Motivation ukrainischer Schüler

  • Da du an ein Gymnasium abgeordnet bist, sollte Geld ja eigentlich eher nicht das Problem sein....

    Dieser Zusammenhang ist mir absolut nicht klar. In der Stadt, in der ich unterrichte gilt jedenfalls ganz bestimmt nicht, dass das Gymnasium immer / viel / das meiste Geld bekomt.

  • Ein Unterricht für alle geht nicht. Du musst da hoch differenzieren. Du kannst als Klammer gemeinsame inhaltliche Themen oder Projekte nehmen. Innerhalb dieser arbeitet dann jeder an seinen individuellen Lernbereichen.

    Ich war auch mal für kurze Zeit in einer Internationalen Klasse, in der immer wieder neue Schüler nachkamen, und ganz ehrlich: jede einzelne Stunde auszudifferenzieren, kann doch keiner leisten. Insbesondere, wenn man "frei" arbeitet bzw. nicht an den Lehrgang eines bestimmten Lehrwerks gebunden und selbst Material zusammensuchen/erstellen muss.


    Vielleicht fehlt mir ja Vorstellungskraft, aber ich halte das für völlig utopisch und wüsste jedenfalls auch nicht, wie ich es ganz konkret angehen soll. Ab und an mal differenziertes Material, wenn sich was Geeignetes finden lässt, okay - aber ständig und immer und für alle, möchte ich bitte erstmal über eine Sequenz in der Praxis demonstriert bekommen (und die dazugehörigen Vorbereitungsstunden aufgeschlüsselt bekommen).

  • Nichts desto trotz ist das derzeit deine Aufgabe und die Schüler haben einen Anrecht auf einen hochwertigen Unterricht. Das heißt, du wirst dich dieser Aufgabe stellen müssen und dich entsprechend fachkundig machen bzw. fortbilden müssen. Dafür hast du im Gegenzug den großen Vorteil finanziell abgesichert zu sein und musst keine Kündigung wegen Lehrerüberfluss fürchten, wie das in den meisten anderen Staaten der Fall wäre.

    Das ist die Frage, was die Schulleitung mit den Lehrerstellen macht, die sie durch die IK Klassen bekommt. Es könnte ja auch sein, dass durch besetzte, aber nicht ausgeführte Planstellen (wegen Krankheit, Schwangerschaft, Stundenreduktion etc.) die Stunden effektiv nicht zur Verfügung stehen.. aber das bleibt in der Tat intransparent.


    Auch gibt es an der Schule gar keine Besprechungen innerhalb der in den IK Klassen eingesetzten KuK oder eben einen Lehrplan. Das läuft so nebenbei, wobei über die Klassen auch meist nicht allzu gut geredet wird ("Ach du Armer, nur in diesen Klassen?" // "Das ist auch eine Zumutung in diesen Verrücktenklassen zu unterrichten" // "Mit denen kannst du eh nichts anfangen, da kannst du jede Stunde denselben Inhalt machen, alles wieder vergessen.")

    Tatsache ist aber auch, dass die Störungen häufiger sind und das sonst übliche System, z.B. Transparenz am Anfang des Schuljahres über Prüfungen / Inhalte / Methoden etc. herzustellen und die S mitgestalten zu lassen aufgrund der sprachlichen Barriere nicht funktioniert. Also wird dann entnervt irgendwas vorgesetzt, Hauptsache, die Stunde geht irgendwie rum. So ist da meine Wahrnehmung. Und wird ja auch so von Kollegen geraten ("Mach ein paar Spiele mit denen, die sind bald eh wieder weg.").

    • Offizieller Beitrag

    Ich finde es super, wenn eine Lehrkraft sich über den von ihr selbst erteilten Unterricht beklagt.
    Änder das.
    Du musst nicht eine zweijährige Fortbildung besuchen, um zu wissen, dass Hangmann und Mandalas nicht der Hit für den Lernprozess sind.
    SELBST, wenn es so wäre, dass es an deiner Schule keine gesetzten Ziele gäbe: das ist deine ureigene Aufgabe und Kompetenz als Lehrkraft, eine Art Stoffverteilungsplan zu machen und die Ziele damit zu erreichen. Klar, die SuS müssen lernen, aber deine Aufgabe ist es, die Angebote zu machen und die SuS dazuzubringen, sie anzunehmen.
    Und wenn deine KuK tatsächlich so sprechen sollten, wie du es hier wiedergibst (bitte nicht!), dann haben sie es auch nicht besser verdient und du bist doch an der für dich passenden Schule gelandet.

  • Und wenn deine KuK tatsächlich so sprechen sollten, wie du es hier wiedergibst (bitte nicht!), dann haben sie es auch nicht besser verdient und du bist doch an der für dich passenden Schule gelandet.

    Also die Sprüche der Kollegen wundern mich nicht, ich denke daran ist nichts übertrieben.


    Offensichtlich gibt es kein sinnvolles Konzept für diesen Unterricht an der Schule. Traurig für alle Beteiligten.

