Abläufe (und das muss nicht die eine Berufsschulklasse sein, sondern kann auch der Mathe-Leistungs-Kurs, die Klassenleitung in der 9.+10. Klasse mit dem Hinführen zur Oberstufe, die Eingewöhnung der Kleinen in der 5. + 6. Klasse etc. sein), auseinander gerissen werden sollen. Natürlich gibt es aber auch unter Lehrkräften die, die "das" weiter machen wollen, was sie schon immer tun und bitte bloß nicht von Veränderungen gestört werden sollen. Und natürlich gibt es auch unbeliebte Klassen, aber selbst da sind professionelle und erfahrene Teams unheimlich wertvoll.

    Aber, wie gesagt: Unterschätze nicht, wie wichtig etablierte professionelle Systeme für das Funktionieren des Systems Schule sind! Da kommen an der Schule natürlich auch immer wieder Neue in die etablierten Systeme rein, aber da schauen Teams und Abteilungsleitungen durchaus auch danach, ob die Chemie stimmt. [Disclaimer: An einer BBS, einem riesigen System, das bspw. erst in der zweiten Woche eines Schuljahres weiß, welche Klassen aufgemacht werden, sind "alte" KuK immer mal wieder davon überrascht, wo sie landen und sind dann entsprechend auch mal säuerlich. Und da bewegt sich durchaus der Einsatz auch mal spontan außerhalb etablierter Systeme.]


    * Neue werden meiner Erfahrung nach in der Regel offen und freundlich in Schulen empfangen. Es gibt dann auch immer genügend freundliche und hilfsbereite KuK, die beim Einfinden in die speziellen Abläufe und impliziten Regeln der Schule helfen. Leute, die Herrschaftswissen für sich behalten oder Neue auflaufen lassen, sind eher selten. Es gibt aber auch immer wieder mal Neue, die sich so richtig mit ihrem Verhalten und ihrer Haltung mit einem Kopfsprung in jedes verfügbare Fettnäpfchen werfen, dass die Lust auf freundliche Unterstützung vergeht.


    * Ganz generell: Was man sich so gefallen lassen muss, hängt auch vom eigenen Marktwert ab: LuL-Mangel oder LuL-Schwemme? Beliebte Großstadt als Ziel oder Pampa? Doppel-Mangelfach oder Todes-Kombi? Beliebte Schulform oder unbeliebte?

    Wenn die Ingenieurin mit Mangelfach den Quereinstieg machen kann und sich dann in ihrem Bundesland die Schule aussucht, an der sie gleich ne Planstelle hat, während der Gym-Lehrer (Deutsch und Geographie) mit 1,4er-Ref. über Jahre Vertretungsstellen an einer Brennpunkt-Gesamtschule macht... Ist das fair? Ist das gerecht? Empfundene(?) Ungerechtigkeiten gibt es nicht nur zwischen etablierter/neuer LK, sondern auch zwischen regulär studiert/Quereinstieg, GS/Gymi, Mangelfach/Massenfach, geschenkte/erarbeitete Noten etc. Ungerechtigkeiten lassen sich viele beklagen, das Beklagen führt nicht unbedingt zu Verbesserungen des Gesamtsystems. Was kannst du ändern? Manches geht nicht: Physik studieren, wenn du es nicht kannst, aber E und D liebst? Nee. BBS studieren, wenn du an einer GS arbeiten willst? Nee. Anderes kannst du ggf. über Gewerkschaftsarbeit ein bisschen beeinflussen: A13 für alle. Oder: Engagiert in die Schule einbringen und dich in die gewünschten Stunden (Teams) reinschaffen. Vieles ist Glück/Pech: Mangel/Schwemme. Manche bildungspolitische Entscheidung treibt dich zur Verzweiflung und du kannst gar nix dran ändern.


    Ganz generell: Was du so schreibst klingt so bisschen nach dem Vorwurf, dass die Stubenältesten die neuen Rekruten erst mal so richtig rund machen wollten, weil sie es selbst nicht besser hatten. Damit machst du einen recht krassen Vorwurf. Gleichzeitig haust du mal ganz nebenbei in wenigen Zeilen so nebenher Generationenklischees raus, wie es selbst der spießigste Boomer kaum hinbekommt ;) :D Das ganze gespickt mit Pauschalisierungen über die ungerechten Alten und die tollen für sich sorgenden und ungerecht behandelten Neuen. Ein bisschen runterschalten und differenzierter betrachten und schreiben, kann für Diskussionen hilfreich sein.

