Durchfallen leicht möglich?

  • Um das mal unnötigerweise klar zu machen: Menschlich habe ich in all den Jahren wirklich nur 4, 5 Schüler gehabt, von denen ich meinen würde, das waren nicht im Grunde gute Menschen.

    Ich fand das notwendig, es rückt deine bisherigen Äußerungen für mich in ein völlig anderes Licht.

    Wie soll das ein Urteil über die Schüler über deren Leistungen und Eigenverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit hinaus sein?

    Ich vermute, dass ich „Gemeinschaftsfähigkeit“ anders auffasse und/oder du schlicht völlig andere Schüler:innen hast.

    Bei Eigenverantwortung bin ich bei Schüler:innen um die 10 Jahre der Meinung, dass sie diese nur sehr begrenzt erbringen können, da benötigen sie Begleitung, die Schule und Eltern nicht immer angemessen erbringen (können oder wollen).

  • Es gibt im deutschen Schulsystem Schulformen für fünf Anforderungsniveaus.

    In NDS werden die Förderschulen "Lernen" demnächst alle geschlossen. Für MV ist das meines Wissens ebenfalls in Planung (wurde allerdings bis 2035 (?) verschoben).

    to bee or not to bee ;) - "Selbst denken erfordert ja auch etwas geistige Belichtung ..." (CDL)

  • Ich fand das notwendig, es rückt deine bisherigen Äußerungen für mich in ein völlig anderes Licht.

    Ich vermute, dass ich „Gemeinschaftsfähigkeit“ anders auffasse und/oder du schlicht völlig andere Schüler:innen hast.

    Gemeinschaftsfähigkeit (als Ziel am Ende von Schule)

    =

    Toleranz (im eigtl. Sinne), theory of mind-Kompetenzen, Achtung der Grumdrechte der Mitmenschen, Kooperationsfähigkeit, Wahrumg der notwendingen Bedingungen zum Erhalt unserer pluralistischen Gesellschaft etc. etc. etc. Das ist auch das, worauf die genannten Normen hinauslaufen.

    Zitat

    Bei Eigenverantwortung bin ich bei Schüler:innen um die 10 Jahre der Meinung, dass sie diese nur sehr begrenzt erbringen können, da benötigen sie Begleitung, die Schule und Eltern nicht immer angemessen erbringen (können oder wollen).

    Natürlich, das ist ja schon entwicklungspsychologisch geboten. Es geht auch hier darum, am Ende von Schule die (dann ehem.) Schüler nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten zur ihrem Optimum an Eigenversntwortung zu befähigen.

    "Ich mag Kuchen!" (Johnny Bravo)

    ... und nicht zuletzt die Hoffnung, diejenigen, die diskursfeindlich, antintellektuell, fakten-, daten- und argumentbefreit, ideologisch etc. rote Heringe u.ä. logische Fehlschlüsse bedienend, Derailment betreibend ihre Unbildung, ihre kognitiv-intellektuelle und charakterliche Überforderung wie eine Monstranz vor sich herschieben, mögen bitte ebenso wenig Lehrer sein, wie diejenigen, die ihnen vom Stammtisch laudieren. Es wäre nicht auszuhalten. :engel:

  • In NDS werden die Förderschulen "Lernen" demnächst alle geschlossen.

    Darum bleiben die Anforderungsniveaus ja bestehen, Kinder dazu sitzen alle in meinem Unterricht. Davon wechselt ein Kind auf eine FöS GE, die anderen gehen auf die umliegenden SekI-Schulen.

    Allerdings kann ich das nicht länger als 5 Stufungen denken, ich sehe das flexibler.
    Es gibt Schüler:innen im Unterstützungsbedarf Lernen, die nach einigen Jahren in mehreren Fächern stark genug sind, um an differenzierten Aufgaben des Regelunterrichts mitarbeiten zu können. Manchmal kann man den Unterstützungsbedarf auch aufheben.

    Andere Schüler auf dem Niveau der Grundschule würden in einzelnen Fächern eine Unterstützung benötigen, bekommen sie diese nicht und holen die verpassten Fähigkeiten nicht auf, rutschen sie immer weiter ab.