  • Danke für deine wertvollen Hinweise, kodi. Leider scheint die Situation an der beschriebenen Schule schlecht zu sein, ich frage mich, wie man dort einen Fuß auf den Boden bekommen soll...

    Ich würde aber versuchen, das zu optimieren, was in meiner Hand liegt: meinen Unterricht und die Beziehung zu den SuS. Da die Zeit abzusitzen wäre mir zu frustrierend.

  • Einige Lehrkräfte loben doch diese Klassen, gerade weil sie sie für notwendig erachten... und weil sie betonen, dass man diese Kinder nicht im eigenen Unterricht beschulen könnte.

    Wie kann man es einerseits notwendig finden und es andererseits als Zumutung darstellen?

    Hauptsache, ein anderer machts?


    In anderen Bundesländern gibt es die Klassen nicht, da sind die Schüler:innen sofort in Regelklassen und lernen da Deutsch und auch anderes.

    Auch da hat man SuS, die lateinisch alphabetisiert sind, und andere, die gar nicht alphabetisiert sind und muss die Alphabetisierung in der Zweitsprache ermöglichen, NEBEN dem anderen Unterricht, in dem zudem auch LE und GE und Hochbegabte beschult werden müssen.

  • Einige Lehrkräfte loben doch diese Klassen, gerade weil sie sie für notwendig erachten... und weil sie betonen, dass man diese Kinder nicht im eigenen Unterricht beschulen könnte.

    Wie kann man es einerseits notwendig finden und es andererseits als Zumutung darstellen?

    Hauptsache, ein anderer machts?

    Genau so, sie loben die Klassen, damit die Kinder aus dem eigenen Unterricht raus sind. Deshalb sind auch viele Kollegen Fan von Förderschulen. Solange ein anderer dort unterrichtet.

  • In anderen Bundesländern gibt es die Klassen nicht, da sind die Schüler:innen sofort in Regelklassen und lernen da Deutsch und auch anderes.

    Auch da hat man SuS, die lateinisch alphabetisiert sind, und andere, die gar nicht alphabetisiert sind und muss die Alphabetisierung in der Zweitsprache ermöglichen, NEBEN dem anderen Unterricht, in dem zudem auch LE und GE und Hochbegabte beschult werden müssen.

    Und weil ihr dabei noch Leistung vernünftig bewerten sollt und ein Teil der Eltern die Gymnasialempfehlung erwarten, halte ich auch Grundschule für die schwierigste Schulart. Ich bin so dankbar dafür, dass ich an der Förderschule arbeite... Bei aller Heterogenität und schwieriger Klientel, ich stehe in keinem Fokus.


    Ich wünsche dir Aviator , dass du die Vorteile der Freiheiten, die du jetzt hast, auch schätzen lernen kannst.

  • halte ich auch Grundschule für die schwierigste Schulart.

    Huihuiui, gleich kommt Firelilly mit ihren anspruchsvollen Leistungskursen und Korrekturen, die Kollegen aus der Sek1 mit ihrem vielen fachfremden Unterricht, die BK Kollegen mit ihren vielen Bildungsgängen. Lehrer haben es immer am schwersten 🤣


    Ich fände persönlich aber wirklich die Förderschule am unvorstellbarsten, Grundschule aber direkt danach. Ich glaube aber, dass sich die Arbeit an keiner Schulform je nach Einzugsgebiet derart massiv unterscheidet wie an Grundschulen.

  • Naja, ich schrieb ja, aus welchen Gründen ich die Grundschule für die anspruchsvollste Schulart halte, das kann ja bei jedem anders sein. Wobei Korrekturen sicher nervig sind, aber nicht anspruchsvoll. Und wer von seinem LK inhaltlich überfordert ist, der hat dann wohl ein anderes Problem...

  • Da du an ein Gymnasium abgeordnet bist, sollte Geld ja eigentlich eher nicht das Problem sein.... zumindest, was eine Basisausstattung ange

    Bei allem anderen stimme ich dir zu, man merkt, dass du viel Ahnung hast (und das ist der Unterschied zu uns, ich habe zwar auch Schüler, die schlecht deutsch können, aber in meinen Fächern Mathe und Chemie sehr gut sind, es trotz fehlender Deutschkenntnisse auf das Gymnasium geschafft haben und motiviert sind), bei diesem Satz wunderte ich mich.


    Bei uns erhalten die Gymnasien pro Schüler am wenigsten vom Schulträger, wir haben allerdings mehr Schüler als die anderen Schultypen und daher absolut mehr Geld. Digitale Ausstattung erhielten hier alle gleichzeitig. Geld ist ein großes Problem, Gymnasien werden nicht bevorzugt (die Realschule wurde z. B. bei gleichem Problem zuerst renoviert, weil deren Eltern mehr Druck erzeugt haben). Werden bei euch tatsächlich Gymnasien bevorzugt oder denkst du es als "Nichtgymnasialkollege"?