  • CDL Im Klartext: Ein bayerischer E13 (100%) mit Verantwortung für unser teuerstes Gut - unseren Nachwuchs - erhält nach grob 7 Jahren Studium in etwa die gleiche Besoldung wie ein 18jähriger Mannschaftsdienstsoldat (A4, 41h) :D

    Ein Soldat wird nach Bundestarif besoldet und hat im Zweifel sein Leben einzusetzen und das Leben anderer aktiv zu beenden. Du willst also den Dienst, der dein Leben kosten kann, mit einem Dienst der eine Menge Vorteile mit sich bringt vergleichen?

    • Nicht, wer zuerst die Waffen ergreift, ist Anstifter des Unheils, sondern wer dazu nötigt. -Machiavelli-
    • Zwei Mächte gehen durch die Welt, Geist und Degen, aber der Geist ist der mächtigere. -Napoleon-
    • In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst! -Augustinus-
  • Streety : Du bist noch jung, noch stehen dir alle Berufswege offen. Wechsle doch, wenn du unzufrieden bist!


    Nichts schlimmer als gealterte Kollegen, die "eigentlich" ganz was andres hätten werden wollen und ständig unzufrieden sind.

    Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.

    Aldous Huxley

  • Im Klartext: Ein bayerischer E13 (100%) mit Verantwortung für unser teuerstes Gut - unseren Nachwuchs - erhält nach grob 7 Jahren Studium in etwa die gleiche Besoldung wie ein 18jähriger Mannschaftsdienstsoldat (A4, 41h) :D

    A4 Bundesbesoldung, Stufe 1: 2420,35 Monatsbrutto

    Stufe 8: 2798,82


    E13 - Bayern, Stufe 1: 4074,30 Monatsbrutto

    Stufe 6: 5872,94

    Wovon sprichst Du?

  • Wovon sprichst Du?

    Ich glaube Streety spricht davon, daß BW-Soldaten eine freie Heilführsorge haben, weshalb sie gar keine Krankenversicherung benötigen, vom Brutto also extrem viel Netto übrig bleibt, während E13-Lehrkräfte noch die kompletten Sozialabgaben (also inkl. Arbeitslosen- und Rentenversicherung) von ihrem Brutto abgezogen bekommen. Da wird das Netto dann schon ordentlich kleiner.

  • Äh, nee, von freier Heilfürsorge war nicht die Rede. Hätte jemand das gemeint, hätte sie es wohl geschrieben.


    Verdienst-Vergleiche hatten wir schon einige. Ich sehe nicht, dass die etwas bringen. Die Frage ist doch „Bin ich bereit, den angebotenen Job (Soldatin, Lehrerin) für das aufgerufene Entgelt zu machen?“ Kann jede für sich beantworten. Ob woanders etwas Attraktiveres lauert, kann auch ein Element der Abwägung sein. Genau so wie der Umstand, dass angestellte Lehrerinnen wirtschaftlich schlechter gestellt sind als verbeamtete.


    Das hat aber wenig mit Generationen, Anfängerinnen und schlechten Stundenplänen zu tun. Und insbesondere nichts damit, wie wir als Kolleginnen miteinander umgehen.


    PS: Soldatin wollt' ich nicht machen, egal, was die zahlen.

    „Fakten haben keine Lobby.“


    (Sarah Bosetti)

    2 Mal editiert, zuletzt von O. Meier ()

  • Verdienst-Vergleiche hatten wir schon einige. Ich sehe nicht, dass die etwas bringen. Die Frage ist doch „Bin ich bereit, den angebotenen Job (Soldatin, Lehrerin) für das aufgerufene Entgelt zu machen?“ Kann jede für sich beantworten. Ob woanders etwas Attraktiveres lauert, kann auch ein Element der Abwägung sein. Genau so wie der Umstabd, dass angestellte Lehrerinnen wirtschaftlich schlechter gestellt sind als verbeamtete.

    Dem möchte ich beipflichten. Und die Tätigkeit als Lehrkraft liegt mir schon deutlich mehr als die Tätigkeit als Mannschafter bei der Bundeswehr.

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