    Bisher waren gerade die Schüler:innen mit dem Unterstützungsbedarf Lernen nicht generell schwach und selten sind sie unwillig. Haben sie endlich zieldifferente Aufgaben und stellen sich Erfolge ein, sind sie auch wieder zielstrebiger. Ohnehin bin ich immer wieder beeindruckt davon, dass sie ohne Erfolge so lange am Ball bleiben. Das können andere Schüler:innen zumeist nicht.

  • Darum bleiben die Anforderungsniveaus ja bestehen, Kinder dazu sitzen alle in meinem Unterricht.

    Ja, klar ist das so. Nur haben wir dann eben in NDS nicht mehr fünf Schulformen für diese SuS, wie Gymshark schrieb, sondern nur noch vier.

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  • Ja, klar ist das so. Nur haben wir dann eben in NDS nicht mehr fünf Schulformen für diese SuS, wie Gymshark schrieb, sondern nur noch vier.

    Ja, aber wir haben ja auch noch Oberschulen und GeSas und Tagesbildungsstätten und Koop-Klassen und …

    Ich finde diese einfachen Antworten und Vorstellungen irreführend. Wenn ich mir eine von allen diesen Schulformen herauspicke, haben auch da alle Schüler:innen unterschiedliche Fähigkeiten und innerhalb der Schulform muss dann zudem differenziert und vielleicht auch zieldifferent unterrichtet werden, weil jemand in einzelnen Fächern - oder gar gesamt - weit besser oder schlechter lernt.

    Einmal editiert, zuletzt von Palim (23. Mai 2026 19:08)

  • Doch, aus meiner Sicht schon. Auf der einen Seite bezeichnest du deine SuS (oder zumindest viele von ihnen) als "verhaltensgestört" und attestierst ihnen ein oftmals "beschissenes Sozialverhalten" gegenüber ihren Mitschüler*innen. Auf der anderen Seite sind sie deiner Meinung nach "im Grundsatz nette Menschen". Das passt m. E. nicht zusammen. Ich persönlich kann zumindest jemanden nicht "nett" finden, der/die sich gegenüber anderen wie ein A...loch benimmt (auch wenn er/sie sich mir gegenüber anders verhält)!

    Sehe ich tatsächlich anders. Ich habe aktuell einen Schüler, den ich persönlich durchaus mag und der sehr nette Seiten hat. Im Unterricht zeigt er aber ein katastrophal ätzendes Verhalten, ist laut, rennt ständig durch die Gegend, arbeitet erst nach zigtausend Aufforderungen oder wenn man sich daneben setzt und 1:1 betreut oder gar nicht, geht mir einfach sehr oft sehr massiv auf den Keks. Neulich erzählte er sehr erleichtert von seinem Freispruch, nachdem er einen schlafenden Obdachlosen "weggeklatscht" und krankenhausreif geschlagen habe, weil man den Mann praktischerweise zur weiteren Ermittlung nicht mehr auffinden konnte und damit auch der wichtigste Zeuge fehlte. Dieser Schüler fällt für mich definitiv in die Kategorie verhaltensgestört, dennoch sind Menschen ja in der Regel komplexe, mehrschichtige Wesen und er hat eben auch eine andere Seite, die mir per se nicht unsympathisch ist. Wir können uns durchaus gut unterhalten und im ruhigen Gespräch ist er auch einsichtig und kann sich runterfahren. Und so gehts mir öfters -> Unterricht supernervig, Sozialverhalten problematisch, dennoch kommt man auf anderer Ebene eigentlich gut zurecht.

  • Ok, dass dieser Schüler durchaus Seiten hat, die du sympathisch findest, kann ich nachvollziehen. Aber wirklich "mögen" könnte ich jemanden, der Obdachlose zusammenschlägt, nun wirklich nicht.

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  • "Mögen" ist vielleicht auch nicht das richtige Wort. Aber ich habe auf irgendeiner Ebene durchaus Empathien (denn natürlich ist das auch jemand, der in vielen Punkten im Leben ganz miese Karten gedealt bekommen hat) oder zumindest keine generelle Abneigung, auch wenn das natürlich explizit nicht für diese Tat gilt. Ich wollte nur verdeutlichen, grundsätzlich "kann" ich schon mit dieser Klientel. Menschlich. Aber eben nicht arbeiten, ohne dabei massiv Nerven zu lassen und Frust zu schieben.

    Dazu müsste mir vermutlich egaler sein, welcher Output am Ende meines Unterrichts steht. Ist es aber leider nicht.

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