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Am Ende gibt es da einige strukturelle Probleme. Es fehlen (ausgebildete) Lehrkräfte, es gibt viele Wechsel, Lehrermangel, Konzepte müssen erst erarbeitet werden ...


    Problem ist aus meiner Sicht, dass wieder vieles an der einzelnen Lehrkraft (und der SL) hängen bleibt. Wenn man dann nicht hoch motivierte Lehrkräfte hat, die viel Energie dort reinstecken, sieht es schnell schlecht für guten DaZ-Unterricht.

  • Dieser Zusammenhang ist mir absolut nicht klar. In der Stadt, in der ich unterrichte gilt jedenfalls ganz bestimmt nicht, dass das Gymnasium immer / viel / das meiste Geld bekomt.

    Bei uns auch nicht. Wir Gymnasien bekommen zwar absolut den höchsten Betrag, aber nur weil wir viel mehr Schüler haben. Pro Schüler (so wird hier das Geld verteilt) stimmt es nicht.


    Jeder Schüler ist hier also bares Geld wert ;), auch deshalb verstand ich nie, warum manche Tag der offenen Tür usw. ablehnen. Klar ist es Mehrarbeit, aber es lohnt sich für Schule und damit auch für meinen Unterricht im folgenden Jahr.

    Meine Beiträge werden auf einer winzigen Tastatur eines Tablets mit Autokorrektur geschrieben. Bitte entschuldigt Tippfehler. :mad:

  • Am Ende gibt es da einige strukturelle Probleme. Es fehlen (ausgebildete) Lehrkräfte, es gibt viele Wechsel, Lehrermangel, Konzepte müssen erst erarbeitet werden ...


    Problem ist aus meiner Sicht, dass wieder vieles an der einzelnen Lehrkraft (und der SL) hängen bleibt. Wenn man dann nicht hoch motivierte Lehrkräfte hat, die viel Energie dort reinstecken, sieht es schnell schlecht für guten DaZ-Unterricht.

    Ja, und um auf das Thema der Ukraine (oder IK Klassen zurückzukommen):

    Mir scheint, dass bei meiner Abordnungsschule die SL an diesen Klassen auch kein besonderes Interesse hat, sonst hätte sie ja die Maßnahmen zum Gelingen besseren Unterrichts (wie Erstellung eines schulinternen Curriculums, Raumausstattung, regelmäßiger Personaleinsatz, Konferenzen des eingesetzten Personals etc.) zwischenzeitlich vorantreiben können.


    Es gab ja von verschiedenen KuK teils heftige Beschwerden über die Situation in den Klassen (Gewalt, Störungen, überfordernd etc.), aber anstatt dass die SL mal mit in den Unterricht kommt um sich ein Bild zu machen und im Rahmen ihrer Beratungsfunktion Lösungen zu suchen gab es nur eine Maßnahme:

    Es wurde ein Plan aufgestellt mit den präsenten Sek II Klassen. In diese sollen die störenden IK Schüler nun einzeln mit Arbeitsauftrag geschickt werden, um da alleine am Arbeitsblatt weiter zu arbeiten.


    Aber auch da: ob sie es machen… was sie dabei empfinden… letztlich egal.

  • Was hast du dafür getan, dass es besser wird?


    Warum brauchst du eine SL, um eine Konferenz oder eine gemeinsame Besprechung mit denen zu koordinieren, die auch in den IK-Klassen eingesetzt sind?


    Welche Ideen und Konzepte kannst du in einem Gespräch vorschlagen oder einbringen, sodass die Absprachen für alle hilfreich sind und ihr euch gegenseitig unterstützt?


    Welche anderen Fächer oder andere Themen könntest du in den Unterricht einbringen, um andere Fähigkeiten der SuS zu fördern, sichtbar werden zu lassen und wertzuschätzen?

  • Das ist die Frage, was die Schulleitung mit den Lehrerstellen macht, die sie durch die IK Klassen bekommt. Es könnte ja auch sein, dass durch besetzte, aber nicht ausgeführte Planstellen (wegen Krankheit, Schwangerschaft, Stundenreduktion etc.) die Stunden effektiv nicht zur Verfügung stehen.. aber das bleibt in der Tat intransparent.

    Dann frag' doch einfach mal bei der SL nach. Nur fragenden Menschen kann geholfen werden!

    Auch gibt es an der Schule gar keine Besprechungen innerhalb der in den IK Klassen eingesetzten KuK oder eben einen Lehrplan.

    Und auch hier stellt sich mir die Frage, die Palim gerade schon stellte: Warum regst du solche Besprechungen nicht an? Es muss doch eigentlich irgendwen geben, der diese Klassen koordiniert und der m. E. für dieses Lehrkräfteteam Sitzungen/Besprechungen anberaumt. Und wenn nicht: Selber tätig werden! Immer nur herumzunölhen ohne selbst die Initiative zu ergreifen, wird deinen Arbeitsalltag wohl kaum angenehmer machen...

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

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